4.3.2 Lexikalische Entlehnungen 39
4.3.3 Semantische Entlehnungen. 42
4.3.3.1 Lehnübertragungen. 42
4.3.3.2 Lehnübersetzungen. 42
4.3.3.3 Lehnbedeutung 44
4.3.4 Phonetische Analogie 44
4.3.5 Semantische Analogie 44
4.4 Unterscheidung von Code-switching und Entlehnung. 46
5 Spanglish in Texten verschiedener Domänen. 50
5.1 Spanglish im mündlichen Diskurs 51
5.1.1 „Dora the Explorer“ 51
5.1.2 Qué Pasa, USA? 52
5.1.3 „Lost“ 53
5.1.4 „Spanglish -der Film“ 54
5.2 Spanglish in Sachtexten 55
5.2.1 Musik. 55
5.2.2 Cyberspanglish 55
5.2.3 Werbung 56
5.2.4 Das Magazin „Latina 56
5.3 Spanglish in literarischen Texten. 58
5.4 Spanglish in der Kurzgeschichte „Pollito Chicken 61
5.4.1 Syntaktische Analyse. 62
5.4.2 Code-switching-Arten 62
5.4.3 Free Morpheme Constraint. 63
5.4.4 Equivalence Constraint. 63
5.4.5 Matrixsprache 64
5.4.6 Zusammensetzung der Konstituenten. 64
5.4.7 Morpheme Order Principle. 64
5.4.8 System Morpheme Principle 65
5.4.9 EL-Island Trigger Hypothese 65
5.4.10 Diskursanalyse. 65
5.5 „Las mujeres de verdad tienen curvas 68
5.6 Syntaktische Analyse. 70
5.6.1 Code-switching-Arten in Las mujeres der verdad tienen curvas. 70
5.6.2 Free Morpheme Constraint. 70
ii
5.6.3 Equivalence Constraint. 70
5.6.4 Matrixsprache 70
5.6.5 Zusammensetzung der Konstituenten. 71
5.6.6 Morpheme Order Principle. 71
5.6.7 System Morpheme Principle 71
5.6.8 Diskursanalyse. 72
5.6.9 Zusammenfassung der Analysen 78
6 Fazit. 81
7 Bibliographie 83
8 Abbildungsverzeichnis. 92
iii
1 Einleitung
Spanisch und Englisch, die zu den indogermanischen Sprachen gezählt werden, bilden mit über 300 Millionen Muttersprachlern die zwei wichtigsten Weltsprachen. Durch den historischen Kontext entstand das Sprachkontaktprodukt Spanglish. Als Sprache der Hispanics in den Vereinigten Staaten Amerikas wird es vor allem in dem Grenzgebiet Mexiko und den Vereinigten Staaten in Puerto Rico und Florida gesprochen. Allein im weltweiten digitalen Netz gibt es für Spanglish ca. 1.550.000 Einträge, bei dem Termini espanglés immerhin über 2300 Belege.
Dies zeigt, dass Spanglish ein wichtiges Thema darstellt, dem offensichtlich von einer breiteren Öffentlichkeit Aufmerksamkeit und Interesse entgegengebracht wird. Es wird folglich nicht nur auf Spanglish, sondern auch über Spanglish gesprochen. Diese sprachliche Entwicklung wurde und wird nicht von allen gleichermaßen bewertet. So entstand z.B. in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts die „English Only”-Bewegung, deren Ziel es ist, ein monolinguales Amerika durchzusetzen. Solche Forderungen erscheinen jedoch wenig realitätsnah. Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, wie weit und in welcher Form die spanische Sprache in den Vereinigten Staaten bereits Raum einnimmt.
Spanglish, das zunächst primär als mündliches Phänomen entstand, fand auch Eingang in die Literatur. Den aktuellsten wissenschaftlichen Beitrag zum Spanglishen in der Literatur liefern Cotto Benitez und Ruth Amarilis (2007) mit ihrem Buch La influencia
del Spanglish en la Literatura Norteamericana. 1 Dieser Thematik soll im Folgenden durch die Berücksichtigung literarischer Texte Rechnung getragen werden. In dieser Arbeit soll untersucht werden, inwiefern Spanglish als Diskussionsgegenstand Raum einnimmt und in welchen Ebenen der Gesellschaft Spanglish diskutiert wird. Neben einer linguistischen Beschreibung soll auch der Frage nachgegangen werden, welche soziolinguistischen Ansätze zu berücksichtigen sind. Ziel ist es in dem anschließenden Analyseteil, mithilfe der beschriebenen linguistischen und soziolinguistischen Ansätze zwei literarische Texte in Hinblick auf die Verwendung des Spanglish zu analysieren.
