Inhalt
1. Einleitung Seite 3
2. Christine de Pisan und ihr Werk Seite 5
3. Der Schatz der Stadt der Frauen Seite 9
4. Die Witwe im Schatz der Stadt der Frauen Seite 11
4.1 Die Witwe Christine de Pisan Seite 14
4.2 Die Witwe im europäischen Mittelalter Seite 18
4.2.1 Das Erbrecht der Witwe Seite 23
5. Schluss Seite 26
6. Anmerkungen Seite 28
7. Quellen- und Literaturverzeichnis Seite 33
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1. Einleitung
Christine de Pisan 1 war die erste französische Dichterin, die sich ihren Lebensunterhalt mit dem Schreiben verdiente. Ihre zum Teil stark autobiografischen Werke, propagieren immer wieder die Gleichwertigkeit von Mann und Frau 2 und vermitteln einen Blick auf die Gesellschaft Frankreichs in der Zeit des Hundertjährigen Krieges. 3
Die „unermüdliche Vielschreiberin“ 4 hinterließ ein umfangreiches Werk, das zunächst vergessen schien und erst im 18. Jahrhundert wieder interessant für die Wissenschaft wurde. Seit Beginn des 20.Jahrhunderts wächst das anfängliche spärliche Beschäftigen mit der Autorin, besonders im Zusammenhang mit der Frauenbewegung und deren Interesse an vergessenen Autorinnen. Hierbei meinten einige in Christine eine Kämpferin für die Rechte des weiblichen Geschlechts zu entdecken. 5 Margarete Zimmermann bemerkte, dass seit den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts eine Zunahme der Studien zu Christine de Pisan hauptsächlich von Forscherinnen aus Frankreich und den USA zu verzeichnen ist. 6 Doch längst sind nicht alle Werke Christines editiert, beziehungsweise liegen in Übersetzungen vor.
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit werde ich an den Anfang meiner Arbeit einen kurzen Überblick zum Leben und Werk 7 der ersten Berufsschriftstellerin Frankreichs 8 stellen.
Danach möchte ich mich ausführlicher dem Schatz der Stadt der Frauen, auch das Buch der drei Tugenden genannt, zuwenden und vor allem den Blick Christines auf die Witwen, der sie zwei Kapitel widmete, folgen. Ich werde der Frage nachgehen, in wie weit Christine ihre Ratschläge an verwitwete Frauen auf sich selbst anwandte. Dabei ist es mir wichtig, herauszustellen, welche Meinung sie von der Witwenschaft besitzt und diese eher positiv oder negativ beschreibt.
Auf dieser Grundlage betrachte ich die Witwe im europäischen Mittelalter. Obgleich ich mir bewusst bin, dass es keine homogene Gruppe von Witwen gab und man durchaus nach Zeit, Region, gesellschaftlicher Stellung und materieller Vorraussetzungen der verwitweten Frau unterscheiden muss. Ich vergleiche danach das von mir entwickelte Bild der europäischen Witwe mit dem, das Christine von der Witwe im Schatz der Stadt der Frauen zeichnet. Ebenso lohnt ein Vergleich mit der Witwe Christine de Pisan selbst.
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Ich werde die Vor- und Nachteile der Witwenschaft abwiegen und mich besonders auf das Erbrecht der Witwe konzentrieren. Im Anschluss werde ich meine Ergebnisse zusammenfassen und einen Ausblick auf die Situation der Witwer im europäischen Mittelalter anschließen.
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2. Christine de Pisan und ihr Werk
Das Werk der Christine de Pisan enthält „weltliche und religiöse Lyrik, Lehrgedichte, Traktate, Streitschriften, tagespolitische Stellungnahmen, Aufrufe zum Frieden in dem von Bürgerkriegen zerrütteten Frankreich [und] historiographische Werke.“ 9 Die Schriftstellerin wurde 1364 oder 1365 in Venedig geboren, verbrachte ab 1368 ihre Kindheit in Paris am französischen Hof Karl V. „inmitten von Wohlstand und einer blühenden frühhumanistischen Kultur und Bildung“ 10 als Tochter des königlichen Leibarztes und Astrologen Tommaso da Pizzano. Nach Zühlke entstammt sie dem städtischen Patriziat. 11 1379 wird sie fünfzehnjährig mit dem Edelmann und königlichen Sekretär Etienne du Castel verheiratet. Aus dieser Ehe gehen drei Kinder hervor.
