Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Die frühe Karriere des Tiberius Gracchus. 4
2. Der grosse Reformplan des Tiberius Gracchus 5
2.1 Das Volkstribunat 5
2.2 Der Reformerkreis um Tiberius Sempronius Gracchus 6
2.3 Die Gesetzinitiative 7
2.3.1 Das Vorläufergesetz 7
2.4 Die lex Sempronia agraria 8
2.5 Soziale und wirtschaftliche Motivation des Tiberius. 8
2.5.1 Ein Notstand der Bauern? 8
2.6 Die subjektiven Ambitionen des Tiberius Gracchus. 11
3. Konflikte um das Ackergesetz lex Sempronia agraria 13
3.1 Das Veto des Marcus Octavius 13
3.2 Die Stellung der Optimaten. 15
3.3 Tiberius Gracchus normabweichendes Vorgehen 16
4. Schlussbetrachtung 19
5. Literatur 20
2
Einleitung
Tiberius Gracchus stammte aus einer wohlangesehenen, reichen, römischen Familie. Sein Streben nach politischem Ruhm wurde ihm in die Wiege gelegt. Schon in jungen Jahren engagierte er sich im politischen Leben. Im Jahr 133 v. Chr. wurde Tiberius zum Volkstribun gewählt. Durch dieses Amt war er befähigt die Sorgen und Nöte des römischen Volkes dem Senat vorzutragen. So setzte er sich wesentlich für eine Neuverteilung des ’ager publicus’ ein. Das wiederum brachte den Senat gegen ihn auf. Sein unkonventionelles Agieren, sich über den Senat hinweg zusetzten, bescherte ihm letztendlich den Tod. Sein Todesfall gilt als Wendepunkt in der römischen Geschichte. Der Ausbruch der Krise bis hin zum Untergang der römischen Republik, sowie der Beginn der Kaiserzeit sollen mit dem Tod des Volkstribuns eingeleitet worden sein. 1
In dieser Arbeit werden die Schwerpunkte auf die Gesetzinitiative um die Agrarwirtschaft, die Motivation des Tiberius Gracchus und der daraus resultierende tödliche Konflikt gelegt. Weitere wichtige Fragen die in dieser Arbeit behandelt werden betreffen den Verlauf des Ackergesetzes von 133 v. Chr.
Eine weitere Leitfrage in dieser Arbeit ist, warum sich Tiberius überhaupt an einem Reformplan in der Agrarwirtschaft versuchte und auf welchen Motiven der senatorische Widerstand beruhte? Im Wesentlichen dieser Seminararbeit wird der Verlauf und die Durchsetzung des Ackergesetzes von 133 v. Chr. behandelt. Das Seminar „Die Gracchen - Unbedarfte junge Männer oder weitsichtige Politiker?“ beschäftigte sich im Frühjahrssemester 2009 unter anderem mit der Frage, ob das Vorgehen des Tiberius Gracchus als radikal zu bezeichnen ist. Ebenfalls versuche ich eine Antwort auf diese Frage geben zu können.
1 K. Bringmann: Die Agrarreform des Tiberius Gracchus, Legende und Wirklichkeit. Stuttgart 1985. S. 7
3
1. Die frühe Karriere des Tiberius Gracchus
Der Hauptinitiator der lex Sempronia agraria von 133 v. Chr. war Tiberius Sempronius Gracchus, der einer angesehenen Familie der römischen Aristokratie angehörte. Geboren wurde er 162 v. Chr. als Sohn des römischen Censors Tiberius Gracchus und der Tochter des Scipio Africanus, Cornelia. 2
Seit dem 4. Jh. v. Chr. gehörten seine Ahnen der römischen Nobilität an, die sich durch ehrenwerte Dienste für Rom den feudalen Stand gesichert hatten. 3 Die familiären und gesellschaftlichen Erwartungen an seine zunächst vorrangig militärische, Karriere waren gross. Plutarchs schrieb in seiner Schrift ’Grosse Griechen und Römer’ über Tiberius Gracchus: „Kaum dem Knabenalter entwachsen, hatte sich Tiberius schon einen Namen erworben, dass er ins Priesterkollegium der Augurn aufgenommen wurde, mehr seiner Tüchtigkeit als seiner hohen Abkunft zu Ehren.“ 4
Der Grundstein für eine aussichtsreiche politische Karriere war die erfolgreiche Absolvierung des militärischen Dienstes. 5 In Plutarch lesen wir weiter, dass sich Tiberius bei einem Feldzug in Afrika, durch Tapferkeit und Pflichterfüllung ein hohes militärisches Ansehen erworben hatte. 6 Der Weg in die Politik war nun für ihn frei.
