Inhalt
1. Vorbemerkungen 2
2. Definition der Gesundheit 2
3. Gesundheitliche Ungleichheit 4
3.1. Die HBSC-Studie 4
3.2. Zu diskutierende psychosomatische Beschwerden 5
3.2.1. Müdigkeit und Erschöpfung 6
3.2.2. Einschlafstörungen 6
3.2.3. Kopfschmerzen 7
3.2.4. Rückenschmerzen 7
3.2.5. Bauchschmerzen 7
3.3. Geschlechterspezifische Unterschiede 7
3.4. Sozioökonomische Unterschiede 8
3.5. Einfluss des Erwerbsstatus der Eltern auf psychosomatische Gesundheitsbeschwerden 9
3.6. Zwischenfazit 9
4. Gesundheitsbeeinflussende Faktoren im Schulalltag 10
4.1. Schulischer Leistungsstress 11
4.2. Einsamkeit und Ausgrenzung 12
4.3. Statussymbole 12
4.4. Schulökologie 13
4.5. Lehrerverhalten 13
5. Beitrag der Schule zur Prävention psychosomatischer Gesundheitsbeschwerden 14
6. Schlussbemerkungen 17
7. Literaturverzeichnis 18
1
1. Vorbemerkungen
Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen steht zunehmend im Blickpunkt gesundheitspolitischer Diskussionen. Auch wenn diese Altersgruppe wohl die gesündeste in unserer Gesellschaft darstellt, so mehren sich Hinweise, dass gesundheitliche Störungen im Kindes- und Jugendalter zunehmen. Dabei handelt es sich in vielen Fällen nicht um rein biologisch-körperliche Gesundheitsprobleme, sondern auch um psychosomatische Beschwerden. Dieser Problematik versucht diese Arbeit nachzugehen. Dabei soll zunächst ein Verständnis von Gesundheit entwickelt werden, das für die anschließenden Betrachtungen von Relevanz sein wird. Dass Gesundheit durchaus unterschiedlich verteilt ist, zeigt eine Studie der Weltgesundheitsorganisation, die als Grundlage für die zu diskutierenden psychosomatischen Gesundheitsbeschwerden dienen soll.
Kinder und Jugendliche verbringen den größten Teil ihres Tages in der Schule. Neben der Familie stellt sie damit eine der wichtigsten Sozialisationsinstanzen dar. Schülerinnen und Schüler müssen in der Schule mit Bedingungen umgehen können, die ihnen meist auferlegt sind. Daraus ergeben sich unterschiedliche Befindlichkeiten der Kinder und Jugendlichen, die den Schulalltag beeinflussen. Die negative Bewertung dieser Bedingungen schlägt sich im individuellen Wohlbefinden wieder und kann u.a. psychosomatische
Gesundheitsbeschwerden hervorrufen. Welche Bedingungen dies sein können und wie Schülerinnen und Schüler auf diese reagieren können, wird ebenso analysiert wie die Möglichkeiten der Schule, Gesundheitsbeschwerden entgegenzuwirken. Dabei wird eine isolierte Betrachtung psychosomatischer Gesundheitsbeschwerden nicht immer möglich sein, denn wir sprechen hier über Gesundheit als Geflecht verschiedener, zusammenhängender Faktoren, die zwar getrennt wirksam sein können, sich aber oft gegenseitig bedingen.
2. Definition der Gesundheit
Die Frage, warum und auf welchem Weg ein Individuum gesund bleibt, beschäftigt wohl ganze Wissenschaftlergenerationen. Dabei ist festzustellen, dass sich Definitionen von Gesundheit und speziell von seelischer Gesundheit häufig in Abgrenzung zur Krankheit entwickeln. Ärzte interessieren gesunde Menschen wohl wenig, höchstens im Kontext von medizinischen Präventionsmaßnahmen. Wann Menschen gesund und wann sie krank sind, hängt von der Perspektive des Betrachters ab. An Theorien seelischer Gesundheit haben sich von Freud über Erikson, Maslow und Parsons hin zu Antonovsky weitere, unzählige
2
Wissenschaftler versucht. Das gesamte Meinungsspektrum 1 kann in dieser Arbeit nicht wiedergegeben werden, es soll der Bezug zu den hier relevanten psychosomatischen Krankheiten hergestellt werden (wo wir auch schon bei der Gesundheit in Abgrenzung zu Krankheit wären).
