1. Einleitung
In meiner Hausarbeit, die ich auf der Grundlage des Seminars Sport und Erziehung/Grundthemen der Sportpädagogik erstelle, werde ich das Thema der Gesundheitserziehung im Sportunterricht näher betrachten. Sportliche Aktivität wird oft als Voraussetzung für die Gesundheit der Bevölkerung gesehen, und wenn auch verschiedene Faktoren eine Rolle spielen, so ist die körperliche Aktivität ein entscheidendes Kriterium und wichtig für die Gesundheit des Menschen. Aufgrund der Tatsache, dass die Gesundheit zu einem immer wichtiger werdenden Thema - auch aufgrund der erheblichen Kosten des Gesundheitssystems - in der Gesellschaft wird und in allen Lebensbereichen Interesse findet, habe ich mich mit der Frage beschäftigt, inwieweit junge Menschen in die Gesundheitsthematik involviert werden. Schließlich ist immer wieder die Rede davon, dass Kinder übergewichtig sind, sich falsch ernähren und das stille Sitzen vor TV, Spielekonsolen & Co. der körperlichen Aktivität in der Gesellschaft und der Natur vorziehen. Sicherlich ist das ein Problem, für welches die Eltern verantwortlich gemacht werden müssten. Das ist aber nicht einfach, da die Eltern oft selbst adipös, an sportlicher Aktivität nicht interessiert sind und einfachhalthalber eine ungesunde Ernährung bevorzugen. Hinzu kommt noch, dass aufgrund der wirtschaftlichen Lage oft beide Elternteile berufstätig sind und die Kinder nach der Schule nicht von ihnen betreut werden können. Aus dem Grund kann auch nur schwer darauf geachtet werden, dass die Freizeit sinnvoll gestaltet wird. Wichtig ist es deshalb, die Kinder und Jugendlichen, auch außerhalb der Familie, frühzeitig und nachhaltig für ihre eigene Gesundheit zu sensibilisieren. Naheliegend scheint es da, sich im System Schule umzuschauen und dort natürlich expliziter im Unterrichtsfach Sport. Da das Thema Gesundheit und die dazugehörigen Unterthemen sehr weitreichend sind und viele Bereiche mit einbeziehen, werde ich in meiner Hausarbeit nur einen kleinen Ausschnitt des großen Themenbereiches anschneiden können. Das Ziel meiner Hausarbeit soll es folglich sein, aufzuzeigen, welchen Stellenwert Gesundheit im Allgemeinen und in der Schule hat und inwieweit eine Unterrichtsgestaltung unter gesundheitserzieherischen Aspekten umgesetzt werden kann. Um einen besseren Einstieg in die Thematik meiner Arbeit zu bekommen, biete ich zuerst Definitionen der Kernbegriffe Gesundheit und Gesundheitserziehung. Danach
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gehe ich auf die Bedeutung der grundlegenden Gesundheitsmodelle ein, auf die sich die eine oder andere pädagogische Methode bezieht. Darüber hinaus möchte ich einen Exkurs in die Lehrplanvorgaben zweier Kultusministerien wagen, um zu erfahren, ob eine gesundheitserzieherische Unterrichtsgestaltung überhaupt in den curricularen Vorgaben der einzelnen Bundesländer verankert ist. Desweiteren nehme ich auf Grundlage der Lehrplanvorgabe Bezug zu der so genannten Mehrperspektivität im Sportunterricht. Abschließend nenne ich verschiedene Gestaltungsprinzipien für einen gesundheitserzieherischen Sportunterricht mit etwaigen Möglichkeiten eines Fächerübergriffs, um den Schülerinnen und Schülern mit ihrer eigenen Einbringung die mögliche Gestaltung eines gesunden Lebens ganzheitlich zu präsentieren. Beenden werde ich meine Hausarbeit mit einem Fazit zur betreffenden Thematik.
