Hinzu kommen intergesellschaftliche, globale Gründe: anarchisches Verhalten des internationalen Staatensystems, „strukturelle Gewalt“ (Galtung 1975: 60) und Bedrohung. Will man begreifen, was Frieden eigentlich ist, kann man zwischen zwei Punkten unterscheiden: negatives und positives Verständnis von Frieden. Vom „negativen Friedensbegriff“ ist die Rede, wenn -einfach ausgedrückt-, Frieden als Abwesenheit von Krieg herrscht (Fehlen direkter Gewalt). Der „positive Friedensbegriff“ meint die Präsenz sozialer Gerechtigkeit, Einhaltung der Grundrechte und Fehlen von „struktureller Gewalt“ (Galtung 1975: 84-88). Als Kritik ist anzumerken, dass der positive Friedensbegriff zur Ausübung von direkter Gewalt zwischen Staaten (Irak-Krieg) geführt hat. III. „Volksherrschaft“ - Frieden für alle?
„Volksherrschaft“ bedeutet Herrschaft des Volkes, Herrschaft durch das Volk und vor allem Herrschaft für das Volk. Das stellt die Bedingungen, dass die Herrschenden Beauftragte / Vertreter des „Volkes“ sein müssen, dass das „Volk“ selbst herrscht und das die Herrschaft im Interesse und in seinem Wohl erfolgt. Die „Volksherrschaft“ oder Demokratie ist also besonders anspruchsvoll. Da stellen sich simple Fragen: Wer ist das „Volk“? Und wie weit reicht diese „Herrschaft“? Demokratie als vorausgesetzte politische Kultur, Prägung der gesamten Gesellschaft, gesonderte Lebensform und geschriebene Verfassung löste besonders in den 1970ern Streit aus, zwischen historischdialektisch, bzw. materialistischen ausgerichteten Politikwissenschaftlern und dem Vertreter des normativen Politikbegriffes, Wilhelm Hennis. Den Anfang nahm hierbei die Ansicht, ob Demokratie überhaupt noch nach klassischem Politikverständnis definiert werden kann oder sie mittlerweile schon zu sehr von wirtschaftlichen Zielen voreingenommen ist. Wilhelm Hennis unterteilt in a) „Politik I“ (klassisch) und b) „Politik II“(modern): a) Hier wird die Meinung vertreten, dass Ethik und Tugend, Verantwortung und Verfassungsmäßigkeit den zentralen Begriff der Politik im klassischen (aristotelischen) Sinne darstellt. Polis und oikos werden strikt getrennt, die politische Herrschaft solle eine Selbstherrschaft sein, mit dem Zweck, das gute Leben und das politische Handeln des Bürgers zu sichern. Der Staat erfüllt hier nur eine daseinsvorsorgende Aufgabe (subsidiär). Es herrschen Freie über Freie und die politische Herrschaft unterscheidet sich klar von anderen Herrschaften. Rahmenbedingung: eine feste sittliche Grundlage (nach ethischen Vorstellungen), die die Gattung Mensch sichert.
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b) Diese Kategorisierung wird als ein nach Macht und Herrschaft strebender Politikbegriff verstanden, wobei Macht als „jedwede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht“ (Weber 1956: 28) und Herrschaft als die „Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden“ (Weber 1956: 108) verstanden wird. Die politische Herrschaft unterscheidet sich hier nicht eindeutig von anderen Herrschaften (nicht politischen). Der Staat übernimmt hier eine gesellschaftssteuernde und daseinsgestaltende Aufgabe, wodurch der Bürger berechenbar gemacht werden soll, denn der Mensch strebt nach diesen Ansichten nach Gewissheit, da er sich als bedrohte Gattung sieht (Hennis 1978: 176-197). Es gibt also durch Politik I und Politik II verschiedene Vorstellungen von Demokratie und Politik und Konsens herrscht bei weitem nicht.
