Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort 3
2. Geographische Situation der Niederlande 4
3. Die Zuiderzeeprojekte 5
3.1. Die ersten Zuiderzeeprojekte 6
3.2. Das Zuiderzeeprojekt unter Cornelis Lely 8
4. Das Deltaprojekt 10
4.1. Die Sturmflut 1953 11
4.2. Die Umsetzung des Deltaprojekts 12
4.3. Die Oosterschelde 14
5. „Noch immer gewinnen die Niederländer Land aus dem Meer“ 16
6. Schlusswort 17
Anhang (A): Der Deltaplan mit einzelnen Projekten 18
7. Literaturverzeichnis 20
8. Abbildungsverzeichnis 20
2
1. Vorwort
Seit jeher nagt das Meer an der rauen Küste der Niederlande. Und seit jeher versuchen die Niederländer diesen Kampf zu gewinnen. Doch um diesen Kampf verstehen zu können, muss man das spezielle Verhältnis zwischen der Großen See und den Niederländern verstehen. Es ist eine Notwendigkeit den Kampf nicht aufzugeben, da dieser, ähnlich wie in einem Krieg, über das Fortbestehen der Existenz entscheidet. So bestimmt der Kampf gegen das Meer das Leben in den Niederlanden. Im Laufe dieser Hausarbeit möchte ich die Wichtigkeit des Verhältnisses zwischen Land und Meer näher darstellen. Des weiteren sollen zwei neuzeitliche Projekte bearbeitet werden, durch die sich die niederländischen Ingenieure vorerst erhoffen den Kampf gewonnen zu haben. Das Zuiderzeeprojekt, als auch das Deltaprojekt sind die wohl größten wasserbaulichen Maßnahmen in der Geschichte der Niederlande. Durch verschiedene Menschen der Geschichte wurde das Verhältnis zwischen Mensch und Meer neu definiert. So konnte man im Rahmen des Zuiderzeeprojekts dem Meer Land abgewinnen. Wo vor 100 Jahren noch Fische schwammen und Schiffe fuhren wohnen heute Menschen und Landwirtschaft wird betrieben. Im Rahmen des Deltaprojekts, auch Deltaplan genannt fand eine umfangreiche Veränderung der Küstenlinie statt. 13 Sperrwerke sollen die Niederlande vor eindringenden Wassermassen schützen. Wie diese Projekte durchgeführt wurden, was für Probleme es gab und was sie bewirkten, soll diese Hausarbeit näher beleuchten.
2. Geografische Situation der Niederlande
Insgesamt zählt die Fläche der Niederlan-
de 34.000 Quadratkilometer Landmasse. Zählt man die nationalen Wasserflächen und Hoheitsgebiete der Nordsee hinzu, so ergeben sich 41.000 Quadratkilometer. Die Struktur der Niederlande wird durch die drei Deltas der drei großen Flüsse Rhein, Maas und Schelde geformt. 25 Prozent der Landmasse der Niederlande liegen unterhalb der Meeresspiegel und sind somit einer potentiellen Gefahr durch Sturmfluten und Hochwasser ausgesetzt, wenn Deiche diese Gebiete nicht schützen
würden. Der niedrigste Punkt der Nieder-lande liegt 6,7 Meter unter NAP 1 und
befindet sich in einem Gebiet nördlich von Rotterdam. Der höchste Punkt liegt mit 322,5 Metern über NAP am Dreiländereck Niederlande-Deutschland-Belgien. Würde man die Landfläche der Niederlande nicht durch Deiche, Dünen und Dämme schützen, so wären rund 65 Prozent des niederländischen Hoheitsgebietes schon durch hohe Abflussmengen der drei großen Flüsse und nur geringen Sturmfluten ausgesetzt. Gebiete, die in den Niederlanden einen Schutz durch Deiche benötigen nennt man in der Landessprache Laag-Nederland. Gebiete, die keinen Schutz benötigen, werden als Hoog-Nederland bezeichnet (Abb. 1). 2 Insgesamt besiedeln 16 Millionen Einwohner die Niederlande. Durchschnittlich bewohnen 470 Einwohner einen Quadratkilometer. Jedoch ist dies nur eine statistische Feststellung. Unter den Provinzen gibt es große Unterschiede. Zeeland beherbergt durchschnittlich 210 Einwohner auf einem Quadratkilometer. Zuid-Holland hingegen 1180 Einwohner pro Quadratkilometer. 3 Vergleicht man die Niederlande bezüglich ihrer Land- und Wasserfläche mit Deutschland, dann fällt sofort auf, dass der prozentuale Anteil der Wasserfläche der Niederlande (22,60
1 Normaal Amsterdams Peil
2 van de Ven, G. P. (2004): Man-made lowlands. History of water management and land reclamation in the Netherlands. 4. überarb. Aufl., Utrecht [Stichting Matrijs], S. 15.
