1 Einleitung
Zur Einführung in die Thematik der Hausarbeit möchte ich die folgenden persönlichen Erfahrungen anführen, um sie anschließend in einen Vergleich mit der gegenwärtigen Lebenswirklichkeit zu stellen.
Ich wurde Anfang der 80er Jahre geboren. Da ich nicht das erste Kind meiner Eltern war, waren sie mit den Ansprüchen ihrer Sprösslinge, auch medialer Art, bestens vertraut und in dieser Hinsicht auf dem Laufenden.
Trotzdem dauerte es bis zu meiner Zeit in der Orientierungsstufe, bis ich, nach viel Überzeugungsarbeit und dem Abschluss eines „Vertrages“ mit meiner Mutter über dessen Nutzung, meinen ersten GameBoy erhielt. Ebenso war es mir nur über Umwege erlaubt worden, einen Fernseher in meinen eigenen vier Wänden zu nutzen. Die ersten beiden, die mir nacheinander zur Verfügung standen, hatten noch Bildwiedergabe in schwarz-weiß. Als ich mir, aufgrund der vorübergehenden Verfügbarkeit von finanziellen Mitteln durch meine Konfirmation, mit sechzehn Jahren meinen ersten PC kaufte, stellte dieser ebenso den ersten und wohl auch einzigen Computer dar, den mein Elternhaus je beherbergen sollte. Mein erstes Handy wurde mir von meiner Schwester zum 18. Geburtstag geschenkt und um einen DVD-Spieler zu besitzen, musste ich viele Monate sparen, um die enorme Summe von 1100 DM zusammenzukriegen.
Durch diese kurze Aufzählung soll deutlich werden, dass in den Jahren meiner Kindheit und Jugend das Vorhandensein, der Gebrauch oder gar der Besitz von Medien keine Selbstverständlichkeit war, und dass nahezu jede technische Erneuerung im Hause Rabe durch viel Überredungskunst, Geduld und eigenen finanziellen Aufwand seitens der Kinder realisiert wurde. Durch die Erfahrungen während meiner Ausbildung, im privaten Umfeld, aber vor allem durch aktuelle Studien lässt sich das belegen, was fast alle Menschen in diesem Land längst erkannt haben, nämlich dass sich die Medien, deren Verfügbarkeit und die Nutzung durch die Menschen erheblich verändert haben. Die „Überflutung“ der kindlichen Lebenswelt mit (Massen-)Medien und die daraus resultierende Notwendigkeit von Kompetenzen im Umgang mit ihnen aufzuzeigen und die Vorgaben der Bildungspläne für den Deutschunterricht dahingehend zu untersuchen, soll durch die vorliegende Hausarbeit geleistet werden.
2
2 Die aktuelle Verbreitung von (Massen-)Medien in der BRD
Ich stelle eine Definition des Begriffs Medium an den Anfang. Ein Medium (bzw. im Plural Medien, selten Media) ist danach eine „Einrichtung, [ein] organisatorischer und technischer Apparat für die Vermittlung von Meinungen, Informationen oder Kulturgütern.“ 1
Medien sind somit im weitesten Sinne Kommunikations- und Informationsmittel für Menschen. Die gängigsten Medien sind die Printmedien (Buch und Zeitung, ebenso der Flyer und das Plakat), Telefon und Mobilfunk, Film und Fernsehen, Hörfunk (umgangssprachlich Radio), Fotografie und Internet. Massenmedien teilen diese Definition zu einem großen Teil. Auch sie sind Vermittler von Meinungen, Informationen und Kulturgut. Der Unterschied zu den Medien besteht offenkundig in der Zielgruppe, da die Massenmedien, wie der Name bereits sagt, auf große Massen ausgerichtet sind. Merkmal der Massenmedien ist demzufolge die Massenkommunikation, die durch sie ermöglicht wird. Die größten Unterschiede sind folglich in der Verbreitung und in der verwendeten Technik und weniger in dem übergeordneten Sinn (Kommunikation) zu sehen.
Als Massenmedien gelten die Printmedien, das Fernsehen, der Hörfunk und das Internet, obwohl sie umgangssprachlich beständig mit dem Begriff Medien betitelt werden.
