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1. Einleitung 6
2. Theoretische Grundlagen der aktiven Medienarbeit 7
2.1. Definition der aktiven Medienarbeit 8
2.2. Zur Entstehung der aktiven Medienarbeit 9
2.3. Die Leitziele: Authentische Erfahrung und kommunikative
Kompetenz 11
2.4. Zielbereiche der aktiven Medienarbeit 12
2.5. Symbolischer Interaktionismus als Grundlegung
der aktiven Medienarbeit 15
2.6. Die Lernprinzipien der aktiven Medienarbeit 16
2.6.1. Handelndes Lernen 17
2.6.2. Exemplarisches Lernen 18
2.6.3. Gruppenarbeit 19
2.7. Inhalte der aktiven Medienarbeit 20
2.8. Zentrale medienpädagogische Position für die aktive Medienarbeit 21
2.8.1. Die gesellschaftskritische Position 21
2.8.2. Die handlungsorientierte Position 22
2.9. Die Aufgaben einer handlungsorientierten Medienpädagogik 23
3. Jugend, Gesellschaft, Medien 28
3.1. Jugend als Lebensphase 28
3.2. Die Adoleszenz 30
3.3. Die Betrachtung von Jugend in der Jugendforschung 31
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3.4. Die Probleme in der Lebenswelt von Jugendlichen 32
3.4.1. Problembereiche in der Lebenswelt Jugendlicher 32
3.4.1.1. Problembereich Schule und Arbeit 33
3.4.1.2. Problembereich Ökologie und Frieden 34
3.4.1.3. Problembereich Politik und politische Partizipation 35
3.4.1.4. Problembereich Zukunft 35
3.4.2. Problembewältigungsstrategien Jugendlicher 36
3.4.2.1. Die Problembewältigungsstrategien des Anpassen 36
3.4.2.2. Die Problembewältigungsstrategien des Verändern 37
3.4.2.3. Die Problembewältigungsstrategien des Sich zurückziehen 39
3.4.3. Konsequenzen für die aktive Medienarbeit 40
3.5. Jugendliche und die Massenmedien 41
3.5.1. Zur Mediennutzung Jugendlicher in ihrer Freizeit 41
3.5.2. Die Funktionen von Massenmedien 44
3.5.3. Konsequenzen für die aktive Medienarbeit 45
3.5.4. Jugendmedienschutz 46
4. Aktive Medienarbeit in der Jugendarbeit 49
4.1. Definition der Kinder- und Jugendarbeit 49
4.2. Daten aus der KJH-Statistik zur Kinder- und Jugendarbeit 49
4.3. Die Kriterien aktiver Medienarbeit in der Jugendarbeit 50
4.4. Die programmatischen Ziele emanzipatorischer Jugendarbeit 53
4.5. Aktive Medienarbeit mit Multimedia in der Jugendarbeit 54
4.5.1. Definition für die aktive Medienarbeit mit Computer und Internet 54
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4.5.2. Ziele und Kriterien für die aktive Medienarbeit mit Multimedia 54
4.5.3. Die Voraussetzungen für Multimediaprojekte in der offenen
Kinder - und Jugendarbeit 56
4.5.4. Multimediaprojekte in der Jugendarbeit 58
4.5.4.1. Aller Anfang ist leicht: Web-Design für Einsteiger 58
4.5.4.2. Der Fotoaktionstag - Digitale Fotos und Bilder verfremden 60
4.5.4.3. Mp3 und Musikbearbeitung in der Jugendarbeit 61
4.5.4.4. Online-Radio 62
4.5.4.5. Video im Internet - Eine Fiktion ? 64
4.5.4.6. NetGrandPrix - Ein Internet-Musikcontest 66
5. Aktive Medienarbeit in der Schule 68
5.1. Die Situation aktiver Medienarbeit in der Schule 68
5.2. Beispiele von aktiver Medienarbeit an Schulen 70
5.2.1. Projekt: Gründung einer Schülerzeitungsredaktion und
Erstellung einer Schülerzeitung 70
5.2.2. Projekt: Zeitung in der Schule 72
5.2.3. Praxisbezogene Beispiele für den Beitrag einzelner Fächer
zur aktiven Medienarbeit 73
5.2.3.1. Beitrag des Fachs Deutsch zur aktiven Medienarbeit 73
5.2.3.2. Beitrag des Fachs Kunsterziehung zur aktiven Medienarbeit 74
5.2.3.3. Beitrag des Fachs Musik zur aktiven Medienarbeit 74
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6. Aktive Medienarbeit in nicht-institutionellen Formen 76
6.1. Die Jugendpresse Deutschland 76
6.1.1. Zur Entstehung der Jugendpresse Deutschland 76
6.1.2. Das Leitbild der Jugendpresse Deutschland 76
6.1.3. Die Projektgruppen der Jugendpresse Deutschland 77
6.1.4. Medienwettbewerbe 79
6.2. Die Jugendfilmszene 80
6.2.1. Die Jugendfilmszene in Bayern 81
6.2.2. Ein bundesweites Forum für die Jugendfilmszene:
Das Bundesfestival Video 83
7. Fazit 86
Literaturverzeichnis 89
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1. Einleitung
In der heutigen Zeit spielen Medien eine immer größere Rolle, gerade für die Jugendlichen. Ob Musik, Computer, Internet oder Fotos machen mit dem Handy, Medien haben einen besonders großen Stellenwert in der Sozialisation und in der Lebenswelt Jugendlicher. Diese Tatsache impliziert die Chance, mit Hilfe von Medien die Jugendlichen dazu zu bewegen, sich intensiv mit Gegenstandsbereichen ihrer eigenen sozialen Realität auseinander zu setzen und dabei authentische Erfahrungen zu machen. Einen äußerst wirksamen methodischen Ansatz der handlungsorientierten Medienpädagogik stellt dazu die aktive Medienarbeit dar. In der folgenden Diplomarbeit sollen im ersten Teil die theoretischen Grundlagen der aktiven Medienarbeit mit Jugendlichen vermittelt werden. Hierbei wird erörtert, wie sich die aktive Medienarbeit überhaupt definiert, wie sie entstanden ist, welche Ziele sie verfolgt, welche Zielbereiche, pädagogische Grundlegung, Lernprinzipien und Inhalte sie hat, welche medienpädagogischen Positionen für sie entscheidend sind, sowie die Aufgaben einer handlungsorientierten Medienpädagogik.
