Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Thema der Einsamkeit als Leitmotiv in „Čajka“
2.1. Begriffsklärung, Charakterisierung von „Odinokie“, Polockaja 4
2.2. „Odinokij“ Treplev 6
3. Wie wird die Einsamkeit geschafft, formale Analyse 15
3.1 Gestörte kommunikative Interaktion zwischen Figuren als Form ihrer
Einsamkeit 16
3.2 Figurenkonstellation 18
4. Zusammenfassung 19
5. Literaturverzeichnis
2
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit analysiert das Čechovs Drama „Čajka“. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Motiv der Einsamkeit und den intrapersonale Konflikte der Figur Konstantin Treplevs im Drama. Eine solche Eingrenzung des Themas und die Reduzierung der Analyse auf das Figur Treplevs erscheint im Rahmen dieser Arbeit aufgrund von komplexer System von Charakteren in „Čajka“ notwendig. Es wird das im XIX Jahrhundert in der russischen Literatur entstandener Phänomen „odinokie“ 1 im Bezug auf diese Figur des Čechovs Drama untersucht. Dabei werden wir uns in erster Linie auf den Aufsatz von Polockaja „’Čajka’ i ’Odinokie’ (Sud’ba ’odinokich’ u Čechova i Gauptmana)“ 2 stützen. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Überprüfung und die Analyse der Verwendbarkeit von Polockaja genannten Eigenschaften der „Einsamen“ auf die Figur Treplevs in „Čajka“.
Das zweite Kapitel widmet sich dem Thema der Einsamkeit im Drama. Dabei wird das Kapitel in zwei Teilen gegliedert. Im ersten Teil werden die theoretischen Grundlagen, die Polockaja in ihrem Aufsatz diskutiert, kurz zusammengefasst. Das darauf folgende Teil beschäftigt sich mit der Analyse des Figur Treplevs und seiner Einsamkeit im Drama „Čajka“.
Im dritten Kapitel wird die formal-methodische Frage diskutiert, nämlich wie schafft Čechov diese Einsamkeit der Charaktere. Sehr hilfreich für diesen Kapitel war die Lektüre von Leithold „Studien zu A.P. Čechovs Drama „Die Möwe““ (1989), in welchem die Kommunikationsstruktur des Stückes ausführlich analysiert wurde. Letzter Kapitel beinhaltet eine Zusammenfassung meiner Arbeit und zeigt die wichtigsten Ergebnisse der Analyse.
Die Zitate aus dem russischen Text von „Čajka“ werden von mir übersetzt. Dabei geht es mir nicht um eine wort-wörtliche Übersetzung, sondern mir ist es besonders wichtig, die für die Analyse wichtige inhaltlichen Zusammenhänge darzustellen. Die Zitate aus der wissenschaftlichen Fachliteratur werden in der Originalsprache wiedergegeben.
1 Der Begriff „odinokie“ („Die Einsamen“, J.P) im Bezug auf Čechovsche Figuren wird oft im Zusammenhang mit den Charaktere aus Gerhard Hauptmanns Dramen (unter anderen das gleichnamige Werk „Die einsamen Menschen“) gebracht. vgl. Polockaja (2001), S. 88 2 Čechoviana Polet Čajki (2001), S. 88-126
3
2. Thema der Einsamkeit als Leitmotiv in „Čajka“
2.1. Begrifsklärung, Charakterisierung von „Odinokie“, Polockaja
In diesem Kapitel werden Polockaja’s Erkenntnisse über den Phänomen „odinokie“ geschildert und zusammengefasst. Dabei werden die für die vorliegende Arbeit wichtige Begriffe, wie intrapersonale Konflikt und „odinokie“ geklärt. In ihrem Aufsatz „’Čajka’ i ’Odinokie’ (Sud’ba ’odinokich’ u Čechova i Gauptmana)“ 3 analysiert E.A. Polockaja den Begriff „odinokie“. Dabei spricht sie von einem Ende XIX Jahrhunderts in der russischen und europäischen Literatur entstandenen Phänomen. „Odinokie“ in russischer Literatur ist ein Ergebnis der weiteren Entwicklung, eine neue Stufe von „lišnie ljudi“ 4 , so Polockaja. Sie setzt Puškins und Lermontovs „lišnie“ Charaktere - Onegin und Pečorin, den literarischen Helden des Endes des XIX Jahrhunderts entgegen und nennt somit eine Reihe von für „odinokie“ typischen Eigenschaften. Die wichtigsten Merkmale von „odinokie“ sind ihre Einsamkeit und innerer Konflikt, die Unzufriedenheit mit sich selbst und mit dem eigenen Leben. Ähnlich wie „lišnie“ leiden „odinokie“ an Lebensüberdruss, allerdings verhalten sich die letzten überwiegend passiv: Энергия человеческих страстей […] уступает место инерции повседневного существования 5
