Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Grundzüge der klassischen Komödientheorie 3
1. Gattungsbegriff „Komödie 4
2. Laurent Jaubert: Traité du Ris 4
III. Molière: Le Misanthrope ou l'Atrabilaire amoureux (1666) 5
1. Jean Baptiste Poquelin 5
2. Le Misanthrope ou l'Atrabilaire amoureux (1666) 5
2.1 Inhaltsangabe 6
2.2 Interpretation 7
IV. Einführung der komischen Konfliktsituation 7
1. Personenkonstellationen 8
1.1 Alceste 8
1.2 Philinte 9
2. Normenkonflikt 9
2.1 Geltende Norm 10
2.2 Abweichung von der Norm 10
3. Generationskonflikt 11
4. Liebeskonflikt 12
4.1 Einführung des Heiratsprojekts 12
4.2 Berechtigung des Heiratsprojekts 13
4.3 Scheitern des Heiratsprojekts 13
V. Auflösung der komische Konfliktsituation in Le Misanthrope 13
1. Auflösung im Sinne der Komödientheorie 14
2. Le Misanthrope ou l’Atrabilaire amoureux als klassische Komödie 15
VI. Schluss 16
VII. Literaturverzeichnis 17
1. Primärliteratur 17
2. Sekundärliteratur 17
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I. Einleitung
„C'est une étrange entreprise que celle de faire rire les honnêtes gens.” 1 Die Komödie gilt als Medium des Komischen par excellence. Doch wie erzielt die Komödie ihre komischen Effekte, die sich in spezifischen Themen und Motiven, in der Figurenstellung, der Handlungsstruktur sowie Sprache und Stil ausdrücken? Wie wird das Lachen oder die Lächerlichkeit in der Komödie erzeugt?
Insbesondere die Komödien von Molière gelten als Höhepunkt der klassischen Komödie in Frankreich. Bei der vorliegenden Hausarbeit liegt Le Misanthrope ou l'Atrabilaire amoureux (1666) als Primärtext zugrunde. Thema dieser Komödie ist der Konflikt zwischen rigoroser Aufrichtigkeit und heuchlerischer Höflichkeit im Rahmen der angepassten höfischen Gesellschaft.
Anhand der formalen und inhaltlichen Analyse dieses von Molière selbst als „comédie” betitelten Stücks versuche ich einige Konstruktionsprinzipien der Komik bzw. der komischen Konfliktsituation in der Komödie darzustellen.
Dabei wird näher eingegangen auf die Einführung der komischen Konfliktsituation, die zugrunde liegenden Normen und Personenkonstellationen, sowie abschließend die Form der Auflösung dieser Konfliktsituation.
Zunächst stehen jedoch Fragen zur Theorie nicht nur der klassischen Komödie des 17. Jahrhunderts, sondern vor allem auch des Komischen im Zentrum des Interesses.
II. Grundzüge der klassischen Komödientheorie
Im Zeitalter der Klassik gab es für die Autoren feste Anweisungen für das Verfassen einer Komödie.
Beginnend mit den für alle Komödien geltenden Kriterien nach Aristoteles, beschäftige ich mich mit der Theorie von Laurent Jaubert, demzufolge das Lachen bewusst künstlich erzeugt und als therapeutischer Effekt eingesetzt wird. In seinem Text Traité du Ris beruft sich Laurent Jaubert unter anderem auf die anthropologischen Untersuchungen von J. Fernel und Th. Walkington, und leitet daraus die Bedeutung des Lachens her. Seine Theorie ist bis heute nahezu unverändert gültig und bildet eine wesentliche Grundlage für die Komödientheorie. Ausgehend von dieser Darstellung dieser Theorien stellt sich die Frage, inwieweit Le Misanthrope ou l'Atrabilaire amoureux diesem Konstruktionsprinzip einer Komödie entspricht.
1 Molière: La Critique de l'Ecole des Femmes.
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1. Gattungsbegriff „Komödie”
Ein wesentliches Merkmal der Komödie sind die Personen, die dem niederen und mittleren Stand angehören, und an deren Standeszugehörigkeit sich auch die Sprache im Stück und das Zielpublikum orientiert. Während in der Tragödie das hohe Personal dementsprechend tief fallen kann (meistens hat dies den Tod des Helden zu Folge), ist dies in der Komödie nicht der Fall. Das Ende einer Komödie stellt ein sogenanntes Happy End dar, das dazu dient, alle Konflikte aufzuheben. Wirkungsziel der Komödie ist das Lachen, dadurch soll eine Art Katharsis erreicht werden.
2. Laurent Jaubert: Traité du Ris
Im 14. Kapitel seines Textes unterscheidet Laurent Jaubert zwischen „joie“, „rire“ und „tristesse“. „Joie“ (extreme Freude) und „tristesse“ (Trauer) sind Grenzpunkte, „rire“ (Lachen) eine gemässigte Form von „joie“. Diese entspricht der „médiocrité“, der Mitte zwischen den beiden Extremen bzw. Gefährdungen.
