1. Einleitung: Katastrophe Klimawandel
Ein heißer Sommertag. 30 Grad im Schatten. Keine Wolke am Himmel. Solche Tage gab es in Deutschland schon immer. Heute und vor 50 Jahren. Allerdings hat sich in den letzten Jahren die Sichtweise über solche Sommertage geändert:
Früher sprach man einfach von Hundstagen oder einer „Sauhitze“. Diese Tage konnte man mit gutem Gewissen genießen. Doch diese Zeiten sind passe. Heutzutage wird für jedes Wetterextrem der Klimawandel von den Medien als Ursache herangezogen und natürlich entsprechend aufgemacht. Der Mensch als Verursacher steht dabei oft im Mittelpunkt.
So ist das Thema Klimawandel in den letzten Jahren zu einem der dominierenden Themen in der Medienlandschaft geworden. Natürlich hängt das von der Aktualität des Themas ab: Das Klima wandelt sich in der Tat, aber dies geschieht schon seit Jahrzehnten. Markante Hinweise auf die Problematik gab es bereits vor über 20 Jahren. Populäres Beispiel ist die Pressemitteilung des „Arbeitskreis Energie“ der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, die 1986 vor einer bevorstehenden „Klimakatastrophe“ gewarnt und damit einen Begriff geschaffen hat, der noch heute aktuell ist. Nur fünf Jahre später, 1991, hat der Weltklimarat (IPCC) zum ersten mal seine Prognosen zur Klimaänderung veröffentlicht und führt dies seit dem im Fünf - Jahres - Rhythmus fort. Es muss folglich noch andere Gründe für den Klima-Hype in den Medien geben. Analysiert man die Berichterstattung der letzten Jahre und Jahrzehnte kristallisiert sich heraus, dass die Medien zu Anfang durch einzelne spektakuläre und nicht minder spekulativen Katastrophenberichte eine wachsende Zahl von Menschen, gerade auch Journalisten, auf das Thema aufmerksam gemacht haben.
Zeitgleich sind andere einst für die Medien profitable Umweltthemen wie das Waldsterben oder die Landversiegelung unrentabel geworden, da sie auf Dauer an Reiz eingebüßt haben, trotz gleich bleibender Problematik. Natürlich reagierten auch die Politiker auf diese Themenverlagerung. Sie nutzten die Medien als Sprachrohr, um ihre Position in der Klimadebatte öffentlich darzustellen. Je extremer und eindeutiger die einzelnen Positionen umso besser. „Global statt Lokal“ heißt bei vielen dieser Klimaanwälte nun die Devise.
Als Folge dieser Entwicklung mussten die Medien ihr selbst geschaffenes Interesse in der Bevölkerung durch eine Vielzahl dramatischer Berichte befriedigen. Dabei stellte sich
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heraus, dass Naturkatastrophen sehr gut mit dem Klimawandel verknüpft werden konnten und diesen veranschaulichten.
Die Berichterstattung über die Klimadebatte hat durch die Dramatisierung der Medien eine Eigendynamik entwickelt, die schon längst nicht mehr nur auf den Klimawandel selbst zurückzuführen ist. Es ist ein Rückkoppelungsprozess in Gang gekommen, der alte Ängste, die schon vor Jahren entstanden sind durch immer neue Katastrophen am Leben erhält.
Im System von solcher Eigendynamik haben die Medien eine Schlüsselrolle eingenommen. Seit den letzten Jahren wird sie aber auch durch andere Akteure vorangetrieben, die in eigenem Interesse öffentlich Stellung nehmen. Die UNO hat beispielsweise im Klimawandel eine neue Legitimationsbasis gefunden. Die Klimadiskussion wird aller Voraussicht nach auch in den nächsten Jahren an Leidenschaft und Intensität gewinnen. Insbesondere, wenn neueste Erkenntnisse oder Modelle von aktuell vorherrschenden Katastrophenszenarien, zumindest teilweise, abweichen. Diese Tendenz konnte nach der Veröffentlichung des neuen Weltklimaberichts 2007 beobachtet werden.
Die Verwirrung, die aufgrund der Diskussion um den Klimawandel entstanden ist, legt sich wie ein dicker Nebel über das Thema und verdeckt oftmals die schwächer herausstechenden Darstellungen. Daher ist es bei der Verfolgung des Themas um so wichtiger geworden eine objektive Wahrnehmung zu behalten. Es stellt sich also stets die Frage nach der Qualität und Validität der Berichterstattung: Inwiefern sind die Horrormeldungen und die mediale Berichterstattung wissenschaftlich abgesichert? Anhaltspunkte können dabei angesehene wissenschaftliche Publikationen geben. Eine andere Möglichkeit die Klima-Medien Problematik zu analysieren, stellt die Befragung der Klimaforscher dar: Wie schätzen sie die Qualität der Berichterstattung über ihr Themengebiet ein? Wie beurteilen sie den Wissensstand ihrer Forschung? Gibt es sicheres Wissen auf diesem Gebiet?
