Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 4
Kapitel 1: Der globale Wanderer 6
Kapitel 2: Wie entsteht Heimat? 11
Kapitel 3: Wie schafft man Heimat? 14
Kapitel 4: Heimat und Weg 19
Kapitel 5: Heimat und Ziel 45
Vorwort
Diese Reflektion über die Heimat thematisiert die mehr oder weniger bewußte Suche
zahlreicher Menschen nach einer äußeren, wie auch einer inneren Heimat. Eine wichtige
Erkenntnis ist, daß wir eigentlich keine Heimat haben, sondern daß wir sie vielmehr selbst
sind, so sehr sind wir mit ihr verwoben, sowohl mit der materiellen, als auch der kulturellen
und der geistigen. Eine Heimat haben, einen Namen haben und „Macht“ in Bezug auf die
Einflußnahme auf die Umwelt haben sind als die drei Säulen des Glücks des Menschen
bezeichnet worden.
Im Zeitalter der Globalisierung und vielfältiger Einflüsse, die die überkommenen
Selbstverständlichkeiten in Bezug auf unsere körperlich-geistige Heimat, ja selbst unsere
wahre Identität in Frage stellen, ist es erforderlich, den für das Wohlergehen des Menschen
bedeutsamen Heimatbegriff neu zu überdenken und auf diesem Wege eine Sensibilisierung
für ein Heimatbewußtsein einzuleiten, das uns verankern kann, um in dem Kreuzfeuer der
heutigen Vielfalt der innerlichen und äußerlichen Herausforderungen besser bestehen zu
können und unsere Gestaltungsmacht in Bezug auf die Realisierung unserer Identität sowie
auf die Umwelt Welt in vollem Umfang wahrzunehmen.
Über ein erweitertes und vertieftes Verständnis des Heimatbegriffs wird erforscht, wie die
Integration verschiedener Heimaten unter christlichem Blickwinkel in die Realität umgesetzt
werden kann. Interkulturelle Forschung und christliche Tradition können den Weg in die
planetare Heimat des dritte Jahrtausends weisen, in der die Berufung des Menschen zu Würde
und Wesen seiner individuellen Persönlichkeit gewahrt bleibt.
Treffen sich zwei Reisende in einem Überschallflugzeug, auf einem Überseedampfer oder an einem anderen Ort des Übergangs, und somit de Begegnung, so ist eine der zentralsten Fragen: Woher kommen Sie? D’où venenz-vous? Man versucht es weiter, um diese Schlüsselfrage zu klären, bis man die Sprache findet, mit der der so Angesprochene gut genug umgehen kann, um Sie zu beantworten. In einigen Teilen der Welt wird man auf eine mutmaßliche Lingua Franca, oder Universalsprache, wie beispielsweise Spanisch und nicht zuletzt natürlich die Weltsprache Englisch zurückgreifen. Manche steigen auch gleich mit dieser Sprache ein, wenn Sie nicht multilingual sind oder wenn Sie die Herkunft des anderen nicht erahnen können. De donde es Usted? Oder „Where are you from?“ Das sind die Universalsprachen der Amerikas vom äußersten Norden Alaskas bis Terra del Fuego an der Südspitze Chiles. Alle diese Sprachen sind von der lateinischen Sprache geprägt, das Deutsche am geringsten, die romanischen Sprachen Französisch und Spanisch werden in den romanischen Ländern sogar als lateinische Sprachen bezeichnet. Im frankophonen und anglophonen Afrika - frankophon in Westafrika und anglophon in Ostafrika - wird man ohne die zahllosen Bantusprachen zu beherrschen - mit den Sprachen der ehemaligen Kolonialherren eine Antwort in diesen Kolonialsprachen entlocken, da die Kolonialmächte ihre Spuren im dortigen Bildungssystem und der Staatsverwaltung, inklusive der Sprache hinterlassen haben, die eine zentrale Komponente der Machtpolitik der Kolonialherren war und dies bis heute ist, da sie eine starke kulturelle Bindung an die Kolonisatoren mit sich brachte. Man schließt Bünde mit Vorzugsklauseln im Bereich der Politik, der Wirtschaft und der Bildung.