1 Da das Werk leider noch nicht in Deutschland erhältlich ist, kann es in der vorliegenden Arbeit nicht berücksichtigt werden.
1
Im ersten Kapitel wird ein Überblick zur Geschichte der Vereinigten Staaten gegeben, die den Rahmen für die Entstehung des Spanglish bildet. Hierzu wird der geschichtliche Hintergrund der drei größten hispanischen Gruppen sowie deren aktuelle und wirtschaftliche Umstände vorgestellt. Nach dieser Einführung werden im zweiten Kapitel verschiedene Definitionen des Begriffs Spanglish aufgeführt, die verschiedene Aspekte berücksichtigen. Da Spanglish nicht nur in der Sprachwissenschaft debattiert wird, sondern auch in der Gesellschaft große Aufmerksamkeit genießt, wird im Anschluss an die sprachwissenschaftlichen Definitionen ein digitales Diskussionsforum herangezogen, im dem sich auch Laien hinsichtlich des Begriffs Spanglish geäußert haben.
Im dritten Kapitel werden verschiedene Code-switching-Modelle vorgestellt. In diesem Zusammenhang werden zwei Code-switching-Modelle vorgestellt, die syntaktische Regeln für das Code-switching aufstellen. Zum einen wird das Modell von Poplack (1980) beschrieben, welches das Free Morpheme Constraint sowie das Equivalence Constraint beinhaltet. Ein weiteres Modell ist Myers-Scottons MLF model bzw. 4-M model, welches das erweiterte Modell ist. Ein weiterer Aspekt sind die soziolinguistischen Motive für das Code-switching. Es werden verschiedene Ansätze und Gründe vorgestellt, warum ein Bilingualsprecher zwischen den Sprachen alterniert. Im Anschluss daran folgt eine Beschreibung der Entlehnungen, die in Spanglish eine wichtige Rolle einnehmen. Entlehnungen treten zwangsläufig auf, sobald verschiedene Sprachen für einen längeren Zeitraum in Kontakt stehen, wie in diesem Fall Englisch und Spanisch. Außerdem soll der Dichotomie nachgegangen werden, ob eine Differenzierung zwischen Code-switching und Entlehnungen möglich ist. Im fünften Kapitel wird auf die Medien in den Vereinigten Staaten eingegangen und es werden Beispiele aufgeführt, in denen Spanglish präsent ist. Anhand der Modelle von Poplack und Myers-Scotton sowie der soziolinguistischen Ansätze werden speziell die Kurzgeschichte Pollito Chicken und der Film Las mujeres de verdad tienen curvas analysiert.
Im sechsten Kapitel werden eine Zusammenfassung und ein Ausblick gegeben.
2
2 Hispanics in den Vereinigten Staaten
In diesem Kapitel soll auf die Personengruppe der Hispanics und auf den historischen Kontext eingegangen werden, wobei der Schwerpunkt auf den drei größten Gruppen der Hispanics gelegt wird. Der Terminus Hispanics wurde in den 70er Jahren von der Regierung Nixons eingeführt und bezeichnet alle spanisch sprechenden Einwohner, die in Amerika leben (Aguirre/Turner 1995: 118). Neben diesem Begriff wird auch häufig die Bezeichnung Latinos verwendet.
2.1 Historischer Überblick
Unter der Führung von Ponce de León erreichten die ersten Spanier im Jahr 1513 Florida und besetzten im Laufe des 16. Jahrhunderts von Florida ausgehend Alabama, Louisiana, Texas, New Mexico und das heutige Kalifornien, jene Staaten, die auch als Borderlands bezeichnet werden (Cafferty/McCready 1985: 3). 1535 gründeten die Spanier das Vizekönigreich Neuspanien und wählten als zentrale Niederlassung das heutige Mexiko, das sich 1821 von Spanien löste und unabhängig wurde. Die Siedlungen in New-Mexiko und Texas wurden 1598 und 1659 gegründet, weitere folgten in Arizona und Colorado. Die letzte Besiedlung war Kalifornien. Im 19. Jahrhundert musste Mexiko nach der Niederlage im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg einige Gebiete an die USA abtreten, was im Vertrag von Guadalupe Hidalgo bestimmt wurde. 1898 wurden Kuba und Puerto Rico, die zuvor unter spanischer Herrschaft gestanden hatten, ebenfalls an die USA abgetreten. Die hispanische Bevölkerung in den USA, die inzwischen die größte Minderheitengruppe präsentiert, setzt sich aus verschiedenen spanisch- sprechenden Gruppen zusammen, die in der Regel als Hispanics bezeichnet werden.