3 Ebd., S.33.
4
Prozent) gegenüber Deutschland (2,34 Prozent) erheblich höher ist (vgl. Diagr. 1 und Diagr. 2).
Diagr. 1: Prozentsatz der Land- und Wasserfläche in der Bundesrepu- Diagr. 2: Prozentsatz der Land- und Wasserfläche im Königreich der
blik Deutschland (Quelle: verändert nach: Statistisches Bundesamt) Niederlande (Quelle: verändert nach: CIA World Factbook)
Diese prozentuale Mehrverteilung resultiert nicht nur aus der Lage zur Nordsee, sondern auch wie vorher bereits erwähnt, durch die drei großen Flussdeltas des Rhein, der Maas und der Schelde. Von Bedeutung sind die kleineren niederländischen Nebenflüssen, die seit jeher zur Entwässerung des umliegenden Gebietes genutzt werden. In manchen Gebieten, in denen der Boden unterhalb des NAP liegt, ragen diese Entwässerungsflüsse über das Gebiet hinaus und verlaufen in aufgeschütteten Kanälen.
3. Das Zuiderzeeprojekt
Trotz starker Bemühungen, den Angriffen des Meeres Herr zu werden, realisierte man im 19. Jahrhundert, dass die ständige Gefahr immer noch anhielt. Die südlichen Gebiete wie Zuid-Holland, Zeeland und Noord-Brabant waren weiterhin durch eindringendes Wasser durch die drei großen Flussdeltas bedroht. In den nördlichen Provinzen Friesland, Noord-Holland, Utrecht, Gelderland und Overijssel kämpfte man mit der Zuiderzee. Van de Ven formuliert meiner Ansicht nach treffend, indem er äußert, dass „die Flussmündungen und die Zuiderzee die Niederlande fest in ihrem Griff hatten“ 4 . Im Allgemeinen hat das Zuiderzeeprojekt eine teilweise oder komplette Trockenlegung des Meergebietes zum Ziel, dazu jedoch später mehr. Vor 1900 war das Wattenmeer ein Teil der Zuiderzee. Seit dem 23. September 1932 wird das Wattenmeer nördlich des Abschlussdeiches und das Ijsselmeer südlich des Abschlussdeiches als zwei vollständig unabhängige Gebiete angesehen. 5
4 van de Ven, Man-made lowlands, S. 369.
5 van de Ven , Man-made lowlands, S. 370.
5
3.1 Die ersten Zuiderzeeprojekte
Schon frühere zielten darauf ab die Zuiderzee von der Nord-
see zu trennen. 1667 legte Henric Stevin einen eindrucksvollen Plan vor. Dieser sollte Teile des Wattenmeeres, der Zuiderzee und der Deltaflächen zurückerobern. Als Grundproblem sah Stevins für die Niederlande die steigende Salinität des Wassers. Als Hauptursache dafür deklarierte er die Schiffsschleusen zwischen dem Meer und den Kanälen, da jedes geschleuste Schiff auch Salzwasser mit in die Kanäle und Süßwasser aus den Kanälen hinaustrieb. Die Lösung der Problematik bestand in der Möglichkeit im Zentrum der niederländischen Landmasse ein Frischwasserreservoir zu errichten. Hierfür wollte Stevins alle Meeresöffnungen der Westfriesischen Inseln zwischen Noord-Holland und Ame-land durch einen Damm schließen. Des weiteren sah sein Plan einen Deich von diesem Punkt aus zur Friesischen Küste vor. Der größte Teil des so gewonnenen Sees hätte als Landmasse zurückerobert werden können. Die größte Problematik dabei war jedoch, dass es an den technischen Mitteln und Möglichkeiten mangelte, um ein solches Bauprojekt umzusetzen. 6 Letztendlich scheiterte das Vorhaben an fehlendem Geld, am mangelnden Wissen des Ingenieurwesens und nicht vorhandener Technologie. 7 Erst mit der voranschreitenden Technisierung in der Mitte des 19. Jahrhunderts konnte man ein so großes Projekt wieder in Angriff nehmen. Nachdem 1825 große Teile der Küsten der Zuiderzee durch eine Sturmflut überflutet wurden, verlangte das Volk nach
neuen Schutzmaßnahmen. Diese sollten aber über die Dimension der Deicherhöhung hinausgehen, denn die Bevölkerung hatte realisiert, dass die benötigten technischen Mittel nun vor-
6 Ebd.
7 NiederlandeNet (2010): Die Niederlande und das Wasser. Die Provinz aus dem Meer - Wie Cornelis Lely die Zuidersee trockenlegte, abrufbar unter: http://www.uni-muenster.de/NiederlandeNet/nlwissen/geographie/vertiefung/wasser/trockenlegung.html (06.09.2010).
6
Arbeit zitieren:
Tino Zenker, 2010, Kampf der Elemente: Wie die Niederlande das Meer besiegte, München, GRIN Verlag GmbH
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