Befindet man sich in Teilen Asien, wie beispielsweise Indien, das neben anderen 15 offiziellen Sprachen, Englisch auch als sein koloniales Erbe aufweist, so muß man mit dem Pendant des Latein in Asien vertraut werden, das heißt, mit Sanskrit und den darauf
basierenden Sprachen wie Hindi und Urdu oder sinische Sprachen, wie Chinesisch, dessen Han Version, die Sprache der offiziellen Mehrheit der Chinesen ist und diese wiederum war prägend für das Japanische, insbesondere die Schriftzeichen, die Bildersprache der Ideogramme. Neben dem slawischen Russisch spielen die Turksprachen Zentralasiens und natürlich das Persische und Arabischen eine geopolitisch und sprachlich prägende Rolle in diesem Teil der Welt. Mit einer guten Handvoll Sprachen könnte man also seine Frage nach dem „woher“ und „wohin“ weltweit beantwortet bekommen. Die meisten dieser Sprachregionen, die auch kulturelle Gemeinsamkeiten haben, weil die Sprache die Denk- und Fühlweisen der Menschen mitprägt sind heute, insbesondere seit der digitalen Generation und der weltweiten Kommunikationsvernetzung durch das übergeordnete
Kommunikationsmedium des Englischen weitgehend integriert.
Nun, nachdem die Frage „woher kommen Sie?“ mit etwas mehr oder weniger Small Talk (soziale Konversation im Rahmen der sprachlichen Möglichkeiten) angereichert geklärt wurde, nähert man sich bisweilen oft schon dem nächsten Flughafen. Kaum ist man gelandet und nähert sich den Einwanderungsbehörden des Ziellandes, so ertönt von neuem die Frage des „woher kommen Sie?“ Hier wird keine mündliche Erklärung akzeptiert, es gelten nur möglichst fälschungssichere Dokumente mit möglichst vielen offiziellen Siegeln, um den Einreisenden den Einwanderungsbehörden im Hinblick auf eine mehr oder weniger vorübergehende Heimatgewährung genehm erscheinen zu lassen. Verfügt man nicht über eine derartige Legitimation im Hinblick auf seine Heimat, die trotz aller anderen Bestrebungen gegenwärtig immer noch eine nationalstaatliche ist, das heißt, einem der circa 200 in der UNO vertretenen Staaten angehört, so gewährt normalerweise kein Land der Welt das Recht auf eine zeitweilige Heimat im gewünschten Zielland. Hat man bereits eine Heimat, so gewährt man großzügig eine, zwei oder n weitere (soweit das Portemonnaie reicht) kurz- oder längerfristige Beheimatungen, kann man jedoch kein Heimat nachweisen, so wird einem auch keine weitere gewährt. Wer schon hat dem wird dazugegeben, wer nichts hat, dem wird das wenige, das er hat keine Frucht bringen. Deshalb muß man seine Heimat, zumindest was die nationalstaatliche Legitimation anbelangt, wie seinen Augapfel hüten.
