1. Planungsüberblick und Vorüberlegungen der Unterrichtsstunde In den vorangegangenen Stunden haben sich die Lernenden der Jahrgangsstufe 6 schwerpunktmäßig mit dem Gegenstand des Leistens im Sport auseinander gesetzt und hierzu Übungen im Bereich Laufen/Sprint der Leichtathletik kennengelernt. In der vorangegangenen Stunde wurden die Schüler in die Pulsmessung eingeführt. Dieses Thema soll nun in dieser Unterrichtsstunde praktisch vertieft werden und unter der Pädagogischen Perspektive "Gesundheit fördern, Gesundheitsbewusstsein entwickeln" 1 die Kenntnisse und Erfahrungen der Schüler erweitern.
Körperliche Signale, wie z.B. der Pulsschlag geben Informationen über innere und äußere Zustände unseres Körpers. Der Umgang mit diesen körperlichen Signalen ist umso bedeutender, da sich in diesem Alter auch andere post- und pubertäre Tendenzen in der Stimmung der Schüler zeigen. Mit Kenntnissen über den eigenen Körper wird eine Situation geschaffen die es erlaubt Rückschlüsse auf Körpersignale, Stimmungen und Haltungen zu schließen. Rückschlüsse können so aber auch auf andere Mitschüler gezogen werden. Aus diesem Verständnis heraus, können die Schüler aus ihren erworbenen Kenntnissen und Einsichten über ihren Körper auch auf andere Schüler rückschließen und so das Hineinversetzen in andere Menschen einüben. Dieses empathische Verhalten kann soziales Verhalten und soziale Interaktionen gegenüber anderen Mitschülern stärken und sich darüber hinaus fördernd auf das Selbstbewusstsein des einzelnen Schülers auswirken nach dem Motto: "Dem geht es ja ähnlich wie mir. Also sollte ich ihn so behandeln, wie ich es selber gerne in dieser Situation von anderen erwarten würde." Durch die Prozesse der Selbst- und Fremdwahrnehmung erfolgt die Integration des Einzelnen in seine Lerngruppe und sorgt gleichzeitig für eine Stabilisierung eben dieser. 2 Aus dieser Überlegung heraus sollen die Schüler in dieser Unterrichtsstunde vorangegangene Kenntnisse anwenden und ihre Erfahrungen im Bereich der Gesundheit mit Hilfe der Wahrnehmung eigener Körpersignale erweitern. Hierzu wird der Stellenwert der Körpersignale mit Hilfe der Pulsmessung verdeutlicht. Das Messen des Pulsschlags eignet sich in dieser Jahrgangsstufe besonders, da zum einen der Puls leicht und unproblematisch ertastet werden kann und zweitens körperliche Aktivitäten spürbare und gut prüfbare Änderungen der Pulsfrequenz mit sich bringen. Zudem wurde das Thema "Pulsfrequenz" und "Blutkreislauf" in der Jahrgangsstufe 5 im Fach Biologie 3 behandelt, sodass an Vorkenntnissen der Schüler fächerübergreifend angeknüpft werden kann.
1 Vgl. Hessisches Kultusministerium: Lehrplan Sport, 2005. S. 6 f.
2 Vgl. Langfeldt, H.-P. / Nothdurft, W.: Psychologie. Studienbuch für soziale Berufe. München 2004. S. 154 f.
3 Vgl. Hessisches Kultusministerium: Lehrplan Biologie, 2008. S. 10.
1
2. Lerngruppenbeschreibung
Die Lerngruppe der Klasse 6b setzt sich aus 27 Schülerinnen und Schülern 4 zusammen, wobei die Jungen mit 17 Schülern die Mädchen mit 10 Schülerinnen überwiegen. Der Unterricht findet wöchentlich am Mittwoch in der 5. und 6. Stunde, sowie am Freitag in der 6. Stunde in der angrenzenden Einfeldhalle der Friedrich-Wilhelm-Schule statt. Seit sieben Wochen hospitiere ich in dieser Klasse regelmäßig und konnte bereits eine Vertretungsstunde übernehmen.
Der Umgang der Schüler mir gegenüber ist freundlich und respektvoll. Auch innerhalb der Lerngruppe, soweit ich das aus meinen bisherigen Beobachtungen ableiten kann, herrscht ein gutes soziales Klima, das sich positiv auf die Motivation und das Arbeitsverhalten im Unterricht auswirkt.
Aufgrund des starken Bewegungsdranges der gesamten Lerngruppe (und vor allem das der Jungen) empfiehlt es sich daher, mit kurzen und klaren Anweisungen und Aufgabenstellungen sowie schnell verständlichen Spielen einen hohen Bewegungsanteil im Sportunterricht zu forcieren.
3. Methodische Analyse
Die Unterrichtsstunde beginnt mit der Begrüßung der gesamten Klasse, die sich dazu gesammelt auf zwei Bänke vor den Lehrer setzen soll. Die Begrüßung dient als "Startsignal" für die Unterrichtsstunde und bietet gleichzeitig die Möglichkeit, sowohl die Anwesenheit als auch die ordnungsmäßige Bekleidung der Schüler zu prüfen. Aufgrund der besseren Akustik und Übersichtlichkeit, werden die zwei Bänke in L-Form aufgebaut, auf denen die 27 Schüler Platz nehmen.
