Gliederung
1. Einleitung 1
2. Was sind Lebensmittelzusatzstoffe? 3
3. Die Entstehung und Entwicklung von Zusatzstoffen 4
4. Geschmack in Lebensmitteln 6
4.1. Aromastoffe. 7
4.1.1. Natürliche Aromastoffe 7
4.1.2. Naturidentische Aromastoffe. 8
4.1.3. Künstliche Aromastoffe. 8
4.2. Geschmacksverstärker 9
4.2.1. Die wichtigsten Geschmacksverstärker. 9
4.2.2. Glutamate als Geschmacksverstärker. 10
5. Glutamat 11
5.1. Glutamat und sein Geschmack 12
5.2. Der Zusammenhang von Glutamin, Glutaminsäure und Mononatriumglutamat 13
6. Glutamat als Neurotransmitter 15
6.1. Glutamat fördert Fettsucht. 16
6.2. Glutamat manipuliert die Sättigung. 16
7. Die Herstellung von Glutamat. 18
8. Einkaufs- und Verbraucherverhalten. 19
9. Glutamat in Nahrungsmitteln 23
9.1. Convenience Food. 28
9.2. Fast Food 31
10. Nutzen der Industrie 33
10.1. Der Zeitfaktor 33
10.2. Der Kostenfaktor/Gewinnmaximierung 33
10.3. Absatzsteigerung 34
10.4. Gleichbleibender Geschmack. 35
10.5. Aufwertung ungenießbarer Speisen 35
11. Unverträglichkeiten gegenüber Glutamat. 36
11.1. Das China-Restaurant-Syndrom. 36
11.2. Übergewicht und Adipositas 37
11.3. Nervenleiden 38
11.4. Migräne 40
12. Unbedenklichkeitserklärungen 41
13. Verstecktes Glutamat - Die Umgehung der Deklarationspflicht 44
13.1. „Hefeextrakt“ 46
13.2. Glutamat in Biokost. 46
14. Lebensmittelrecht im Allgemeinen 47
14.1. Verbraucherschutz. 47
14.2. Lebensmittelsicherheit. 51
15. Lebensmittelrecht im Speziellen - Zusatzstoffe. 52
15.1. Die Kennzeichnungspflicht von Lebensmittelzusatzstoffen 52
15.1.1. Die Allergenkennzeichnungspflicht 54
15.1.2. Gentechnik - Kennzeichnung bei Lebensmittelzusatzstoffen. 54
15.2. Die Zulassung von Lebensmittelzusatzstoffen 57
15.2.1. Der ADI-Wert. 59
15.2.2. Kritik an Höchstmengen-Verordnungen 61
16. Nutzen und Risiken 61
17. Empfehlungen für den Verbraucher 66
18. Fazit. 68
19. Quellenverzeichnis 71
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Glutamin, Glutaminsäure und (Mono)Natriumglutamat.
Abb. 2: Angebot eines Wochenmarkts
Abb. 3: Der Anteil fettleibiger Männer und Frauen nach sozialer Schicht.
Abb. 4: Analyse der Aminosäuremuster von Ravioli und Spagetti (unten) aus der Dose
Abb. 5: Das zirkumventrikuläre Organ und der Nucleus arcuatus
Abb. 6: Siegel „Ohne Gentechnik“
Abb. 7: Bio-Siegel der EU
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Energiedichte (kcal) pro 100g in ausgesuchten Lebensmitteln, Gehalte an Protein (g),
Kohlenhydraten (g) und proteingebundenem Glutamat (mg), prozentualer Glutamatanteil im
Protein ( ), freies Glutamat (mg) pro 100g.