Die Gesundheit eines Menschen ist ein höchst komplexes Gebilde und lässt sich aus vielen
Blickwinkeln betrachten. Sie ist „multidimensional“ 2 oder „mehrperspektivisch“ 3 Genau deshalb ist es schwierig oder gar unmöglich, eine allgemein gültige, anerkannte wissenschaftliche Definition von Gesundheit zu geben. Die Auffassungen und Vorstellungen von Gesundheit variieren zunächst zwischen den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen. Ist man gesund, wenn alle Organe funktionieren und der Körper unversehrt ist? Ist man es, wenn man sich selbst verwirklichen kann oder wenn man sich produktiv den Umweltanforderungen anpassen kann? Je nach Disziplin werden u.a. biologische Prozesse, individuelles Erleben und soziale Variablen in den Vordergrund gerückt. Wo liegt also die Grenze zwischen Gesundheit und Krankheit?
Im Laufe des 20. Jahrhunderts hat sich ein Gesundheitsverständnis entwickelt, dass die biomedizinische Sichtweise mit psychischen und sozialen Determinanten kombinierte und
somit auf mehrere Bezugsebenen erweiterte. 4 In dieser Diskussion definierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Gesundheit als „ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit
oder Gebrechen.“ 5 Es geht demnach nicht ausschließlich um biologische Prozesse, sondern auch um individuelle Dispositionen, soziale Umwelt und gesundheitsbezogene Verhaltensweisen. Gesundheit ist ein Geflecht aus dem objektiven und subjektiven Befinden einer Person, „[…] der gegeben ist, wenn diese Person sich in den physischen, psychischen und sozialen Bereichen ihrer Entwicklung im Einklang mit den Möglichkeiten und
1 Für eine kurze Einführung ist „Psychologie der seelischen Gesundheit“ Band 1 von Prof. Dr. Peter Becker zu empfehlen.
2 Deusinger, Ingrid M. (Hrsg.) (2002): Wohlbefinden bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Gesundheit in medizinischer und psychologischer Sicht. Göttingen: Verlag für Psychologie. S.10.
3 Gogoll, André (2004): Belasteter Geist- Gefährdeter Körper. Sport, Stress und Gesundheit im Kindes- und Jugendalter. Schorndorf: Hofmann-Verlag. S.16.
4 Vgl. Gerber, Markus (2008): Sport, Stress und Gesundheit bei Jugendlichen. Schorndorf: Hofmann-Verlag. S.31.
5 Übersetzung der Verfassung der WHO S.1. gefunden auf www.admin.ch/ch/d/sr/i8/0.810.1.de.pdf (Zugriff 6.8.09 15.40 Uhr)
3
Zielvorstellungen und den jeweils äußeren Lebensbedingungen befindet.“ 6 Gesundheit bedeutet folglich eine Balance von Anforderungen und Bedürfnissen, die sich auf den Körper, das Selbstbild und die soziale Umwelt beziehen.
Diese Arbeit widmet sich nun vorrangig den psychosomatischen Beschwerden von Schülerinnen und Schülern. Aussprüche wie „Da kommt mir die Galle hoch“, „Es bricht mir das Herz“ oder „Das liegt mir im Magen“ kennt wohl jeder. Oft wird es jedoch nur so dahin gesagt und niemand misst diesen Aussprüchen Bedeutung zu. Menschen gehen zum Arzt, ohne dass dieser ein medizinisches Problem feststellen kann. Psychosomatische
Beschwerden, oder „der eingebildete Kranke“ 7 , entstehen durch den großen Einfluss der Psyche auf körperliche Leiden. Obwohl diese Menschen keine messbaren medizinischen Funktionsstörungen aufweisen, sind sie doch krank. Psychosomatische Beschwerden entwickeln sich vor allem dann, wenn Körper und Seele vermehrt Stressfaktoren ausgesetzt sind. Welche dieser Beschwerden bei Schülerinnen und Schülern am Häufigsten auftreten und wodurch sie bedingt sind, werden die nachfolgenden Kapitel zeigen.
Zusammenfassend lässt sich Gesundheit als ein multidimensionales Gebilde verstehen, als ein Gebilde aus körperlichem, psychischem und mentalen Wohlbefinden und nicht nur als das Nicht-Vorhandensein von Krankheit.
