richtigen und ertragreichen Aufnahme des Gehörten. Herausfiltern des Wichtigen und vergessen des Unwichtigen sind die Künste, mit welchen ein Schüler, der mit Frontalunterricht konfrontiert ist, ausgestattet sein soll - also jeder. Man kann den darstellenden Unterricht mit einer Vorstellung des Clowns im Zirkus vergleichen. Ein guter Clown erntet viel Applaus, es wird nach der Vorstellung von ihm erzählt und man kann sich die tollsten Teile seiner Vorstellung merken. Ist der Clown jedoch ein langweiliger Lückenfüller, fadisiert man sich und wird froh sein, wenn die Vorstellung endlich vorbei ist, ohne irgendeinen Teil der Darbietung gedanklich mit nach Hause zu nehmen. Im Gegensatz zum Frontalunterricht weißt der Gruppenunterricht eine deutlich niedrigeres Vorkommen im alltäglichen Schulunterricht auf. Anders als beim frontalen Vortragen von Lehr- bzw. Lerninhalten ist auch eine Definition von Gruppenunterricht etwas schwerer zu finden bzw. zu konstruieren. „Von Gruppenunterricht kann erst dort gesprochen werden, wo der Klassenverband auf Zeit in Kleingruppen aufgelöst wird, und diese - bei definierter Aufgabenstellung - jeweils eigenständige Lösungen erarbeiten, die ggf. wieder in ein Gesamtergebnis eingebracht werden“ (vgl. Terhart E., 1997, S. 157). Doch warum kommt dem Gruppenunterricht allgemein eine viel beliebtere bzw. ansehnlichere Rolle zu als dem Frontalvortrag? Viele sprechen von einem großen Qualitätsunterschied zwischen den beiden Lehr- bzw. Lernformen, der aber im weiten Sinne sicher nicht als objektiv und eindeutig eingestuft werden kann. „Die Idee, dass kooperativem Lernen in Gruppen eine ganz besonders hohe Qualität innewohnt, bildet die Kernannahme gruppenpädagogischer Ansätze“ (Terhart E., 1997, S. 157).
Ein weiteres Merkmal der frontalen Art des Unterrichtens ist die bequeme Weise für Schüler, in welcher sie das benötigte Wissen vermittelt bekommen. Es werden Fakten mittels Vortag und verschiedenen Medien wie Overhead-Projektor, Tafel, etc. dargebracht, ohne dass man sich als Hörer groß anstrengen muss, diverse Unterlagen über Fachwissen zu einer Problemstellung zu beschaffen. Doch damit verbunden scheint die Inanspruchnahme des angebotenen „Services“. Viele Schüler nehmen diese passive Rolle zu ernst. Das heißt nicht, dass sie immer daran schuld sind, denn es kommt auf die Art und Weise der Darbietung darauf an. Ist diese sehr schlecht, wird die Konzentration gleich irgendwo zwischen gut und böse sein. Es erfolgt die Neigung zur Vorstufe des Einschlafens. Wird aber eine ansprechende Darbietung gezeigt, kann man dem Schüler auch nicht helfen, wenn er das Angebot von „bequemen“ Wissen nicht nützt und dann hinsichtlich Schularbeiten, Tests und Prüfungen sich den Stoff aus selbst zu suchenden Quellen erarbeiten muss.
Oftmals kommt es aber bei Lernenden genau umgekehrt vor, dass der Frontalunterricht das beliebteste „Medium“ in der Schule ist. Man kann passiv am Unterricht teilnehmen, das Wissen aufnehmen bzw. das herausfiltern, was einem wichtig erscheint und muss nicht unbedingt mit voller Konzentration die gesamte Einheit lang dabei sein. Die Folgen wurden jedoch bereits im vorigen Absatz erwähnt. Wenn noch dazu die Vortragsweise des Lehrenden akzeptabel oder sogar gut ist, gewinnen sehr viele Zuhörer dem Frontalunterricht einiges Positives ab.
„Die Stärke des Frontalunterrichts ist ... zugleich seine Schwäche“ (vgl. Meyer H, 1987, S. 184). Wie man sieht, drücken auch erfahrene und führende Didaktiker ihre Zweifel an, dass man den darstellenden Unterricht, welcher gleichzeitig als aufnehmendes Lernen bezeichnet wird, nicht als gut oder schlecht kategorisieren kann, sondern beidseitig belastet ist. So findet man Ansätze für die Eignung des Frontalunterrichts für spezifische Probleme. „Frontalunterricht eignet sich dann gut, wenn ein Lehrer einen bestimmten inhaltlich spezifizierten und klar strukturierten Wissens- und/oder Problembereich präsentieren will -und die Schüler diesen nachzuvollziehen und in ihr Wissen und Denken aufzunehmen haben“ (vgl. Terhart E., 1997, S. 142).