Im einem zweiten Teil folgt die Auseinandersetzung mit Jugend, Gesellschaft und den Medien. Dabei wird auf Jugend als Lebensphase, die Adoleszenz, die Sichtweisen der Jugendforschung in Hinblick auf Jugend, auf Problembereiche und Problembewältigungsstrategien Jugendlicher und auf Jugendliche und die Massenmedien eingegangen.
Die folgenden Teile greifen die Praxis der aktiven Medienarbeit in der Jugendarbeit, in Schulen und nicht-institutionellen Formen auf, mit jeweils praxisbezogenen Beispielen.
Letztlich werden die erarbeiteten Aspekte in einem Fazit bewertet.
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2. Theoretische Grundlagen der aktiven Medienarbeit
Zu Beginn dieses Kapitels wird eine ausführliche Definition nach Fred Schell von aktiver Medienarbeit vorangestellt, um in die Thematik einzuführen. Im Anschluss daran wird die Entwicklung aktiver Medienarbeit aufgezeigt. Hierbei wird auf die theoretischen und praktischen Ansätze von den 1920er Jahren bis hin zu den 1970er Jahren eingegangen, die bis heute zu der erprobten und evaluierten Konzeption von aktiver Medienarbeit von Fred Schell führten. Daraufhin wird auf die grundlegenden Leitziele aktiver Medienarbeit, wie die der (Wieder-)Herstellung von authentischer Erfahrung und kommunikativer Kompetenz, eingegangen.
Nachdem die Leitziele definiert und beschrieben sind, folgt eine Auseinandersetzung mit den Zielbereichen der aktiven Medienarbeit. Dabei wird auf die Nutzungsmöglichkeiten von Medien mit bestimmten Mitteln eingegangen. Danach wird die pädagogische Grundlegung aktiver Medienarbeit thematisiert: der symbolische Interaktionismus.
Dem folgen die Lernprinzipien der aktiven Medienarbeit, nämlich das handelnde Lernen, das exemplarische Lernen und die Gruppenarbeit, die die Grundlagen aktiver Medienarbeit auf methodischer Ebene bestimmen. Im Folgenden werden kurz die Inhalte aktiver Medienarbeit abgehandelt. Die zentralen Positionen für die aktive Medienarbeit, wie die der gesellschaftskritischen und handlungsorientierten Position, werden im Anschluss an die Inhalte aktiver Medienarbeit aufgegriffen, da sie zentrale Bestimmungen enthalten, auf deren Basis eine Konzeption aktiver Medienarbeit entwickelt werden kann. Letztlich werden in diesem Kapitel die Aufgaben einer handlungsorientierten Medienpädagogik behandelt. In diesem Abschnitt wird auf die Voraussetzungen eingegangen, deren Erfüllung zur Erreichung der Zielsetzung medienpädagogischer Bemühungen, die Emanzipation der Individuen, notwendig ist.
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2.1. Definition der aktiven Medienarbeit
„Aktive Medienarbeit ist ein wesentlicher methodischer Ansatz einer handlungs-orientierten Medienpädagogik. Sie bedeutet die Be- und Erarbeitung von Gegen-standsbereichen sozialer Realität mit Hilfe von Medien wie Druck, Foto, Ton, Video, Computer, Multimedia und Internet. Die Medien werden von ihren Nutzern >in Dienst genommen<, das heißt selbsttätig gehandhabt und als Mittel der Kommunikation gebraucht.“ 1 Dies kann heißen, dass die Medien zu Recherchen eingesetzt werden (z.B. durch das Medium Internet mit Hilfe einer Suchmaschine), anderseits die Heranziehung von Medien als Mittel der Kommunikation zu Informationszwecken (z.B. durch die Vergabe oder Beschaffung von Flyern, Broschüren usw.), weiterhin die Verwendung von Medien zur Klärung von Sachverhalten, Interessen, Einstellungen, Sicht- und Verhaltensweisen und/oder zur Darstellung und Vermittlung eigener Meinungen, Absichten, Problemsichtweisen usw. (wie z.B. der Einsatz des Mediums Video als Mittel der Exploration, die Verwendung von Medien als Mittel zur Kommunikation und letztlich zu Demonstrationszwecken. 2
In Hinblick auf den Fachbegriff „aktive Medienarbeit“ liegt in Bezug auf die Bedeutung, nach Palme, ein „zielgerichtetes aktives Handeln“ 3 nahe. Dieses zielgerichtete Handeln läuft auf die Erstellung eines medialen Produkts hinaus, wie z.B. eine Schülerzeitung, eine Fotogeschichte, ein Hörspiel, ein Film, eine Webseite usw.. Im Unterschied zum Musikkonsum, wie z.B. beim Musik hören und Fernsehen gucken, wird dieses Medienhandeln als aktiv beschrieben. 4 Medienkonsumenten sollen zu Medienproduzenten werden.