3. Gesundheitliche Ungleichheit
3.1. Die HBSC-Studie
Wie bereits beschrieben, hat sich in der Medizin und in den Gesundheitswissenschaften in den letzten Jahrzehnten eine mehrdimensionale Betrachtung von Gesundheit vollzogen. 1982 wurde unter der Schirmherrschaft der WHO ein internationales Forschungsprojekt ins Leben gerufen, das die Gesundheit und das Gesundheitsverhalten von Jugendlichen im Alter von 11 bis 16 Jahren in seinen Fokus setzte. Diese Studie „Health Behaviour in School-aged Children“ (HBSC), an der in ihrem Gründungsjahr nur drei Länder teilnahmen, hat sich im Laufe der letzten 27 Jahre auf 41 teilnehmende Länder erweitert. Der Studie, die alle vier Jahre (zuletzt 2006) durchgeführt wird, geht es „einerseits um eine regelmäßige Bestandsaufnahme der Gesundheit junger Menschen mit verschiedenen
6 Hurrelmann (1994) zitiert bei Hackauf, Horst; Winzen, Gerda (2004): Gesundheit und soziale Lage von jungen Menschen in Europa. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.S.15.
7 Mit diesen Worten wird psychosomatisch erkrankten oft Unrecht getan, da rein medizinische Ursachen nicht vorliegen.
4
Gesundheitsindikatoren. Andererseits liegt der Fokus auf der sozialen Umwelt, in der Jugendliche aufwachsen, und auf den Faktoren aus den Bereichen Familie, Schule und Peers,
die Einfluss auf die Gesundheit und das Gesundheitsverhalten nehmen.“ 8 Deutschland beteiligt sich seit 1994 mit Nordrhein-Westfalen an der Studie, seit der Erhebung von 2002 sind zusätzlich Berlin, Sachsen und Hessen vertreten und seit 2006 Hamburg. Themen der Studie sind u.a. Gesundheitszustand, Lebensqualität und Lebenszufriedenheit, psychisches Wohlbefinden, körperliche Aktivität, Schule und Unterricht sowie Risikoverhalten. Die
Ergebnisse der deutschen Studie 9 dienen dieser Arbeit als Datengrundlage zur Darstellung psychosomatischer Beschwerden von Schülerinnen und Schülern. Der Schwerpunkt soll dabei auf Müdigkeit und Erschöpfung, Einschlafstörungen sowie Kopf-, Rücken- und Bauschmerzen gelegt werden.
3.2. Zu diskutierende psychosomatische Beschwerden Psychosomatische Beschwerden sind zunehmend in den Blickpunkt der
Gesundheitsforschung gerückt. Diese Beschwerden, die ohne ersichtliche organische Ursachen auftreten sind vor allem in physischen Stressreaktionen und psychosozialen Spannungen begründet, denen meist soziale Konflikte zugrunde liegen. 10
In der HBSC-Studie werden psychosomatische Beschwerden erfasst, indem die Jugendlichen danach gefragt werden, wie oft sie in den letzten sechs Monaten unter z.B. Kopf-, Bauch-oder Rückenschmerzen gelitten haben. Außerdem wird erfasst, wie häufig sie sich allgemein schlecht, gereizt, schwindelig oder gereizt fühlten und ob sie schlecht einschlafen konnten oder sich müde und erschöpft fühlten. Mögliche Antwortkategorien waren dabei „fast täglich“, „mehrmals pro Woche“, „fast jede Woche“, „etwa einmal im Monat“ und „selten oder nie“.
Tab.1: Auftreten psychosomatischer Gesundheitsbeschwerden (Angaben in Prozent)
8 Bilz, Ludwig (2008): Schule und psychische Gesundheit. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. S.100.
9 Zur Verdeutlichung der Situation werden Daten von 2002 und 2006 berücksichtigt.
10 Vgl. Hurrelmann, Klaus et al. (Hrsg.) (2003): Jugendgesundheitssurvey. Internationale Vergleichsstudie im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation WHO. Weinheim/München: Juventa Verlag. S.42.
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Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts (B.A.) René Hobracht, 2009, Schulisch bedingte psychosomatische Gesundheitsbeschwerden im Kindes- und Jugendalter, München, GRIN Verlag GmbH
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