Während meines siebenstündigen Flugs von Frankfurt nach Neu Delhi hielt ich daher im Bewusstsein der Bedeutung dieser nationalen Heimatlegitimation mein elegantes Lederetui mit allen erforderlichen Aus- und Nachweisen fest unter meine recht Achselhöhle geklemmt. Der Stunden währende Small Talk mit meiner Schweizer Nachbarin, die eine Vielfliegerin auf dieser Route war, brachte es mit sich, dass mein schmales Lederetui mit diesen Kronjuwelen
der Heimat, im Laufe der Zeit in den Spalt zwischen den Flugzeugsitzen hinabklitt, ohne daß ich dies im Konversationseifer mit der Züricher Hotelière-Dame und in Erwartung einer exotische Destination bemerkt hätte. Als ich dem Flugzeug entstieg, das für den Weiterflug nach Bahrain bereit gemacht wurde und mich den indischen Einwanderungsbehörden näherte und mir klar wurde, daß ich meinen „Kronzeugen“ für meine international-rechtliche Heimat nicht mehr bei mit hatte, kehrte ich durch den Tunnel zwischen Gate und Flugzeugeinstieg zu zu deren Suche an meinem Sitzplatz zurück, ohne jedoch fündig zu werden, da die Papiere in dem schmalen Etui tief in den kaum erkennbaren Sitzspalt hineingerutscht waren und somit für mich auffindbar blieben. Da die Maschine lediglich einen Stopover in Delhi auf der routen nach Baharain machte, blieb auch wenig Zeit für eine eingehendere Suche. Nun war ich für die Behörden ein heimatloser, staatenloser Wanderer zwischen politisch definierten Heimatländern. Da ich also nirgendwo hingehörte, steckte man mich vorübergehend in einen kollektiven Sammelplatz, eine Art Quarantäne, bis die Unbedenklichkeit meines heimatstaatlichen Status, also meine rechtlich-politische Gesundheit geklärt würde. Nachweislich von nirgendwo kommend, von keinem Heimatland, hatte ich nur Anrecht auf ein Niemandsland und selbst da nur befristete Aufenthaltserlaubnis, denn falls meine heimatstaatliche Zugehörigkeit nicht in Form eines Passes oder Passersatzes kurzfristig dokumentiert werden könnte, würde man mich eventuell in einem der nächsten Flugzeuge, die die Rückroute meines beendeten Fluges flogen, quasi postwendend zurückschicken und das wäre wirklich eine unerhörte Niederlage für mich, nachdem diese Kulturreise auf den asiatischen Subkontinent einen so hohen Stellenwert für mich besaß. Mit diesem Papier aus dem westlichen Ausland würde man mich gleich einem Maharadscha in die vorübergehende Beheimatung im Zielland regelrecht hineinkomplimentieren, ohne dieses würde man mich gleich einem heimat-, namen- und kastenlosen Paria keines Einlasses, wenn auch noch so befristet, ja nicht einmal eines Schrittes außerhalb des Flughafens, würdig erachten. In der Tat hier nimmt das Papier die Bedeutung eines magischen Juwels an, durch dessen Besitz man sich Zugang zu einem enormen geographisch, historisch-kulturellen Raum erschließen kann. Die einzige Art, Ersatz für den verlorenen papiernen Edelstein mit seinen offiziellen Siegeln zu beschaffen, war das deutsche Konsulat, das aber wegen des Wochenendes telefonisch und anderweitig in keiner Weise erreichbar war. Eine weitere Variante, die auf dem chinesischen Sprichwort „ein Bekannter in der Stadt ist mehr wert als sieben offizielle Siegel“ basierte, tat sich jedoch auf. Ich hatte diese Verbindung in der Gestalt eines ehemaligen Spitzenbeamten der indischen Regierungsbehörden, dessen Intervention mich schnell vom heimatlosen Paria zur privilegierten Person der staatlichen Fluglinie mit großzügiger Verköstigung im Airport
Restaurant machte. Nur Macht kann das Recht zähmen, besonders in einem Land, das nicht ausschließlich durch ein universelles Rechtssystem geprägt ist, in dem jeder, vom Präsidenten bis zum Tellerwäscher mit dem gleichen Maßstab gemessen wird, sondern in dem auch die Position in der Hierarchie und die damit einhergehenden Macht- und Entscheidungsrolle die Gewichte in der Waagschale von Justitia noch verändern kann. Das ist über Jahrtausende autokratischer Herrschaft gewachsen und ist Teil der Kultur. Ein königlicher Service und höfischer Stil sind gleichermaßen eine Tradition des Landes der Maharadschas, der Könige und Prinzen mit ihren erblichen Königtümern. In diesem Sinne kredenzte man mir meine scheinbar unberührtes Lederetui mit den kompletten Inhalten auf einem Silbertablett gegen Morgengrauen, als ich in der Marmorhalle des Indira Gandhi Airports hindämmerte. Eine Grazie an Gestalt in einem samtenen farbenprächtigen Sari weckte mich aus meinem Schlummer rund gab mir meine Identität zurück, mit der ich in die exotische Magie der indischen Nacht von meinem Chauffeur meiner zeitweiligen Heimat entgegenchauffiert wurde. Gruppen hellfarbiger Kühe lagerten an mancherorts des Weges. Sie hatten eine Heimat, die jeder respektierte; Ihr Paß - die allen ersichtliche Identität der Kuh mit der damit einhergehenden quasi sakralen Legitimation. Derartig evidente Insignien zählen beim Menschen nicht. Hier zählen Abstrakta: Stempel. Signaturen etc.