Tabelle 2: Ausgangsprodukte und die Namen der Hydrolysate
Abkürzungsverzeichnis
Abb. - Abbildung Abs. - Absatz ADI - Acceptable Daily Intake ALS - Amyotrophe Lateralsklerose Art. - Artikel
BfR - Bundesinstitut für Risikobewertung BMI - Body-Mass-Index
BSE - Bovine spongiforme Enzephalopathie (Rinderkrankheit) BVL - Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit bzw. - beziehungsweise carn - Carnosin
COFAG - Comité des Fabricants d’Acide Glumatique de la Communauté Européenne DFG - Deutsche Forschungsgemeinschaft
DNA - deoxyribonucleic acid (genetische Erbinformation) (auch DNS-Desoxyribonukleinsäure) Dr. - Doktor DTA - Duldbare Tägliche Aufnahme EAAT - Exitatorischen Aminosäuretransporter EDV - Elektronische Datenverarbeitung
EFSA - European Food Safety Authority (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) EG - Europäische Gemeinschaft EU - Europäische Union e.V. - eingetragener Verein f. - folgende
FAO - Food and Agriculture Organization of the United Nations (Welternährungsorganisation) FASEB - Federation of American Societies for Experimental Biology FDA - Federal Drug Administration ff - fortfolgende g - Gramm
GfK - Gesellschaft für Konsum-, Markt- und Absatzforschung e.V. Hg. - Herausgeber
JECFA - Joint Expert Committee on Food Additives kcal - Kilokalorie kg - Kilogramm
LFGB - Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch LMBG - Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz
LMKV - Lebensmittelkennzeichnungs-Verordnung med. - medizinisch mg - Milligramm MS - Multible Sklerose MSG - Mono-Sodium-Glutamat NEL - no effect level NMDA-Rezeptor - N-Methyl-D-Asparat NPY - Neuropeptid Ypsilon (Y-Aminosäurekettchen) Nr. - Nummer POMC - Pro-Opio-Melano-Cortin Prof. - Professor qs - quantum santis RL - Richtlinie s. - siehe S. - Seite
SKLM - DFG-Senatskommission zur Beurteilung der gesundheitl. Unbedenklichkeit v. Lebensmitteln s.o. - siehe oben s.u. - siehe unten Tab. - Tabelle
URL - Uniform Resource Locator (Netzwerkadresse) VO - Verordnung
WHO - World Health Organization (Weltgesundheitsorganisation) z.B. - zum Beispiel ZVerkO - Zusatzstoff-Verkehrsordnung ZZulV - Zusatzstoff-Zulassungsverordnung
1
1. Einleitung
Die weltbekannte Marke Knorr feierte im Jahr 1988 ihr 150jähriges Bestehen. Dieser Erfolg ist auf die Idee Carl Heinrich Knorrs zurückzuführen, der schon 1865 zunächst mit „Liebig’s Fleischextract“ der gerade entstehenden Lebensmittelindustrie, insbesondere den industriellen Suppenerzeugnissen einen starken Auftrieb gab. Seit 1886 gewann eine erfundene Suppen-und Speisewürze, ein weiterer und nicht mehr wegzudenkender Geschmacksträger, an zunehmender Bedeutung für die Herstellung und Vermarktung von Trockensuppen und -soßen. 1
Mit dem Erstarken der Lebensmittelindustrie änderten sich auch die Ernährungsgewohnheiten in Deutschland, wobei „die Simulation allgemein üblicher küchenmäßiger Zubereitung in industriellen Herstellungsverfahren“ 2 die auf Fleischextrakt und Speisewürzen basierenden Würzzubereitungen ablösten.
Bei der Weiterentwicklung von Fertiggerichten ist der Zusatzstoff Glutamat zusehends ins Rampenlicht geraten und wird hauptsächlich von Negativschlagzeilen begleitet. Glutamat steht insbesondere „in einem Spannungsverhältnis zwischen dem Nutzen für den Verbraucher, der Notwendigkeit für den Lebensmittelhandel und die Lebensmittelhersteller, der Furcht vor der Möglichkeit einer Schädigung der Gesundheit und der Meinung, solche Stoffe seien zum größten Teil schlicht überflüssig“ 3 .
Diese Arbeit gliedert sich konzeptionell in fünf größere Teilbereiche. Der erste Teil schlägt die Brücke von den Zusatzstoffen im Allgemeinen zum Zusatzstoff Glutamat im Speziellen. Darin wird kurz skizziert, inwiefern Lebensmittelzusatzstoffe in Nahrungsmitteln ihre Anwendung finden (Kapitel 2), welche Wendung die Industrialisierung herbeiführte (Kapitel 3), mit welchen Mitteln der Geschmack in die industriell verarbeiteten Nahrungsmittel injiziert wird (Kapitel 4) und in welchen Speisen die Glutamate zum Einsatz kommen (Kapitel 4.2.2.).
Im zweiten Teil der Arbeit wird der Zusatzstoff Glutamat näher betrachtet. Dabei werden insbesondere die zwei interessanten Aspekte berücksichtigt, welche geschmacklichen und
1 vgl. Teuteberg, Hans-Jürgen: Die Rolle des Fleischextrakts für die Ernährungswissenschaften und den Aufstieg
der Suppenindustrie: Kleine Geschichte der Fleischbrühe. Vorwort
2 ebd.