Die drei größten vertretenen ethnischen Gruppen sind Mexikaner, Puerto Ricaner und Kubaner, die zusammengefasst ca. 85% der hispanischen Population in den USA ausmachen (ebd.: 118). Die größte Gruppe präsentieren die Mexikaner, die sich an den Grenzgebieten, wie etwa New Mexico, Arizona und Texas niedergelassen haben. Folgende Karte von 1990 veranschaulicht die Niederlassungssorte der Hispanics:
3
Quelle : http://www.census.gov/geo/www/mapGallery/RHOriginPD-1990.html
Abbildung 1: Niederlassungsorte der Hispanics
4
Die Migrationsgründe werden in zwei Kategorien unterteilt und als Push- bzw. Pull-Faktoren bezeichnet. Viele Mexikaner verließen ihr Heimatland wegen der schlechten wirtschaftlichen Bedingungen (Push-Faktor) und immigrierten mit der Hoffnung auf einen besseren Lebensstandard in die USA (Pull-Faktor), das als Industrieland Arbeitsmöglichkeiten zur Verfügung stellte.
In den Vereinigten Staaten erhielten dann viele Hispanics zwar genug Arbeitsoptionen, jedoch werden im Vergleich zu den „White Americans“ wegen schlechterer Bildung geringfügiger entlohnt. Im Folgenden sollen wichtige Merkmale der drei größten hispanischen Gruppen dargestellt werden.
2.2 Überblick über die größten hispanischen Gruppen in den
Vereinigten Staaten
Die Hispanics bilden mit einem Bevölkerungsanteil von 14,8% die größte Minderheitengruppe in den USA, die im Wesentlichen aus Mexikanern, Puerto-Ricanern und Kubanern gebildet wird. Mit 65,5% sind die Mexikaner die am stärksten vertretene Gruppe (siehe Abbildung 2).
Die Puerto Ricaner bilden mit 8,6% die zweitgrößte Zahl der Hispanics, gefolgt von den Kubanern mit 3,7%. Das Durchschnittsalter liegt mit 34,3% unter 18 Jahren und so bilden die Hispanics die jüngste Bevölkerungsgruppe. Nur 5,4% sind über 65 Jahre und älter.
Abbildung 2: Anteil der Hispanics in den Vereinigten Staaten
Quelle: http://www.census.gov/population/www/socdemo/hispanic/hispanic_pop_presentation.html
5
Eine nähere Erläuterung der einzelnen Gruppen wird im Folgenden gegeben.
2.2.1 Mexikaner
Neben der Bezeichnung „Mexikaner“ wird parallel die Bezeichnung „Chicanos“ verwendet. Aus einer Zählung geht hervor, dass 1990 von den fast 14 Millionen US-Amerikanern mexikanischen Ursprungs zehn Millionen in Kalifornien und Texas beheimatet waren (Arreola/Haverluk 1996: 213). Die zentralen Wohngebiete der Mexikaner sind Kalifornien, Arizona, New Mexico, Texas und zum Teil Colorado (Arreola 1985: 80).
2000 lag die Zahl der Mexikaner bei über 20 Millionen. Gemäß der Statistik aus dem Jahr 2006 des US Census Bureau bilden die Mexikaner mit über 60% den größten Teil der hispanischen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten.
Neben vielen legalen Mexikanern in Amerika halten sich unzählige ohne legalen Status in den Vereinigten Staaten auf und werden auch oft als Indocumentados bezeichnet. Über sie gibt es kaum Informationen (Pries 1999: 383). Ihre Verfügbarkeit beeinflusst entscheidend die wirtschaftlichen Verhältnisse und vor allem die Entwicklung der amerikanischen Landwirtschaft (Arreola 1985: 80). Amerikanische Familien mit Kleinkindern, in denen beide Partner erwerbstätig sind, greifen oft auf Mexikanerinnen zurück, die als Haushaltshilfe oder Kindermädchen zu günstigen Bedingungen arbeiten (Pries 1999: 384). Obwohl ab 1848 die Grenzgebiete kulturell und politisch von den Amerikanern beeinflusst wurden, blieb die mexikanische Kultur im Südwesten immer von Bedeutung. Die Kultur spiegelt sich in vielen Ortsnamen, der Architektur und Bräuchen wider und aufgrund der räumlichen Nähe zu Mexiko halten die Mexikaner den Kontakt zur Heimat.