Grundlegende Ziele aktiver Medienarbeit sind Mündigkeit und Emanzipation, bzw. die Herstellung von authentischer Erfahrung, sowie die Entwicklung und Steigerung von kommunikativer Kompetenz. 5
1 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit. In: Schorb, Bernd / Anfang, Günther / Demmler, Kathrin (Hrsg.): Grundbegriffe Medienpädagogik - Praxis, München: kopaed 2009, S. 9
2 Vgl.: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen - Theorie und Praxis, Opladen München: kopaed, 4., unveränderte Aufl. 2003, S. 51
3 Bounin, Ingrid: Aktive Medienarbeit. Online: www.mediaculture-online.de/Aktive-Medienarbeit.355.0.html (Stand: 9.3.2010)
4 Bounin, Ingrid: Aktive Medienarbeit. Online, a.a.O.
5 Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit, a.a.O., S. 9
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Wesentlich für die aktive Medienarbeit zur Erreichung dieser Ziele sind ihre Prinzipien, wie das exemplarische Lernen, das handelnde Lernen und die Gruppenarbeit. 6
2.2. Zur Entstehung der aktiven Medienarbeit
Die „Medienpädagogik beschränkte sich bis Anfang der 1970er Jahre weitgehend auf die Auseinandersetzung mit den Inhalten und Formen massenmedialer Produkte, v.a. Film und Fernsehen“ 7 . Anfänglich wurde mit den Medien Foto und Su-per-8 und dann mit dem Medium Video Aktivitäten von Bürgerinitiativen und demokratischen Basisbewegungen dokumentiert und für die Öffentlichkeitsarbeit verwendet. 8 Im Anschluss daran „fand die aktive Auseinandersetzung und Nutzung von Medien allmählich auch Einzug in die Medienpädagogik und erweiterte ihr Methodenspektrum“ 9 .
In Hinblick auf das Ziel aktiver Medienarbeit, aus bloßen Medienkonsumenten durch die aktive Medienverwendung und -handhabung auch Medienproduzenten zu machen, konnte konzeptionell auf frühere theoretische und praktische Ansätze hierzu in verschiedenen Bereichen von Kunst und Kultur zurückgegriffen werden. Dies waren zum einen die praktischen Versuche Anfang der 1920er Jahre der Sowjetrussen Dziga Vertov und Sergeji Tretjakov, die die Menschen mit dem Medium Kamera zur aktiven Mitgestaltung der Gesellschaft bewegen wollten 10 , indem sie „die Menschen durch die Kamera hindurch zur Beobachtung und Reflexion ihres Alltagshandelns“ 11 anregten. Im Jahr 1972 entwickelte Tretjakov dann später das operative Medienkonzept aus diesen Ansätzen.
Anderseits die von Bertolt Brecht entworfene Radiotheorie 12 , „nach der der Rundfunk von einem Distributions- zu einem Kommunikationsapparat umzuwandeln
6 Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O., S. 151 - 152
7 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit (2010). In: Hüther, Jürgen / Schorb, Bernd: Grundbegriffe Medienpädagogik, München: kopaed, 5., gegenüber der 4. unveränderten Aufl. 2010, S. 9
8 Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit (2010), a.a.O., S. 9
9 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit (2010), a.a.O., S. 9
10 Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit (2010), a.a.O., S. 9
11 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit (2010), a.a.O., S. 9
12 Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit (2010), a.a.O., S. 9 - 10
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sei“ 13 , mit dem Ziel, die Hörer zueinander in Beziehung zu bringen und sie auch zu Sprechern zu machen.
Des Weiteren die Forderungen von Walter Benjamin, „alle Menschen zur Produktion von Literatur und Film anzuleiten“ 14 .
Weitere theoretische und praktische Ansätze, die aufgegriffen, wurden stammen aus der Arbeiterradiobewegung (in den 1920er Jahren und frühen 1930er Jahren) und aus der Arbeiterfotografie, von der Aufforderung Enzensbergers 1970, alle Medienmanipulierten zu Medien-Manipulateuren zu machen, und letztlich der Forderung von Negt und Kluge 1973 15 , „das durch reale Erfahrungen und durch die Medien doppelt blockierte Bewusstsein durch eigenes Medienschaffen und der Herstellung von Gegenöffentlichkeit zu durchbrechen und authentische Erfahrung (wieder-)herzustellen“ 16 .
