Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Individualisierung 2
2.1 Der Individualisierungsprozess 2
2.2 Chancen und Risiken der Individualisierung 3
3 Lebensphase Jugend 6
3.1 Zum Begriff Jugend 6
3.2 Jugendsexualität 8
4 Jugendsexualität im Wandel 10
4.1 Geschlechtsreife 10
4.2 Sexuelle Aufgeklärtheit 13
4.3 Homosexualität 17
5 Fazit 18
I
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Alter bei der ersten Regelblutung
Quelle: Kluge 1998, S. 32….……………………….………...11 Abb. 2: Alter bei dem ersten Samenerguss Quelle: Kluge 1998, S. 32………………….………………....12 Abb. 1: Langzeittrend der Sexualaufklärung in der Schule Quelle: BZgA 2010, S. 41…..………………………………...15
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Individualisierungchancen und -risiken
Quelle: Tegethoff 1999, S. 17………………..…..…...………..4 Tab. 2: Anteil der Mädchen und Jungen mit Koituserfahrungen Quelle: Wendt 2009, S. 23…………………………………….13 Tab. 3: Religiosität des Elternhauses bei westdeutschen, ostdeutschen Jugendlichen und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
Quelle: Hurrelmann & Albert 2006, S. 223…………………..16
II
1 Einleitung
Die Individualisierung ist seit der Mitte der 1980er Jahre ein Analysekonzept, mit dem sich eine Vielzahl von Soziologen auseinandersetzten. Die Diskussion wurde vor allem durch Ulrich Becks Thesen zur „Individualisierung von Soziallagen und Biographien im Zusammenhang einer Entstandardisierung der Klassen und Schichten“ (Schäfers 1998, S. 109) erweckt (vgl. ebenda, S. 109).
In dieser Studienarbeit werde ich die Individualisierung in Hinblick auf ihrer Folgen für die Sexualität von Jugendlichen transparent machen. Im täglichen Leben wird deutlich, dass Sexualität in allen Arten von Medien vertreten ist, in der Schule vermehrt unterrichtet und auch in der Alltagssprache häufiger zu hören ist. Die Einstellung der Gesellschaft zur Sexualität von Jugendlichen, die Art des Aufbaus sexueller Kontakte zwischen Jugendlichen und auch die Vorstellungen einer Familie, die ein Jugendlicher früher oder später gründen könnte, weichen stark der Sichtweise, wie sie vor der Individualisierung noch bestand, ab. Der Einleitung folgend wird im Kapitel 2 der Prozess der Individualisierung und die damit verbundenen Chancen, aber auch Risiken für das Individuum beschrieben. Das dritte Kapitel dient der Definition von Jugend, sodass deutlich wird, auf welche Lebensphase sich diese Arbeit konzentriert. Abschließend werden ausgewählte Bereiche der Jugendsexualität, die sich in Folge der Individualisierung gewandelt haben, aufgezeigt. Es gibt Veränderungen der körperlichen Reife der Jugendlichen.
1
2 Individualisierung
2.1 Der Individualisierungsprozess
Individualisierung ist laut Beck ein Prozess, der schon in der Renaissance erkennbar war und unter anderem durch Burckhardt verschriftlicht wurde. Aber auch Weber, Elias und Marx beschäftigten sich mit der Erscheinung der Individualisierung, die eine Industrialisierung und eine Modernisierung bezeichnet (vgl. Beck 1986, S. 206). Beck beschrieb in seinem Werk „Die Risikogesellschaft“ eine dreifache Individualisierung, die durch „Herauslösung aus historisch vorgegebenen Sozialformen und -bindungen im Sinne traditionaler Herrschafts- und Versorgungszusammenhänge (‚Freisetzungsdimension‘), Verlust von traditionalen Sicherheiten im Hinblick auf Handlungswissen, Glauben und leitende Normen (‚Entzauberungsdimension‘), und […] eine neue Art der sozialen Einbindung (‚Kontroll- bzw. Reintegrationsdimension‘)“ (ebenda, S. 206) charakterisiert ist.
