Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Journalismus in Krisenregionen 4
2.1 Medien. 4
2.1.1 Charakteristika 4
2.1.2 Abhängigkeiten 6
2.2 Richtlinien und Vorbereitungen für den Einsatz in Krisenregionen 7
2.3 Krisenberichterstattung 9
2.3.1 Charakteristika 10
2.3.2 Rolle der Medien in der Krisenberichterstattung. 11
2.4 Medien als Aggressoren - Militarisierung der Medien 13
2.5 Friedensjournalismus 15
2.5.1 Voraussetzungen 15
2.5.2 Qualitätskriterien 16
2.5.3 Medien als Mediatoren? 18
2.5.4 PECOJON als Institution des Friedensjournalismus 20
2.6 Die Krisenberichterstattung am Beispiel des Tschetschenien-konflikts 21
2.6.1 Der Erste Tschetschenienkrieg: zwischen Pressefreiheit und Restriktion 23
2.6.2 Das Resümee der Tschetschenienkriege. 29
3 Zusammenfassung 31
4 Bibliographie 33
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1 Einleitung
Krisen und Kriege gibt es seit Menschengedenken. Doch die Berichterstattung über diese hat in den letzten beiden Jahrzehnten ungeahnte Ausmaße angenommen. Seit Beendigung des Zweiten Weltkrieges haben sich keine Kriege mehr vor den Haustüren der westlichen Industriestaaten abgespielt. Dennoch wird mittels der Massenmedien der Eindruck von Unmittelbarkeit und Aktualität erweckt. Der Medienkonsument kann sich die Kriegsschauplätze bei Bedarf im Fernsehen betrachten. Die Präsentation der Bilder in den Nachrichten zeichnet sich zumeist durch Einfachheit und Eindringlichkeit aus. Dem Rezipienten wird ein gewisser Informationsgehalt suggeriert. Doch in welchem Grade darf er sich tatsächlich informiert fühlen? Die Medien gelten zwar als vierte Instanz im Staat, der das Primat der Meinungsbildung zugesprochen wird. Aber werden sie ihrem Ruf gerecht? Was macht den Journalismus im Allgemeinen aus und inwieweit unterscheidet er sich von seinem konfliktsensitiven Pendant? Welche Funktionen können die Medien innerhalb eines Konflikts einnehmen? Durch welche Faktoren wird diese Arbeit beeinflusst? Die Analyse dieser Fragen soll schließlich zur Erkenntnis darüber führen, ob die Umsetzung eines konfliktsensitiven Journalismus als realistisch zu betrachten ist.
Um einen begrifflichen Rahmen für diese Arbeit zu stecken, sollen an dieser Stelle einige Definitionen angeführt werden: Die Begriffe konfliktsensitiver Journalismus und
Kontinuum zwischen Konflikt und Krieg bzw. als zugespitzer Konflikt mit der Gefährdung dominanter Ziele und ungewissem Ausgang zu begreifen. Die Krisenberichterstattung thematisiert demnach ebenso die Vor- und Nachkriegszeit (vgl. Bilke 2008: 140f).
Die vorliegende Arbeit soll einen Überblick über das doch noch recht junge Forschungsfeld des konfliktsensitiven Journalismus geben. Als herausragend sind die sehr profunden Systematisierungen zur Konzeption und Qualitätsmerkmalen des Friedensjournalismus von Nadine Bilke zu nennen. Bevor die Rolle der Medien in der Krisenberichterstattung zwischen Mittäter und Mediator, d.h. zwischen kriegsfördernd und vermittelnd zwischen Konfliktparteien, genauer diskutiert werden, erfolgt eine Analyse der Charakteristika beider Konzepte. Abschließend werden die theoretischen Ansätze am Beispiel der Tschetschenienkrise und der wechselnden Rolle der Medien in beiden Kriegen veranschaulicht und konkretisiert.