Um herauszufinden, wie sich bestimmte Herrschaftsformen auf politische Stabilität auswirken und welche gesellschaftlichen Situationen welche Herrschaftsformen hervorbringen, benötigt man klare, nachvollziehbare Kategorien und Messlatten, denn das 20. Jahrhundert war geprägt von kriegerischen Handlungen (von einem Krieg wird im Falle bewaffneter Auseinandersetzungen in der Regel erst ab 1000 Toten pro Jahr gesprochen, nach der Definition des Stockholmer Friedensforschungsinstitut), neben den beiden Weltkriegen wohl am entscheidend aus Sicht der USA ab 1950, der Korea-Krieg, Auseinandersetzungen in Nord- und Südvietnam, die Kuba-Krise, Operation „Coronet Oak“, militärische Einsätze im ehemaligen Jugoslawien, sowie der Sturz Husseins, nur ein Auszug aus den außenpolitischen Tätigkeiten der Vereinigten Staaten von Amerika (Pothof 2009: http://aktivepolitik.de/USA_Kriege.htm ). Die westlichen Nationen begannen mit den eher quantitativen Friedensforschungen , die mittlerweile kaum noch überschaubar sind. In der Politikwissenschaft kristallisierten sich im Laufe der Studien folgende Hypothesen heraus:
Demokratien führen gegeneinander (fast) keine Kriege, aber auch zu erwähnen: Demokratien sind nahezu ebenso häufig wie andere Herrschaftstypen in kriegerische Handlungen verwickelt, also nicht inhärent friedlicher. Die „demokratischer Frieden“-These, dass Staaten demokratischer Herrschaftsform kaum im bewaffneten Konflikt zu anderen „Volksherrschaften“ stehen, wurde als einziges empirisches Gesetz der Internationalen Beziehungen aufgenommen (Gneis 2001: 282-295). Anna Gneis liefert gibt in ihrem meisterhaften Werk Aufschluss über den „demokratischen Frieden“, bietet Erklärungsversuche und zeigt Kritikpunkte auf, doch es würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, wenn ich darauf näher eingehen würde, daher wird um Verständnis gebeten.
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Der Sturz Saddam Husseins, mithilfe eines „demokratischen Kreuzzuges“, durch die Vereinigten Staaten von Amerika und Verbündete, sollte ein Wandel von der Diktatur in eine Demokratie oder demokratienahe Form der Herrschaft herbeiführen, neben all den anderen transnationalen, politischen, und spezifisch kapitalistischen, ökonomischen Zielen, wobei der casus belli wohl ungeklärt bleibt oder zumindest nicht eindeutig einzuordnen ist. Fakt ist, dass die USA, neue Quellen von langsam knapp werdenden Ressourcen (Öl) schaffen wollte, sowie eigene sicherheitspolitische Ziele verfolgte, mit bis heute weitreichenden Folgen. IV. Demokratie messbar machen
Um in der Politikwissenschaft einen empirischen Befund erheben zu können, muss man sich erst darauf verständigen, was als „Demokratie“ oder „demokratisch“ gelten soll. Die Konzentration liegt demnach auf der Demokratiemessung, da diese für die aktuelle Fragestellung einen Grundbaustein darstellt und an ihr wichtige methodologische Probleme gezeigt werden können. In der international vergleichenden Demokratieforschung ist es recht verbreitet, dichotom zwischen Demokratie und Autokratie zu unterscheiden, also eine gleich/ungleich Beziehung zu konstatieren, Hauptkriterium hierfür ist das Vorhandensein von Wahlen und dem allgemeinen Wahlrecht für die weibliche und männliche Bevölkerung.
Um eine Unterscheidung zwischen den Herrschaftsformen vollziehen zu können, bedarf es bestimmten Skalen: Es muss bestimmt werden, was etwa demokratisch, halbdemokratisch und nicht demokratisch heißen soll. Damit man diesen Prozess durchführen kann, muss in konkrete, beobachtbare Indikatoren eingeteilt werden, genauer gesagt: Operationalisieren. V. Idealtypus „Polyarchy“ als Grundlage für die Suche nach einem empirischen Demokratiebegriff
Die Gewinnung von neuer Erkenntnis, Schulung der Urteilsfähigkeit und das Ziel Forschungshypothesen aufzustellen wird als „Idealtypus“ bezeichnet. Die Präsenz von allgemeinem Wahlrecht für Frau und Mann ist ein sehr aufschlussreicher Indikator über die Demokratisierung eines Landes, dennoch: Demokratie ist nicht nur politische Beteiligung. Zu ihr gehören auch andere Institutionen und Verfahren. Diese hatte vor allem Robert Dahls Demokratiemessung in seinem Werk Polyarchy genauer erfasst. „Polyarchische Demokratie“ bedeutet dem Sinn gemäß: „Regieren
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Arbeit zitieren:
Katharina Miraus, 2007, Demokratie gleich Frieden?, München, GRIN Verlag GmbH
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