Der Soziologe Matthias Junge definiert Individualisierung als einen Prozess, bei dem das Individuum zentraler Bezugspunkt für die Gesellschaft und sich selbst wird. Die Handlungsmöglichkeiten des Individuums werden durch die Individualisierung erweitert und begrenzt. So war beispielsweise in den 1950er Jahren die bürgerliche Kleinfamilie in der Bundesrepublik die am häufigsten gewählte Lebensform (vgl. Junge 2002, S. 7). Bis heute haben sich zahlreiche Alternativen, wie die nichteheliche Lebensgemeinschaft, Alleinerziehende und Partnerschaften mit getrennten Wohnsitzen gebildet. Diese flexiblen Lebensformen lassen dem Individuum viel Raum zur eigenen Entfaltung (vgl. ebenda, S. 8). Auch im Bereich der Ausbildung und der Erwerbstätigkeit haben sich im Laufe der Zeit
2
Veränderungen entwickelt. Sodass die Ausbildung und Weiterbildung zu einer Daueraufgabe des Individuums geworden ist. Die Phase der Bildung und die der Erwerbstätigkeit befinden sich in einem ständigen Wechsel (vgl. ebenda, S. 8). Es entwickelten sich durch die Individualisierung sogenannte „Bastelbiografien“ (Beck 1986, S. 217).
Betrachtet man den Begriff Individualisierung in einem geschichtlichen Zusammenhang, kann man die Individualisierung als Folge des Modernisierungsprozesses bezeichnen. Die Modernisierung ist ein Wandel, der aus der Industrialisierung, Urbanisierung, Bürokratisierung, Demokratisierung und zunehmender sozialer Mobilität zusammengefasst wird (vgl. Junge 2002, S. 10). Zusammenfassend kann man sagen, dass die moderne Lebensführung zwischen gesellschaftlicher Öffentlichkeit und Privatheit, Arbeit und Freizeit nicht mehr an traditionelle Orientierungen geknüpft ist. Individuen sind vielmehr dazu gedrängt, individuelle Entscheidungen für ihre spezielle Situation als Beitrag zur Lebensführung zu treffen (vgl. Tegethoff 1999, S. 3).
2.2 Chancen und Risiken der Individualisierung
Die Individualisierung liefert für das Individuum sehr unterschiedliche Auswirkungen. Berger hat die Vor- und Nachteile des Individualisierungsprozesses in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst. Er stellt unter anderem die Erfahrungsvielfalt als Folge dem Orientierungsverlust gegenüber, dem ebenso Jugendliche ausgesetzt sind.
3
Quelle: Tegethoff 1999, S. 17
Ich werde jedoch in diesem Kapitel vielmehr auf die großen Chancen, aber auch Risiken eingehen, die individuelle Entscheidungen für die Jugendlichen mit sich bringen. Jugendliche haben von nun an eigene Entscheidungsmacht über ihren biographischen Werdegang, können zwischen einer Vielzahl von Schulabschlüssen, Ausbildungen, Weiterbildungen und auch eine Familienplanung frei entscheiden. Ihnen sind alle Möglichkeiten offen gelegt, wodurch jedoch auch eine große Unsicherheit mitschwingt. Es fehlt laut Tegethoff eine gewisse Orientierung, die vor dem Zeitalter der Individualisierung durch „Erfahrungen kollektiver Organisationsmacht“ (Tegethoff 1999, S. 101) gegeben war (vgl. ebenda, S. 101). Kritiker formulieren diese Freiheit zur Entscheidung sogar als Entscheidungszwang, zu dem die Individuen verurteilt sind. Das jugendliche Individuum wird mit einem fragilen Selbstbild vor diese Aufgabe gestellt, wodurch eine Auseinandersetzung mit der biographischen Planung für Jugendliche weitaus waghalsiger ist, als für erwachsene Individuen, deren Entwicklungsaufgaben der Jugendphase bereits abgeschlossen sind. Jugendliche können als Gewinner und Verlierer aus dem Individualisierungsprozess hervorgehen. Ausschlaggebend über die Zuordnung sind hier die vorhandenen sozialen Ungleichheiten. Es existiert eine Einschränkung der Individualisierungsfreiheit durch „ökonomisches, soziales
4
Arbeit zitieren:
Anne Dreyer, 2010, Individualisierung und ihre Folgen für den Aufbau intimer Partnerschaften innerhalb der Jugendphase, München, GRIN Verlag GmbH
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