und Besonderes, den es sich daher aufzuheben und zu sammeln lohnt. Kinder sind vor allem von der Formen- und Farbenvielfalt und den jeweiligen einzigartigen Charakteristika von Steinen beeindruckt. So unterscheiden sich Steine hinsichtlich ihrer Größe, Farbe, Zeichnungen, Muster und Oberflächenstruktur. Durch diese vielfältigen ästhetischen Eindrücke wird das kindliche Forscherinteresse geweckt und eine Erkundung mit allen Sinnen angeregt. Dabei kann ein jeder Stein verschiedene Fragen auslösen: Was macht den Stein so besonders? Wo kommt er her? Was hat er wohl schon alles erlebt? Wem ist er begegnet? Wohin ist er gereist?. Steine ermöglichen somit eine Aktivierung der kindlichen Fantasie und Kreativität und können daher zugleich Anlässe für kreatives Schreiben bieten. In diesem Zusammenhang werden den Kindern die Erfahrung der persönlichen Bedeutsamkeit von Schrift und Schreiben als auch die Partizipation an der elementaren Schriftkultur ermöglicht und so die angestrebte Entwicklung einer Sprachhandlungskompetenz 8 gefördert. 3 Einstieg
Einen möglichen Einstieg in das Schreibszenarium könnte ein Brainstorming darstellen, bei dem einige Wörter der Wortfamilie zum Stammwort „Stein“ zusammengetragen werden. Es könnten dabei beispielsweise folgende Wörter gefunden werden:
Steinweg, Baustein, Steinbruch, steinig, steinhart, Kieselstein, Steinbrocken, Edelstein, Dominostein, usw..
Durch dieses Vorgehen wird zunächst an Vorwissen und Erfahrungen der Kinder angeknüpft und zugleich Wortmaterial für den späteren Schreibprozess zur Verfügung gestellt. Diesbezüglich bietet es sich an, gemeinsam im Sitzkreis eine Mind Map zu erstellen und diese auf einem Plakat festzuhalten. Daraufhin kann sich je nach verfügbarer Zeit eine Erkundung der umgebenden Natur anschließen, bei der jedes Kind einen Stein sammeln soll, den es dann später zum Mittelpunkt seiner eigenen Geschichte machen möchte. Alternativ kann die Lehrkraft verschiedene Steine mitbringen und diese den Kindern präsentieren. Das Schreiben einer eigenen Steingeschichte soll dann durch das sinnliche Entdecken des ausgewählten Steines und das Verfassen eines Steckbriefes zu diesem vorbereitet und schließlich mittels einer musikalischen Fantasiereise veranlasst werden.
4 Organisatorische Hinweise
Zielgruppe: besonders Schuljahrgang 3 und 4 Material: verschiedene Steine, Schreibmaterialien, Präsentationsmappe (bzw. Materialien zur Buchgestaltung), CD-Player, Fotokamera, PC, Arbeitsblätter Zeit: etwa 120 bis 180 min Bemerkungen: Die Kinder sollten möglichst schon Erfahrungen im Umgang mit dem Schrei-
8 Vgl.Fachlehrplan Grundschule Deutsch, S. 5, S. 13.
2
5 Schreibanregung
An den Einstieg in Form eines Brainstormings zum Thema „Steine“ könnte sich das Sammeln von Steinen im Rahmen einer Naturerkundung anschließen. Da sich Paul Valery zufolge bei allen poetischen Tätigkeiten aus den sinnlichen Eindrücken Vorstellungen über den Erzählgegenstand entwickeln, die dann in den sprachlichen Ausdruck einmünden 9 , sollten die Kinder die gesammelten Steine anschließend mit allen Sinnen entdecken. Auch hierfür erscheint die Form des gelenkten Unterrichtsgespräches im Sitzkreis geeignet. Mögliche Fragestellungen, mit denen die Lehrkraft die Kinder zu einem sinnlichen Erkunden der Steine anregen kann, wären etwa: Wie sieht der Stein aus? Welche Farben hat er? Welche Größe hat er? (Ist er besonders groß oder klein?) Welche Form hat er? (Ist er eckig, rund oder oval?) Ist der Stein schwer oder leicht? Wie fühlt sich seine Oberfläche an (Ist er rau oder glatt?)? Hat er besondere Merkmale (Hat er Löcher, Einschlüsse oder Ablagerungen)? Wie riecht der Stein? Die auf diese Weise zusammengetragenen Überlegungen können dann in einem persönlichen Steckbrief zum eigenen Stein münden. Kindern, die mit der Form eines Steckbriefes noch nicht vertraut sind, kann an dieser Stelle ein entsprechendes Arbeitsblatt zur Verfügung gestellt werden. Mit einer Fotokamera können die Kinder auch ein Foto ihres Steins für den Steckbrief erstellen. Die Steckbriefe sollen als Verschriftlichungen der sinnlichen Wahrnehmungseindrücke eine Hilfe für das Verfassen der Geschichten sein, indem sie eine konkrete Vorstellung der Hauptfigur geben.
