INHALTSVERZEICHNIS
Vorwort 3
Einleitung 4
These 4
Methode 4
Inhalt und Aufbau 5
Begriffsdefinitionen 6
Antisemitismus 6
Moderner Antisemitismus. 8
Neuer Antisemitismus. 9
Antizionismus und Kritik an Israel. 11
Kritik an Israel 12
Geschichtlicher und ideologischer Hintergrund 14
Vorgänger der Hamas: Die Muslimbruderschaft. 14
Die Muslimbrüder für die Befreiung Palästinas 16
Der Mufti von Jerusalem 17
Der NS-Einfluss 19
Sayyid Qutb 20
Aktivit äten innerhalb Palästinas 22
Hamas 24
Das Auferstehen der Hamas 25
Hamas Charta. 26
Hamas als Befreiungsarmee. 30
Soziale Hamas? 31
Hamas als Terrororganisation. 32
Res ümee. 35
Fazit 36
Literatur 39
2
Natascha Krisch
Vorwort
Über den Antisemitismus der Hamas zu schreiben, bedeutet sich mitten in einem Diskurs über den „Neuen Antisemitismus“ zu befinden, der (wobei ich Mag. Helmut Krieger zitieren möchte) „nicht einfach durch vermeintlich wertneutrale wissenschaftliche Beiträge objektiviert werden kann“.
Es ist strittig, ob dieser geistige islamische Antisemitismus mit eine Ursache ist für den Teufelskreis des Nahostkonflikts oder ob er - so die andere Herangehensweise - ein temporäres Begleitprodukt des militärisch-politischen Konfliktes ist, also als eine reine Folge dieses Konfliktes zu verstehen ist. Diese Debatte wird sogar auf akademischer Ebene von Emotionen be- und geleitet. Anscheinend gibt es nur zwei Seiten: die pro-palästinensische oder die pro-israelische.
Auf den folgenden Seiten werde ich versuchen die verschiedenen Positionen miteinander in Kommunikation zu bringen. Ich möchte allerdings vorwegnehmen, dass meiner Meinung nach Antisemitismus eine gesellschaftliche Realität der Hamas darstellt, die über eine historische Kontextualisierung rekonstruiert werden kann.
In meiner Arbeit stellt Antisemitismus den entscheidenden (analytischen) Bezugsrahmen für die Interpretation der Hamas dar. Für andere Positionen ist dies nicht unbedingt eine zentrale analytische Kategorie im Verständnis des politischen Islams in den palästinensischen Gebieten.
Leider ist es mir im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich auf die zahlreichen Facetten des israelisch-palästinensischen Konflikts einzugehen und auch eine Analyse der momentanen politischen Situation muss ich großteils ausklammern. Auf jeden Fall stellt meine Fragestellung für mich den Beginn von weiterer Recherche zu diesem Thema dar.
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Natascha Krisch
Einleitung
These
Ich gehe von der These aus, dass die Hamas von antisemitischen und nicht nur „kriegsrassistischen“ judäophoben Motiven geleitet wird, da es sich um eine fundamentalistische islamistische Organisation handelt, deren Ziel es ist ein Palästina zwischen Mittelmeer und Jordan zu schaffen.
Demzufolge glaube ich nicht, dass dieser - seit Jahren mit nazistischer Rhetorik verbreitete -Antisemitismus innerhalb der Hamas durch die Beendigung des Konfliktes verschwinden wird.
Methode
Im Rahmen meiner Seminararbeit werde ich deskriptiv vorgehen, um durch Recherche von Sekundärliteratur den geschichtlichen Kontext der Entstehung des arabischen Antisemitismus und der Hamas zu analysieren und um ein Bild der gängigen Argumentationsstränge über den „Neuen Antisemitismus“ zu vermitteln.
Das Internet ermöglicht mir einen vielfältigen Zugang zu übersetzten Texten der Hamas, da ich bei Quellentexten in arabischer Sprache, aufgrund nicht vorhandener eigener Sprachkenntnisse, nicht auf Primärquellen zugreifen kann.
Aufgrund der Sensibilität des behandelten Themas und der sich im Umlauf befindlichen Propagandamaterialien von beiden Seiten, lege ich bei der Auswahl meines Quellenmaterials Wert auf Publikationen renommierter Autoren und in Fachkreisen einschlägig bekannter Wissenschaftler.
Bei der Transkription arabischer Namen, Wörter etc. kommt es beim verwendeten Quellenmaterial fast unweigerlich zu Unterschieden. So gibt es bei dem Wort Dschihad in der Fachliteratur gleichberechtigte Schreibweisen wie etwa Djihad oder auch Jihad. Ich habe diese sofern in einem Zitat verwendet, in ihrer ursprünglichen Schreibweise gelassen.