3 Lück, Erich: Augen auf - was steht drauf? Zusatzstoffe und Zutaten in Lebensmitteln. S. 15
2
chemischen Eigenschaften der Stoff Glutamat aufweist (Kapitel 5). Nachdem intensiver darauf eingegangen wird, wie Glutamat als Neurotransmitter im menschlichen Körper wirkt (Kapitel 6), schließen sich die Methoden der Produktionsverfahren logisch an (Kapital 7).
Im dritten Bereich werden die Konsumkompetenz und die Verbraucherentscheidungen hinterfragt (Kapitel 8),um dahin gehend überzuleiten, wie die Industrie mit diesem Hintergrundwissen die Wirkung von Glutamat in Lebensmitteln gezielt einsetzt (Kapitel 9) und welche Vorteile sie daraus zieht (Kapitel 10). Der Untersuchung schädlicher Nebenwirkungen in Kapitel 11 folgen die fragwürdigen Unbedenklichkeitserklärungen internationaler Gremien (Kapitel 12).
Auf einen Einblick in die Gesetzeslage kann diese Arbeit nicht verzichten, da sowohl eine straflose Umgehung der Deklarationspflicht (Kapitel 13), als auch Themen wie Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Kapitel 14), Kennzeichnungspflicht und die Zulassung von Lebensmittelzusatzstoffen (Kapitel 15) gerade bei der Brisanz des Zusatzstoffes Glutamat im Sinne einer umfassenden Betrachtungsweise angesprochen werden müssen.
Der letzte Teil der Arbeit widmet sich den Betrachtungen über Nutzen und Risiken des Zusatzstoffes Glutamat (Kapitel 16), bevor abschließend einige grundlegende Empfehlungen für den Verbraucher formuliert werden (Kapitel 17).
Anmerkung:
Zur besseren Lesbarkeit der Arbeit wurde darauf verzichtet, Personen oder Personengruppen in der weiblichen Form auszuschreiben. Selbstverständlich ist beispielsweise mit dem „Verbraucher“ stets die männliche als auch weibliche Form gemeint.
3
2. Was sind Lebensmittelzusatzstoffe?
Immer seltener steht auf dem Tisch eine Speise, die aus frischen Zutaten in der eigenen Küche hergestellt wurde. Wesentlich häufiger dagegen gibt es Fertigprodukte wie Tiefkühlpizza, Nudeln aus der Tüte, Fertigmarmelade, Gummibärchen und sehr viel mehr. Um die Qualität der verpackten Waren beurteilen zu können, gibt es eine Zutatenliste, der zu entnehmen ist, woraus sich das Produkt zusammensetzt. Hinweise zur Herstellung und Angaben zum Nährwert und Kaloriengehalt sind ebenfalls auf der Verpackung zu finden. Häufig tauchen auch E-Nummern auf, hinter denen sich eine besondere Gruppe von Zutaten verbirgt - die Lebensmittelzusatzstoffe. 4 Das „E“ steht dabei für EG (Europäische Gemeinschaft) beziehungsweise für EU (Europäische Union). Das bedeutet, dass der Zusatzstoff für den Verbrauch in der Europäischen Union zugelassen ist. 5
Der Begriff „Fremdstoffe“ aus dem Lebensmittelgesetz von 1927 wurde ersetzt durch den Begriff „Zusatzstoffe“. In dem Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz (LMBG) aus dem Jahr 1974 waren darunter Stoffe zu verstehen, „die dazu bestimmt sind, Lebensmitteln zur Beeinflussung ihrer Beschaffenheit oder zur Erzielung bestimmter Eigenschaften oder Wirkungen zugesetzt zu werden“ 6 .
Im Sinne des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches (LFGB), dass das LMBG am 05.09.2006 ablöste, sind gemäß § 2 Abs. 3 Satz 1 LFGB Lebensmittelzusatzstoffe „Stoffe, mit oder ohne Nährwert, die in der Regel weder selbst als Lebensmittel verzehrt noch als charakteristische Zutat eines Lebensmittels verwendet werden und die einem Lebensmittel aus technologischen Gründen beim Herstellen oder Behandeln zugesetzt werden, wodurch sie selbst oder ihre Abbau- oder Reaktionsprodukte mittelbar oder unmittelbar zu einem Bestandteil des Lebensmittels werden oder werden können.“
Im Anhang I der Richtlinie 89/107 sind Kategorien von Lebensmittelzusatzstoffen benannt, die der Definition „technologische Gründe“ entsprechen. Demnach sind Geschmacksverstärker Lebensmittelzusatzstoffe im Sinne dieses Gesetzes. 7
4 vgl. Schobert, Astrid: Zusatzstoff-Ampel. S. 4
5 vgl. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: „Zusatzstoffe“. URL:
http://www.bvl.bund.de/nn_491404/DE/01__Lebensmittel/06__Verbraucherinfos/02__Zusatzstoffe/zusatzst__no
de.html__nnn=true.