Wie schon erwähnt erweist sich der darstellende Unterricht vor allem für spezifische Probleme hilfreich, wo der Lehrende den Lernenden Wissen vermittelt, das meist die Basis für weitere Prozesse bildet. Es wird sozusagen das Rüstzeug eines Bereiches gegeben. Der Lehrende soll dem Zuhörer das Problem erläutern und dieses anhand von allgemeinen Erklärungen verständlich machen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Gegenstand Rechnungswesen. Bevor Beispiele in der Gruppe, etc. diskutiert werden können, muss die Lehrperson einmal das Problem der Rechnungsabgrenzung aufzeigen, um überhaupt den Sinn der nachfolgenden Einheiten aufzuzeigen.
Der Autor Karl Aschersleben (1986, S. 33ff) führt vier große Vorteile des Frontalunterrichts an.
Er findet den darstellenden Unterricht sehr ökonomisch, da er Zeit und auch Geld sparend wirke. Es sei einfach unmöglich dass jeder Lehrer, von denen es nicht unbegrenzt viele gibt, sich mit jedem Schüler einzeln beschäftigt. Weiters seien manche Unterrichtsgegenstände einfach nur für einen Frontalunterricht geeignet, wobei er das Beispiel des Satz von Pythagoras anführt.
Als zweiten großen Vorteil erwähnt er die einfache Umsetzung von Frontalunterricht. Verurteilt aber die Kritiker, welche immer aufzeigen versuchen, dass diese einfache Unterrichtsweise nur für weniger gute oder überlastete Lehrer geeignet sei. Guter Frontalunterricht müsse trotz seiner einfachen Art sehr gut durchdacht und vorbereitet sein. Weiters führt Aschersleben den disziplinarischen Vorteil an. Der Lehrende habe beim Frontalunterricht stets das ganze Plenum „im Auge“ und könne sichtbare Unaufmerksamkeiten von einzelnen „Hörern“ sehen, diese abwenden und dagegen intervenieren. Jedoch verurteilt er Lehrende, die keine Motivation von den Schülern fordern, nur weil es sich um einen Vortrag ihrerseits handelt. Dies gilt laut ihm sogar als Missbrauch der Unterrichtstechnik.
Als vierten Punkt führt der Autor den Vorteil an, dass vor allem „Stoff“ mit geringem Schwierigkeitsgrad für den Frontalunterricht geeignet sei.
Es folgen weitere damit verbundene Vorteile, welche mit dem Mitteilen, gleichem oder nicht vorhandenem Vorwissen aller und gleichem Interesse des Plenums betitelt sind. Im Gegensatz zum Frontalunterricht ist Gruppenunterricht auch nicht für neue und noch nicht angesprochene Probleme und Themen geeignet. Anders als für die frontale Art und Weise des Unterrichtens sind Gruppenarbeiten für die Erarbeitung von Fallbeispielen, Case Studies oder ergänzendem Wissen geeignet, bei dem die wahrscheinlich beim Frontalunterricht gewonnen Wissens- und Verständnisansätze eingesetzt und umgelegt werden können.
Man kann also erkennen, dass dem Frontalunterricht ein sehr weites Spektrum an Vorteilen zugerechnet werden können. Es wird aber auch klar, dass es beim Einsatz der Methode auf Fingerspitzengefühl drauf an kommt, um abwägen zu können, ob es in dieser oder jener Situation wirklich richtig ist, die Technik zu verwenden und vor allem in welchem Maße. „Wo diese Form des Unterrichtens aufgrund der gegebenen Situation, der nachstehenden Aufgaben sowie im Kontext einer Unterrichtsreihe adäquat ist, sollte sie ihre Vorteile auch entfalten können“ (vgl. Terhart E., 1997, S. 145).
So richtet sich die allgemein aufkommende Kritik nicht immer gegen den gut und richtig eingesetzten darstellenden Unterricht, sondern eher gegen die Dominanz, welche im Bereich der Schule aufscheint und wahrscheinlich auch niemals zu unterbinden sein wird. Um also den gewünschten Lernerfolg zu erlangen und die gewünschte Qualität der Schülerwiedergaben bei diversen Prüfungen bzw. für die spätere Berufspraxis zu erreichen, benötigt es nicht die Abschaffung des Frontalunterrichts, sondern einen gezielten Einsatz verbunden mit anderen Lehrmethoden, um einen optimalen Mix zu finden.
Arbeit zitieren:
Mag. Daniel Struggl, 2009, Frontalunterricht vs. Gruppenarbeiten, München, GRIN Verlag GmbH
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