Insbesondere unter Berufung auf die theoretischen und praktischen Ansätze in Bezug auf die aktive Mediennutzung von Brecht, Benjamin und Tretjakov entwickelte sich in den 1970er/1980er Jahren die Szene der Alternativen Medienarbeit. In dieser Szene wurden mit Hilfe des Mediums Video Anliegen formuliert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In den Massenmedien fand diese Szene jedoch keine Berücksichtigung. „In dieser Phase fand aktive Medienarbeit auch Eingang in theoretische Überlegungen und in die praktische Arbeit der Medienpädagogik.“ 17 Zunächst wurde die aktive Handhabung von Medien in den emanzipatorischen Konzepten der Kunst- und Kulturpädagogik, der Medienpädagogik und der medienpädagogischen Einrichtungen zum signifikanten Bestandteil der medienpädagogischen Praxis. In Laufe der Zeit haben viele Autorinnen und Autoren in der Praxis erprobte und evaluierte Konzeptionen aktiver Medienarbeit theoretisch fundiert und publik gemacht. 18 Diese Diplomarbeit ist schwerpunktmäßig angelehnt an Fred Schell, der „aktive Medienarbeit als eine wesentliche Methode handlungsorientierter Medienpädagogik“ 19 begründet, „die auf Erkenntnis und Reflexion gesellschaftlichen
13 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit (2010), a.a.O., S. 10
14 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit (2010), a.a.O., S. 10
15 Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit (2010), a.a.O., S. 9 - 10
16 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit (2010), a.a.O. S. 10
17 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit (2010), a.a.O., S. 10
18 Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit (2010), a.a.O., S. 10
19 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit (2010), a.a.O., S. 10
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Seins und auf Kommunikations- und Handlungsfähigkeit der Subjekte zielt“ 20 . Weitere Autoren/innen, die eine Konzeption aktiver Medienarbeit theoretisch fundiert und veröffentlicht haben, sind Niesyto (1991), Pöttinger (1997), Röll (1998 und 2003), Witzke (2003) und Düx (2000). 21
2.3. Die Leitziele: Authentische Erfahrung und kommunikative Kompetenz
Die grundlegenden Leitziele aktiver Medienarbeit sind die Herstellung und Wiederherstellung authentischer Erfahrungen und die Vermittlung der dazu benötigten Fähigkeiten, wie der kommunikativen Kompetenz, insbesondere der Medienkompetenz. 22
„Authentische Erfahrung beschreibt Prozess und Ergebnis der Befreiung aus unnötigen gesellschaftlichen Abhängigkeiten und Zwängen und das Fortschreiten zu selbstbestimmtem Denken und Handeln. Sie zielt auf die Erkenntnis der Bedingungen und Strukturen die authentische Erfahrung be- und verhindern, und auf deren Veränderung oder Beseitigung durch solidarisches Handeln.“ 23 Die kommunikative Kompetenz „bezeichnet die Fähigkeit, in Kommunikations-und Interaktionsprozessen vorhandene Sprach- und Handlungsschemata zu reflektieren und ggf. neue zu produzieren und zu begründen“ 24 . Ohne kommunikative Kompetenz wäre die Teilnahme an der gesellschaftlichen Kommunikation in selbstbestimmter und angemessener Form unvorstellbar. Sie umfasst Sprach- und Handlungskompetenz. Die kommunikative Kompetenz beinhaltet Fähigkeiten auf der Beziehungs- und Inhaltsebene. 25 Kompetenz bezeichnet in diesem Zusammenhang insbesondere die „Verfügbarkeit über Strategien zur Lösung von Problemen aus eigener Kraft und Kalkulation“ 26 , auf der kommunikativen Ebene.
20 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit (2010), a.a.O., S. 10
21 Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit (2010), a.a.O., S.10 - 11
22 Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O., S. 143 - 144; Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit, a.a.O., S. 9 - 10
23 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O., S. 143
24 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O., S. 143 - 144
25 Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O., S. 144
26 Baacke, Dieter: Kommunikation und Kompetenz - Grundlegung einer Didaktik der Kommunikation und ihrer Medien, München: Juventa Verlag 1973, S. 238
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Konkretisiert man diese Leitziele in Bezug auf Medien, ist bei der aktiven Medienarbeit Ziel, dass die Jugendlichen erkennen, dass Massenmedien als Instrumente der Verschleierung und Verfestigung der produzierten Erfahrung dienen. Neben dem Erkennen dieser gesellschaftlichen Funktion der Medien sollen alternative Kommunikationsstrukturen entwickelt werden können und Medien als Mittel der Kommunikation aktiv genutzt werden. 27 Diese Ziele der aktiven Medienarbeit geben keinen zu erreichenden Zustand an, sondern eine Zielrichtung, auf die das pädagogische Bemühen prozessual gerichtet ist, deren Mittel und Wege sich in Hinblick auf die Veränderung der gesellschaftlichen Bedingungen und Strukturen anpassen und verändern müssen. 28
2.4. Zielbereiche der aktiven Medienarbeit