6 § 2 Abs. 1 LMBG
7 vgl. Meyer, A., Streinz, R.: LFGB. BasisVO. Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch. Verordnung (EG) Nr.
178/2002. Kommentar. Rd. 12
4
Nach der Zusatzstoff-Verkehrsordnung (ZVerkO) werden die Zusatzstoffe in inzwischen 27 Klassen unterschieden. Beispielhaft sind folgende nennenswert: 8 • Farbstoffe • Konservierungsstoffe • Antioxidationsmittel • Emulgatoren • Stabilisatoren • Verdickungsmittel • Säureregulatoren • Trennmittel • Überzugsmittel • Packgase • Süßungsmittel • Backtriebmittel • Geschmacksverstärker
Nicht alle Zusatzstoffe unterliegen der Kennzeichnungspflicht. Technische Hilfsstoffe beispielsweise, die lediglich zur Herstellung von Lebensmitteln verwendet werden und im Verlauf des Produktionsprozesses wieder entfernt werden, müssen nicht aufgeführt werden. Welche Bedeutung das hat, wird im Laufe der Arbeit noch ersichtlich.
3. Die Entstehung und Entwicklung von Zusatzstoffen
Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert und der einhergehenden Landflucht beziehungsweise Urbanisierung veränderten sich auch deren Ernährungsgewohnheiten. In den Städten war es ihnen nicht mehr möglich selbst Nahrungsmittel anzubauen, da sie sich zunehmend anderen Arbeiten zuwenden mussten und die Berufstätigkeit der Frauen zunahm. Die Beschaffung und Herstellung der täglich benötigten Lebensmittel erledigten nun nicht mehr 80 Prozent der Bevölkerung sondern nur noch fünf Prozent. Die Städter mit ausreichend frischer Nahrung zu versorgen, stellte sich zusätzlich als problematisch heraus. Verdorbene
8 Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: „Zusatzstoffe“. URL:
http://www.bvl.bund.de/nn_491404/DE/01__Lebensmittel/06__Verbraucherinfos/02__Zusatzstoffe/zusatzst__no
de.html__nnn=true.
5
Lebensmittel führten zu Vergiftungen und Todesfällen, während sich gleichzeitig die chemische und medizinische Wissenschaft entwickelte. 9
Durch bestimmte Behandlungen und Zusätze gelang es, das Verderben der Lebensmittel zu verhindern oder zu verzögern. Es stellte sich heraus, dass diese behandelten Nahrungsmittel oft schmackhafter waren. Die ersten Stoffe, die das bewirkten, waren Salz, Salpeter und Rauch. 10
Die Urbanisierung und die industrielle Verarbeitung haben inzwischen, auf Grund der langen Transportwege und Lagerung, notwendigerweise weitere Zusatzstoffe erforderlich gemacht. Nicht zuletzt der Wunsch nach Erleichterung im häuslichen Bereich sowie das Interesse an Lebensmitteln aus fernen Ländern und das Streben nach Wirtschaftlichkeit ließen die Nachfrage nach Fertigprodukten steigen. Auf Grund dessen werden heute mehr Zusatzstoffe verwendet als früher.
Die Ausgaben, die für Nahrungsmittel aufgewendet werden mussten, sind von etwa 50 Prozent des verfügbaren Einkommens vor 100 Jahren auf ein Drittel vor 20 Jahren geschrumpft. Heute geben die Haushalte in Deutschland im Durchschnitt weniger als 15 Prozent der Gesamtausgaben für Nahrungsmittel aus. Dieser Entwicklungsstand und Lebensstandard wäre ohne die vernünftige Verwendung von Lebensmittelzusatzstoffen nicht möglich gewesen. Nur wer bevorzugt frische Lebensmittel verzehrt, bereit ist, mehr für seine Nahrungsmittel zu bezahlen und sich auf saisonale Lebensmittel beschränkt, kann im bestimmten Maße auf Zusatzstoffe verzichten. 11
Besondere Bedeutung erhielten im vergangenen Jahrhundert Zusätze, die den Nährwert der Lebensmittel erhöhten. Vitamine und Spurenelemente wurden künstlich hergestellt und gezielt den Lebensmitteln zugesetzt. Ebenso intensiv wurde auf dem Gebiet der Geruchs- und Geschmacksstoffe geforscht. 12
9 vgl. Lück, Erich: Augen auf - was steht drauf? Zusatzstoffe und Zutaten in Lebensmitteln. S. 18f.