Die Hoffnung auf das Ende das Nationalstaaten und die Hoffnung auf das Heraufdämmern eines supranationalstaatlichen Gefüges wie der EU oder anderen regionalen Integrationen hat sich nicht erfüllt. Im Gegenteil der Kampf der Kulturen hat das nationalkulturelle und somit die Nationen gestärkt. Die ideologischen Gräben wurden durch die kulturellen Verwerfungslinien ersetzt und das kulturelle Wiedererwachen vieler in eine nationalstaatliche Zwangsjacke integrierten Völker, wie beispielsweise auf dem Balkan oder in Zentralasien, hat zu einer Vermehrung der Grenzen und Klüfte zwischen Völkern und Kulturen geführt, allein deshalb, weil - und wie könnte es auch anders seine - alle jene Ethnien, die ihre Autonomie in an ein beherrschendes Staatsgefüge abtreten mußten, ihre eigene kulturelle Heimat beanspruchten und bereit waren dafür ihre Leben zu riskieren und Kriege zu führen. Das kulturelle Heimatgefühl hat somit alle politischen Ideologien überflügelt und das kulturelle Heimatgedächtnis eines Volkes scheint große Zeiträume der Entbehrung der historischen Beheimatung zu überbrücken. Die nationalkulturelle Identifikation scheint sogar gegenwärtig in den satellitenvernetzen digitalen Netzen, die die gesamte Welt zu einem globalen Dorf machen, eher an Bedeutung zu gewinnen. Die omnipräsente Gegenwart des Fremdkulturellen fordert geradezu das eigenkulturelle Bekenntnis heraus. Es sei denn, man akzeptiert sein kulturelles Nicht-Sein, seine Auslöschung in einem globalen Niemandsland. Heimat ist also
eine Frage von „to be or not to be“, von Sein oder nicht Sein. Ob es eine Hybridisierung von Eigen- und Fremdkulturellem und das Entstehen von unvorhersagbaren und unvorhersehbaren Formen von Drittkulturen gibt, ist schwer mit der „to be or not to be“ - Annahme vereinbar. Sicher gibt es eine Grenze der Veränderung der Kernkultur, sowie der geistig-materiellen Plastizität der Kulturmitglieder in Bezug auf ihre Veränderungsmöglichkeit. Möglicherweise muß jedes Individuum und jede Organisation bis hin zum Nationalstaat entscheiden, wie seine kulturellen Integrations- Synergie oder Verweigerungspolitik auszugestalten ist. Jeder Akteur muß die Grenzen seiner Integrität und Integrationsfähigkeit des Fremdkulturellen finden und bestimmen, jene die von seiner Natur her gegeben sind und entsprechend über seine spezifische interkulturelle Politik uns Praxis befinden. Welche Toleranzen haben die kulturellen Heimatkoordinaten im Hinblick auf die Wahrung ihres sinngebenden Fortbestands? Das ist eine Frage des kollektiven und daher individuellen Seins oder nicht Seins, da Individuen und Kollektive untrennbar interdependent sind.