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Natascha Krisch
Inhalt und Aufbau
Im ersten Teil meiner Arbeit gehe ich auf die verschiedenen Begrifflichkeiten wie Antisemitismus, Moderner Antisemitismus, Neuer Antisemitismus, Antizionismus und Kritik an Israel ein.
Der zweite Teil behandelt den geschichtlichen Kontext der Entstehung der Muslimbruderschaft, wichtige ideologische Führer der Muslimbrüder und die Entstehung der Hamas. Weiters gehe ich auf die Hamas-Charta ein und greife insbesondere antisemitische Strukturen auf.
Im folgenden werde ich zwei Hauptargumentationslinien von Helga Baumgarten und Sara Roy bzw. Matthew Levitt et al. betreffend des Tätigkeitsfelds der Hamas vorstellen, die hier stellvertretend für viele weitere WissenschaftlerInnen stehen, die sich mit dieser Thematik befassen.
Abschließend möchte ich die gewonnenen Erkenntnisse noch einmal zusammenfassen, um die Arbeit zu einem Fazit zu bringen.
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Natascha Krisch
Begriffsdefinitionen
Die Klärung zentraler Begriffe wie Antisemitismus, Moderner Antisemitismus, Neuer Antisemitismus, Antizionismus und Kritik an Israel sind in dieser Arbeit wesentlich, da es schon bei der Definition der jeweiligen Begrifflichkeiten zu Unstimmigkeiten kommt, auf die ich von Anfang an hinweisen möchte. Diese unterschiedlichen Definitionen vermitteln einen Teil der Problematik.
Antisemitismus
Antisemitismus ist kein neues Phänomen. Seine Ausdrucksformen haben sich mit dem Verlauf der Zeit jedoch gewandelt. Es gab unterschiedliche Motive der Feindschaft gegenüber Juden und diese bestehen weiterhin.
Die ältere Judenfeindschaft, die wesentlich von einem Religionsgegensatz bestimmt war und ihren tiefsten Ursprung im christlichen Antijudaismus hatte, wurde hauptsächlich von der Kirche forciert. Sie predigte den Vorwurf des Gottesmordes, um in der Regel jüdischen Bevölkerungsgruppen die Gleichberechtigung vorzuenthalten oder wieder zu entreißen.
Der wirtschaftliche aber auch gesellschaftlich-kulturell begründete Antisemitismus, der auch als moderner Antisemitismus bezeichnet wird, kann als (Haupt-)Basis des rassistischen Antisemitismus gesehen werden.
Dieser, der je nach Interpretation zu verschiedenen Zeiten zum ersten Mal auftrat, stellt die angebliche Minderwertigkeit der jüdischen „Rasse“ dar und fordert ihre Vertreibung und, wie am traurigen Beispiel des Zweiten Weltkrieges veranschaulicht, ihre physische Vernichtung.
Die Bezeichnung „Antisemitismus“ selbst wurde 1879 von Wilhelm Marr 1 geprägt und bedeutet wörtlich übersetzt „Semitenfeindschaft“, jedoch ist damit ausschließlich die
1 Staatslexikon, Recht, Wirtschaft,Gesellschaft in 5 Bänden, Hrg. Görres-Gesellschaft, 7.Auflage, Erster Band,
Verlag Herder, 1985, S.190
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Natascha Krisch
Feindschaft gegenüber Juden und nicht gegenüber anderen Semiten 2 gemeint. „Marr hatte in seinem Pamphlet „Der Sieg des Judentums über das Germanentum. Vom nichtkonfessionellen Standpunkt aus betrachtet“ (1879) behauptet, dass die „Judenemanzipation“ und die kapitalistische Marktwirtschaft als Bestandteile der Forderungen des politischen Liberalismus bereits zur Errichtung einer „Judenherrschaft“ in Deutschland geführt hätten.“ 3
Bezeichnend für die Zeit des Liberalismus ist das Bemühen von wissenschaftlichen Kreisen, dem antisemitischen Ressentiment und Hass ein Art wissenschaftliches Gewand zu verpassen. Juden wurden als eigene „Rasse“ betrachtet. Der Franzose Arthur Graf Gobineau benutzte in seinem „Essais ur l’inegalite des races humaines“ (1853/55) 4 einen völkischen und rassistisch argumentierenden Antisemitismus, den der Freiburger Prof. Schönmann popularisierte und damit das Fundament zur deutschen Version des pseudowissenschaftlichen Rassenantisemitismus legte.
Diese Denkweise wurde später von den Nationalsozialisten übernommen und führte über die Diffamierung, Entrechtung und Enteignung geradewegs zur industriell organisierten Massenvernichtung von Juden in den Vernichtungslagern.