1848 wurde der Mexikanisch-Amerikanische Krieg mit dem Vertrag von Guadalupe beendet und aufgrund der Niederlage musste Mexiko die Ländereien nördlich des Rio Grande an die USA abtreten. Die Mexikaner, die in den Grenzgebieten wohnten, erhielten den Status der „mexikanischen Amerikaner“ und wurden somit zu amerikanischen Staatsbürgern (Arreola/Haverluk 1996: 213). Ein massives Einwanderungsmotiv stellte die mexikanische Revolution im Jahr 1910 dar, als viele Mexikaner wegen der schlechten politischen und gesellschaftlichen Bedingungen auswanderten (Push-Faktor). Es folgten weitere Einwanderungswellen während der beiden Weltkriege. Vor allem waren die Mexikaner während des Zweiten Weltkrieges sehr willkommen, weil die USA günstige Arbeitskräfte benötigten.
6
Aufgrund der hohen Einwanderungszahlen wurde 1942 das Bracero-Program (offizielle Arbeitsgenehmigung für mexikanische Landarbeiter) eingeführt, dass das alleinige Ziel verfolgte, den Bedarf an Arbeitskräften in den Vereinigten Staaten ausreichend zu decken, allerdings nur für eine begrenzte Zeit.
2.2.2 Puerto-ricaner
Mit einer Bevölkerungszahl von ca. 3,7 Millionen sind die Puerto-ricaner die zweitgrößte Gruppe der Hispanics. Die wichtigsten Immigrationsphasen fanden 1900-1945, sowie von 1946-1964 und 1965 bis zum Ende des 20. Jahrhunderts statt (Frantzen: 2004: 68).
Im Zuge des Spanisch-Amerikanischen Krieges trat Spanien Puerto Rico im Jahr 1898 ab, das daraufhin zum U.S. Protektorat erklärt wurde. Bis vor 1898 hatte Spanien Puerto Rico fast 400 Jahre lang regiert (Boswell 1985: 119). Den Puerto-ricanern wurde die amerikanische Staatsbürgerschaft im Jahre 1917 verliehen, wobei aber Puerto Rico nur eine eingeschränkte Selbstverwaltung zugebilligt wurde (Frantzen 2004: 62). 1952 wurde die puertoricanische Konstitution eingeführt, d.h., das puertoricanische Commonwealth wurde gegründet. Die ersten Einwanderer ließen sich auf dem Festland in New York City nieder, das im 2. Weltkrieg die höchste Zahl an puertoricanischen Einwanderern erreichte. New York wird inzwischen als El Barrio bezeichnet, da 1940 von den ungefähr 61.000 Puerto-ricanern 70% in El Barrio (Manhattan) wohnhaft waren (Zentella 1997: 17). Die Einwanderung in die Vereinigten Staaten war vor allem durch bessere Arbeitsmöglichkeiten und die Überbevölkerung Puerto Ricos begründet. Aus der Perspektive der USA waren die Puerto-ricaner vor allem günstige Arbeiter, die für ein geringes Entgelt arbeiteten (ebd.: 70).
Durch die US-Staatsbürgerschaft können die Puerto Ricaner problemlos in die USA einreisen und legal arbeiten. Vereinfachte Einreisen wurden seitens der puertoricanischen Regierung unterstützt. Als sich nach dem Zweiten Weltkrieg die Massenmigration immens erhöhte, wurde eine Institution gegründet, die den Puertoricanern Arbeitsmöglichkeiten in den USA verschaffte, vorwiegend in der Landwirtschaft. Außerdem half die Organisation beim Aufbau von puertoricanischen Gemeinden (Boswell 1985: 117).
Obwohl Puerto Rico zu den USA gehören, ist die Amtssprache Spanisch.
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2.2.3 Kubaner
1492 geriet Kuba unter spanische Kolonialherrschaft und war bis 1898 spanische Kolonie, bis die USA in den Unabhängigkeitskrieg eingriffen und Kuba für sich beanspruchten. Die USA setzten eine neue Verfassung in Kraft und übernahmen die Kontrolle verschiedener Industrien, wie die Zucker-, Tabak- und Eisenindustrie. Obwohl Kuba 1902 die formale Unabhängigkeit erlangte, besaßen die USA bis 1934 das Interventionsrecht. Im Gegensatz zu den Mexikanern und Puerto Ricanern erfolgte die Einwanderung der Kubaner in die Vereinigten Staaten vorwiegend aus politischen Gründen (Wilson/Portes 1980: 302).