Die Bedingungen des Lachens sind durch diese Mitte definiert: zum einen wird vorausgesetzt, dass der Normalzustand bekannt ist. Lachen ist immer an Gesellschaftsnormen gebunden. Zum anderen muss eine gewisse Abweichung von der Mitte (von den herrschenden Normen) als Grund zum Lachen vorliegen. Lachen dient demnach als Therapie, zur Korrektur eines Fehltritts.
Wirkungsziel der Komödie ist das Lachen, das gute Ende einer Komödie ist vergleichbar mit dem Rückweg in die Mitte. Bis zu einem bestimmten Punkt hin ist der Protagonist der Komödie in der Lage, sein Verhalten, sein Abweichen von der Norm zu korrigieren und zu dieser „médiocrité“ zurückzukehren. Folglich dient die Komödie auch als eine Art literarisches Normenkontrollverfahren. Ihre Wirkung besteht in der durch Rhetorik erzeugten Abwehr von extremen Einstellungen. Ziel ist der Einklang mit sich selbst, der Gemeinschaft und ihren Normen des Verhaltens, oder anders gesagt: ein Akt der Mässigung der Erregungen. Bei den Charakterkomödien von Molière sind es vor allem menschliche Schwächen die eine Abweichung von der Norm darstellen.
Bei einer Tragödie dagegen ist die Abweichung vom Gleichgewicht zwischen den Extremen „joie“ und „tristesse“ zu stark und es gibt keine Möglichkeit mehr, in diese Mitte zurückzukehren. Eine Heilung des Affektes ist nicht mehr möglich, am Ende steht der Tod der betreffenden Figur. 2
2 Jaubert: Traité du Ris.
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III. Molière: Le Misanthrope ou l'Atrabilaire amoureux (1666)
Molière gilt als Vertreter der klassischen französischen Komödie. Seine heutige Bedeutung beruht hauptsächlich auf den bekannten Komödien in fünf Akten, wie z.B.: L'école des femmes (1662), Le Tartuffe (1664, 1667 und 1669) und L'avare (1668). 3 Das Personal seiner Theaterstücke bilden unter anderem Charaktere wie der Geizige, der Menschenfeind, der Heuchler und der Scharlatan. Thema seiner Komödien sind Schwächen und Verhaltensweisen gesellschaftlicher Außenseiter, d.h. solcher Personen, die von den gesellschaftlichen Normen der „honnêteté“, des „bon sens“ und der „juste nature“ abweichen.
1. Jean Baptiste Poquelin
Jean Baptiste Poquelin wurde am 15. Januar 1622 in Paris geboren. 1644 nahm er den Künstlernamen Molière an. 1643 wurde er Mitglied der Schauspielertruppe Béjart, die sich L'Illustre Théâtre nannte. Nach Misserfolgen und Geldnot begann er ein Wanderleben als Schauspieler und später als Lustspielautor in der Provinz (1645-1658). Während dieser Zeit wurden seine ersten Farcen sowie Komödien aufgeführt. Molière gewann die Gunst Ludwigs XIV. und spielte ab 1661 im Palais Royal. Er verstarb am 17. Februar 1673 wenige Stunden nach einer Vorstellung des Malade imaginaire. 4
2. Le Misanthrope ou l'Atrabilaire amoureux (1666)
Die Komödie Le Misanthrope wurde am 04. Juni 1666 im Palais Royal uraufgeführt. 5 Das Stück ist eine Typenkomödie der französischen Klassik: die Charaktere entwickeln sich nicht, sondern sind gleich bleibende Figuren, die sich ihrem Typ gemäss verhalten. Es besteht wie jedes klassische Drama aus fünf Akten: der erste Akt dient als Exposition während die beiden letzten Akte die zuvor gesponnenen Intrigen wieder auflösen. Über den Ort der Handlung gibt Molière nur den knappen Hinweis: „La scène est à Paris” 6 ; jedoch ist eindeutig, dass das Stück zur Zeit Ludwig XIV. spielt. Einheit von Zeit und Ort sind gegeben. 7
Er verzichtet auf sämtliche Regieanweisungen, und stellt im Personenverzeichnis die einzelnen Figuren in der Reihenfolge ihrer Liebes- und Freundschaftsverhältnissen sowie ihres gesellschaftlichen Rangs vor. 8
3 Molière: Le Misanthrope; S. 18.
4 Bahners: Erläuterungen zu Molière; S. 22 f.
5 Grimm: Molière; S. 123.
6 Molière: Le Misanthrope; S. 30.
7 Grimm: Molière; S. 126.
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Arbeit zitieren:
Hannah-Kristin Elenschneider, 2006, Die komische Konfliktsituation in Molières "Le Misanthrope ou l'Atrabilaire amoureux", München, GRIN Verlag GmbH
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