Nach Fred Schell lassen sich fünf Zielbereiche in der aktiven Medienarbeit von-einander unterscheiden, die in der Praxis meistens ineinander greifen. Sie umschreiben, unter welchen Gesichtspunkten Medien verwendet werden und welche Ziele damit verfolgt werden. [1] „Medien als Mittel der Reflexion“ 29
Der erste Zielbereich aktiver Medienarbeit erfasst die Nutzung der Medien als Mittel der Reflexion. Die Einstellungen, Verhaltens- und Handlungsweisen Einzelner oder von Gruppen sollen reflektiert werden, um so den Zugang zur Veränderung zu eröffnen. Medien bieten dabei die Chance die Einstellungen und Verhaltensweisen auf der sinnlichen Ebene zu erfassen und leisten somit den Beitrag einer Erweiterung des sonst nur auf die Sprache begrenzten Feedbacks zu einer Beobachtung eines Anderen. 30 „Primäres Ziel aktiver Medienarbeit ist hier die Förderung der rationalen Urteilsfähigkeit und der Kommunikations- und Interaktionsfähigkeit.“ 31 Die Förderung der Urteilsfähigkeit wird erreicht, da die Jugendlichen bei der Reflexion lernen ein Urteil abzugeben, das z.B. bei einer Videoproduktion in Bild und Ton überprüft werden kann, so dass man schließlich zu einem rationalen und angemessenen Urteil kommt. Des weiteren lernen die
27 Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O., S. 144
28 Vgl.: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O., S. 60
29 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit, a.a.O., S. 11
30 Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit, a.a.O., S. 10 - 11
31 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit, a.a.O., S. 11
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Jugendlichen in diesem Prozess auch, worauf sie noch besser achten müssen bzw. welche Dinge sie noch übersehen und bei welchen Dingen sie schon richtig urteilen. Das Fördern der Kommunikationsfähigkeit wird allein schon durch den gesamten Reflexionsprozess gesteigert, da die Jugendlichen in diesem lernen ihr Urteil zu artikulieren und auch Formen dafür annehmen. Die Förderung der Interaktionsfähigkeit wird z.B. durch die Gruppenarbeit erreicht, da dort wichtige Interaktionen in der Auseinandersetzung zwischen den einzelnen Gruppenmitgliedern ablaufen. 32 [2] „Medien als Mittel der Exploration“ 33
Der zweite Zielbereich aktiver Medienarbeit erfasst die Nutzung von Medien als Mittel der Exploration, d.h. die Medien zu nutzen als Mittel zur Untersuchung und Befragung, um einen Gegenstand sozialer Realität intensiv zu durchdringen. Bei diesem Prozess sollen die eigenen Standpunkte und Interessen herausgearbeitet werden, welche zur Herstellung eines medialen Produkts dienen, das dann bei Veröffentlichung in der Auseinandersetzung mit anderen zur Vermittlung und Reflexion dieser Standpunkte und Interessen nützlich ist. Hierbei werden neue Erfahrungsräume eröffnet und Fähigkeiten in Hinblick auf Realitätsaneignung undverarbeitung erweitert und fundiert. Bei diesem Zielbereich soll die Kommunikations- und Interaktionsfähigkeit der Adressaten, also der Empfänger, weiterentwickelt werden. 34
[3] „Medien als Mittel zur Herstellung von (Gegen)Öffentlichkeit bzw. als Mittel der Artikulation“ 35
Der dritte Zielbereich aktiver Medienarbeit erfasst die Nutzung von Medien als Mittel zur Herstellung von (Gegen)Öffentlichkeit bzw. als Mittel der Artikulation. Hierbei sollen Medien zur Formulierung von eigenen Sichtweisen, Anliegen und Interessen zu Gegenständen sozialer Realität verwendet werden. Mit eigens angefertigten medialen Produkten sollen sich die Jugendlichen in die öffentliche, mediale Kommunikation einschalten und somit die Chancen erhöhen, dass ihre Positionen zu dem jeweiligen Gegenstand sozialer Realität an Durchsetzbarkeit gewinnen. Im Web 2.0 sind inzwischen unzählige Plattformen zu den unterschiedlichs-
32Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit, a.a.O., S. 11
33 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit, a.a.O., S. 11
34 Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit, a.a.O., S. 11
35 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit, a.a.O., S. 12
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ten Themen zu finden, in denen die Anliegen und die eigenen Sichtweisen der Jugendlichen zum Tragen kommen, wie z.B. zu den Themen Musik, Film und Fernsehen, Kultur, Politik, Umwelt. 36