Die Auswanderung aus Kuba erfolgte von 1959 und 1962 aufgrund der kubanischen Revolution und Castros Machtübernahme. Vor allem wohlhabende Schichten, die gezwungenermaßen ihren Privatbesitz verloren hatten, verließen Kuba (Aguirre/Turner 1995: 143). Aufgrund der räumlichen Nähe wählten die meisten Kubaner den Bundesstaat Florida als Niederlassungsgebiet. Die Kubaner genossen den Status als politische Flüchtlinge und erhielten dadurch legales Aufenthaltsrecht. Diese Exilkubaner wiesen einen guten Bildungsstand auf und wurden seitens der US-Regierung unterstützt (Frantzen 2004: 52). Sie erhielten die Genehmigung, sich umschulen zu dürfen, konnten dementsprechend bessere Positionen erlangen und dominierten in der Wirtschaft.
Cuban-owned enterprises in the Miami area increased from 919 in 1967 to about 8,000 in 1976. While most of them are small scale, some employ hundreds of workers. Enclave firms tend to concentrate on textiles, leather, furniture, cigar making, construction and finance. There are also some investments in agriculture, especially sugar cane plantations and sugar mills (Wilson/Portes 1980: 303-304).
1980 flohen weitere Kubaner in die USA. Die letzte große Einwanderungswelle war zu Beginn der 90er Jahre zu verzeichnen, als das sozialistische Kuba starken wirtschaftlichen Schwierigkeiten ausgesetzt war. Das kubanische Flüchtlingsprogramm (CRP) wurde gegründet, um die massive Einwanderungswelle besser zu kontrollieren (Wilson/Portes 1980: 303). Die zuletzt eingewanderten Flüchtlinge sind überwiegend arbeitslos.
Insgesamt führten die wirtschaftliche Lage, die politischen Umstände und die Weltkriege zu hohen Einwanderungswellen in die Vereinigten Staaten. Während die Mexikaner und Puerto-ricaner aus wirtschaftlichen Gründen einwanderten, verließen vor allem wohlhabende Kubaner ihre Heimat, weil sie politisch verfolgt wurden. In der
8
Regel sind die Hispanics in einfachen Berufsfeldern vertreten, die gering entlohnt werden.
2.3 Aktuelle Situation der Hispanics in den Vereinigten Staaten
2.3.1 Die Präsenz der Hispanics
Gemäß der US-Statistikbehörde hat die amerikanische Bevölkerung die 300-Millionen-Grenze im Jahr 2006 erreicht. Im Vergleich zu anderen Industrieländern wächst die US-Bevölkerung relativ schnell, bedingt zum einen durch die Migration, die 40% des Bevölkerungswachstums ausmacht. Zum anderen ist auch die hohe Geburtenrate (12%) für den Populationsanstieg verantwortlich, die die Sterberate weitaus übersteigt. Nach Schätzungen der US-Censusbehörde wird die Zahl bis 2010 auf 21% steigen und bis 2050 sogar auf 25%.
Die mexikanische Migration ist oft der Kern von sozialen, wirtschaftlichen und politischen Streitpunkten. Einerseits wurde zwar die legale Einwanderung reduziert, die illegale Immigration hingegen konnte nicht kontrolliert werden (Arreola 1985: 81). Die Zahl der Hispanics macht sich in vielen Bereichen bemerkbar, wie z.B. in den Medien, Zeitungen, im Internet und im Radio. Mittlerweile ist die Zahl der spanischsprachigen Radiostationen im Staat Kalifornien höher als in ganz Zentralamerika zusammen (Stavans 2003a: 14). Fairclough (2003: 199) führt an: Entre 1970 y el año 2000, el número de periódicos hispanos en Estados Unidos aumentó de 232 a 543 con un incremento en la circulación de 1 a 14,1 millones de lectores mientras que la circulación total de los periódicos estadounidenses disminuyó 6 millones (de 62 a 56 millones) y el porcentaje de lectores bajó un 21%.
Insbesondere im Fernsehen kann eine hohe Anzahl spanischer Sendungen konstatiert werden, wie z.B. El show de Cristina Sábado Gigante und Noticiero Univisión, die als potenzielle Zielgruppe die Hispanics ansprechen sollen (Stavans 2003a: 14). Ebenfalls berücksichtigen die Politiker die hohe Anzahl der American-Hispanics und sprechen die spanisch-sprechende Bevölkerung auf Spanisch an. Der deutsche Politiker Özdemir (2003) beispielsweise weist auf das Verhalten amerikanischer Politiker, die Spanisch lernen, um mit den Hispanics auch in deren Sprache zu kommunizieren- wie etwa der Präsident, George Bush, der das Potenzial der Wählerschaft erkannt hatte und im Radio seine Ansprachen auf Spanisch hielt. Diese Strategie war erfolgreich und Bush konnte bei den Präsidentschaftswahlen immerhin 35% der hispanischen Stimmen für sich gewinnen. Der Latino-Interessenverband La Raza kritisierte jedoch diese
9
Strategie und betonte, dass dieses Verhalten nicht ausreichend sei. Er forderte die Politiker dazu auf, gezielter auf die spezifischen Probleme der hispanischen Gesellschaft einzugehen und diese zu thematisieren.