2. Definitionen 2.1 Gesundheit
Eine einheitliche Definition für den Begriff Gesundheit zu finden, ist, auch mit Hilfe diverser Literatur, sehr schwer. So beschreibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 1946 die Gesundheit des Menschen als einen Zustand, in dem ein vollkommenes physisches, psychisches und soziales Wohlbefinden herrscht und es sich daher nicht nur um die Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen handelt. Da diese Definition veraltet ist und nur einen optimalen Ist-Zustand beschreibt, muss man weitere, aktuellere Beschreibungen der Gesundheit hinzuziehen. Eine überarbeitete Version der Gesundheitsdefinition bietet die Ottawa-Charta. Diese Veröffentlichung appelliert daran, „allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen“ (WHO, 1992, S.84 f.). Außerdem soll die gesamte Politik stärker in die Förderung der Gesundheit der Menschen eingebracht werden, denn „grundlegende Bedingungen und konstituierende Momente von Gesundheit sind Frieden, angemessene Wohnbedingungen, Bildung, Ernährung, ein stabiles Ökosystem, eine sorgfältige Verwendung vorhandener Naturressourcen, soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Jede Verbesserung des Gesundheits-
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zustandes ist zwangsläufig fest an diese Grundvoraussetzungen gebunden“ (WHO, 1992, S. 86).
Gesundheit wird also weiterhin „als ein Gleichgewicht verstanden, als der Zustand des objektiven und des subjektiven Befindens einer Person, der dann gegeben ist, wenn diese Person sich in den physischen und sozialen Bereichen ihrer Entwicklung in Einklang mit den eigenen Möglichkeiten und Zielvorstellungen und auch in Einklang mit den gegebenen äußeren Lebensbedingungen befindet. Die Gesundheit ist beeinträchtigt, wenn sich in einem oder in mehreren dieser Bereiche Anforderungen ergeben, die von der Person nicht erfüllt und nicht bewältigt werden können. (…) Gesundheit ist demnach ein Balancezustand, der zu jedem lebensgeschichtlichen Zeitpunkt immer erneut hergestellt werden muss“ (Kolip u.a., 1995, S. 7).
2.2 Gesundheitserziehung
„Mit dem sportpädagogisch verbreiteten Begriff „Gesundheitserziehung“ wird (ganz in Analogie zur gesundheitswissenschaftlich begründeten „Gesundheitsförderung“) der Versuch gefaßt, jungen Menschen in einer risikoreichen Welt bei der Stärkung ihrer Gesundheit zu helfen und das Sporttreiben als Element gesunder Lebensführung zu integrieren. Dahinter verbirgt sich ein komplizierter Balanceakt zwischen persönlichen Ressourcen und sozialökologischen Bedingungen, zwischen Selbstbestimmung und Anpassungsfähigkeit, zwischen individueller Verantwortung und öffentlicher Unterstützung, Sorge und Genuß, Vorgaben und Beliebigkeit, Risiko-und Schutzfaktoren, zwischen pädagogischer Anspruchslosigkeit und
Instrumentalisierung, zwischen einem Zuviel und einem Zuwenig.“ (Balz, 1997, S. 117).
Die Gesundheitserziehung dient folglich dazu jungen Menschen den Sinn der Gesundheit zu vermitteln. Denn Gesundheit bietet die Basis, ein Leben mit den dazugehörigen Aufgaben zu bewältigen und eine Selbstverwirklichung und Sinnerfüllung zu erreichen, um folgedessen gesund sein zu können. Gesundheitserziehung soll den jungen Menschen die Möglichkeit geben, trotz der sich wandelnden Gesellschaft, ihre Gesundheit zu stärken, Sorge für ihr eigenes Wohlbefinden zu entwickeln und das anderer mit zu steuern. Zudem soll sich die
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Gesundheitserziehung auf das gesamte Individuum beziehen, auf den Körper und den Verstand und somit auch auf die Emotionalität und die eigentliche Handlungsbereitschaft. Dieser pädagogische Vorgang stellt einen Prozess dar, welcher gesundheitliche Vorrausetzungen beachten, Erfahrungen bieten, fachliche Kompetenzen überliefern, Möglichkeiten erfassen und Bedingungen optimieren muss. Er zielt darauf ab, aus dem erfüllten Ist-Zustand die gesundheitsbewusste Bewahrung der sich zu entwickelnden Ressourcen zu steuern (Vgl. Balz, 1997, S. 117).