[4] „Medien als Mittel zum örtlich und zeitlich ungebundenen Erfahrungstausch und zur Organisation gemeinsamer Aktivitäten“ 37 Der vierte Zielbereich aktiver Medienarbeit erfasst die Nutzung von Medien als Mittel zum örtlich und zeitlich ungebundenen Erfahrungsaustausch und zur Organisation gemeinsamer Aktivitäten. 38 „Schwerpunkt aktiver Medienarbeit ist hier die Kommunikation über Medien unabhängig von Zeit und Raum, um Interessen und Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Zielsetzungen zu verfolgen“ 39 , wie z.B. die der Umweltaktivisten, der Friedensbewegung, der Politiker. Das Internet bietet in diesem Kontext die Möglichkeiten, durch Foren, Chats, E-Mails, Netz-Communitys u.a. dies zu realisieren. Das primäre Ziel dabei ist die Förderung der Verständigung untereinander und des Erfahrungsaustausches zu Gegenständen sozialer Realität, sowie die Verfolgung von kollektiven Interessen im und außerhalb des Internets, die Entwicklung von Standpunkten zu diesen Interessen und die Entfaltung von Handlungsstrategien im Netz und in der Realität, wie man z.B. vorgehen muss um die Menschen zu umweltbewussterem Verhalten zu bewegen oder wie man die jungen Menschen für Politik begeistern könnte usw.. 40
[5] „Medien als Mittel der Analyse und Kritik der Medien“ 41 Der fünfte Zielbereich aktiver Medienarbeit erfasst die Nutzung von Medien als Mittel der Analyse und Kritik der Medien. Hierbei sind die Medien selbst Gegen-standsbereich. 42 „Primäres Ziel aktiver Medienarbeit ist hier, die inhaltlichen und formalen Gestaltungsmittel der Aufbereitung von Realität in (Massen)Medien sowie die darin liegenden Manipulationsmöglichkeiten zu erkennen, Zusammenhänge und Unterschiede zwischen medial vermittelter und eigenerlebter Realität zu erfassen und mit Medien autonom, verantwortlich und kompetent umzugehen.“ 43
36 Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit, a.a.O., S. 12
37 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit, a.a.O., S. 12
38 Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit, a.a.O., S. 12
39 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit, a.a.O., S. 12
40 Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit, a.a.O., S. 12
41 Schell Fred: Aktive Medienarbeit,a.a.O., S. 13
42 Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit, a.a.O., S. 13
43 Schell Fred: Aktive Medienarbeit,a.a.O., S. 13
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Ein Beispiel dafür könnte sein, dass man das Buch „Im Namen der Rose“, das auf der Realität beruht, mit seiner Verfilmung und Berichten aus der Realität vergleicht.
2.5. Symbolischer Interaktionismus als Grundlegung der aktiven Medienarbeit
„Wesentlich für pädagogische Zielsetzungen und daraus abgeleitete Methoden zur Erreichung dieser Ziele ist das grundgelegte Verständnis des Bedingungszusammenhangs von Lernen.“ 44 Dieser Bedingungszusammenhang von Lernen lässt „sich aus der Theorie des symbolischen Interaktionismus herleiten“ 45 . George Herbert Mead gilt als der Urvater des symbolischen Interaktionismus. Er beschäftigt sich mit der Interaktion zwischen Individuen. Beim symbolischen Interaktionismus handelt es sich um eine Handlungstheorie. 46 Diese basiert auf dem Leitgedanken, „dass die Bedeutung von sozialen Objekten, Situationen und Beziehungen im symbolisch vermittelten Prozess der Interaktion bzw. Kommunikation produziert wird“ 47 . In Bezug auf die Gesellschaft wird sie als ein Konstrukt handelnder Individuen verstanden 48 , „die sich in einem fortwährenden Interaktionsprozess befinden“ 49 . Neben Mead wurde diese Theorie von Charles Horton Cooley (1864 - 1929) und William Isaac Thomas (1863 - 1947) geprägt. Die Weiterentwicklung des Symbolischen Interaktionismus wurde durch Herbert Blumer (1900 - 1987) fortgeführt. 50
Nach Brumlik 1973 geht der Symbolische Interaktionismus methodisch und systematisch von der Voraussetzung aus, dass die Individuen auf Interaktionen bzw. soziale Beziehungen zu Anderen angewiesen sind, um eine Identität aufzubauen. 51 Nach Mead entwickelt sich Identität; „ sie ist bei der Geburt anfänglich nicht vor-handen, entsteht aber innerhalb des gesellschaftlichen Erfahrungs- und Tätig-
44Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O., S. 55
45 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O., S. 55
46 Vgl.: Nieken, Kathrin Lisa: Symbolischer Interaktionismus - George Herbert Mead -Studienarbeit, Dokument Nr. V139582, München: GRIN - Verlag 2008, S. 4
47 Nieken, Kathrin Lisa: Symbolischer Interaktionismus, a.a.O., S. 4 - 5
48 Vgl.: Nieken, Kathrin Lisa: Symbolischer Interaktionismus, a.a.O., S. 5
49 Nieken, Kathrin Lisa: Symbolischer Interaktionismus, a.a.O., S. 5
50 Vgl.: Nieken, Kathrin Lisa: Symbolischer Interaktionismus, a.a.O., S. 5
51 Vgl.: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O., S. 56
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keitsprozesses, das heißt im jeweiligen Individuum als Ergebnis seiner Beziehungen zu diesem Prozess als Ganzem und zu anderen Individuen innerhalb dieses Prozesses.“ 52
Für den Lernprozess bei der aktiven Medienarbeit bedeutet dies, dass dieser als Interaktionsprozess gestaltet werden muss. 53 In der Lernsituation muss also den Jugendlichen ermöglicht werden „ihre Einstellungen, Erfahrungen und Verhaltens- und Handlungsweisen in den Lernprozess einbringen und in der Interaktion mit anderen verändern zu können“ 54 . Es sollen hierbei nicht nur verbale Interakti-onsformen gefördert werden, sondern auch die nonverbalen Formen. 55
2.6. Die Lernprinzipien der aktiven Medienarbeit