Zurück in Rom wählte man Tiberius 137 v. Chr. zum Quaestor. 7 Kurz darauf zog er in den Krieg nach Numantia. 8 Plutarch beruft sich auf Beobachtungen des Gaius Gracchus, in denen Tiberius viele wichtige Erfahrungen in Numantia sammelte, die seine spätere politische Karriere durchaus prägten. 9 Dazu zählten die Eindrücke über die schlechte Lage der italischen Landbevölkerung, die er auf dem Weg nach Spanien machte, um dort sein Quaestoramt anzutreten.
Plutarch erzählte dies mit folgenden Worten „Tiberius habe, als der auf dem Weg nach Numantia durch Etrurien kam, das verödete Land gesehen und die aus der Fremde eingeführten Sklaven, welche die Felder bestellten und das Vieh weideten.“ 10 Der negative Höhepunkt seiner frühen Karriere bildete jedoch die persönliche Mitverantwortung für die Kapitulation des römischen Heeres vor Numantia. 11 Vertraglich hielt
2 K. Christ: Krise und Untergang der römischen Republik. Darmstadt 1979, S. 121
3 Ebd. S. 120
4 Plutarch: Grosse Griechen und Römer. Band 6. Zürich/Stuttgart 1965. S. 239
5 B. Linke: Die römische Republik von den Gracchen bis Sulla. Darmstadt 2005. S. 37
6 Plutarch. S. 240
7 Die erste Stufe der höheren Ämterlaufbahn. Der Quaestor wurden vom Volk auf ein Jahr gewählt.
8 K. Christ: Krise und Untergang der römischen Republik. S. 121
9 Plutarch. S. 244
10 Ebd. S. 244/245
11 K. Christ: Krise und Untergang der römischen Republik. S. 121
4
man die Kapitulation der Römer fest, in diesem Sinne handelte Tiberius gegen die göttliche Vorhersehung, wie auch gegen das römische Selbstverständnis. Die seltenen Niederlagen der Römer interpretierte man als harte Rückschläge. 12 Der Senat empfand das vertragliche Vorgehen als eine Schande und erkannte das schriftliche Dokument für welches sich Tiberius einsetzte, nicht an. Nur seine hochadlige Herkunft bewahrte Tiberius vor dem Tod, der verantwortliche Feldherr Konsul 13 Gaius Mancinus wurde jedoch an die Numantinern ausgeliefert. 14
Die frühe Karriere lässt sich als durchaus konfliktreich beschreiben. Tiberius hatte sich vor dem römischen Volke blamiert und die hohen Erwartungen, die er wohl auch an sich selbst stellte, nicht erfüllen können. 15 Es galt, sein politisches und gesellschaftliches Ansehen aufzubessern.
2. Der grosse Reformplan des Tiberius Gracchus
2.1 Das Volkstribunat
Die Jahre 136 bis 134 v. Chr. stellen kein klares Bild der politischen Aktivitäten Tiberius dar. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch hoch, dass er sich auf sein Reformprojekt - das ’neue’ Ackergesetz - vorbereitete. 16
Tiberius Gracchus befand sich nach der Numantia- Affäre in einer schwierigen gesellschaftlichen Situation, dies hinderte ihn nicht, sich auf das Amt des Volkstribuns zu bewerben. Im Jahre 133 v. Chr. wählte ihn das römische Volk in das Amt des Volkstribun, welches auf ein Jahr galt. 17
Für Tiberius spätere politischen Ziele und Aufgaben war die erfolgreiche Wahl zum Volktribun nahe liegend. Er konnte seine Gesetzanträge direkt vor das römische Volk bringen. Leider konnte er mit seinen jungen Jahren noch nicht genügend Erfahrung sammeln, um im politischen Alltag Roms bestehen zu können. Tiberius unterschätzte seine Gegner, die mit ihrer enormen Interessensgebundenheit, nur ihre eigenen persönlichen Machenschaften verfolgten. 18