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2 Journalismus in Krisenregionen
2.1 Medien
2.1.1 Charakteristika
Freie Medien bedürfen einer demokratischen Grundlage. Gleichzeitig stellen sie aber auch selbst durch die Meinungsbildung einen maßgeblichen Faktor für die Funktionsfähigkeit von Demokratie dar (vgl. Bilke 2008: 21). Die Voraussetzungen für eine freie Medienarbeit umfassen den unabhängigen Zugang zu den Medien für die Öffentlichkeit sowie die unabhängige Recherche durch die Journalisten und einen adäquaten Schutz der Reporter (vgl. Bilke 2002: 63). Die Aufgaben der Medien selbst liegen schließlich in der Artikulation, Partizipation, Kritik, Orientierung, Verständigung und Meinungsbildung (vgl. Bilke 2008: 50). Im Rahmen der Medienethik führt Bilke die Stärkung des Friedens, die Achtung der Menschenwürde sowie die wahrheitsgetreue Berichterstattung als drei Orientierungspunkte für die Arbeit der Medien an (vgl. Bilke 2002: 63). Begeht der Journalist dabei Fehler, kann dies fatale Auswirkungen auf den Kriegsverlauf haben. Dies betrifft insbesondere vorschnelle Veröffentlichungen von strategisch wertvollen Informationen. Auch wenn die Publikation eigentlich nur im eigenen Land erfolgt, so können diese Informationen durch die Internationalisierung der Medien urplötzlich der gegnerischen Partei einen Vorteil verschaffen. Überraschungsangriffe werden so wirkungslos. Schwächen bzw. Stärken oder sogar Strategien der eigenen Truppen können so versehentlich weitergeleitet werden (vgl. Nagenborg 2004: 61). Insbesondere im Internet kann eine Mitteilung an die Öffentlichkeit schnell zu einer Mitteilung an die Weltöffentlichkeit avancieren. Daher besteht in der Mediengesellschaft der Trend zurück zur Geheimpolitik (vgl. ebd.: 60). Entscheidungsträger nutzen die Presse jedoch für drei Funktionen: Als erstes dienen sie ihnen als Ressource für die eigene Meinungsbildung. Dabei wollen sie sich allerdings hauptsächlich über die Relevanz der Ereignisse für die eigene Nation informieren. Eine mehrheitliche Meinungsrepräsentation kann dabei einen gewissen Handlungsdruck auf
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den Entscheidungsträger ausüben (vgl. Bilke 2008: 184). Des Weiteren besteht die Innovationsfunktion. Die Medien können neue Ideen, Perspektiven oder sogar Handlungsoptionen anbringen, die wiederum durch genügend Handlungsdruck seitens der breiten Öffentlichkeit Umsetzung finden können. Als drittes ist die operative Funktion anzuführen. Insbesondere in nicht demokratisch regierten Ländern werden die Medien auf diese Weise für die eigenen strategischen Zwecke instrumentalisiert (vgl. ebd.: 184). Dies soll in der vorliegenden Arbeit abschließend am Beispiel des Zweiten Tschetschenienkrieges genauer erörtert werden.
Beim Journalismus ist zwischen zwei Idealtypen zu unterscheiden: dem Informations-und dem Meinungsjournalismus. Ersterer Begriff beschreibt eine umfassende, objektive Berichterstattung über aktuelle Themen. Dabei sollte sich der Recherchierende als neutralen Beobachter, Vermittler oder Chronisten begreifen. Der
Informationsjournalismus hat es zum Ziel Fakten ohne persönliche Wertung unverändert und vollständig weiterzugeben, sodass sich der Rezipient seine eigene Meinung bilden kann. Als Reaktion auf die Defizite des Informationsjournalismus entstanden weitere Arten wie der investigative oder interpretative Journalismus. In dieser Sphäre ist ebenfalls der konfliktsensitive Journalismus, der in Kapitel 2.5 genauer untersucht werden soll, anzusiedeln. Den zweiten Typus stellt der Meinungsjournalismus dar. Hier erfolgt eine bewusste Einordnung und Wertung der Ereignisse sowie Kritik und Kontrolle den Entscheidungsträgern gegenüber. Die Medien sind in dieser Funktion als vierte Gewalt im Staat zu betrachten (vgl. ebd.: 76f). Um den Ansprüchen seiner Arbeit gerecht zu werden, sollte jeder Journalist nach Weischenberg vier Kompetenzen aufweisen: Primär ist dabei die Fachkompetenz als Kenntnis um das journalistische Handwerk sowie das Medienwissen anzuführen. Als Zweites bedarf es dem Journalisten an einer gewissen Vermittlungskompetenz, d.h. Diskursstrategien und Präsentationsmethoden. Weiterhin brauch ein guter Journalist Orientierungs- und Sozialwissen um seine Recherchen erfolgsorientiert durchführen zu können. Als Viertes fordert Weischenberg Kompetenzen, die der sozialen Orientierung dienen. Diese umfassen unter anderem Funktionsbewusstsein, Reflexionsfähigkeit und Autonomiebewusstsein (vgl. ebd.: 230).