10 vgl. Diehl, Johannes F.: Chemie in Lebensmitteln. Rückstände, Verunreinigungen, Inhalts- und Zusatzstoffe. S.
223
11 vgl. Lück, Erich: Augen auf - was steht drauf? Zusatzstoffe und Zutaten in Lebensmitteln. S. 19
12 vgl. ebd. S. 18f.
6
4. Geschmack in Lebensmitteln
Durch die auf der Zunge befindlichen Geschmacksrezeptoren registrieren wir die allgemein bekannten Grundgeschmacksarten süß, salzig, sauer und bitter. Inzwischen haben Wissenschaftler herausgefunden, dass wir Geschmacksrezeptoren für einen fünften Geschmack haben: Umami. Neben diesen Geschmacksrichtungen werden beim Verzehr eines Lebensmittels auch die durch das Kauen freigesetzten Aromastoffe wahrgenommen, die für den sensorischen Gesamteindruck eine wichtige Rolle spielen. 13
Der Geschmackssinn hat somit eine große Bedeutung für unseren Körper. Daher werden die Geschmackszellen auf der Zunge alle drei Wochen auf der Zunge komplett ausgetauscht. Der Geschmackssinn kommt einer Eingangskontrolle bei der Nahrungsaufnahme gleich. Er dient aber auch als Auswahlkriterium bei der Nahrungsbeschaffung. Fehlen dem Körper gewisse Substanzen, wird dies dem Gehirn, insbesondere dem Hypothalamus gemeldet. Dort ist auch abrufbar, in welchen Speisen die Substanz enthalten war. Der Mensch entwickelt den entsprechenden Appetit und sorgt auf diese Weise für die Deckung des Bedarfs. Täuscht der Geschmack jedoch nur eine Substanz im Essen vor, dann wird der Bedarf des Körpers nicht gedeckt und das System geht leer aus. Enthält das industrielle Produkt einen geringen Anteil der gewünschten Substanz, verlangt der Körper ein Vielfaches der Menge bis der Bedarf gedeckt ist. Der Verbraucher isst also um einiges mehr bis das nötige Quantum erreicht ist. 14
Nachdem die industriell zubereiteten Nahrungsmittel durch die umfangreichen Verarbeitungsprozesse ihre natürlichen Qualitätsmerkmale eingebüßt haben, sorgen einige Zusatzstoffe dafür, dass den Speisen die verlorenen Eigenschaften zurückgegeben werden. Um die Nahrungsmittel wieder schmackhaft zu machen oder den grundlegenden Geschmack zu verstärken, setzt die Industrie Aromastoffe und Geschmacksverstärker ein.
Die Aromastoffe werden in „natürliche“, „naturidentische“ und „künstliche Aromastoffe“ unterteilt. Zu den wichtigsten Geschmacksverstärkern gehören 17 Aminosäuren 15 , von denen die Salze der Glutaminsäure (E620), also Natrium-, Kalium,
13 Franzke, Claus (Hg.): Allgemeines Lehrbuch der Lebensmittelchemie. S. 270f.
14 vgl. Grimm, Hans-Ulrich: Echt künstlich. S. 25 f.
15 vgl. Anemueller, Helmut (Hg.): Lebensmittelkunde und Lebensmittelqualität. S. 178
7
Calcium-, Ammonium- und Magnesium-Glutamat (E621 bis E625), die bekanntesten Vertreter dieser Gruppe sind.