Komplettierend lassen sich unter der Definition Gesundheitserziehung nun einige pädagogische Richtgrößen in Abhängigkeit von den Parametern Alter, Geschlecht, Konstitution und sozialer Lage gliedern (Vgl. Balz, 1997, S. 118): Zum Einen die Selbstbestimmung, die die eigene Fähigkeit meint, seine Gesundheit aufgrund medizinischer Werte, subjektivem Befinden und gesellschaftlicher Erwartungen selbst auszubalancieren und die Fähigkeit, mit dem eigenen Leben in unterschiedlichen Situationen aktiv, selbstständig und sinnvoll umgehen zu können. Zum Anderen zielt die Verantwortung auf das eigene Handeln und die gesellschaftlichen Entwicklungen, stets das Korrekte, Sinnmachende und Gesundheitsfördernde zu tun, ab. Das meint das ständige Kontrollieren potentieller gesundheitlicher Folgen für sich selbst und seine Mitmenschen. Darüber hinaus dient die Rhythmisierung als ein gesundheitserzieherisches Merkmal, das dem Leben eine gewisse Ordnung in Bezug auf Handlungszusammenhänge verleihen soll. Ein geordneter Lebenszyklus strukturiert die Bedürfnisse und Prinzipien von Belastung und Entlastung eines jeden Individuums und hilft die Lebensführung an gesundheitlichen Ordnungskriterien anzupassen. Die pädagogische Richtgröße der Mäßigung zielt darauf ab, einen annehmbaren Mittelweg zwischen den Extremen der Selbstbeherrschung und der Genusssucht, aber auch zwischen dem Risiko und dem Selbstschutz zu finden. Dennoch soll das ausgeübt werden, was dem Individuum gut tut.
Diese Definition der Gesundheitserziehung folgt ansatzweise dem Diätetikmodell, welches eine gesunde Lebensführung erreichen will.
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3. Gesundheitsmodelle
Im Folgenden werden drei gängige Gesundheitsmodelle vorgestellt, um den Zusammenhang zwischen Gesundheit, Krankheit und Sport theoretisch reflektieren zu können. Die Gesundheitsmodelle werden auch als theoretischer Rahmen gesundheitsbezogenen Handelns für theoriegeleitete Untersuchungen der Gesundheitsthematik im Allgemeinen und des Sportbezug im Besonderen zu Grunde gelegt (Vgl. Balz & Kuhlmann, 2003, S. 212).
3.1 Risikofaktoren-Modell
Das Risikofaktoren-Modell ist traditionell und medizinisch geprägt, es erklärt die Ursache und Folgen der Gesundheit und des Gesundheitsverhaltens anhand zivilisationsbedingter Bedrohungen, die die Gesundheit des Individuums beeinflussen (Vgl. Balz & Kuhlmann, 2003, S. 212). Man spricht in diesem Zusammenhang von epidemiologischen Studien.
Das Risikofaktoren-Modell orientiert sich daran, dass gewisse Risikofaktoren die Gesundheit negativ beeinflussen. Somit gelten vor allem Bluthochdruck, Übergewicht, hohe Blutfettwerte, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, verstärkte Aufnahme von Genussmitteln und auch nervliche Belastungen als Indikatoren für vermehrt auftretende Krankheitsbilder in der Gesellschaft. Empirische Untersuchungen konnten aber belegen, dass regelmäßige sportliche Aktivität die genannten Risikofaktoren vermindern können, aber nur dann, wenn das sportliche Gesundheitstraining durch eine gesunden Lebensführung optimiert wird (Vgl. Grupe & Krüger, 2007, S. 268).
Studien, die das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersuchen, belegen oben genannte Risikofaktoren und plädieren dazu, solche auszuschalten, um das Erkrankungsrisiko zu reduzieren. Das alleinige Ziel eines solchen Denkmodells soll es also sein, Krankheiten zu vermeiden. Dieses Interesse strebt auch die Gesundheitsdefinition von Wahrig an, der definiert, dass ein Mensch gesund sei, wenn er frei von Krankheit und somit leistungsfähig und kräftig sei (Vgl. Kottmann & Küpper, 1999, S. 236-237).
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Arbeit zitieren:
Vivien-Isabel Winda, 2010, Gesundheitserziehung im Sportunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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