Laut der aktuellsten Studie, der KIM-Studie 2005/06 des medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest („mpfs“), sind in jedem Haushalt, in dem Kinder im Grundschulalter leben, mindestens ein Fernseher und ein Radiogerät vorhanden. Zudem stehen in nahezu jedem dieser Haushalte ein Videorekorder und in mehr als 2/3 ein DVD-Spieler zur Verfügung, Tendenz steigend. Über einen Internetanschluss verfügen fast 3/4 der Haushalte und ein Abonnement einer Tageszeitung besitzen knapp 2/3. 2
Kurzum: Die technischen Voraussetzungen zum Konsum von Fernsehen und weiterer (Massen-)Medien durch Kinder sind gegeben.
1 Drosdowski 1994, S. 644
2 vgl. KIM-Studie 2005/06, S. 15 bzw. Daten über Verbreitung von Radiogeräten: KIM-Studie 2002, S. 4
3
Offensichtlich fehlt in der vorstehenden näheren Bestimmung des Begriffs Medien der Computer. Obwohl dieser umgangssprachlich den Medien zugeordnet wird, trifft er die o.g. Definition nicht zureichend. Ausgehend von einem Vortrag Hartmut Winklers werde ich den Computer im Folgenden als Medium bezeichnen, da er auf der Grundlage der Verarbeitung von Zeichen (in Form von Reihen aus den Zahlen „1“ und „0“) Bilder, Töne, Schrift etc. erzeugt, verarbeitet oder versendet und somit Kommunikation zulässt bzw. als Kommunikationsplattform dient. 3
3 Der Computer als zentraler Ausgangspunkt für zukunftsfähige Mediennutzung
Der Alltag der Menschen in Deutschland wird über weite Strecken von den (Massen-)Medien geprägt. „Praktisch jeder sieht ab und zu fern, hört Radio, liest Zeitung oder sieht sich ein Video oder eine DVD an. Auch ein Kinobesuch oder die Lektüre eines Buches ist für fast 90% der Deutschen ein wichtiger Bestandteil der Freizeitgestaltung.“ 4
Häufig wird der Computer in der Freizeit genutzt, sei es zum Zeitvertreib mit Computerspielen oder zur Informationsbeschaffung im Internet. Dabei wird die Rolle des Computers bei der Freizeitgestaltung in Zukunft eher zu- als abnehmen. Denn durch die voranschreitende Vernetzung des Computers vor allem mit dem Internet, aber auch mit anderen Medien, wie dem Fernsehen oder der Telefon-Technik, wird die Position des Computers als „Basismedium“ gestärkt. Das heißt, dass die Möglichkeiten, die der Computer seinem Nutzer durch die Integration anderer Medien bietet, aber auch die Dienste, die bereits oder in Zukunft einen Computer für ihre Anwendung erfordern, sich vervielfältigen werden. Mit Beispielen, wie dem Ansehen von DVD- oder Fernsehfilmen auf dem Computerbildschirm, der Verwendung des Computers als Videorekorder oder Musikanlage, dem Einkaufen im Internet, dem Telefonieren über den internetfähigen Computer etc., sollen die Möglichkeiten, aber auch die Notwendigkeiten (z.B. Vor-Steuererklärung, die nur über das Internet zu erledigen ist) des Lebens im Computerzeitalter exemplarisch aufgezeigt werden.