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2. Berechenbarkeit des Klimas
Die Grundlage für die Berichterstattungen in den Medien sind feste Annahmen. Sie bilden die Rechtfertigung für jede Meldung. Diese Annahmen können entweder richtig sein, aber eben auch falsch. Unabhängig davon wird sich das Problem und dessen Lösungsansätze wegen der Handlungen, die aufgrund der Annahmen getroffen werden, entsprechend weiter entwickeln.
Angewandt auf die öffentliche Klimadebatte müssen folglich einige Annahmen als Basis vorausgesetzt werden:
• Das Klima muss (näherungsweise) berechenbar und die zukünftige Entwicklung prognostizierbar sein.
• Der Klimaverlauf der letzten 100 Jahre ist außergewöhnlich im Vergleich zur Klimageschichte davor, verursacht durch anthropogenen Einfluss. • Die letzte Annahme bezieht sich auf die Folgen des vorhergesagten Klimawandels: Diese bergen große Gefahren für den Menschen und die Natur. Die Reduktion von anthropogenem CO 2 kann den Treibhauseffekt mildern und so die Folgen abschwächen.
Diese Annahmen werden in der öffentlichen Mainstream - Diskussion als gültig angesehen. Die Klimaforscher sind sich bei der Erklärung des Temperaturanstiegs allerdings nicht einstimmig einig. Es wird auf Unsicherheiten und Wissenslücken hingewiesen, sogar alternative Erklärungsansätze werden diskutiert. In einem Punkt herrscht innerhalb der Klimaforscher allerdings Einigkeit: Das Klima ist extrem schwer vorherzusagen. Wie komplex das Thema ist, sieht man täglich im Wetterbericht. Die Prognose für den nächsten Tag mag meist relativ zuverlässig sein, aber bereits ab drei Tagen nimmt die Zuverlässigkeit ab. Das Klima für die nächsten 20 oder sogar 100 Jahre vorherzusagen scheint beinahe unmöglich. Man muss jedoch festhalten, dass es sich hierbei nicht um Prognosen im eigentlichen Sinne handelt. Klimaforscher sprechen bewusst von Projektionen. Diese Begrifflichkeit will den großen Unsicherheiten und Schwankungsbereichen der Modelle Rechnung tragen. So basiert eine Projektion auf zahlreichen Annahmen über die zukünftige Entwicklung, sei es technischer oder sozioökonomischer Natur.
Die Berechnung des Klimas erfolgt Mithilfe eines Klimamodells, das mit einem Seting von Annahmen gespeist wird. Aus der Kombination von beiden entstehen zahllose
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Variationsmöglichkeiten. Diese zwei grundlegenden Begriffe werden im folgenden näher erläutert und einige Beispiele dazu aufgeführt. Am Ende des Kapitels wird noch eine Studie zur Einschätzung der deutschen Klimaforscher bezüglich der Gültigkeit der Klimamodelle vorgestellt.
2.1 Klimamodell
Klimamodelle stellen Abbildungen des globalen Klimasystems dar, welche auf Gesetzen der Physik basieren. Die Summe aller physikalischen Gleichungen und Parametrisierungen, welche die Entwicklung des Klimasystems beschreiben, bezeichnet man als Klimamodell (vgl. Latif, 2007, S.107f). Etwa 50 solcher Modelle haben die Wissenschaftler bisher entwickelt. Wegen der Komplexität der entsprechenden mathematischen Berechnungen können diese nur näherungsweise, mit Hilfe der numerischen Mathematik und Hochleistungscomputern gelöst werden. Klimaforscher können diese virtuellen Klimasysteme benutzen, um die Auswirkung klimarelevanter Einflussgrößen zu ermitteln. Man spricht dabei von einem „ numerischen Experiment “. Es kann beispielsweise die CO 2 - Konzentration innerhalb des Programmes erhöht werden, um dann die Auswirkungen auf verschiedene Teile des Klimasystems festzustellen. Nach einer Vielzahl solcher Berechnungen, kann dann die Auswirkung der Kohlendioxid-Konzentration auf die Durchschnittstemperatur errechnet werden. Aufgrund der aktuellen Modelle müssen bezüglich der Genauigkeit noch einige Abstriche gemacht werden. Kleinskalige physikalische Gesetze, wie z.B. Wolkenbildung, können nicht explizit simuliert werden. Ebenso wenig können die heutigen Modelle komplexe vegetationsdynamische Rückkopplungen und Wechselwirkungen, mit chemischen Prozessen in der Atmosphäre, für ihre Projektionen ausreichend berücksichtigen (vgl. Latif, 2007, S. 107ff).
2.2 Klimaszenario
In Kapitel 2.1 wurde die Notwendigkeit bestimmter Annahmen für die Benutzung der Klimamodelle angesprochen. Die Berechnungen fußen auf einem so genannten Szenario. LATIF bezeichnet ein „Set von notwendigen Annahmen und die darauf basierende
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Simulation“ als Klimaszenario. In anderen Publikationen wird, wie anfangs erwähnt, auch von Klimaprojektionen gesprochen.
Die Annahmen über zukünftige Entwicklungen, etwa der Weltbevölkerung, der Industrialisierung oder dem Anteil fossiler Brennstoffe, um nur einige zu nennen, müssen dabei relativ willkürlich festgelegt werden. Dies macht eine exakte Berechnung unmöglich.