Die Einstiegsphase, in der alle Schüler in der Halle vor dem Lehrer sitzen, wird dazu genutzt, die Stundenthematik vorzustellen und den geplanten Ablauf der Unterrichtsstunde bekannt zu geben. Auch das Stundenziel, nämlich die Aufgaben der Messung der Pulsfrequenz nach unterschiedlichen Belastungen, wird den Schülern verständlich erklärt. Anschließend wird die erste Aufgabe in die Tat umgesetzt und der Ruhepuls aller Schüler auf der Bank gemessen. Die Pulsmessung knüpft an die vorangegangene Stunde an, in der die Schüler zwei Möglichkeiten des Pulsmessens (Halsschlagader, Handgelenk) kennen gelernt haben. Die Schüler werden aufgefordert ihren Puls zu suchen und auf Kommando zählen die Schüler 30 Sekunden lang ihren Pulsschlag. Der Lehrer nimmt dazu die Zeit mit Hilfe einer Stoppuhr und gibt den Schülern die nötige Rückmeldung für die Messung. Anschließend werden vier Arbeitszettel 5 und Stifte an im Vorfeld festgelegte Schüler ausgeteilt, die als verantwortungsvoll
4 Im Folgenden wird der Begriff "Schüler" geschlechtsneutral verwendet, sofern keine Differenzierung erforderlich
ist. Der Begriff umfasst sowohl Schülerinnen als auch Schüler gleichermaßen. Im Anhang befindet sich eine
Namensliste der Schüler.
5 Vgl. Anhang: Arbeitszettel zur Messung der Pulsfrequenz.
2
einzuschätzen sind, um die Ergebnisse ihrer Mitschüler einzutragen. Dies ermöglicht den Schülern einerseits gruppenorientiertes Arbeiten mit eigenem Arbeitsanteil und andererseits eine möglichst effiziente Sicherung der ersten Messergebnisse. Danach wird zur Erwärmung übergeleitet mit der Aussicht, nun weitere Pulsmessungen vorzunehmen und die Neugier der Schüler aus die Ergebnisse nach unterschiedlichen Belastungen zu wecken. Die Überleitung zur Erwärmung erfolgt durch eine kurze Beschreibung des Spiels "Feuer, Wasser, Sturm" und dem zusätzlichen Kommando "Blitz" 6 . Dieses Spiel eignet sich zur Erwärmung, da es schnell und verständlich der Lerngruppe beschrieben und ohne größere Vorbereitung (vier bis fünf blaue Matten als "Wasser" werden vor der Stunde in der Halle verteilt) umgesetzt werden kann. Das Spiel fördert neben der Einstimmung des Körpers und Psyche auf die sportliche Betätigung auch die Reaktionsfähigkeit, da auf bestimmte Signale entsprechend reagiert werden muss. Ein weiterer Anreiz ist es, möglichst schnell die bestimmten Positionen einzunehmen, denn der langsamste Schüler bekommt eine Zusatzaufgabe gestellt. Desweiteren sorgt das Spiel durch seinen hohen Anteil an Laufbewegungen bei allen Schülern für eine Erhöhung des Pulsschlags.
Auf das Kommando "Blitz" eilen dann alle Schüler schnell zum Lehrer, um die Pulsfrequenz zu messen. Das zusätzlich eingeführte Kommando "Blitz" hat den Vorteil, dass alle Schüler zum Lehrer laufen und unmittelbar der Puls gemeinsam gemessen werden kann. Eine Zusatzaufgabe des Langsamsten entfällt an dieser Stelle, sodass alle Schüler sofort mit der Pulsmessung beginnen können. Nach der Messung werden die neuen Werte durch die festgelegten vier Schüler in die Arbeitsblätter eingetragen und das Spiel zur Erwärmung beendet. Es erfolgt eine kurze Rückmeldung zwischen Schülern und Lehrer und die Überleitung zu einer neuen Belastungsaufgabe, den Kommandostarts.
Die Schüler werden angewiesen sich an der blauen Außenline der Halle aufzustellen. Zuerst beginnen die Jungen mit den Kommandosprints, danach die Mädchen. In unterschiedlichen Variationen werden nun die Schüler auf eine höhere Belastungsintensität körperlich als auch psychisch vorbereitet. Mit Hilfe von Hütchen wird die Start-, Sprint- und Auslaufzone zur besseren Orientierung markiert und die Schüler angeordnet, am Rand der Halle hinter den Hütchen zurück an den Start zugehen. Die Mädchen und Jungen starten jeweils getrennt voneinander. Eine Trennung der Geschlechter macht Sinn, da die Jungen deutlich stärkere Leistungen erbringen als die Mädchen, eine Entlastungsphase nach den Sprint der jeweilig ersten Gruppe gewährleistet ist und eine Gleichbehandlung der Geschlechter berücksichtigt wird. An die Kommandosprints erfolgt der abschließende Liniensprint (auch Japanteststafette) 7 mit der
6 Vgl. Spiel als Variation aus Bucher, W. (Hrsg.): 1000 Spiel- und Übungsformen zum Aufwärmen. Schorndorf
2004. S. 84. ("Feuer" = auf blaue Matten, "Wasser" = auf die Bänke, "Sturm" = auf den Boden legen, "Blitz" = zum
Lehrer.)
7 Vgl. Variation nach Bucher, W. (Hrsg.): 1000 Spiel- und Übungsformen zum Aufwärmen. Schorndorf 2004. S. 51.
3
Arbeit zitieren:
Alexander Bösenberg, 2010, Pulsmessung als Teil der Gesundheitserziehung im Fach Sport , München, GRIN Verlag GmbH
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