Das Internet hat sich zu einem etablierten Medium entwickelt, das auch pri-vat einen immer größeren Stellenwert erreicht. Mittlerweile nutzen weltweit rund 1,5 Milliarden Menschen das Internet [(o.Verf. 2008b)]. Neben dem Bezug von Informationen ermöglichen Chats, Newsgroups oder Soziale Netzwerke die computervermittelte Kommunikation von Personen untereinander. Das Internet eröffnet neue Möglichkeiten zur Identitätsbildung, die ich im Rahmen dieser Arbeit erläutern werde. Im Netz sind virtuelle Identitäten weit verbreitet, denn hier stehen die Anonymität sowie die Textbasiertheit des Mediums im Vordergrund und die Preisgabe von persönlichen Daten ist jedem selbst überlassen.
Da der Begriff der Identität in vielen Disziplinen der Wissenschaft eine wi-dersprüchliche Verwendung findet, werde ich in dieser Hausarbeit nur auf die sozialen sowie psycho-sozialen Identitätskonzepte eingehen und die Entstehung von Identität im virtuellen Raum erläutern. Es ist zu klären, ob und in wie weit virtuelle Identitäten Auswirkungen auf reale Beziehungen haben und welche Chancen und Risiken sich dahinter verbergen. Wirkt die virtuelle Identität auf die reale zurück? Wenn ja, mit welchen Konsequenzen? Werden reale Beziehungen durch virtuelle Freundschaften ersetzt?
Es ist nötig, den Begriff der Identität zunächst zu erläutern und zu definie-ren, bevor Antworten auf die gestellten Fragen gefunden werden können. Des Weiteren ist zu klären, was die User dazu bewegt eine Scheinidentität anzunehmen und in welchem Zusammenhang von einem Flow-Effekt ge-sprochen werden kann. Besteht die Gefahr von Online-Abhängigkeit und halten virtuelle Romanzen dem Wechsel ins reale Leben stand?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Identität
2.1 Personale Identität
2.2 Kollektive Identität
2.3 Identitätsbildung im virtuellen Raum
3. Flow Effekt
3.1 Charakteristische Aspekte des Flows
4. Selbstdarstellung im Internet
4.1 Entwicklung sozialer Beziehungen im Internet
4.2 Funktionen romantischer Beziehungen im Internet
5. Chancen und Risiken virtueller Identitäten
5.1 Realitätsverlust und Onlinesucht
5.2 Wirkung auf soziale Beziehungen außerhalb des Web
5.3 Soziales Lernfeld und weitere positive Auswirkungen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen virtueller Identitäten auf soziale Beziehungen und beleuchtet dabei insbesondere die Rolle des sogenannten „Flow-Effekts“. Dabei wird analysiert, inwiefern die Anonymität und die Möglichkeiten zur Identitätskonstruktion im Internet reale zwischenmenschliche Beziehungen beeinflussen und welche psychologischen Prozesse bei der Entstehung von Online-Sucht eine Rolle spielen.
- Identitätskonzepte in Soziologie und Sozialpsychologie
- Psychologische Dynamiken des „Flow-Effekts“
- Konstruktion virtueller Identitäten und Scheinidentitäten
- Entwicklung und Funktionen von Netzbeziehungen
- Chancen und Risiken, insbesondere in Bezug auf Onlinesucht
Auszug aus dem Buch
3. Flow-Effekt
Was genau versteht man unter dem Flow-Effekt? Der ungarische Wissenschaftler Mihaly Csikszentmihalyi hat in jahrzehntelanger Arbeit danach geforscht und definierte den Flow als das „gänzliche Aufgehen in einer glatt laufenden Tätigkeit, die man trotz hoher Anforderungen unter Kontrolle hat“ (Plakos 2001: 12). Der Flow ist eine uneingeschränkt positive Erfahrung, die einen von äußeren Reizen unabhängigen Glückszustand herbeiführt. Flow bedeutet auf Deutsch „Fließen“ oder „Strömen“. Der Tätige fließt mit seinen Handlungen wie im Strom und erfährt dadurch völlige Hingabe und Wohlbehagen. Alle Menschen, unabhängig von soziodemographischen Aspekten, sind in der Lage dieses Gefühl des Glücks zu erleben. Viele erleben diesen euphorischen Zustand beim aktiven Ausüben von Sport, im Beruf oder beim Nachgehen ihrer Hobbys (Plakos 2001: 12 - 14).