Viele Unternehmen gestalten ihre Werbung auch in spanischer Sprache, um möglichst viele Kunden anzusprechen. Korzenny und Korzenny (2005) haben sich in ihrem Werk Hispanic Marketing, a cultural perspective der Thematik gewidmet. Sie analysieren die kulturelle Annäherung in der hispanischen Vermarktung.
Als der U.S. Census verkündete, dass im Jahr 2000 sich 35,3 Millionen Hispanics in den Vereinigten Staaten aufhielten, stieg das Interesse am U.S.- hispanischen Markt immens: Über siebzig Werbeagenturen in den Vereinigten Staaten entdeckten die Zielgruppe für sich. Aus pragmatischen und emotionalen Gründen orientiert sich die Werbung für die Hispanics in den Vereinigten Staaten an der spanischen Sprache, weil gemäß Korzenny/Korzenny (2005: 117) Sprache der Träger der Kultur, Tradition und Loyalität ist. McCormick führte beispielsweise das mexikanische Mayonnaisen-Produkt in den U.S.-amerikanischen Markt ein und warben für das Produkt im Radio, Fernsehen und in den Einkaufshäusern. Die Verkaufszahlen waren immens und stiegen von 300.000 US Dollar auf 8.000.000 US Dollar an (Korzenny/Korzenny 2005: 151). Auch für andere Lebensmittel, Haushaltsprodukte und technische Produkte sind ähnliche Erfolge kennzeichnend (ebd.: 151). Abbildung 3: Mayonnaisen-Werbung
Quelle: Korzenny/Korzenny 2005: 152).
10
Abbildung 4: Anzeigetafel
Quelle: Pries 1999: 385
Diese Aufnahme stammt aus Los Angeles, wo inzwischen 14,8% der Hispanics beheimatet sind.
In der Musikindustrie ist ebenfalls ein Wandel zu erkennen. Ein interessantes Beispiel dafür ist die amerikanische Sängerin Beyoncé, die generell nur auf Englisch singt, das Lied „Listen“ jedoch auch auf Spanisch produziert hat, um so eine möglichst große Gruppe an potenziellen Fans anzusprechen.
2.3.2 Wirtschaftliche Lage der Hispanics
Die Armut und Arbeitslosigkeit stellt ein sehr großes Problem in der hispanischen Bevölkerung dar. Obwohl nach den aktuellsten Studien die Armutsrate der Hispanics nun bei 20,6% liegt (2005 lag sie bei 21,8%), ist sie vergleichsweise hoch. Dies liegt vor allem in der schlechten Bildung sowie der geringeren Entlohnung begründet. Die Minorität hat einen Universitätsabschluss und dadurch haben die meisten schlechtere Berufschancen. Von den 28%, die den Bachelor-Abschluss erreicht haben, bilden die Hispanics mit einem Prozentsatz von nur 12,4 % weniger als die Hälfte der Akademiker. Auffällig hoch ist auch die Zahl der Schulabbrecher. Ausgehend von der Gesamtzahl der Abbrecher (9-12 Klasse) von 8,4%, verlassen 16,3% der Hispanics die Schule ohne einen Abschluss.
Ebenso verzeichnet die jüngere Generation (unter 18 Jahren) mit 28,3% die höchste Quote unter der Armutsgrenze.
Die meisten männlichen Hispanics sind in einfachen Berufsfeldern tätig, die keine hohen Bildungsabschlüsse voraussetzen. Wie aus der Statistik zu entnehmen ist, sind die Hauptbeschäftigungsfelder, in denen die männlichen Hispanics dominierend
11
vertreten sind, Konstruktion/Versorgung (28,7%) bzw. Produktion/Transport (21,5%) sowie Dienstleistung 20,3 %.
Abbildung 5: Beschäftigungsfelder der männlichen Hispanics
Quelle: http://www.census.gov/population/www/socdemo/hispanic/hispanic_pop_presentation.html Ähnliches ist bei den weiblichen Hispanics zu beobachten, die im Dienstleistungsbereich sowie in dem Tätigkeitsfeld Produktion/Transport stark vertreten sind.
