Was ist Wissen? Und woher wissen wir etwas? Wann sagen wir, dass wir etwas wissen? Welches sind verlässliche Informationen, auf die wir uns dabei stützen und welches sind nur Gerüchte? Wann dürften wir nicht sagen, wir wüssten etwas? Können wir überhaupt behaupten, wir wüssten irgendetwas? Auf letztere Frage werde ich zunächst zu sprechen kommen. Was, wenn alles, was wir wahrnehmen, doch nicht so real ist, wie es uns erscheint? Im US-amerikanischen Science-Fiction-Film „Matrix“ (1999) hat A. Anderson, der sich hinter dem Internet-Pseudonym Neo versteckt, das Gefühl, dass mit seinem Leben irgendetwas nicht zu stimmen scheint. Im Internet sucht er deshalb nach dem Anführer einer Untergrundbewegung mit dem Decknamen Morpheus, von dem er sich Antworten auf die quälenden Fragen erhofft. Morpheus kennt den Grund seiner Suche und sagt ihm: „Ich will dir sagen, wieso du hier bist. Du bist hier, weil du etwas weißt. Etwas, das du nicht erklären kannst. Aber du fühlst es. Du fühlst es schon dein ganzes Leben lang, dass mit der Welt etwas nicht stimmt. Du weißt nicht was, aber es ist da. Wie ein Splitter in deinem Kopf, der dich verrückt macht. Dieses Gefühl hat dich zu mir geführt.“ 1 Neo erfährt von Morpheus, dass alle Menschen der Erde, bis auf wenige Befreite, an einer komplexen Computersimulation, der Matrix, angeschlossen sind, die deren Geist kontrolliert. Diese virtuelle Welt erscheint ihnen als reales Leben.
Was wäre, wenn wir selbst nur Teile eines komplexen Computersystems wären, und die eigentliche Realität nie entdecken könnten. Könnten wir in dieser Situation sagen, wir wüssten etwas? Wir würden es nicht wissen, wären wir Teil eines solchen Systems. Doch trotzdem musste ein Ausdruck für das gefunden werden, von dem wir glauben, dass es wahr und begründet ist, und das nennen wir Wissen.
Thomas Nagel sagt, man könne sich nur über dass Innere seines Bewusstseins ganz sicher sein, und dass „Was immer man glaubt (...), es gründet sich auf die eigenen Erlebnisse und Gedanken, Gefühle und Sinneseindrücke.“ 2 Das würde bedeuten, dass wir nur über uns selbst etwas wissen, weil wir wissen, wie wir uns fühlen, wie wir denken usw. Über unsere Umwelt dürften wir nicht behaupten, dass wir sie kennen bzw. etwas über sie wissen, da jeder sie individuell wahrnimmt. Trotzdem glauben wir, viele Dinge über sie zu wissen. Hierbei sollte man aber zwischen Fakt und Möglichkeit unterscheiden, wobei wir von ersterem wirklich wissen können. Wenn ich beispielsweise beobachte, wie ein Auto vor einen Baum fährt, weiß ich, dass es passiert ist, weil ich und andere Menschen es selbst wahrgenommen
1 Wachowski, Larry u. Andy: “Matrix” der Film; Joel Silver; Warner Bros. Pictures; 1999 vgl. http://filmtipps24.tv/matrix
2 Nagel, Thomas: “Was bedeutet das alles” ; S. 10; Philipp Reclam jun. GmbH & Co.; Stuttgart, 1990
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haben und es keine Zweifel daran gibt, dass es geschah. Es ist ein Fakt. Wenn der Fahrer mir daraufhin sehr überzeugend erzählen würde, wieso dies geschah, nämlich, weil er zu einem unpassenden Zeitpunkt ein Taschentuch aus seinem Handschubfach kramte und deshalb von der Straße abkam, würde ich behaupten, ich wüsste nun, wie es passierte. Doch kann ich in dieser Situation behaupten, dass ich die Unfallursache wüsste? Der Fahrer könnte mich doch auch angelogen haben. Selbst wenn es so wäre, wüsste nur der Fahrer von seiner Handlung, die wahrscheinlich nicht ausreichend bewiesen werden kann und somit für mich und den Rest der Menschen keinen Fakt darstellt. Es wäre für mich nur eine Möglichkeit, dass der Vorfall sich so abgespielt hatte. Trotzdem glaube ich, es zu wissen. Wir wissen viele Dinge nur von Erzählungen oder Berichten, kurz gesagt vom Hörensagen. Dazu gehört z.B. unser Geburtsdatum. Bei meiner Geburt war ich zwar anwesend, kann mich jedoch nicht mehr an sie erinnern. Da ich die Fakten dieser Situation nicht kenne, kann ich auch nicht behaupten, dass ich wüsste, dass ich am 09.08.1990 um genau 09.28 Uhr geboren bin. Aber ich glaube es aufgrund von Erzählungen zu wissen. Diese Erzählungen sind Informationen, die mich dazu veranlassen, es zu wissen. Wenn unser Wissen auf solchen Informationen beruht, erscheinen uns diese als verlässlich und überzeugend, was jeder Mensch individuell empfinden kann. Um es doch etwas allgemein zu fassen, liegt es in erster Linie daran, dass uns eine Information als glaubwürdig erscheint. Wenn dies nicht der Fall sein sollte, können wir sie doch als verlässlich empfinden, wenn uns bestimmte Beweise geliefert werden, die uns persönlich überzeugend erscheinen. Ein weiterer Faktor dabei spielt natürlich auch das Vertrauen, welches wir zu der Quelle aufbringen. Die Antworten auf Fragen nach meiner Geburt bekomme ich hauptsächlich von meinen Eltern, die ja ebenfalls anwesend waren und zu denen ich mein Leben lang Vertrauen aufgebaut habe. Ihre Informationen erschienen mir als zuverlässig. Bis zu einem bestimmten Alter glaubte ich auch alles, was sie sagten. Und jetzt erscheinen sie mir als zuverlässig, da ich von meinen Eltern nicht erwarten würde, dass sie mich in einer so wichtigen Frage belügen würden. Nun glaube ich die Antworten zu wissen, obwohl die elterlichen Aussagen für mich doch eigentlich nur Möglichkeiten und noch keine Fakten darstellen. Würde ich in meine Geburtsurkunde schauen, käme das einem Faktum schon näher, trotzdem könnte es sein, dass sie eventuell gefälscht wurde oder ähnliches. Da ich mich nicht mehr erinnern kann, muss ich mich auf die Aussagen verlassen, die mir mitgeteilt wurden, wobei ich hierbei nicht von Wissen von dieser Situation, sondern eher von Wissen über die zu mir gelangten Aussagen über diese Situation sprechen kann. Das einzige, was ich eigentlich nur wissen kann ist, dass ich überhaupt geboren bin. Das ist ein Fakt und der Beweis ist, dass ich lebe. Von den
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Arbeit zitieren:
Anika Mehner, 2009, Was wissen wir überhaupt?, München, GRIN Verlag GmbH
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