Csikszentmihalyi definierte sieben charakteristische Elemente des Flow Erlebnisses:
• Fähigkeit und Herausforderung stimmen überein oder man wächst über sich hinaus
• Handeln und Bewusstsein verschmelzen miteinander
• Es wurden klare Ziele und Rückmeldungen gesetzt
• Man hat die völlige Kontrolle über sein Handeln
• Die Konzentration ist nur auf die Ausführung der Aktivität gerichtet
• Das Zeitgefühl verändert sich
• Das eigene Selbst und die Handlung verschmelzen. Man wird in eine andere Realität versetzt
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema Identitätsbildung im Internet ein und formuliert die Leitfragen bezüglich der Auswirkungen virtueller Identitäten auf reale Beziehungen.
2. Identität: In diesem Kapitel werden grundlegende soziologische und sozialpsychologische Konzepte der Identität sowie deren spezifische Anwendung auf den virtuellen Raum erörtert.
3. Flow Effekt: Das Kapitel erläutert den wissenschaftlich definierten „Flow-Effekt“ als Zustand des vollständigen Aufgehens in einer Tätigkeit und benennt dessen charakteristische Merkmale.
4. Selbstdarstellung im Internet: Hier wird untersucht, wie Nutzer Identitäten konstruieren und welche Rolle diese bei der Entwicklung und Funktion von sozialen sowie romantischen Beziehungen spielen.
5. Chancen und Risiken virtueller Identitäten: Dieser Abschnitt analysiert das Spannungsfeld zwischen positiver Selbsterkundung und Gefahren wie Realitätsverlust, Online-Sucht und Kriminalität.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass Internetkommunikation zwar eine wertvolle Bereicherung, aber kein qualitativer Ersatz für reale zwischenmenschliche Beziehungen darstellt.
Schlüsselwörter
Internetsucht, Virtuelle Identität, Flow-Effekt, Soziale Beziehungen, Cyberromanzen, Identitätsbildung, Online-Kommunikation, Selbstmaskierung, Selbsterkundung, Realitätsverlust, Computervermittelte Kommunikation, Multiple Persönlichkeit, Online-Spielsucht, Online-Sexsucht, Sozialpsychologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die Auswirkungen, die virtuelle Identitäten und die Kommunikation im Internet auf soziale Beziehungen und die menschliche Psyche haben.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen Identitätskonzepte, den psychologischen Flow-Effekt, Mechanismen der Selbstdarstellung online sowie die Chancen und Risiken der Netzkommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, wie virtuelle Identitäten auf reale Beziehungen einwirken, ob reale Bindungen durch virtuelle ersetzt werden können und welche Rolle der Flow-Effekt dabei spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf Basis bestehender wissenschaftlicher Theorien, Forschungsstudien und Fachliteratur eine fundierte Analyse des Themas vornimmt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Identität und Flow-Effekt, eine Analyse zur Selbstdarstellung im Netz sowie eine kritische Auseinandersetzung mit Chancen und Risiken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Internetsucht, virtuelle Identität, Flow-Effekt, Online-Kommunikation und soziale Beziehungen.
Welchen Einfluss hat der „Flow-Effekt“ auf Online-Spieler?
Der Flow-Effekt lässt Spieler die Zeit vergessen und führt zu einem Glücksgefühl, was die Gefahr birgt, dass die Realität vernachlässigt wird und eine Suchtspirale entsteht.
Wie unterscheidet sich die „Selbstmaskierungsthese“ von der „Selbsterkundungsthese“?
Während die Selbstmaskierungsthese das Verstellen der Persönlichkeit kritisch betrachtet, sieht die Selbsterkundungsthese darin eine positive Möglichkeit, bisher unentdeckte Aspekte des Selbst zu entfalten.
- Arbeit zitieren
- Sabrina Stiller (Autor:in), 2009, Internetsucht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160907