Betrachtet man die Theorie des symbolischen Interaktionismus, so besagt sie, dass sich menschliches Denken und Handeln nur in Interaktionen entwickelt. Interaktion meint das Interagieren, in diesem Fall die wechselseitige Beeinflussung von Individuum und Gesellschaft, bei der Auseinandersetzung des Einzelnen mit Anderen im Kontext der gesamten Gesellschaft. Die Sozialisation des Individuums ist bei dieser Auseinandersetzung gleichermaßen Prozess und Ergebnis. Die Individuen interagieren dabei über Symbole, in verbaler Form, aber auch in nonverbalen Formen wie über das Handeln. 56 „Im Handeln werden Wissen angeeignet und Einstellungen, Verhaltens- und Handlungsweisen geformt.“ 57 Die aktive Medienarbeit trägt diesem Lernverständnis Rechnung, indem sie Handeln als grundlegende Lernform zulässt, durch die möglichst eigen tätige Gestaltung des Lernprozess und die selbstbestimmte Definition und das Anstreben von Zielen durch die Jugendlichen und letztlich durch die Schaffung von Lerngelegenheiten, bei denen Interaktionsprozesse stattfinden und gefördert werden. 58 „Diesen Forderungen werden am ehesten die Lernprinzipien handelndes Lernen, exemplarisches Lernen
52 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O., S. 56, zitiert nach Mead, G.H.: Geist, Identität und Gesellschaft, Frankfurt/M., 1973, S. 177
53 Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O., S. 57
54 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O., S. 57
55 Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O., S. 57
56 Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O., S. 151; Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit, a.a.O., S. 10
57 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit, a.a.O., S. 10
58 Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit, a.a.O., S. 10; Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O. S. 151 - 152
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und Gruppenarbeit gerecht.“ 59 Diese drei Lernprinzipien stehen in einem Ergänzungsverhältnis und verfolgen übergreifend die Leitziele der aktiven Medienarbeit. Die Grundlagen aktiver Medienarbeit werden durch die Lernprinzipien auf methodischer Ebene bestimmt. 60
2.6.1. Handelndes Lernen
Der Ursprung des Begriffs des handelnden Lernens geht auf Deweys >learning by doing-Konzept< zurück. Hierbei ging es um die aktive Auseinandersetzung der Lernenden mit Bereichen ihrer sozialen Realität. Im Mittelpunkt stand das selbstständige und eigenverantwortliche Lösen von Problemen. Dieses Lernverständnis wird dann später in den Konzepten der Arbeitsschule der frühen sozialistischen Pädagogik weiter entfaltet. 61
„Handelndes Lernen ist dialektisches Lernen in Form von Aktion und Reflexion in und von Bereichen sozialer Realität und zielt auf Aneignung, Mitgestaltung und Veränderung der Realität.“ 62 Den Jugendlichen sollen die gesellschaftlichen Bedingungen und Strukturen eines Gegenstandes sozialer Realität im Lernprozess kritisch bewusst werden, sowie die Möglichkeiten des Handelns, bezüglich einer selbstbestimmten und solidarischen Mitgestaltung und Veränderung der sozialen Realität. Da diese Aneignung, Mitgestaltung und Veränderung von sozialer Realität in Interaktionen stattfindet, deren Grundlage die Kommunikation ist 63 , ist die kommunikative Kompetenz „die übergreifende Fähigkeit, die mit handelndem Lernen letztlich anzustreben ist“ 64 . Das handelnde Lernen findet heute in einer Vielzahl von Konzepten Platz, wie z:B. in den Unterrichtskonzeptionen im Werk-oder Arbeitsunterricht, in naturwissenschaftlichen Fächern, aber auch im Musikunterricht, Informatikunterricht usw.. 65 „Eine der aktuellsten Entwicklungen des Handelnden Lernens ist seine Konzeptionalisierung als >Kritische Medien-
59Schell, Fred: Aktive Medienarbeit, a.a.O., S. 10
60 Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O., S. 177 - 178; Siehe: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit, a.a.O., S. 10
61 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit (2010), a.a.O., S. 12
62 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O., S. 162
63 Vgl.: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O., S. 163
64 Schell, Fred: Aktive-Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O., S. 163, zitiert nach Theunert, Helga / Schorb, Bernd / Schell, Fred: Wer beherrscht hier wen!? Die Gewalt der 'Neuen Medien', hrsg. vom Institut Jugend Film Fernsehen, München, 1987, S. 220
65 Vgl.: Hartung, Anja / Unger, Alexander: Handelndes Lernen. In: Schorb, Bernd / Anfang, Günther / Demmler, Kathrin (Hrsg.): Grundbegriffe Medienpädagogik, a.a.O., S. 99
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praxis<, >alternative<, >kreative<, >produktive<, >praktische< oder auch Aktive Medienarbeit (Schell 2003) in der Tradition der Handlungsorientierten Medienpädagogik.“ 66
2.6.2. Exemplarisches Lernen