Ihre Lebensverhältnisse wandeln sich mit einer Reihe von Schicksalsschlägen, die dicht aufeinander folgen: So stirbt zunächst am 16. September 1380 der Gönner der Familie Pisan, Karl der V., wenige Jahre darauf 1387 oder 1388 12 ihr Vater und schon zwei Jahre danach verschied am 7. November 1890 ihr Mann an einer Seuche auf einer Reise. Jetzt zum Haushaltsvorstand geworden, muss Christine für sich und ihre Familie sorgen, da sie keinerlei Unterstützung von Freunden beziehungsweise von ihren Verwandten, wie ihren Brüdern erhält. Zudem wird die junge Witwe „von Gläubigern belagert, von Schuldnern der Familie dagegen im Stich gelassen [und] sah [...] sich einer Reihe von Gerichtsverfahren ausgesetzt.“ 13 Neben der materiellen Not und den Zwangsvollstreckungen erleidet sie Demütigungen: „Oh Gott, wie viele Belästigungen und widerliche Blicke, wie viel Spott aus dem Munde angetrunkener Männer, die selbst im Überfluß lebten, mußte ich mir da gefallen lassen!“ 14 So klagt sie in ihrer am stärksten autobiografisch gezeichneten Schrift L’Avision Christine, eine allegorische Traumreise durch verschiedene Welten, die sie 1405 vollendet. 15 Doch die Witwenschaft ermöglicht ihr erst ihre Karriere als Schriftstellerin. Christine verdient sich ihren Lebensunterhalt zuerst als Schreiberin durch das Kopieren von Werken. Danach verfasst sie eigene Gedichte, die sie an vermögende französische Adlige verschickt. Zusammengefasst ist ihre Lyrik aus den Jahren 1394 bis 1399 in der Sammlung Cent bonnes balades. Schon bald werden ihre Gedichte geschätzt, die alle beliebten Formen der damaligen höfischen Dichtkunst bedienen. 16 Zu ihren weiteren Werken in Versform zählen unter anderem das Livre des Trois Jugement
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von 1402, das Livre du Chemin de Long Estude aus den Jahren 1402/03 sowie die 1403 entstandene Schäferdichtung Le dit de la Pastore, in der sie höfische Damen vor der Enttäuschung einer Affäre warnt. 17
Der zeitgenössischen intellektuellen Öffentlichkeit wird sie durch den Streit um den Rosenroman bekannt. Im Epître au dieu d’amour von 1399 und im Dit de la rose von 1401 greift sie den zweiten Teil des Rosenromans von Jean de Meung und dessen frauenverachtende Position an. 18 Es ist die „erste frauenfeindliche Kontroverse“ 19 , die über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt wird. 20 Christine spricht sich für eine Gleichberechtigung von Mann und Frau im physischen, moralischen und intellektuellen Bereich aus. 21 In diesem Streit zeigte sich, dass Christine de Pisan über eine überdurchschnittliche Bildung im Vergleich zu ihren Zeitgenossinnen verfügte, da sie die lateinischen Erwiderungen der Kontrahenten verstand. 1402 fasst sie alle Schriftstücke des Streitfalles in einer Prunkabschrift zusammen und überreicht sie Königin Isabeau von Bayern. Christine bittet sie als Schiedsrichterin ihren „Argumenten Glauben zu schenken und ihnen gewogen zu sein. Und alles soll Eurer [Königin Isabeaus - D. C.] klugen und milden Berichtigung unterworfen werden.“ 22
Christine de Pisan genießt immer mehr Ruhm und Ansehen. So beauftragt sie Philipp der Kühne von Burgund einen Herrschafts- und Lebensbericht seines Bruders Karl V. zu schreiben. Diese Aufgabe „ist in großer Vertrauensbeweis des Herzogs, eine persönliche Auszeichnung für Christine. Die Geschichte der königlichen Familie aufzuzeichnen, war bis dahin den Mönchen von Saint-Denis vorbehalten gewesen“ 23 beziehungsweise höheren Beamten. Philipp der Kühne stirbt jedoch 1404 und das Livre des faits et bonnes moers de Charles V. wird erst 1406 von dessen Nachfolger Herzog Johann erworben. Zeit ihres Lebens bewunderte Christine de Pisan den Mut, die Ritterlichkeit und die Weisheit Karl V., in ihm „sah sie das Ideal des Rittertums und zugleich das einer starken Monarchie - für sie der einzige Garant eines sicheren Friedens - verkörpert.“ 24
1404/05 entsteht das Livre de la cité des dames, in dem die Allegorien Frau Vernunft, Frau Gerechtigkeit und Frau Rechtschaffenheit Christine eine Stadt errichten helfen, in der schutzlose Frauen aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Zuflucht finden. Im Anschluss verfasst sie als Leitfaden für die Erziehung der Frau aus allen Gesellschaftsschichten den Schatz der Stadt der Frauen oder Das
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Arbeit zitieren:
Doreen Czekalla, 2002, Christine de Pisans Schatz der Stadt der Frauen und die Witwe im europäischen Mittelalter, München, GRIN Verlag GmbH
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