12 B. Linke: Die römische Republik. S. 21
13 Das Konsulat war das höchste zivile und militärische Amt der Ämterlaufbahn in der römischen Republik.
14 Plutarch. S. 242/243
15 H. Heftner: Von den Gracchen bis Sulla. Die römische Republik am Scheideweg 133-78 v. Chr.. Regensburg 2006. S. 44
16 Ebd. S. 45
17 B. Dreyer: Die Innenpolitik der Römischen Republik 264-133 v. Chr. Darmstadt 2006. S. 29
18 K. Christ: Krise und Untergang der römischen Republik. S. 122
5
In der zweihundertjährigen Geschichte des Volktribunats - seit den Ständekämpfen-, hatte dieses Amt seine revolutionäre Tradition verloren. Zur Schaffenszeit des Tiberius zeichnete sich dieses Amt durch eine enge Senatsbindung aus. Wiederum schickte der Senat seine Vertrauensleute in den Kreis der zehn Volkstribunen, um bei Gefahr seiner Interessen, das Vetorecht 19 ausspielen zu können. 20
2.2 Der Reformerkreis um Tiberius Sempronius Gracchus
Tiberius Ehrgeiz kannte keine Grenzen, nur kurze Zeit später brachte er seinen Entwurf für das neue Ackergesetz vor den Senat. 21 Ihm standen bedeutsame und einflussreiche Persönlichkeiten der Nobilität zur Seite, die ihn in seinem Projekt unterstützten: Sein Schwiegervater Appius Claudius Pulcher, die beiden Juristenbrüder Publius Mucius Scaevola und Publius Licinius Crassus Dives Mucianus. 22
Selbst Plutarch schrieb über Tiberius Verbündete und Mitstreiter „Er arbeitete das Gesetz freilich nicht allein aus, sondern zog die tüchtigsten und angesehensten Bürger als Ratgeber bei […]“ 23
Die Forschung ist sich uneins, wer die treibende Kraft hinter dem Gesetzentwurf war. Vieles deutet darauf hin, dass die Hintermänner des Tiberius, vorrangig vor allem Appius Claudius Pulcher und Mucius Scaevola, am Plan beteiligt waren. 24 Die Überlieferungen des Appian und Plutarch vermittelten jedoch den Eindruck, dass Tiberius Gracchus der alleinige Initiator des Ackergesetzes war. 25 Ob Tiberius nun derjenige war, der sich mit ganzer körperlicher und physischer Kraft hinter den Gesetzentwurf stellte, lässt sich nicht hundertprozentig beweisen. Fest steht jedoch, dass sich Tiberius als einen herausragenden Redner verstand der wusste, wie er das römische Volk von seiner Idee überzeugen konnte. 26 Appian sprach in lobenden Worten von ihm „[…] Tiberius Sempronius Gracchus, ein angesehener und ehrgeiziger Mann, dazu ein machtvoller Redner und aus all diesen Gründen zugleich allgemein sehr bekannt […]. 27
19 Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt auf das Vetorecht eingehen.
20 K. Christ: Krise und Untergang der römischen Republik. S. 122
21 B. Linke: De römische Republik. S. 24
22 K. Bringmann: Geschichte der römischen Republik. Von den Anfängen bis Augustus. München 2002. S. 202
23 Plutarch. S. 245
24 J. Bleicken: Überlegungen zum Volkstribunat des Tiberius Sempronius Gracchus. S. 265-295. Aus: HZ 247 (1988)
25 Appian. S. 18
26 B. Linke. Die römische Republik. S. 26
27 Appian. S. 18
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Arbeit zitieren:
Svenja Anderson, 2009, Die Ackerreform von 133 v. Chr., München, GRIN Verlag GmbH
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