Inhaltsverzeichnis
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1. Einführung 1
2. Film in der Weimarer Republik 1
2.1 Gründung der Ufa 1
2.2 Situation des Films zu Beginn der Weimarer Republik 2
3. Der Film des nationalen Mythos 4
4. Film im Dritten Reich 5
4.1 Nationalsozialistische Filmpolitik ab 1933 5
4.2 Der „unpolitische“ Unterhaltungsfilm im Dritten Reich 11
5. Quax der Bruchpilot 12
5.1 Inhalt 12
5.2 Interpretation 14
6. Resümee 18
1. Einführung
Ich möchte in dieser Arbeit die verschiedenen Aspekte des Filmwesens im Dritten Reich darstellen unter besonderer Berücksichtigung des Unterhaltungsfilms, der mit 86 % den weitaus größten Anteil an der Gesamtfilmproduktion hatte. Da der Film im Dritten Reich direkt aus dem der Weimarer Republik hervorgegangen ist, werde ich zunächst die Tradition des Unterhaltungsfilms in der Weimarer Republik beschreiben, beginnend bei der Gründung der Ufa im Jahre 1917. Danach werde ich schildern, wie im Dritten Reich auch die Filmproduktion im Zuge der Gleichschaltung umstrukturiert wurde und für die, im Bereich des Unterhaltungsfilms teilweise auch unterschwelligen, propagandistischen Zwecke des nationalsozialistischen Regimes eingesetzt werden konnte.
Abschließend werde ich beispielhaft den Film „Quax der Bruchpilot“ mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle näher untersuchen.
2. Film in der Weimarer Republik
2.1 Gründung der Ufa
Die propagandistischen Möglichkeiten des Films wurden nicht erst in den Zeiten des Nationalsozialismus entdeckt, sondern schon im Ersten Weltkrieg, wenn auch erst relativ spät. Im dritten Kriegsjahr spitzte sich die Lage in Deutschland zu. Zu den inneren deutschen Spannungen traten verschiedene außenpolitische Ereignisse wie z.B. die Februar-Revolution in Rußland und die Kriegserklärung der USA an Deutschland. Alle militärischen Stellen, die sich mit Propaganda befaßten, wurden nun auf Betreiben von Erich Ludendorff, dem Ersten Generalquartiermeister beim Chef des Generalstabs, zentralisiert und im Außenministerium zusammengefaßt. Damit war der erste Schritt zur Schaffung eines eigenen Propa-gandaministeriums getan. Das Interessante in Hinsicht auf den Film ist nun,daß eine wichtige Stelle in dieser neuen Propagandaabteilung das Bild-und Film-Amt (BUFA) war, das am 31.1.1917 gegründet wurde. Seine Aufgabe sollte fortan die Koordination der Filmproduktion sein. Die
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Effektivität des BUFAs hielt sich allerdings in Grenzen, was zum einen daran lag, daß die von ihm produzierten Filme nicht erfolgreich waren und zum anderen an der Konkurrenz durch die zivile Deutsche Lichtspiel-Gesellschaft (DLG), die 1916 aus verschiedenen Wirtschaftsverbänden gegründet worden war. So war das BUFA weniger von praktischer als von geschichtlicher Bedeutung, indem es den ersten Versuch darstellte, gezielt und einheitlich organisiert die Filmproduktion zu propagandistischen Zwecken einzusetzen. Da das BUFA den gewünschten Zweck nicht zufriedenstellend erfüllte, dachte Ludendorff weiter und forderte am 4. Juli des gleichen Jahres in einem Brief die
Vereinheitlichung der deutschen Filmindustrie, um nach einheitlichen großen Gesichtspunkten eine planmäßige und nachdrückliche Beeinflussung der großen Massen im staatlichen Interesse zu erzielen. 1 Damit war das Konzept der Ufa formuliert. Am 18. Dezember wurde sie ins Berliner Handelsregister eingetragen. Bald war sie der mächtigste deutsche Filmkonzern, der fast alle anderen wichtigen Filmproduktionen in sich aufnahm.
2.2 Situation des Films zu Beginn der Weimarer Republik
Es gab in der Weimarer Republik ein sehr großes Angebot an Unterhaltungsfilmen, das auch wahrgenommen wurde. Der deutsche Film strebte vor allem nach Popularität. Wie populär er in der Tat war, möchte ich mit einigen Zahlen illustrieren :
Rund 500 Filme wurden 1919 von über 200 Produktionsfirmen im Deutschen Reich produziert; es gab 3000 Lichtspielhäuser. Eine Million Menschen besuchte täglich die Kinos. Die Ufa, die größte deutsche Produktionsgesellschaft, beschäftigte 1919 bereits 2500 Mitarbeiter; es gehörten ihr elf große Filmtheater mit durchschnittlich 1500 Plätzen. 2
Es wurde so viel produziert, daß die deutsche Filmproduktion rein quantitativ weltweit an zweiter Stelle direkt hinter Hollywood stand. Mit 20 Milliarden Reichsmark Investition und über 20000 gewerkschaftlich organisierten Arbeitern stellte die deutsche Filmindustrie den drittgrößten deutschen Industriezweig überhaupt dar.
1 „Geschichte des deutschen Films“, S. 37.
2 Ebd., S. 39.
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Ich werde nun die populärsten Formen des Unterhaltungsfilms kurz darstellen.