4.1. Aromastoffe
Wenn der Erdbeerjogurt nicht so richtig nach Erdbeeren schmeckt, sind, wie in so vielen Jogurts, keine echten Früchte enthalten, sondern lediglich Aromastoffe. Lebensmittel können schnell ihr Aroma durch Verflüchtigung, Oxidation, Polymerisation oder durch Reaktion mit anderen Lebensmittelinhaltsstoffen verlieren. 16
Aromastoffe sind so konzentriert, dass sie schon in geringen Mengen einen sehr kräftigen Geschmack erzeugen. Zum Teil sind (gerade die für Kinder ausgezeichneten) Nahrungsmittel so stark überaromatisiert, dass die Geschmacksnerven abstumpfen und den feinen Geschmack der Früchte gar nicht mehr wahrnehmen. Die Sensibilität der Wahrnehmung hat so darunter gelitten, dass der Geschmacksreiz erhöht werden muss. 17
Das Etikett muss den Verbraucher nicht mehr explizit aufklären, ob „natürliche“, „naturidentische“ oder „künstliche“ Aromen darin enthalten sind. Diese, oder auch andere zusätzlichen Angaben sind freiwillig. 18 Der Deklarationspflicht wird mit der einfachen Nennung von „Aroma“ genüge getan. 19
4.1.1. Natürliche Aromastoffe
Natürliche Aromastoffe werden aus pflanzlichen oder tierischen Rohstoffen gewonnen. Es ist jedoch nicht zwingend, dass die deklarierte Geschmackssorte aus der genannten Frucht stammt wie beispielsweise das Vanilleextrakt aus der Vanilleschote oder das Menthol aus der Pfefferminze. 20 Aus Zedernholzöl wird beispielsweise ein „natürliches Aroma“ gewonnen, das nach Himbeeren schmeckt. Andere „natürliche Aromen“, die nach Pfirsich, Kokosnuss oder Apfel riechen, werden mit Hilfe von Schimmelpilzen erzeugt. 21 Da sie natürlicher
16 vgl. Franzke, Claus (Hg.): Allgemeines Lehrbuch der Lebensmittelchemie. S. 270
17 vgl. Pollmer, Udo: Wohl bekomm’s. S. 179
18 vgl. Schobert, Astrid: Zusatzstoff-Ampel. S. 9
19 vgl. Pollmer, Udo: Wohl bekomm’s. S. 179
20 vgl. Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (Hg.): Besser iss das! Was in
Lebensmitteln so alles drin sein kann und worauf du achten solltest… S. 4
21 vgl. Pollmer, Udo: Wohl bekomm’s. S. 178
8
Herkunft sind, sieht der Gesetzgeber die natürlichen und die nachstehenden naturidentischen Aromen nicht als Zusatzstoffe an und verlangt deshalb keine Zulassungspflicht. 22
4.1.2. Naturidentische Aromastoffe
Da es dem Geruchssinn nicht möglich ist, die vielen verschiedenen Duftstoffe, aus denen ein echtes Aroma (z.B. Kaffee) besteht, zu unterscheiden, werden Gemische hergestellt, die zwar ebenfalls beispielsweise nach Kaffe riechen aber keine einzige Kaffeebohne enthalten. Naturidentisch heißt lediglich, dass die dafür verwendeten Substanzen in der Natur vorkommen. 23 Naturidentische Aromastoffe sind auch den natürlich vorkommenden Aromen chemisch identisch, werden jedoch künstlich, also synthetisch hergestellt. 24 Die Industrie gibt ihnen gegenüber den natürlichen Aromastoffen den Vorzug, da sie einerseits weniger großen Schwankungen bezüglich ihrer Intensität unterliegen und andererseits in ihrer Herstellung preiswerter sind.
4.1.3. Künstliche Aromastoffe
„Künstliche Aromen haben keine Ähnlichkeit mit der chemischen Beschaffenheit des Aromas pflanzlichen oder tierischen Ursprungs.“ 25 Diese Stoffe, dazu gehört beispielsweise auch das Äthylvanillin, sind bisher nicht in der Natur gefunden worden. Diese künstlichen Aromastoffe sind daher zulassungspflichtige Zusatzstoffe. Diese dürfen bis zu einer vorgeschriebenen Höchstmenge nur für bestimmte Lebensmittel verwendet werden. Industriell hergestellte Lebensmittel, wie Brausen, Kunstspeiseeis, Pudding, Kaugummi und andere Süßigkeiten erhalten erst durch die Zugabe dieser künstlichen Aromastoffe Geruchs- und Geschmackseigenschaften. Ohne sie hätte wohl niemand Interesse daran sie zu kaufen, da sie in der Regel auch noch von geringem ernährungsphysiologischem Wert sind. 26
22 vgl. § 2 Absatz 3 Satz 2 Nr. 2 LFGB; vgl. Meyer, A., Streinz, R.: LFGB. BasisVO. Lebensmittel- und
Futtermittelgesetzbuch. Verordnung (EG) Nr. 178/2002. Kommentar. Rd. 85 und Rd. 69
23 vgl. Pollmer, Udo: Wohl bekomm’s. S. 178f.