Günther Ginzel hat den Antisemitismusbegriff wie folgt zusammengefasst: „Der Begriff Antisemitismus, im späten 19. Jahrhundert aufgekommen, wurde zur Sammelbezeichnung für die Erscheinungsform eines Vorurteils: genannt Judenfeindschaft. Antisemitismus umfasst alle Aspekte einer religiösen, sozialen und kulturellen Voreingenommenheit, beinhaltet wirtschaftlichen und politische Faktoren, beschreibt biologische und rassistische Ausprägungen einer pseudo-darwinistischen und völkischen Weltanschauung. Kurz: Antisemitismus steht für ein Bündel der unterschiedlichsten und teilweise gegensätzlichsten Motive, denen eines gemein ist: die Diskreditierung des Jüdischen […].“ 5
2 Die Semiten sind die Gemeinschaft aller, die semitische Sprachen sprechen. Somit sind Semiten keine
ethnische Gruppe, sondern eine Sprachengemeinschaft. Dazu gehören Hebräer, sowie Araber und Äthiopier.
3 Holtmann, Politik-Lexikon, 3.Auflage, Wissenschaftsverlag München, Oldenbourg (2000), S.23
4 Ebd. S.24
5 Ginzel, Günther B: „…und er brüstet sich frech und lästert wild…“ Über Antisemiten und Antisemitismus in
Deutschland oder: Trotz und alledem - es ist eine Lust, Jude zu sein. In: Antisemitismus. Erscheinungsformen
der Judenfeindschaft gestern und heute, Ginzel, Günther B. (Hrsg.), Verlag Wissenschaft und Politik, Bielefeld
(1991), S.15
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Natascha Krisch
Moderner Antisemitismus
Florian Markl hat in seiner Diplomarbeit „Kritische Theorie und Antisemitismus. Vergegenwärtigung und Fortführung der Kritik des modernen Antisemitismus“ das Phänomen des Antisemitismus einer ideologiekritischen Analyse unterzogen. Seiner Aussage nach bringt die „Bezeichnung moderner Antisemitismus zum Ausdruck, dass im Zuge der Etablierung bürgerlicher Gesellschaften der traditionelle Judenhass christlicher Prägung erhebliche Transformationen erfahren hat. Insofern dient er dazu, eine bedeutsame Differenz zu markieren, die im Unterschied vormoderner und moderner kapitalistischer Gesellschaften begründet ist.“ 6
Er fasst folgende Punkte als Resultat der Antisemitismusanalyse der Kritischen Theorie zusammen (ich rezipiere an dieser Stelle die für meine Arbeit relevanten Faktoren, da der moderne und der neue Antisemitismus in einigen Punkten durchaus gewisse Parallelen haben) 7 :
1.) Der moderne Antisemitismus schloss an vormoderne Formen der Judenfeindschaft an und übernahm von diesen das Objekt seines Hasses.
2.) Beim modernen Antisemitismus handelt es sich ursprünglich um eine Reaktion auf die Durchsetzung des Kapitalismus und die damit einher gehenden gravierenden gesellschaftlichen Veränderungen. […] Die Emanzipation der Menschen von den Schranken des Feudalismus ging mit der Emanzipation der Juden von Jahrhunderte langer Ausgrenzung und Diskriminierung einher.
3.) Juden erschienen als „Kolonisatoren des Fortschritts“. […] Als bedrohlich wurden vor allem jene Aspekte empfunden, die dem althergebrachten Leben und feudalistischen Verhältnissen mit all seinen starren Regeln widersprachen. […] Die Juden wurden zum Objekt der Auflehnung gegen die unbegriffenen Funktionsmechanismen der warenförmig organisierten Gesellschaft. Der moderne Antisemitismus besteht wesentlich in der Personifizierung gesellschaftlicher Verhältnisse unter der Herrschaft von Kapital und Staat.
4.) Beim modernen Antisemitismus handelt es sich um eine besonders gefährliche Form fetischistischer Wahrnehmung. Den vermeintlich „abstrakten“ Seiten des Kapitalverhältnisses (Wert, Kapital, Zins etc.) werden die vermeintlich „konkreten“ Seiten (Ware, Arbeit, Produktion etc.) entgegengehalten. So entsteht in der Wahrnehmung der Antisemiten die Trennung von gutem „schaffendem“ und bösem, „raffendem“ Kapital. Der Antisemitismus erweist sich so als eine Form von verkürztem „Antikapitalismus“.
6 Markl, Florian, Kritische Theorie und Antisemitismus. Vergegenwärtigung und Fortführung der Kritik des
modernen Antisemitismus, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie an der Human- und
Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, Wien (2001), S.10
7 Ebd. S. 120-123
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Natascha Krisch
Arbeit zitieren:
Natascha Krisch, 2007, Der Antisemitismus der Hamas, München, GRIN Verlag GmbH
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