Abbildung 6: Beschäftigungsfelder der weiblichen Hispanics
Quelle: http://www.census.gov/population/www/socdemo/hispanic/hispanic_pop_presentation.html
12
Es wurde aufgezeigt, dass die Hispanics die größte Minderheitengruppe in den Vereinigten Staaten repräsentieren und dadurch große Aufmerksamkeit in der amerikanischen Gesellschaft genießen. Medien, Politiker und Wirtschaft fokussieren in ihren Kampagnen die hispanische Gesellschaftsgruppe, wodurch wirtschaftliche Ergebnisse verzeichnet werden. Weniger positiv ist jedoch, dass die wenigsten Hispanics einen Schulabschluss haben, so dass sie in schlecht bezahlten Berufen deutlich überrepräsentiert sind.
13
3 Spanglish als Kontaktsprache
3.1 Kontaktsprachen
Weinreich, der mit dem Werk Languages in contact (1974) als der Begründer der Sprachkontaktforschung gilt (López 1997: 11; Riehl 2004: 11), sieht Sprachkontakt dann als gegeben, wenn mindestens zwei Sprachen in Kontakt stehen und von einer Person abwechselnd gebraucht werden.
In den USA werden ca. 167 verschiedene Sprachen gesprochen (López 1997: 13), so dass die USA als mehrsprachige Gesellschaft bezeichnet werden kann, in der mehrere Sprachgruppen nebeneinander bestehen. Die Existenz verschiedener Sprachen innerhalb einer Gesellschaft führt fast immer zum Sprachkontakt und somit auch zu einem Sprachwandel. Der spanisch-englische Sprachkontakt kam infolge der Eroberung, Kolonisation, Ausdehnung von Grenzgebieten und der Einwanderung der Hispanics in die Vereinigten Staaten zustande.
Der Sprachkontakt bezieht sich neben Sprachen auch auf Varietäten. 2 In diesem Zusammenhang soll der Begriff Diglossie von Ferguson (1959) eingeführt werden. Ferguson beschreibt mit Hilfe des Terminus eine funktionelle Mehrsprachigkeit und differenziert die Sprache in zwei Sprachvarietäten. Er teilt diese in eine High Variety und in eine Low Variety ein (ebd.: 327). Erstere wird in formellen Situationen verwendet, in Bildungsinstitutionen gelehrt und ist mit einem hohen Prestige verbunden. Die Low Variety bzw. Spontanvarietät wird in informellen Situationen gebraucht. Die Bereiche, in denen die High Variety ausgeübt wird, sind öffentliche Bereiche, etwa der Arbeitsplatz oder Vorlesungen an Universitäten. Die Low Variety findet sich in familiären und religiösen Bereichen (Riehl 2004: 15). In den Vereinigten Staaten kann die englische Sprache nicht als absolute High Variety bestimmt werden. In Puerto Rico sprechen mehr als 90% der Bevölkerung Spanisch als Erstsprache, die in diesem Fall als High Variety einzustufen ist. Fishman erweiterte das Konzept von Ferguson, der sich nur auf Varietäten innerhalb einer Sprache beschränkte (Grosjean 1982: 132), und führte den Begriff „Domäne“ ein, die das Sprachverhalten erklären soll und die Sprachwahl entscheidend beeinflusst. Fishman (1965) definiert Domäne als ein Bündel sozialer Situationen, die durch das
2 Vor allem das US-Amerikanische Spanisch weist in sich Varietäten auf und ist keine einheitliche Sprache. Da der Gegenstand dieser Arbeit nicht die Unterschiede des Spanischen in den Vereinigten Staaten sind, soll unter dem Begriff Spanisch bzw. Spanglish die Sprache aller Hispanics verstanden werden und nicht jeweils das Herkunftsspezifische.
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Umfeld und bestimmter Topics gekennzeichnet sind. Familiäre Umgebungen oder öffentliche Bereiche (Arbeitsplatz) sind Beispiele für Domänen.
Das Individuum, in diesem Fall der Hispanic das zwischen den Sprachen wechselt, wird als Bilingualsprecher bezeichnet oder wie Weinreich (1974: 1) beschreibt: The practice of alternately using two languages will be called BILINGUALISM, and the persons involved, BILINGUAL. [Hervorhebung im Original]
Der Sprachkontakt führte in dem Fall der Hispanics zu der Entwicklung von Spanglish, welches auf die Vermischung der involvierten Sprachen verweist und sich auf die Sprache der hispanischen Sprachgemeinschaft bezieht. Im nächsten Abschnitt soll das Sprachkontaktprodukt beschrieben werden, wobei folgender Aspekte betrachtet werden soll: Was ist unter dem Terminus Spanglish zu verstehen und wie wird er beurteilt?