Statt den Nationalstaat über die regionale Blockbildungen hin zu einer Form oder Ansätzen einer Weltregierung in den Annalen der Geschichte verschwinden zu lassen, kann man nun zwar eine technologischen Konvergenz der Welt bei gleichzeitiger kulturellen Divergenz der Welt insgesamt betrachten. Die erhoffte kulturelle Konvergenz infolge der technologischen Konvergenz blieb aus. Das Gefühl der Bedrohung der kulturellen Heimat durch den wissenschaftlich-wirtschaftlich-technischen weltweiten Universalismus reagiert mit einer verstärkten Selbstbehauptung des Kulturellen, des Heimatgefühls und Heimatsinns, ohne das die Menschen das Gefühl der Beherrschung und Entfremdung durch etwas Namensloses, Sinnentleertes haben. Ihr Leben ist mit ihrem Daseins- und Soseins-Sinn, der in der Heimat mit ihrer Kultur verankert ist, gekoppelt. Ihr Heimatbewußtsein ist ihr kollektiver Lebenssinn. Es ist der Heimatsinn, für den sie auch zu kämpfen bereit sind. Wenn der kulturelle Heimatsinn mit dem religiösen Heimatsinn, also der physische und metaphysische potenziert wird, dann entsteht Fundamentalismus mit den weltweiten Konsequenzen, die allen seit Nine Eleven (amerikanische Bezeichnung für die New Yorker Flugzeugterror Attacken auf die Twin Towers) ins Bewußtseinsfeld gerückt wurden. Die physisch-metaphysische Kopplung des Heimatsinns zu Bestärkung desselben kann das Kulturkampfphänomen heraufbeschwören, das verheerender als die ideologischen Fronten des Faschismus und Kommunismus des zwanzigsten Jahrhunderts sein kann. Diese Diagnostik für zur Frage, welche Therapeutik erforderlich ist, um den Heimatsinn der Menschen zu befrieden, damit sie ihn nicht gewaltsam durch seine religiöse Verabsolutierung befriedigen müssen - mit den damit einhergehenden Konsequenzen.
Wie entsteht die Fokalisierung auf und der Inhalt dessen, was man als Heimat bezeichnet? Es scheint die Erinnerung an etwas zwingend Notwendiges, weil fundamental Sinngebendem zu sein, das man gehabt hat, wenn man es vermißt oder gern gehabt hätte, falls man es nicht erfahren hat. Seitens einiger Psychologen wird behauptet, daß die geistigen Grundlagen des Menschen bereits in der Generation der Großeltern gelegt werden. Die Kulturanthropologie geht davon aus, daß die kulturelle Prägung, die Teil der Beheimatung eines Individuums ist, mit der Primärsozialisierung in der Familie beginnt. Die Grundwerte werden quasi von Unterbewußtsein zu Unterbewußtsein weitergegeben. Sie bilden das Wertesystem, das in der frühen Jugend unbewußt in Wechselwirkung mit der menschlichen und natürlichen kulturellen Heimat internalisiert wird. Die nationalkulturellen Werte, sowie die individualkulturellen, die aufgrund der zahlreichen weiteren Gruppenzugehörigkeiten, wie Region, Religion, Ethnie, Beruf, Alter, Geschlecht etc. eine größere Zahl von kulturellen Ebenen bilden, die sich zu einem Werte-, Einstellungen-, Denk- und Fühlweisen Komplex und den dadurch kausal bedingten Verhaltensmustern verdichten. Die Linguisten und andere Denker betonen auch das Prägende unserer Muttersprache in Bezug auf unsere Denken und Fühlen. Jede Sprache stellt eine spezifische Ressource bereit, die den mental emotionalen Raum bestimmt, der den Sprechern einer Sprache zur Verfügung steht. Wenn man bedenkt, daß die Babies bereits in der pränatalen Phase insbesondere dem Effekt der mütterlichen Stimme und dem des kulturellen Umfeldes ausgesetzt sind und daß die mütterlichen Stimme die erste grundlegende und daher prägende stimmlich-sprachliche Erfahrung des Neugeborenen im empfindsamsten Alter in dem die Motorik und Sensorik entwickelt wird, so kann man die Tiefe und stärke dieser prägenden Kraft nachvollziehen. Das Wesen des Menschen wird davon geprägt, daß man nicht von ungefähr von der Muttersprache redet, jene Sprache von der der Philosoph Francois Merleau-Ponty folgerichtig sagt, daß man sie nicht
Arbeit zitieren:
D.E.A./UNIV. PARIS I Gebhard Deissler, 2010, Die Heimat. Des Menschen Suche der wahren Heimat, München, GRIN Verlag GmbH
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