Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Die historische Entwicklung des Militärs in Spanien 4
3 Das Militär zur Franco-Zeit (1939 - 1975) 5
3.1 Das Militär während der falangistischen Periode bis 1957. 5
3.1.1 Die Zeit nach dem Spanischen Bürgerkrieg (1939 - 1945) 5
3.1.2 Autarkie und wirtschaftlicher Aufschwung (1945 - 1957) 7
3.2 Das Militär während der technokratischen Periode (1957 - 1975) 8
3.3 Ausbildung und soziale Isolation der Streitkräfte zur Franco-Zeit 9
4 Das Militär während der Transición (1975-1982) 11
4.1 Demokratische Strömungen im Militär 12
4.1.1 Die Unión Militar Democrática (UMD) 12
4.2 Demokratische Reformen - Das Militär als hemmender Faktor. 13
4.3 Die Veränderungen beim Militär im Einzelnen 15
4.4 Die Annahme der Demokratie beim Militär 16
5 Schluss 17
6 Literaturverzeichnis. 19
2
1 Einleitung
Das heutige Spanien ist von einer Geschichte gezeichnet, die bis in die späten siebziger Jahre von gewaltsamen Regierungswechseln und einer 40jährigen Diktatur geprägt war. Zu jeder Zeit spielte das Militär, gerade im politischen Sinne, eine herausragende Rolle. Besonders während der Diktatur unter Francisco Franco nach dem spanischen Bürgerkrieg stellten die Streitkräfte die eigentlichen Machtinhaber im Lande dar.
In der folgenden Arbeit soll die Rolle des Militärs während der Franco-Ära und des späteren Übergangsprozesses von der Diktatur zur Demokratie beleuchtet werden. Ein Rückblick soll zunächst die historische Entwicklung der spanischen Streitkräfte und die Prägung ihrer Ideologien und Eigenheiten näher erörtern. Der geschichtliche Werdegang des Militärs hatte maßgeblichen Einfluss auf dessen Weltbild und das spätere Verhalten während der Transición. Zwar würde eine detaillierte Ursachenklärung für das Bestehen einer Diktatur bis in die siebziger Jahre hinein den Umfang dieser Arbeit sprengen; dennoch ist die Erwähnung einiger historischer Gegebenheiten hilfreich, die Schwierigkeiten der Demokratisierung in Spanien zu veranschaulichen.
Im Weiteren sollen die Aufgaben, die Bedeutung und das Selbstverständnis der Streitkräfte in der Franco-Diktatur erläutert und die damit einhergehenden Divergenzen zwischen Gesellschaft und militärischer Führung besprochen werden. Schließlich soll der schwierige Weg Spaniens hin zur Demokratie aufgezeigt und die Maßnahmen des Demokratisierungsprozesses in den Streitkräften näher beleuchtet werden.
3
2 Die historische Entwicklung des Militärs in Spanien
Die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts ist von einer dominanten Position der spanischen Streitkräfte geprägt. Neben der Kirche hatte das Militär eine absolute Sonderstellung im Land. Aus historischen Gründen war sein politischer Einfluss ungleich größer als anderswo, und Regierungswechsel wurden nahezu ausnahmslos, aktiv oder unterstützend, vom Militär initiiert. Dies gilt als wesentlicher Faktor für die stetige politische Instabilität des Landes. 1 Als auslösender Faktor für die zunehmende Einmischung der Militärs in die Politik wird der Unabhängigkeitskrieg gegen Napoleon (1808-1923) genannt. Das Heer wurde zunehmend politisiert, da dem Offizierskorps nun zwangsläufig politische Entscheidungen zukamen, die sonst von der Regierung gefällt worden waren. Die Rolle des Militärs änderte sich maßgeblich. 2
Zu Zeiten vornehmlich politischer Aktivitäten galt das Militär als reformfreudig und hauptsächlich liberal eingestellt. Es teilte die Interessen des Liberalismus, der beispielsweise die Vereinheitlichung gesellschaftlicher Normen, die Zentralisierung der öffentlichen Verwaltung und die Abschaffung von Sonderrechten bestimmter Regionen verfolgte. Außerdem setzten sich die Liberalen für eine Modernisierung und Professionalisierung des Offizierskorps ein, was auf eine nicht uneigennützige gegenseitige Unterstützung schließen ließ. 3
Während Gesellschaft und Wirtschaft sich teils großen Wandlungen unterzogen, änderte sich in Bezug auf Einstellung und Verhalten bei den Militärs bis 1930 fast nichts. Aus Sorge um die nationale Einheit kam es zu mehrfachen Putschversuchen mit dem Ziel, eine konstitutionelle Monarchie einzusetzen, die ihnen am sinnvollsten erschien. Der fortschreitende Wandel der spanischen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik verschärfte die konservativen Tendenzen der Streitkräfte, die sich zunehmend in der Rolle der Traditionshüter sahen. 4
Erst nach dem Ende der Ersten Republik 1874 hielten sich die Streitkräfte weitestgehend aus politischen Belangen heraus und die Regierungen verstanden es, die politische Enthaltsamkeit der Armee durch gesetzliche Regelungen zu sichern. Durch deutlich zweifelhaftere Aktivitäten, wie der Verleihung von Adelstiteln,
1 Vgl. BERNECKER, W.: Spaniens Geschichte seit dem Bürgerkrieg, München: Beck´sche
Verlagsbuchhandlung, 1984, 26.