3.2 Was ist Spanglish?
Der Terminus Spanglish wurde wahrscheinlich von dem puertoricanischen Journalisten Salvador Tío in den 60er Jahren formuliert (Lipski 2004: 1) und hat sich seitdem zu einem der wichtigsten Diskussionsthemen in der Sprachkontaktforschung entwickelt, das über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus Beachtung findet. Dennoch wird wiederholt in der Literatur darauf hingewiesen, dass bis heute keine einheitliche Definition besteht. Im Folgenden wird ein kurzer Überblick über den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Diskussion gegeben.
Das Phänomen Spanglish wird mit unterschiedlichen Begriffen, wie z.B. „Espanglés“, „Espanglish“ oder „español mixtureado“ bezeichnet.
Das spanische Wörterbuch „Nuevo diccionario esencial de la lengua española” (2000: 1209) definiert Spanglish als „lengua o jerga construida a partir de elementos de los idomas español e inglés; se habla en sectores de la población hispana en Estados Unidos”. Einer solchen neutralen Definition von Spanglish stehen viele Ausdrücke und Beschreibungen gegenüber, die den Sprachkontakt abwertend deklarieren und als „Texmex“, „hodgepodge“, „hullabaloo“ oder „mishmash“ bezeichnen (Stavans 2003a: 3, 12). Dies kann damit begründet werden, dass Spanglish vor allem als die Sprache ungebildeter Hispanics assoziiert wird (Lipski 2004: 4). Deutlich wird dies an der Definition von Nash (1970: 223), der erklärt, dass Spanglish „a hybrid variety of language, often given the slightly derogatory label of Spanglish, […] coexists with less
15
mixed forms of standard English and standard Spanish”. Er weist darauf hin, dass Spanglish nicht als neutrales Phänomen wiedergegeben wird, und unterstreicht die Verschmelzung der englischen und spanischen Sprache. Dass generell die degorative Definition dominiert, betont auch Pountain (2007: 14): Kennzeichnend hierfür ist, „that contact with English has been in some sense excessive“. Das Phänomen sei durch den extensiven Gebrauch von englischen Morphemen gekennzeichnet, die an das spanische Sprachsystem phonologisch und orthographisch adaptiert würden. Spanglish bestehe im Wesentlichen aus Entlehnungen und spanisch-englischem Code-switching. Valíkovás Definiton (2002: 55) bezeichnet „el spanglish como una invasión del español por el inglés, como una mezcla deforme y alterada de los dos idiomas, o un torrente de anglicismos que está afectando al español” Gemäß Valíkovás Definition ist Spanglish eine deformierte und entstellte Fusion, die sich vollkommen negativ auf die spanische Sprache auswirkt.
Anlehnend an diese Definition besagt eine weitere, dass „Spanglish dem Phänomen der Interferenz von Sprachen zuzurechnen ist, welches sich auf die Phraseologie und somit gleichzeitig auf grammatische Strukturen auswirkt“ (Noll 2001: 101). Noll bezeichnet Spanglish ebenfalls als eine Entwicklung, die die grammatischen Strukturen der spanischen Sprache beeinflusst und verändert.
In den genannten Beispielen von Valíková und Noll wird Spanglish als eine derogative Sprachentwicklung verstanden, was sich im zahlreichen Gebrauch von englischen Lexemen in der spanischen Sprache widerspiegelt.
Von einem ganz anderen Standpunkt aus betrachten Morales (2002), Rodriguez (2004) und Stavans (2003a) Spanglish.
Der Autor Ed Morales von Living in Spanglish. The Search for a Latino identity in America, äußert sich wie folgt (2002: 8): „Spanglish is the state of belonging to at least two identities at the same time, and not being confused or hurt by it.” Morales definiert Spanglish als Ausdruck von Identität, was er mit der Äußerung „I am my language“ (Morales 2002: 7) unterstreicht, und betrachtet diese Sprache als Metapher, die ein Erkennungsmerkmal für die Hispanics mit Migrationshintergrund ist. Durch Spanglish besteht die Möglichkeit, eine multiple Identität zu demonstrieren und sich mit beiden Kulturen zu identifizieren, ohne sich für eine zu entscheiden, weil Spanglish die verschiedenen Kulturen und Identitäten, einschließlich der Sprachen, zusammenführt und keine ausgrenzt.
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Arbeit zitieren:
Gülhan Sürmeli, 2008, Spanglish - Die verbale Begegnung der hispanischen- und anglo-amerikanischen Zivilisation, München, GRIN Verlag GmbH
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Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde: Spanglish - Die verbale Begegnung der hispanischen- und anglo-amerikanischen Zivilisation ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde: neuer Titel erschienen: Spanglish - Die verbale Begegnung der hispanischen- und anglo-amerikanischen Zivilisation
Gülhan Sürmeli hat einen neuen Text hochgeladen
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