24 vgl. Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (Hg.): Besser iss das! Was in
Lebensmitteln so alles drin sein kann und worauf du achten solltest… S. 4
25 ebd.
26 vgl. Anemueller, Helmut (Hg.): Lebensmittelkunde und Lebensmittelqualität. S. 179
9
4.2. Geschmacksverstärker
„Geschmacksverstärker sind Stoffe, die einen vorhandenen Geschmack verstärken oder betonen, die jedoch selbst über keinen oder nur sehr wenig Eigengeschmack verfügen.“ 27 „Erst über die Sensibilisierung der Geschmackspapillen im Mund verstärkt es den Geschmack und hebt diesen hervor.“ 28
Die Industrie setzt Geschmacksverstärker vor allem solchen Produkten zu, denen Wasser entzogen wird, die durch Tiefgefrieren oder durch Erhitzen haltbar gemacht werden und dadurch viel von ihrem Eigengeschmack einbüßen. 29
4.2.1. Die wichtigsten Geschmacksverstärker
Zu den wichtigsten Geschmacksverstärkern, die die Industrie einsetzt, gehören 30 : E620-625 Glutaminsäure und Glutamate E626-629 Guanylsäure und Guanylate E630-633 Inosinsäure und Inosinate E634-635 Calcium- und Dinatrium-5’-rinonucleotid E640 Glycin und dessen Natriumsalze E650 Zinkacetat E950 Acesulfam K
Die Salze E627 bis E629 entstehen durch die chemische Verknüpfung der reinen Guanylsäure (E626) mit Natrium, Kalium und Calcium. Die Guanylate wirken ähnlich wie Glutamat, wirken allerdings bis zum 20-fachen intensiver. Um den Geschmack noch weiter zu steigern, werden Guanylate oft mit Glutamaten kombiniert. Die Inosinsäure wird, wie die Guanylsäure und Guanylate auch, in Tütensuppen, Soßenpulver, Fertigsoßen, Curryketchup und in Chips, Flips und anderen Knabbererzeugnissen als geschmacksverstärkende Substanz, oft kombiniert mit Glutamat, eingesetzt.
Die 5’-Ribonucleotide E634 und E635 sind beim Ab- und Umbau von Eiweißen in jeder pflanzlichen und tierischen Zelle beteiligt. In flüssigen Nahrungsmitteln wie Suppen und
27 Auswertungs- und Informationsdienst für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (aid) e.V. (Hg.):
Lebensmittel-Kennzeichnung: Die Zutatenliste. Kleines Lexikon der Zusatzstoffe. S. 17
vgl. auch Anemueller, Helmut (Hg.): Lebensmittelkunde und Lebensmittelqualität. S. 178
28 Knieriemen, Heinz: E-Nummern. S. 48
29 vgl. Anemueller, Helmut (Hg.): Lebensmittelkunde und Lebensmittelqualität. S. 178
30 vgl. Schobert, Astrid: Zusatzstoff-Ampel. S. 88 ff
10
Soßen rundet es den Fleischgeschmack künstlich ab. Sie schmecken durch die Fülle im Mundraum weniger wässrig.
Glycin ist als Aminosäure im Eiweiß des menschlichen Körpers vorhanden. Es schmeckt leicht süßlich. Daher findet es meist Einsatz in Süßstoffen, um den bitteren Nebengeschmack zu überdecken.
