Inhalt
1. Einleitung 3
2. Hauptteil 4
2.1 Definitionen 4
2.2 Die Entstehung und der Bedeutungswachstum des Begriffes
„Working Poor“ 5
2.3 Ursachen 7
2.4 Ausprägungen 8
2.5 Mittel der Bekämpfung 8
2.5.1 Soziale Sicherung? 9
2.5.2 Mindestlöhne 10
2.6 Working Poor als Symbol für die Globalisierung Japans 12
3. Schlussbetrachtung 13
Literatur - und Quellenverzeichnis 15
2
1. Einleitung
Armut ist ein weltweites Problem, welches umso mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gelangt, wenn Armut direkt vor der eigenen Haustüre greifbar ist. Menschen, die, obwohl sie einer regelmäßigen Arbeit nachgehen, sich nur einen minimalen Lebensstandard leisten können, werden mit dem Begriff „Working Poor“ bezeichnet. Die relative Armut lässt sich am besten am Beispiel der Situation in den USA darstellen. Hier liegt die relative Armut, wenn man Mexiko und die Türkei ausklammert, von allen OECD-Ländern am höchsten. Für Deutschland und noch mehr Japan gelten die USA als Vorbild in vielerlei Hinsicht -Bewegen sich also auch die Armutszahlen in Richtung der USA? Allgemein lässt sich sagen, dass die Globalisierung und die damit verbundene liberalere Gestaltung von Löhnen, sowie die Wandlung zur Dienstleistungsgesellschaft vielen Staaten zu einem Niedriglohnsektor geführt haben. In diesem Niedriglohnsektor hängt die Frage, ob ein Arbeitnehmer unter die „Armutsgrenze“ seines Landes fällt, vom sozialen Umfeld ab und vom Eingriff des Staates durch Umverteilung von Geldern. In der vorliegenden Arbeit sollen die Gründe, die Ausprägungen des Working-Poor-Problems in Japan aufgezeigt werden. Mit welchen Maßnahmen versucht die japanische Regierung die relative Armut einzudämmen, oder sieht sie in dieser Lebensform ein notwendiges Übel um Japan im globalen Wettbewerb leistungsfähig zu halten? Mit Blick auf die Altersstruktur der japanisches Gesellschaft wird sich die japanische Theorie von der „Einzigartigkeit Japans“ schon in wenigen Jahrzehnten durch die Notwendige Zuwanderung von allein in Luft auflösen. Denn die alternde Gesellschaft ist schon jetzt ein Problem. Woher sollen die Pflegekräfte für die Millionen Pflegebedürftigen kommen? Sicherlich nicht aus den Robotik-Labors der japanischen Hitec-Unternehmen. Überalterung und Armut - Probleme die schon in der heutigen Zeit in allen entwickelten Staaten angegangen werden müssen. Ist Working Poor ein Vorbote dafür, dass Japan schon jetzt im Begriff ist sich der Welt weiter zu öffnen, als es sich die Reformer der Meji-Zeit jemals hätten vorstellen können?
3
2. Hauptteil
2.1 Definitionen
Bei der Definition von Armut ist zwischen absoluter und relativer Armut zu unterscheiden. Absolute Armut zeigt sich in den elementaren Bedürfnissen eines Menschen. Betroffene können sich nicht selbst ernähren und können sich lebenswichtige Bedarfsartikel nicht leisten. Relative Armut bezieht sich auf das Umfeld und die Gesellschaft in der ein Individuum lebt. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) legt die Armutsgrenze auf 50 Prozent des durchschnittlichen Einkommens eines Staates fest. Die japanische Regierung definiert selbst keine Armutsgrenze, hat aber mit dem Sozialhilfegrundsatz eine Art minimalen Lebensstandard definiert. Wer weniger als 2 Millionen Yen im Jahr verdient gilt als arm. Die Armutsrate (Anteil von relativ Armen an der gesamten arbeitsfähigen Bevölkerung) ist mit 15 Prozent der vierthöchste unter OSCD-Ländern. 1
Die Ungleichverteilung des Einkommens sank zwar seit dem Jahr 2000 ab, liegt aber immer noch über dem Durchschnitt der OECD-Länder. Die besondere Problematik der Working Poor ergibt sich aus einer anderen Kennziffer: Über 10 Prozent der arbeitenden Bevölkerung in Japan bleiben trotz einer Arbeitsstelle unter der Armutsgrenze. Dieser Wert liegt
1 Growing Unequal? , OECD 2008,
http://www.oecd.org/dataoecd/45/57/41527303.pdf Stand: 01.04.2010
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über dem Durchschnittswert der OSCD-Länder (7 Prozent) und zeigt, dass ein Arbeitsverhältnis diese Menschen nicht vor relativer Armut schützen kann. 2 Doch die genaue Erfassung der Zahlen in Japan ist schwierig, da die Einkommen von Personen, welche zur Working-Poor-Gruppe gehören individuell berechnet werden, die allgemeine Armutsgrenze aber auf Grundlage der Haushaltsgröße berechnet wird. Dies bedeutet, dass ein Haushalt erst dann unter das Sozialhilfeniveau fällt, wenn das Gesamteinkommen unterdurchschnittlich ist.
Unterbezahlte Arbeitsverhältnisse werden somit von anderen Haushaltsmitgliedern aufgefangen und fließen nicht in die Working-Poor-Statistik ein.
Working Poor bildet also die Schnittmenge zwischen relativ armen Menschen und Menschen, die einer geregelten Arbeit nachgehen. Welche Arbeit dabei als geregelt oder als Vollzeitstelle gilt (Stundenzahl) und ob auch Teilzeitstellen in die Betrachtung einfließen, ist von Definition zu Definition unterschiedlich. Die OECD definiert Working Poor einfach als arbeitende Personen, die unter der Armutsgrenze leben. 3
2.2 Die Entstehung und der Bedeutungswachstum des Begriffes
„Working Poor“
Während Working Poor in den USA schon seit den 90er-Jahren ein fester Begriff war, fand die gesamte Problematik in der japanischen Öffentlichkeit nicht statt. Wie Makoto Kawazoe und Makoto Yuasa darlegen, fand der Begriff erst im Jahr 2006 größere Beachtung in Japan. In der Dokumentation „The Working Poor“ des staatlichen Senders NHK wurde auf das Schicksal dieser Menschen aufmerksam gemacht und Zahlen von bis zu 10 Millionen Betroffenen (Japanese Times) machten die Runde.
Obwohl das Problem auch schon vorher existierte gingen die Medien und in der Folge auch die Politik erst ab diesem Zeitpunkt darauf ein. 4 Kaho
2 In-Work Poverty: What Can Governments Do? In: Policy Brief, OECD September 2009,
http://www.oecd.org/dataoecd/0/26/43650040.pdf, Stand: 01.04.2010
3 Glossery of Statistical Terms, OECD, http://stats.oecd.org/glossary/detail.asp?ID=4841
4 Kawazoe, Makoto und Yuasa, Makoto (2007): „Action Against Poverty: Japan's Working
Poor Under Attack.“ In: The Asia-Pacific Journal: Japan Focus
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Arbeit zitieren:
Jerome Zackell, 2010, Working Poor , München, GRIN Verlag GmbH
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