Beliebt war auch damals schon die Serie, die durch ihren Aufbau, durch die immer wiederkehrenden Strukturen und Charaktere das Publikum an sich band. So gab es die überaus beliebten Detektivserien mit Helden wie Sherlock Holmes, Harry Hill oder Miss Clever, deren Hauptproduzent Harry Piel war.
Als weitere Form der Serie gab es die Melodramen, in deren Mittelpunkt meist verfolgte Frauen standen. Sie thematisierten das Problem des Geschlechterverhältnisses, das durch den Krieg unsicher geworden war und behandelten die Frage, ob die Frau nun, da der Krieg vorüber war und die Männer heimgekehrt, die während der Abwesenheit des Mannes gezwungenermaßen angenommene selbständige Rolle beibehalten oder aber sich sozusagen um die „Resozialisierung“ der durch den Krieg veränderten Männer kümmern sollten, mit der Aussicht, danach wieder in die passive Rolle zurückzufallen, die sie vor dem Krieg innegehabt hatten. Der Krieg hatte ebenfalls Auswirkungen auf die sexuellen Verhaltensweisen gehabt und moralische Tabus gebrochen. So gab es in der ersten Nachkriegszeit viele Aufklärungsfilme, die sich mit diesem Thema befaßten. Wissenschaftlicher Berater hierbei war in vielen Fällen der Sexualforscher Magnus Hirsch. Die Produktion von Aufklärungsfilmen dauerte in größerem Umfang jedoch nur solange an, bis im Mai 1920 das neue Reichslichtspielgesetz in Kraft trat, das alle Filme der Vorzensur unterwarf. Dem italienischen Monumentalfilm nachempfunden waren die sogenannten „Großfilme“, deren Hauptvertreter Ernst Lubitsch und Joe May waren. Bedingt durch die vier Kriegsjahre, in denen die Menschen fast keinen Kontakt zum Ausland und zu fremden Kulturen hatten, war nach Ende des Kriegs das Interesse daran desto größer. Mit aufwendigen Produktionen wurden nun fremdländische Schauplätze zum Teil originalgetreu nachgebaut, wie z. B. der Circus Maximus in Joe Mays Film „Veritas vincit“, der 1918 für etwas weniger als eine Million Mark gedreht wurde. Beim nächsten Film Mays, „Die Herrin der Welt“, wurden für fast sechs Millionen Mark chinesische und afrikanische Schauplätze nachgebaut.
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So gab es in der Weimarer Republik eine ausgeprägte Kultur des Unterhaltungsfilms. Von den tausenden Filmen, die damals gedreht wurden, sind jedoch nur 10 % erhalten. Viele lassen sich nur noch über Programmhefte, Kritiken u.ä. rekonstruieren.
3. Der Film des nationalen Mythos
Besonders deutlich wird die Kontinuität des deutschen Films zwischen Weimarer Republik und Drittem Reich an dem Phänomen der Filme über nationale Mythen, insbesondere über Friedrich II. Die Deutschen hatten sich zu Zeiten des Kaiserreichs an pompöse Spektakel gewöhnt, in denen die nationale Größe auf feierliche Weise gefeiert und ihr nationales Ehrgefühl gestärkt wurde, z.B. bei Militärparaden oder bei kaiserlichen Paraden. Dies alles vermißten viele Menschen in der Weimarer Republik schmerzlich. Ich zitiere Anton Kaes :
Die militärische Niederlage, der Untergang des Kaisertums und die Bedingungen des Versailler Vertrags waren eher dazu angetan, den deutschen Überlegenheitskomplex zu knicken. Die Republik tat sich schwer mit politischer Selbstdarstellung, mit nationalen Symbolen und Mythen; deutsche Identität zu feiern war für die sozialdemokratische Weimarer Regierung keine Option. Die Öffentlichkeit aber schien die Identifikation mit Deutschlands früherer Größe im imaginären Bereich in dem Maße zu brauchen, wie sie sie in der Politik der Gegenwart vermißte. 3 Dieses „Loch“ im nationalen Ehrgefühl der Deutschen versuchte nun der Film zu stopfen, indem er glanzvoll deutsche Mythen in Szene setzte. So drehten beispielsweise Fritz Lang und Thea von Harbou einen zweiteiligen Film über die Nibelungen. Auch die „große“ deutsche Bergwelt wurde wirkungsvoll eingesetzt, um den Deutschen das „Gefühl ihrer Größe“ wieder näher zu bringen. 1926 entstand der Film „Der heilige Berg“ mit Leni Riefenstahl und Luis Trenker, 1929 „Die weiße Hölle vom Piz Palü“, 1930 „Stürme über dem Mont Blanc“ und 1931 „Der weiße Rausch“. Besonders wichtig in diesem Zusammenhang war die Figur Friedrichs II. Der ungarische Regisseur Arzen von Cserépy drehte den vierteiligen Film „Fridericus Rex“. Im Januar 1922 entstanden der erste und der zweite Teil und im März 1923 der dritte und vierte Teil. Mit der Figur Friedrichs II.
3 Ebd., S. 73.
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Arbeit zitieren:
Florian Görner, 1999, Der 'unpolitische' Unterhaltungsfilm im Dritten Reich, München, GRIN Verlag GmbH
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