Zinkacetat ist eine salzartige Verbindung aus Essigsäure und Zink. E650 darf nur in Kaugummi mit einer Höchstmenge von einem Gramm pro Kilogramm zugesetzt werden. Bei dem Kaliumsalz des Acesulfam (das K steht somit für Kalium) handelt es sich um einen synthetischen Süßstoff, der 200-mal süßer als Zucker und gleichsam kalorienfrei ist. Insbesondere Light-Produkte und diätische Nahrungsmittel enthalten Acesulfam-K. Suppen, Snacks oder Feinkostsalaten wird dieser Zusatzstoff als „süße Abrundung“ zugegeben. 31
4.2.2. Glutamate als Geschmacksverstärker
Die Glutamate E621 bis 625 sind die meistverwendeten Geschmacksverstärker 32 : E621 Natriumglutamat E622 Kaliumglutamat E623 Calciumglutamat E624 Ammoniumglutamat E625 Magnesiumglutamat
Hierbei wird die Glutaminsäure chemisch mit Natrium, Kalium, Calcium, Ammoniak oder Magnesium verknüpft. Dabei entstehen diese so genannten Salze der Glutaminsäure. 33
Die Glutamate werden Trockensuppen, Fleisch- und Fischerzeugnissen zugesetzt und entfalten ihre geschmacksverstärkende Wirkung vorzugsweise in salzigen Speisen, die daraufhin einen fleischig würzigen Geschmack bekommen. Sie werden dort in Mengen von 0,1 bis 0,3 Prozent zugesetzt und sind in ihrer reinen Form ein weißes, wasserlösliches Kristallpulver. 34 In dieser Form ist Glutamat in fast allen Brühen und Würzmitteln vorhanden und darf dort ohne Höchstmengenbegrenzungen zugegeben werden. 35
31 vgl. Grimm, Hans-Ulrich: Echt künstlich. S. 155 ff
32 vgl. Schlieper, Cornelia A.: Grundfragen der Ernährung. S. 218
33 vgl. Grimm, Hans-Ulrich: Echt künstlich. S. 153
34 vgl. Schlieper, Cornelia A.: Grundfragen der Ernährung. S. 218
35 vgl. Anlage 4 der ZZulV i.V.m. § 7 ZZulV
11
Wenn von „Glutamat“ die Rede ist, dann ist hauptsächlich das „Natriumglutamat -E621“ gemeint, welches als Geschmacksverstärker am häufigsten Verwendung findet. Die anderen nehmen mengenmäßig doch eine eher untergeordnete Rolle ein. Daher beziehen sich die nachfolgenden Betrachtungen vorwiegend auf das Natrium-Glutamat.
5. Glutamat
Glutamat bezeichnet das Salz der Glutaminsäure. „Glutaminsäure ist als eine der 20 Aminosäuren, aus denen Proteine gebildet werden, in der Natur weit verbreitet.“ 36
Glutaminsäure kann in zweierlei Form in Lebensmitteln vorkommen: Zum einen in „gebundener“ Form, wenn sie mit anderen Aminosäuren verbunden ist und auf diese Weise ein Protein bilden (diese proteingebundene Glutaminsäure trägt nicht zum Umami-Geschmack bei) oder in „freier“ Form als alleinstehende Aminosäure. „In Lebensmitteln liegen Aminosäuren hauptsächlich gebunden als Proteinbaustein vor, der Gehalt an freien Aminosäuren ist im Allgemeinen gering.“ 37 Nur die freie Glutaminsäure spielt für den Geschmack des Lebensmittels eine bedeutende Rolle. So findet sich freie Glutaminsäure beispielsweise in Champignons, Fisch, Hühnerfleisch, Mais, Parmesan, Tomaten, Rindfleisch und Soja, also in sehr eiweißhaltigen Lebensmitteln. 38 Täglich werden von einem Erwachsenen auf diese Weise 10 bis 25 Gramm Glutaminsäure durch den Verzehr von unverarbeiteten Lebensmitteln aufgenommen. Das sind folglich 30- bis 80-mal mehr als der Verzehr in den westlichen Ländern durch zugesetztes Glutamat. 39 Zugesetztes Glutamat stellt somit nur einen Bruchteil dessen dar, was mit der Nahrung aufgenommen wird.
Als Geschmacksverstärker dagegen wirkt lediglich die dissoziierte (getrennte, aufgelöste) Aminosäure, also das Salz der Glutaminsäure - das Glutamat. Das Glutamat hat seine geschmacksverstärkende Wirkung den zwei negativen Ladungen im Molekül zu verdanken. 40
36 Diehl, Johannes F.: Chemie in Lebensmitteln. Rückstände, Verunreinigungen, Inhalts- und Zusatzstoffe. S.
233
37 Franzke, Claus (Hg.): Allgemeines Lehrbuch der Lebensmittelchemie. S. 12
38 vgl. Schobert, Astrid: Zusatzstoff-Ampel. S. 88
39 vgl. Diehl, Johannes F.: Chemie in Lebensmitteln. Rückstände, Verunreinigungen, Inhalts- und Zusatzstoffe. S.
233
40 vgl. Schlieper, Cornelia A.: Grundfragen der Ernährung. S. 218
Arbeit zitieren:
Andrea Eid, 2009, Glutamat als Zusatzstoff in Lebensmitteln, München, GRIN Verlag GmbH
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