3 vgl. Vortrag in der Reihe: Understanding New Media, Heinz-Nixdorf-Forum Paderborn
[http://wwwcs.uni-paderborn.de/~winkler//compmed2.html (25.09.2006)]
4 Studie „TimeBudget 12“, S. 6
4
Genauso sind Computerspiele, Lexika und andere Informationssoftware auf CD-und DVD-Rom, sowie Internetangebote wie E-Mail, Chats, Newsgroups, Mailing-Listen und Foren nicht ohne Computer (und Internetanschluss) wahrnehmbar. 5 Ähnlich wie im Freizeitsektor spielt die Computernutzung auch in der Wirtschaft eine große Rolle. Ohne den Einsatz von Computern wären viele der heutigen Arbeitsgebiete, wie die Finanzwirtschaft (Banken, Börse), produzierende Betriebe (Autokonzerne, Chemie- und Pharmaunternehmen), Logistikunternehmen (die Post, Speditionen, Im- und Exportunternehmen), aber auch Schulen, Ämter und Behörden kaum denkbar. Laut Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft hat in den letzten Jahren „[…] die Computernutzung in vielen Betrieben Einzug gehalten und Geschäftsprozesse sowie Kundenkontakte merklich verändert.“ 6 Deswegen suchen Unternehmen gezielt Menschen, die im Umgang mit Medien, insbesondere dem Computer, versiert sind und Kompetenzen mitbringen, die sie in der Praxis anwenden können. 7
Folglich ist die Fähigkeit, den Computer benutzen zu können, nicht nur von großer Wichtigkeit für die Freizeitgestaltung, sondern in erheblichem Maße auch für das Berufsleben und die Ausbildung bzw. das Studium, da „[…] in Studium und Beruf […] heute basale Kenntnisse im Umgang mit dem World Wide Web (WWW), Datenbanken und Textverarbeitungsprogrammen stillschweigend vorausgesetzt […]“ 8 werden.
Doch wo wird das Wissen um die Computernutzung erworben?
5 vgl. Kepser 2003, S. 857
6 Croll 2005, S. 2
7 vgl. ebd.
8 Kepser 2003, S. 855
5
3.1 Computereinsatz in der Primarstufe
Kompetenzen im Bereich Computer sind zunehmend Voraussetzung für Ausbildung, Studium und Beruf und sehr hilfreich für das Privatleben. Doch laut Institut der deutschen Wirtschaft verfügen mehr als 38% der über 15jährigen Deutschen über keinerlei Kenntnisse im Umgang mit dem Computer. 9 Der Grundstein muss also bereits in der Schule gelegt werden. Die Bundesregierung erkannte dies schon in den 1990er Jahren und schrieb im Orientierungsrahmen zur Medienerziehung der Bund-Länder-Kommission nieder, dass der Computer als Medium im Unterricht zu thematisieren sei. Mit der Entscheidung der Kultusbehörden für die Computernutzung in der Primarstufe begann Ende der 1990er Jahre die mediale Aufrüstung in den Klassenzimmern, die auch von der Wirtschaft mit Projekten wie „Schulen ans Netz“ gefördert wurden. 10 Auch Kepser führt die beunruhigende Wissenskluft an und sieht Schule, insbesondere den Deutschunterricht in der Pflicht, dieser entgegenzusteuern. Diese Wissenskluft tut sich da auf, wo Schulkindern der Zugriff auf Computer verwehrt bleibt, da keine Geräte vorhanden sind oder die Nutzung verboten ist, wo die Motivation fehlt oder keine geeigneten Nutzungsstrategien vermittelt werden. 11 Der Spalt zwischen informationsreichen und informationsarmen Kindern vergrößert sich in der Folge immer mehr, da diejenigen mit Vorwissen von weiterer Informationsaufnahme stärker profitieren als diejenigen ohne entsprechende Wissensgrundlage bzw. Erfahrungen. 12 Ein Indiz für die Notwendigkeit des möglichst frühen Einbaus von Computernutzung in den Unterricht ist der Umstand, dass für nur 10% der Jugendlichen in Deutschland die Schule die wichtigste Vermittlungsinstanz für computerbezogene Kenntnisse ist. 13
Um das Medium Computer pädagogisch bearbeiten zu können, ist es nötig, sich der Verbreitung und somit der Verfügbarkeit von Computern, also PCs (Personal Computer) und Laptops bzw. Notebooks, für Kinder im Grundschulalter bewusst zu werden.
9 vgl. Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft, Köln [www.iwkoeln.de (27.09.2006)]
10 vgl. Kepser 2003, S. 855
11 vgl. ebd., S. 855f
12 vgl. Meister 2003, S. 15
13 vgl. PISA-Studie 2003 - In: Croll 2005, S. 2
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Arbeit zitieren:
M.Ed. Georg Rabe, 2006, Kinder und Medien, München, GRIN Verlag GmbH
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