Aus dieser Passivität ergibt sich ein weiterer Unterschied zu „lišnie“ - es ist die Konfliktlösung. Während Puškins und Lermontovs Charaktere versuchen sich mit ihren Problemen „aktiv“ auseinander zu setzen -sie reisen ab, nehmen teil in Kriege und duellieren, nehmen „odinokie“ keine ähnliche Handlungen vor. Dennoch, trotz ihrer „äußere Passivität“ stehen „odinokie“ unter konstanter innerer Auseinandersetzung mit sich selbst, was auch sich in ihrer Art mit Konflikten umzugehen widerspiegelt - denn ein häufiger Konfliktlösung eines „odinokij“ ist ein Selbstmord . Dieser Kontrast zwischen dem „äußeren Passivität“ und inneren Konflikt eines „odinokij“ wird noch deutlicher dadurch, dass die Alltäglichkeit als Hintergrund der gesamten Handlung dient. Dieses Phänomen kann man mit Anton Pavlovičs Zitat beschreiben:
3 Čehoviana (2001), S. 88-126
4 Polockaja in Čechoviana (2001), S. 89 5 Ebd. , S. 89 6 Ebd, S.91
4
Im Gegensatz zu „lišnie“ sind „odinokie“ keine außerordentliche Menschen, die intellektuell eine Stufe höher stehen als die anderen:
Ein weiteres Merkmal in Polockajas Auffassung von „odinokie“ und damit ein für diese Arbeit bedeutendes Phänomen ist der intrapersonaler Konflikt der Figuren. Dabei geht es um einen Konflikt, der sich „innerhalb“ eines Menschen abspielt. Polockaja spricht hier von einer ständigen Auseinandersetzung der Figuren mit sich selbst, von ihrer Unzufriedenheit mit der eigenen inneren Welt.
Laut Polockaja, beschreibt der Begriff „odinokij“ den psychologischen Zustand von Figuren in Čechovs Drama „Čajka“ am besten. Im zweiten Teil dieses Kapitels werden wir die oben genannten Eigenschaften näher betrachten und die Figur Treplevs bezüglich dieser Merkmale analysieren.
2.2 „Odinokij“ Treplev
Dieser Kapitel widmet sich der eigentlichen Analyse von Čechovs Drama „Čajka“. Im Mittelpunkt unserer Betrachtungen steht hier das Thema der Einsamkeit und der innerer Konflikt von Treplev. Die leitende Frage dabei lautet ’Inwieweit der Begriff „odinokij“ in Polockajas Auffassung auf Treplev zutrifft?’. Einer von wichtigen Eigenschaften eines „odinokij“ ist seine Einsamkeit. Das Problem der Einsamkeit wird in „Čajka“ sehr oft angerührt. Gabriele Selge in seinen Untersuchungen „ Anton Čechovs Menschenbild“ spricht von ‚existenzieller’ Einsamkeit der Figuren in Čechovs Drama, die Einsamkeit, für die es kein „weil“ gibt, Einsamkeit als Grundbefindlichkeit eines Menschen.
Dies ist die echt geborene Einsamkeit, geboren aus der conditio humana. 8
Solche „existenzielle“ Einsamkeit ist für Treplev zutreffend. Im Folgenden werden wir Treplev in seinem Umfeld betrachten und seine Beziehung zu Mitmenschen unter Kategorien Familie und Liebe analysieren. In der Kategorie Familie sind für unsere Untersuchung zwei Figuren relevant: Treplevs Mutter, Arkadina, und sein Onkel, Sorin.
7 Polockaja in Čechoviana (2001), S. 91
8 Selge (1970), S. 34
5
Arbeit zitieren:
Julia Pojarova, 2009, Das Motiv der Einsamkeit - Čechovs Čaika/ Tschechow "Die Möwe", München, GRIN Verlag GmbH
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