Als konkreter Schreibanlass für die Steingeschichten dient in diesem Schreibszenarium das Lied „Kieselstein, Zauberstein“ von Dorothèe Kreusch-Jacob. 10 Mit seinem meditativen Klang fungiert es gewissermaßen als Stilleübung, während sein Text zugleich zu einer Fantasiereise einlädt. So soll auf das kreative Schreiben eingestimmt und dieses angeregt werden. Fragen wie „Wo kommst du her?“ „Was hast du gesehen?“ und „Was kannst du mir geben?“ regen die Kinder zu individuellen Vorstellungen, Gefühlen und Gedanken im Hinblick auf den Weg des Steines und seine Erlebnisse an. Daneben wird auch der für den folgenden Schreibprozess angestrebte Perspektivenwechsel angebahnt, indem Fantasien zu einem Moment aus dem Leben des Steins provoziert werden. Je nach Vertrautheit der Kinder mit dem kreativen Schreiben kann es erforderlich sein, im Anschluss an die Fantasiereise noch einmal gemeinsam mögliche Fundorte und vorstellbare Erlebnisse von Steinen mit Verweis auf die Höreindrücke zusammenzutragen.
Darauf folgt dann die Phase des kreativen Schreibens, bei der die Kinder selbstständig eine Geschichte aus der Perspektive ihres Steines verfassen sollen. Die Kinder müssen sich dazu in die Sichtweise eines Steines versetzten und die Ich-Form beim Schreiben beachten. Dieser Perspektivwechsel ermöglicht ihnen, Fantasievorstellungen sowie persönliche Gedanken und Gefühle frei zu äußern, ohne dass eine direkte Verbindung zum Schreibenden hergestellt wird. Um den Kindern die Übernahme der Ich- 9 Valery1987, S. 26
10 Der Liedtext ist im Anhang beigefügt.
3
Perspektive zu erleichtern und ihnen die Angst vor dem leeren Blatt zu nehmen, bietet sich für das Schreiben der Steingeschichten ein Arbeitsblatt an, auf dem bereits der erste Satz der Geschichte („Ich, der Stein, möchte euch eine Geschichte erzählen“) vorgegeben ist.
Im Anschluss an die Schreibphase sollte eine Überarbeitung der Texte, die „integraler Bestandteil jedes kreativ-produktiven Schreibprozesses [ist]“ 11 , etwa in Form einer Schreibkonferenz geschehen. In diesem Rahmen können die Kinder „Anregungen, Ermutigungen, „Tipps“ [...] von anderen Kindern erhalten“ 12 . Im Mittelpunkt sollten hier weniger Rechtschreibung und Grammatik der Textentwürfe, sondern vielmehr deren Aufbau, sprachliche Gestaltung und Leserwirkung stehen. Nachdem die Kinder die Texte auf die Ratschläge hin überarbeitet haben, kann eine Abschrift und Gestaltung der Geschichten mit Hilfe eines PC-Schreibprogrammes erfolgen, sofern eine entsprechende technische Ausstattung gegeben ist. Durch die automatische Kontrollfunktion des Schreibprogrammes ist hier nun eine Überprüfung der Texte auf orthografische und grammatikalische Fehler möglich. Diejenigen Kinder, die bereits schnell mit dem Abschreiben fertig sind, können die Gestaltung eines Deckblattes für das Buch übernehmen. Die ausgedruckten Steingeschichten der Kinder werden schließlich zusammen mit den zuvor verfassten Steckbriefen in eine Buchform gebracht. Sofern nicht die Möglichkeit zur eigenen Herstellung eines Buches gegeben ist, können die einzelnen Blätter auch auf einfache und dennoch wirkungsvolle Weise in einer Präsentationsmappe gesammelt werden.
In einer abschließenden Präsentationsphase sollen die Texte der Kinder in der Klasse veröffentlicht und gewürdigt werden. Die Kinder können hierbei ihre Geschichte aus dem vollendeten Buch vorlesen und somit erfahren, dass jeder von ihnen entsprechend seiner Fähigkeiten und Möglichkeiten einen bedeutenden Teil zu dem eigenen Geschichtenbuch der Klasse beigetragen hat. Dadurch erfahren die Kinder für die Mühen und Schwierigkeiten des Schreibprozesses eine angemessene Belohnung. 6 Beispiele
Bei der Durchführung des Schreibszenariums in einer dritten Klasse der Grundschule Mansfeld (Sachsen-Anhalt) sind unter anderem folgende Geschichten der Kinder entstanden:
Es war einmal ein Stein
Ich der Stein hatte eine lange Reise. Ich wurde fast immer auf dem Meer herumgetrieben, bis ich am Strand in der Erde begraben wurde. Und so kam es, dass ich nach Erde rieche. Ach ja durch das Wasser habe ich eine Form wie ein Fels. (Max)
Der Fabi
11 Spitta 1989, S. 6
12 ebd.
4
Arbeit zitieren:
Denise Krüger, 2010, Schreibszenarium für den offenen Unterricht in einer Grundschulklasse, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft: Schreibszenarium für den offenen Unterricht in einer Grundschulklasse ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft: neuer Titel erschienen: Schreibszenarium für den offenen Unterricht in einer Grundschulklasse
Denise Krüger hat einen neuen Text hochgeladen
Offener Unterricht in der Primar- und Sekundarstufe I
Praxisleitende Theorie und the...
Manfred Bönsch
Konzeptionelle und didaktische...
Thorsten Bohl, Diemut Kucharz, Eiko Jürgens
Die ' neue' Reformpädagogik und die Bewegung Offener Unterricht
Theorie, Praxis und Forschungs...
Eiko Jürgens
0 Kommentare