2 Vgl. ebd. 26.
3 Vgl. ebd. 26.
4 Vgl. ebd. 27.
4
Belohnungen und der Pflege des hohen sozialen Ansehens, sicherten sie sich vor allem die Loyalität der Offiziere. 5
Augrund der herben Niederlagen der Kolonialkriege auf den Philippinen, in der Karibik und dem langen, kostspieligen Krieg in Marokko stieg die politische Bedeutung der Streitkräfte im 20. Jahrhundert wieder. Die Entfremdung und das Misstrauen zwischen den Militärs und der zivilen Regierung wuchsen und der Diktator Miguel Primo de Rivera übernahm durch einen Staatsstreich 1923 die Macht. Eine Gruppe von Generälen zwang ihn 1930 durch eine Verschwörung zum Rücktritt und freie Wahlen läuteten 1931 den Beginn der Zweiten Republik ein. 6 Die rigorose Verringerung der Armee führte zu wachsender Unzufriedenheit, besonders unter den Offizieren. War das Verhalten dieser zu Beginn der Zweiten Republik als abwartend zu bezeichnen, bildeten sich mehrere Gruppen, die nun den Sturz der Republik verfolgten. Die steigende Brisanz im Land und die Organisierung gewaltsamer Aufstände der Offiziere führte schließlich zum Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939). Die besonders von den republikanischen Reformmaßnahmen betroffene Armee in Marokko war hier ausschlaggebend und leitete den politischen Aufstieg ihres Befehlshabers General Francisco Franco ein. 7
3 Das Militär zur Franco-Zeit (1939 - 1975)
3.1 Das Militär während der falangistischen Periode bis 1957
3.1.1 Die Zeit nach dem Spanischen Bürgerkrieg (1939 - 1945)
Das spanische Militär ging aus einem langen und grausamen Bürgerkrieg hervor, in dem die demokratische Linke besiegt worden war. In den Nachkriegsjahren herrschte eine politisch extrem konservative und reaktionäre Ideologie vor, die sich mit den politischen Zielen Francos deckte und damit zu einer weitgehenden Identifikation der Nationalen Streitkräfte mit Franco führte. Die pro-franquistischen Tendenzen innerhalb der Streitkräfte wurden zudem durch die Erschießung oder Vertreibung von 5000 Berufssoldaten, die im Bürgerkrieg für die Republik gekämpft hatten, verstärkt. Durch die gleichzeitige Aufnahme von 10.000 betont rechter
5 Vgl. BERNECKER, W.: Spaniens Geschichte seit dem Bürgerkrieg, München: Beck´sche
Verlagsbuchhandlung, 1984, 27.
6 Vgl. BECKER, J.: Die geheime Dynamik autoritärer Diktaturen, München: Ernst Vögel, 1982, 12ff.
7 Vgl. ebd. 16f.
5
Offiziersanwärter in das Offizierskorps entwickelte sich die Armee zu einem extrem rechtslastigen „halbnationalen Heer“. 8
Im Franco-Regime nach dem Bürgerkrieg existierten verschiene Polizeikräfte, namentlich der Cuerpo General de Policía, die Policía Armada und die Guardia Civil. Sie waren für die Aufrechterhaltung der inneren Ordnung und die üblichen polizeilichen Aufgaben zuständig. Die Blütezeit des Militärs fällt ebenfalls in diese Zeit, denn Franco stellte auch die Streitkräfte in die Dienste seines Regimes und übertrug ihnen den Schutz der Staatssicherheit, der öffentlichen Institutionen und der gesellschaftlichen Ordnung. Das Militärgericht konnte auch in zivilen und politischen Belangen urteilen und verkörperte somit für Franco die Möglichkeit sozialen und politischen Protest zu unterdrücken. Dabei machte man mit Foltermethoden und hohen Haftstrafen auch bei Studenten nicht halt. 9 Offiziell fiel die Verteidigung Spaniens gegen andere Staaten in den Aufgabenbereich der rund 300.000 Mann starken Streitkräfte. Die damalige isolierende Außenpolitik des Landes machte das Eintreten eines solchen Falls allerdings äußerst unwahrscheinlich, sodass sich die Armee ganz auf die innerstaatlichen politischen Ziele Francos konzentrieren konnte - der Verteidigung der Diktatur. 10
Die Loyalität der Streitkräfte war Franco stets sicher. Er arbeitete mit den gleichen Mitteln, die sich bereits Ende des 19. Jahrhunderts als wirkungsvoll erwiesen hatten. Militärs bekamen Adelstitel oder Kabinettsposten und genossen ein hohes soziales Ansehen. Neben den Ministerien für Heer, Luftwaffe und Marine bekleideten Offiziere zeitweise sogar Ämter des Innen-, Außen-, Industrie- und Transportministeriums und stellten gut ein Drittel der Minister Francos. Auch in staatlichen Unternehmen, wie der Fluggesellschaft Iberia oder der Telefongesellschaft Telefonica, saßen Generäle in den Aufsichtsräten. 11
Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges sorgte für eine Beibehaltung der Truppenstärke auch nach dem Spanischen Bürgerkrieg, da die besondere Beziehung Francos zum nationalsozialistischen Deutschland die kritische
8 Vgl. BERNECKER, L. & COLLADO SEIDEL, C.: Spanien nach Franco - Der Übergang von der Diktatur
zur Demokratie 1975-1982, München: R. Oldenbourg Verlag GmbH, 1993, 71f.
9 Vgl. ebd. 72.
10 Vgl. HAUBRICH, W. & MOSER, C.: Francos Erben - Spanien auf dem Weg in die Gegenwart, Köln:
Kiepenheuer & Witsch, 1976, 145.
11 Vgl. BERNECKER, L. & COLLADO SEIDEL, C.: Spanien nach Franco - Der Übergang von der Diktatur
zur Demokratie 1975-1982, München: R. Oldenbourg Verlag GmbH, 1993, 72.
6
Arbeit zitieren:
Daniel Scheibelhut, 2008, Das spanische Militär in der Transición, München, GRIN Verlag GmbH
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