Ein einziges Szenario führt in verschiedenen Modellen zu unterschiedlichen Ergebnissen, verschiedene Szenarien in ein Modell eingespeist ebenso. Dadurch ergeben sich eine große Anzahl von möglichen Klimaprojektionen. Die meisten dieser Klimaszenarien zeigen dieselbe Tendenz auf, Unterschiede sind meist nur im Ausmaß zu erkennen (vgl. http:// www.wissenschaft.de/wissenschaft/hintergrund/drucken/271519.html). 2.2.2 Ausgewählte Klimaszenarien
Die bekanntesten globalen Klimaszenarien sind die des Weltklimarates (Intergovernmental Panel on Climate Change), der 1988 ins Leben gerufen worden ist und dessen selbsterklärte Hauptaufgabe es ist „politischen Entscheidungsträgern eine wissenschaftliche Grundlage zur Klimapolitik zu geben“ (vgl. Post, 2008, S.31 ). Der Weltklimarat hat dafür seit 1991 im Rhythmus von ca. fünf bis sechs Jahren, einen jeweils mehrere tausend seitigen Bericht veröffentlicht, an dem über hundert Klimaforscher mitgearbeitet haben. Die Öffentlichkeit, inklusive der Journalisten, nehmen größtenteils nur die etwa hundert Seiten umfassende Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger zur Kenntnis.
In der nachfolgenden Betrachtung sollte nicht vergessen werden, dass dieser Bericht nicht den Konsens aller Klimaforscher darstellt, wie es oftmals den Anschein hat. Tatsächlich repräsentiert er nur einen Teil der Klimaforscher. Neben diesen gibt es auch Kritiker.
Bereits 1990 und 1992 wurden Szenarien vom IPCC entwickelt, die auch gerne als Referenz Verwendung finden. Eine drei Jahre später durchgeführte Verifikation dieser Szenarien machte dann jedoch deutlich, dass sich die Emissionsursachen verändert hatten. Daraufhin wurden neue Emissionsszenarien entwickelt. Diese wurden im Special Report on Emissions (SRES) veröffentlicht. Alle der insgesamt 40 erarbeiteten Szenarien des SRES wurden in eine von vier Familien, A1, A2, B1 und B2, eingeteilt. Diese unterscheiden sich in sozialen, ökonomischen, demographischen, technologischen sowie ökologischen Entwicklungsannahmen, die jeweils als Basis dienen. Erwähnenswert ist
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noch, dass keines der Szenarien besondere Klimaschutzmaßnahmen, wie etwa das Kyoto-Protokoll, berücksichtigt. A1 Familie:
Die A1 Szenarien gehen von einer Welt mit raschem Wirtschaftswachstums aus. Des weiteren werden neue und effiziente Technologien genutzt. Die Gruppe der A1 - Szenarien beschreibt eine einheitliche Welt ohne große regionale Unterschiede. Der Wohlstand verteilt sich gleichmäßig. Es besteht ein hoher Energiebedarf. Innerhalb dieser Gruppe wird eine weitere Unterteilung vorgenommen: A1B: Fossile und nicht-fossile Energieträger werden genutzt. A1F1: Intensive Nutzung fossiler Energieträger. A1T: kaum Nutzung fossiler Energieträger.
Diese Szenarien - Gruppe kann unter dem Begriff Globalisierung zusammengefasst werden.
Die auf solchen Szenarien basierenden Simulationen gehen von einem durchschnittlichen Temperaturanstieg von etwa 3,65 °C aus. A2 Familie
In diesen Setings bleibt die Welt wirtschaftlich fast so gespalten wie heute. Regionale Unterschiede bleiben somit bestehen. Die Weltbevölkerung steigt stark an und wächst im Unterschied zur A1 Familie bis zum Jahr 2100 kontinuierlich. Aufgrund der wirtschaftlichen Unterschiede bleibt die technologische Entwicklung, global betrachtet, deutlich hinter der, der A1 Familie zurück. Rohstoffe werden daher nicht sehr effizient genutzt. Noch im Jahr 2100 werden 70 Prozent des Energiebedarfs aus fossilen Brennstoffen gewonnen.
Die globale Durchschnittstemperatur steigt bei diesen Projektionen um mehr als 4°C und stellt somit die Worst-Case Gruppe innerhalb der IPCC Szenarien dar. B1 Familie
Die zukünftige Welt der B1 - Szenarien entwickelt sich ähnlich global orientiert wie in der A1 Gruppe. Die demographische Entwicklung ist ebenfalls ähnlich. Der Unterschied liegt in einem hohen Umweltbewusstsein und dem Wandel in eine Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft. Natürliche Ressourcen werden daher geschont und saubere Techniken eingesetzt. Fossile Brennstoffe decken nur 50 Prozent des Energiebedarfs ab. Diese Szenarien gehen von einem durchschnittlichen Temperaturanstieg von 2,5 °C aus.
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Arbeit zitieren:
David Mössner, 2008, Wissenschaftliche Absicherungen von Klimaszenarien in Medien, München, GRIN Verlag GmbH
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