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2.1.2 Abhängigkeiten
Wie im vorangegangen Kapitel dargestellt, bildet der freie Journalismus die Basis für die Meinungsbildung. Der gesellschaftliche Konsens kann schließlich Einfluss auf die Politik der jeweiligen Entscheidungsinstanzen ausüben. Doch wie frei sind unsere Medien tatsächlich? Wo können Abhängigkeiten entstehen? Oder bestehen diese sogar zwangsläufig? Diese Fragen sollen im vorliegenden Kapitel erörtert werden. Bilke unterscheidet zwischen der primären und sekundären Selektion von Nachrichten, welche jeweils spezifischen Kriterien der Abhängigkeit unterliegen: Die primäre Selektion wird vornehmlich durch die Vorauswahl der drei großen internationalen Nachrichtenagenturen getroffen. Reuters (Großbritannien), AFP (Frankreich) und AP (USA) kontrollieren heute circa 80% des internationalen Nachrichtenmarktes. Weiterhin unterwirft sich der Journalist durch das redaktionelle Profil des Mediums, sei es eine Zeitung oder eben ein Fernsehprogramm, einer gewissen Selbstzensur. Diese setzt sich durch den Druck der vermeintlichen Erwartungshaltung der Vorgesetzten und des Publikums fort (vgl. Bilke 2002: 59ff). Die Auswahl der Nachrichten orientiert sich dabei maßgeblich am Konsumverhalten der Rezipienten; d.h. sie untersteht einem ökonomischen Druck. Der stetige Kampf um Quoten, Auflagen und Zugriffszahlen (vgl. Bilke 2008: 87) erweckt dabei den Eindruck, das Massenmedien heute eher ein bezahltes Produkt, als vielmehr ein soziales Gut sind (vgl. Bilke 2002: 62). Es lässt sich feststellen, dass negative Nachrichten häufiger als Schlagzeilen dienen und visualisierbaren Ereignissen ebenso der Vorrang gegeben wird. Dies wird mit der emotionalisierenden Wirkung der Bilder und der Suggestion von Aktualität legitimiert (vgl. ebd.: 60). Darüber hängt die Nachrichtenauswahl von technischen und organisatorischen Zwängen ab. Erst bei der sekundären Selektion trifft der Journalist aufgrund seiner eigenen Erfahrungen und Einstellungen eine persönliche Nachrichtenauswahl (vgl. ebd.: 59).
Ziesel deckte bereits 1962 die Fehleinschätzung durch die breite Bevölkerung zur Abhängigkeit der Medien auf:
Wir sind gewohnt, die Meinungsfreiheit stets bedroht durch staatliche und politische Versuche der Unterdrückung anzusehen. Den wirtschaftlichen Missbrauch der Medien Jochimsen 2006: 35)
Diese Bewertung ist insbesondere für die Bürger der Industriestaaten erhellend, da jene durch Auslandsreportagen zumeist auf die eingeschränkte Meinungsfreiheit
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als primäres Manko hingewiesen werden und dabei die Möglichkeiten der Abhängigkeit der Medien im eigenen Land komplett verdrängen. Eine besonders gefährliche Form der wirtschaftlichen Abhängigkeit soll in Kapitel 2.6.2 am Beispiel der russischen Medien erläutert werden.
2.2 Richtlinien und Vorbereitungen für den Einsatz in
Krisenregionen
Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) zählte im Jahre 2002 insgesamt 173 politische Konflikte weltweit und deklarierte damit die Zunahme dieser. Darüber hinaus sah das HIIK im selben Jahr in 156 Ländern die Pressefreiheit eingeschränkt (vgl. Schäfter 2004: 167f). Schäfter beklagt weiterhin, dass in den Jahren 1994 bis 2002 insgesamt 254 Journalisten während ihrer Arbeit starben, wovon 73% vorsätzlich getötet worden seien (vgl. ebd.: 164).
Im Angesicht dieser Zahlen verwundert es nicht, dass die fünf großen internationalen Nachrichtenagenturen Reuters, APTN, BBC, CNN und ITN bereits im Jahre 2000 folgende sieben Sicherheitsrichtlinien für Journalisten, die in Krisengebieten recherchieren, veröffentlichte: Die Medien sollten sich dazu verpflichten die etwaigen Risiken zu minimieren sowie eine entsprechende Vorbereitung und Ausbildung für die Arbeit in einem Krisengebiet zu garantieren bzw. über relevante Ausbildungsmaßnahmen zu diesem Thema zu informieren. Als zweiten Grundsatz benennen die safety guidelines die Freiwilligkeit, d.h. die Journalisten dürfen weder zu einem Einsatz in einem Krisengebiet, noch zum Eingehen zusätzlicher Risiken innerhalb der Recherchen genötigt werden. Des Weiteren sollten lediglich Journalisten mit hinreichender Erfahrung mit der Arbeit in Krisen- und Kriegsgebieten eingesetzt werden. Es ist ratsam Neulingen in diesem Gebiet einen erfahrenen Journalisten zur Seite zu stellen. Als vierte Richtlinie gilt eine entsprechende Vorbereitung hinsichtlich des allgemeinen Verhaltens in Gefahrensituationen sowie die Durchführung eines Erste-Hilfe-Kurses. Ein weiterer Grundsatz betrifft die Ausrüstung. Die Redaktionen müssen eine adäquate Sicherheitsausrüstung stellen. Diese sollte unter anderem eine kugelsichere Weste, Helme, notwendige Kommunikationsmittel sowie einen Erste-Hilfe-Kasten umfassen (vgl. ebd.: 168ff). Die Berufsverbände DPV und bdfj bieten
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Arbeit zitieren:
Stefanie Schumann, 2010, Medien - Mittäter oder Mediatoren?, München, GRIN Verlag GmbH
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