„Exemplarisches Lernen ist Lernen im Sinne des Durchdringens und Erkennens der gesellschaftlichen Bedingungen und Zusammenhänge von Gegenstandsbereichen sozialer Realität, die gleichermaßen zu den Erfahrungen der Lernenden in Bezug stehen und gesellschaftliche Konflikte und Widersprüche in sich tragen.“ 67 Zum einen soll beim exemplarischen Lernen ein Gegenstandsbereich sozialer Realität, wie z.B. die Umweltpolitik in Bezug auf die Erhaltung der Atomkraftwerke, be- und erarbeitet werden, so dass der Lernende einen „klaren Begriff von der vermittelnden Sache“ 68 hat. Anderseits sollen die Konflikte und Widersprüche erkannt werden und im medialen Endprodukt verwertet werden. In dem Beispiel Umweltpolitik und die Erhaltung der Kernkraftwerke ist z.B. bei vielen Politikern widersprüchlich, dass sie sich einerseits zur Verminderung der umweltschädlichen Emissionen aussprechen zur Prävention und Senkung der globalen Erderwärmung, sich aber anderseits für die Erhaltung von Atomkraftwerken aussprechen, die umweltschädliche radioaktive Emissionen ausstoßen. Die Jugendlichen sollen solche Widersprüche erkennen und sich in der Vielzahl von Interessen, Meinungen, Konflikten usw. wiedererkennen und finden, welche Befähigung dazu Ziel des exemplarischen Lernen ist. Ein weiteres Ziel ist, dass die erworbenen Fähigkeiten und Kompetenzen aus dem Lernprozess auf andere Gegenstandsbereiche sozialer Realität übertragen und ohne initiiertes Lernen weiterentwickelt werden können. Durch die Verwirklichung insbesondere dieser Ziele leistet das exemplarische Lernen einen entscheidenden Beitrag zur Allgemeinbildung, indem bei dem zugrunde gelegten Gegenstandsbereich sozialer Realität „am Besonderen et-
66Hartung, Anja / Unger, Alexander: Handelndes Lernen., a.a.O., S. 99
67 Schell, Fred: Aktive-Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O., S. 167
68 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O., 168, zitiert nach Negt, Oskar: Marxismus und Arbeiterbildung - Kritische Anmerkung zu meinen Kritikern, Oberursel, Hustedt, 1976, S.20
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was Allgemeines erschlossen wird“ 69 . Letztlich zielt exemplarisches Lernen auf die Herstellung authentischer Erfahrung, da die er- und bearbeiteten Gegenstandsbereiche sozialer Realität, wie z.B. die Umweltpolitik, aus den eigenen Erfahrungen der Lernenden resultieren und gesellschaftliche Bedingungen und Zusammenhänge erkannt werden sollen und letztlich auch auf Grund der eigenständigen Emanzipation der Lernenden, die sie befähigt die soziale Realität zu verändern. 70
2.6.3. Gruppenarbeit
„Gruppenarbeit ist interaktionales Lernen, das an Gegenständen aus dem Erfahrungsbereich Jugendlicher ansetzt und in einem dialektischen Prozeß auf kooperative und solidarische Reflexion und Veränderung sozialer Realität und auf Identitätsherstellung und Emanzipation der einzelnen Gruppenmitglieder zielt, wobei die Interaktionssituation durch Herrschaftsarmut und ständige Offenlegung der internen Probleme der Gruppe gekennzeichnet ist.“ 71 Bei der Gruppenarbeit sollen die individuellen Fähigkeiten entfaltet werden und auf die solidarische, d.h. gemeinsame, Veränderung gesellschaftlicher Bedingungen, die diese Entfaltung be-und verhindern, hingearbeitet werden. Die einzelnen Verhaltens- und Handlungsweisen sollen dabei reflektiert und erweitert werden. Bereits vorhandene Einstellungen und Erfahrungen der Jugendlichen sollen aktiviert werden. Voraussetzung dafür ist, dass der Lerngegenstand dies zulässt. Bei diesem Lernprozess steht die Emanzipation der Jugendlichen, in Bezug auf den Abbau von Zwängen und Abhängigkeiten zugunsten der Selbstbestimmung der Einzelnen, im Vordergrund. Folglich sollen die Jugendlichen möglichst gleichermaßen mit ihren Erfahrungen und Kompetenzen am Lernprozess beteiligt werden.
Der Pädagoge bringt in die Gruppe seine Sachkompetenz mit ein und gibt Hilfestellung in Hinblick auf den Inhalt und die Struktur der Gruppenarbeit. Die Gruppenarbeit ist von ihm ohne große Autoritätsausübung und Druck zu gestalten, zugunsten der Entfaltung von emanzipatorischen Prozessen beim Lernen. Sollten
69 Baldwin, Vivien: Das Prinzip des exemplarischen Lernens in der Politischen Didaktik - Wie erreicht die Methode der Fallanalyse mit dem Verfahren der Fallstudie das Lernziel? - Studienarbeit, Dokument Nr. V115014 München: GRIN Verlag 2007, S. 2, zitiert nach: Grammes, Tilman: Exemplarisches Lernen. In: Sander, Wolfgang (Hrsg.): Handbuch politische Bildung, Reihe Politik und Bildung Vol. 32. Schwalbach / Ts.: Wochenschau - Verlag 2005, S.93
70 Vgl.: Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O., S. 167 - 169
71 Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen, a.a.O., S. 175
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Arbeit zitieren:
Sven Mix, 2010, Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen - Theoretische Grundlagen und praxisbezogene Beispiele, München, GRIN Verlag GmbH
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