Inhaltsverzeichnis
Seite
1.) Einleitung 1
2.) Position von Neil Postman 2
3.) Position von Joseph Weizenbaum 6
4.) Position von Seymour Papert 10
5.) Eigene Argumentation:
Verwendung des Computers im Schulunterricht 15
6.) Verwendete Literatur 17
1.) Einleitung
Diese theoretische Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Computereinsatz im Schulunterricht“. Ich werde zu Beginn die Standpunkte dreier bekannter Erziehungswissenschaftler darlegen: erstens die Sichtweise von Neil Postman, zweitens die Ansichten von Joseph Weizenbaum und drittens den Standpunkt von Seymour Papert. Diese drei Wissenschaftler haben Veröffentlichungen zum Thema Medien (besonders dem Computer) verfaßt und sind dabei auch - in unterschiedlich ausführlicher Art und Weise - darauf eingegangen, inwieweit sich Computer für Kinder eignen.
Die Hausarbeit wird abgerundet durch einen Schlußteil, in dem ich meine eigenen Überlegungen zum Thema der Hausarbeit darlegen und argumentativ begründen werde, warum ich es für wichtig erarchte, daß Kinder im Schulunterricht mit Computern arbeiten (können).
2.) Position von Neil Postman
Neil Postman, geboren 1931, ist Professor für Media Ecology an der New York University. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Veröffentlichungen zu Fragen der Erziehung. 1982 veröffentlichte er sein Buch “The Disappearance of Childhood“ („Das Verschwinden der Kindheit“, 1983), in dem er die Zerstörung der Kindheit durch die Mißachtung oder Destabilisierung ihrer Spielräume darstellt. Das Buch löste weltweit heftigste Diskussionen aus. 1985 erschien sein Werk “Amusing Ourselves to Death. Public Discourse in the Age of Show Business“ („Wir amüsieren uns zu Tode. Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie“, 1985), das seine Kritik an der Zerrüttung der Kultur durch pures Entertainment wiedergibt.
Ich möchte im folgenden darstellen, wie Postman die Beziehung zwischen Kindern und Medien, vor allem bezüglich des Fernsehens und des Computers sieht. Der Autor stellt in „Das Verschwinden der Kindheit“ die These auf, daß die Buchkultur eine klare Trennung zwischen Kindern und Erwachsenen vornahm, indem es den Erwachsenen ein Wissensmonopol einräumte. Ein Erwachsener, der lesen konnte, hatte die Möglichkeit, Zugang zu allem Wissen, was jemals aufgeschrieben worden war, zu erlangen. Kindern bot sich diese Möglichkeit zunächst nicht. Sie konnten noch nicht lesen, und genau aus diesem Grund mußten sie zur Schule gehen. Der Prozeß des Lesenlernens ist schwierig, daher wird dem Kind zunächst nur ausgewählter, nicht zu komplexer Lesestoff dargeboten. So neigt der Erwachsene jedoch stark zur Zensur. Der deutlichste Ausdruck dieser Zensur ist der schulische Lehrplan. Dieser wählt die Literatur, die in der Schule erarbeitet werden soll, nach dem Kriterium aus, ob nicht nur Wortschatz und Syntax, sondern auch die enthaltenen literarischen Informationen und Ideen für das entsprechende Alter der Schüler geeignet sind.
Postman nimmt an, daß Kinder erst im Alter von etwa vierzehn Jahren ein Leseverhalten wie erwachsene Leser annehmen können. Die Tatsache, daß die
Beherrschung des gedruckten Wortes an sich schon schwer zu erlernen ist und die späte Aneignung eines erwachsenen Leseverhaltens durch das Kind bildete in einer reinen Buchkultur eine Barriere zwischen dem kindlichen und dem erwachsenen Leser. Dieser Zustand verändert sich jedoch schlagartig mit dem Aufkommen des Fernsehens. Postman bezeichnet die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts als „den 1 Niedergang des Buchdruck-Zeitalters und den Anbruch des Fernseh-Zeitalters“ innerhalb der amerikanischen Kultur. Nun gibt es keine Informationshierarchie wie die einer Buchkultur mehr, da auch Kinder alle Möglichkeiten haben, Fernsehen zu konsumieren. Das Fernsehen ist ein visuelles Medium, kein rein sprachliches. Es werden bis zu 1200 verschiedene Bilder pro Stunde gezeigt, so daß das menschliche Gehirn gar nicht mehr dazu in der Lage ist, sich auf die sprachlichen Informationen des Fernsehens zu konzentrieren. Fernsehen verlangt vorrangig das direkte Bildererkennen - zur Analyse und zum tieferen Verständnis bleibt keine Zeit. Bilder verstehen können aber bereits Kleinkinder, dafür ist keinerlei Vorbildung notwendig. Postman verweist auf die Untersuchungen des Psychologen Daniel R. Anderson an der University of Massachusetts, der das Verhalten von Kleinkindern vor dem Fernseher untersucht hat. Seine Tests ergaben, daß „Kinder mit 36 Monaten anfangen, das Geschehen auf dem Bildschirm mit systematischer Aufmerksamkeit zu verfolgen. In diesem Alter haben sie ihre Lieblingssendungen, können Reklamemelodien singen 2 Der und verlangen nach den Produkten, für die im Fernsehen geworben wird.“ Unterschied zur kindlichen Aneignung der Lesefähigkeit ist frappierend. Beim Fernsehen werden keinerlei besondere Fähigkeiten vom Konsumenten verlangt, doch kann der Konsument durch das Fernsehen auch keine besonderen Fähigkeiten erwerben. Der Fernseher gibt keine kognitiven Rätsel auf und stellt keine Anforderungen an das Denken und Verhalten dessen, der fernsieht. Das Fernsehen versorgt jeden mit denselben Informationen; es macht keinen Unterschied, wie alt oder gebildet man ist. Doch so wird durch das Fernsehen jede Information zur Unterhaltung
2 Postman, 1983, 93f.
Arbeit zitieren:
Hanna Beyer, 1999, Computereinsatz im Schulunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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