2
1. Einleitung 3
2. Reformen des 17.Jahrhundert 3- 7
2.1 Die „administrativ-intellektuelle Reform“ 5- 6
2.1.1 Das Zwei- und Dreifingerkreuz 6- 7
3. Reformansätze vor dem Patriarchat Nikons 7-10
3.1 Diverse „Reformherde“ 7- 8
3.2 Kämpfer für Reformen 8- 9
3.3 Reformbestrebungen unter Ioasaf und Iosif 9-10
4. Die Neigung zum Griechischen 10-11
5. Motive und Ursachen 11-14
5.1 Nikons Machthunger 12
5.2 Der russische Zar als Hüter der Orthodoxie 12-13
5.3 Die Ukraine 13-14
6. Schluss 14
7. Literaturverzeichnis 15
3
1. Einleitung
Auch in seinen Epanagogiebestrebungen (Überordnung des Patriarchats über das Zarentum) ging
Nikon mit bedenklicher Unnachgiebigkeit vor, was schließlich zum Bruch zwischen dem Zaren
und dem Patriarchen führte. Ein Konzil r.er und orientalischer Bischöfe in Moskau 1666 setzte
Nikon ab. 1
So liest sich das tragische Ende der Laufbahn des Patriarchen Nikon, einer der herausragendsten und umstrittensten Persönlichkeiten der orthodoxen Kirche Russlands im 17. Jahrhundert. Nikons Reformen riefen das folgenschwerste Schisma der russisch-orthodoxen Kirche hervor, und es wäre irrtümlich anzunehmen, dass nach seinem Fall diese tiefe Krise sofort beendet gewesen sei. Der folgende Text beschäftigt sich zu Beginn mit den die Kirche betreffenden Reformen im 17. Jahrhundert und ihrer Bedeutung, wobei die Korrektur der liturgischen Bücher den Schwerpunkt bildet. Des Weiteren wird aufgezeigt, dass sich hinsichtlich der Erneuerung der orthodoxen Kirche Russlands schon vor und auch während Nikon Gruppierungen und Persönlichkeiten finden lassen, die sich in Sachen Reformen engagierten. Nikons Reformen waren keineswegs ein spontaner Einfall des Patriarchen oder ein Novum, sondern standen am Ende einer mehrjährigen Entwicklung. Ein weiterer Punkt beschäftigt sich mit der seit Patriarch Iosif stark zunehmenden Neigung zu griechischen Traditionen und Riten. Abschließend werden unterschiedliche Gründe für die durchgeführten Reformen analysiert, wobei sich unter anderem die Frage nach der Notwendigkeit der Ausrichtung nach dem griechischen Vorbild stellt. Man muss aber zu Beginn darauf verweisen, dass der folgende Text nur einen knappen Einblick in eine extrem komplizierte Thematik geben kann, und im Rahmen dieser Arbeit eine umfassende Bearbeitung der Ereignisse der Kirche Russlands im 17. Jahrhunderts unmöglich ist.
2. Reformen des 17. Jahrhundert
Die Reformen der orthodoxen Kirche Russlands im 17. Jahrhundert verbindet man zu allererst mit dem Name Nikon. Man muss aber klarstellen, dass die Reformbestrebungen ihren Lauf nicht erst in seiner Zeit nahmen. Vielmehr datiert ein Großteil der Literatur Bemühungen nach einer Veränderung in der russisch-orthodoxen Kirche schon auf den Anfang des 17. Jahrhundert. Albert Ammann präzisiert den Auftakt und stellt Dionysius Zobnikov, den Archimandriten 2 des
1 Artikel „Nikonsche Reformen“, in: Hans-Joachim Torke (Hg.), Lexikon der Geschichte
Russlands. Von den Anfängen bis zur Oktober-Revolution, München 1985, S. 257-258.
2 Vorsteher eines Klosterverbandes
4
Troizio-Sergijewskij Kloster, an den Beginn. Er und seine Gehilfen waren als eine der Ersten gewillt, die abweichenden liturgischen Bücher in der orthodoxen Kirche Russlands in Einklang zu bringen. Sein Versuch scheiterte jedoch zunächst im Juli 1618, als eine Synode in Moskau, unter dem Vorsitz des Erzbischofs Jonas, seine Version häresieverdächtig erklärte. 3 Circa 35 Jahre später setzte sich Nikon durch und erzwang, gegen einen erheblichen Widerstand, seine Vorstellungen von Kirche und Liturgie. Dass in den 35 Jahren Zwischenzeit sowohl Wegbereiter als auch Gegner auf das Geschehen einwirkten, ist unbestritten und wird an einer anderen Stelle des Textes ausführlicher behandelt. Nikons Vorgänger und Mitstreiter hatten dem Patriarchen den Weg geebnet. Vor allem aber seine rücksichtlose Art und Vorgehensweise und der bedingungslose Rückhalt vom Zaren Aleksej Michajlovič und Konstantinopel waren ein Garant für Nikons Durchsetzungsvermögen. 4 Die Reformbewegung des 17. Jahrhundert ist ein komplexes Geflecht verschiedener Bereiche, und bis heute ist die Forschung bemüht, auf diesem Gebiet Licht ins Dunkel zu bringen. Ein Ansatz teilt die Reformen, die die Kirche des 17. Jahrhundert betreffen, in drei Bereiche ein. Der erste besteht aus den rein „administrativen Reformen“, die staatlichen Gesetze, welche die kirchliche Jurisdiktion und ihren wirtschaftlichen Einfluss reduzierten. 5 Hierbei handelt es sich um das Sobornoe Uloženie von 1649, ein Gesetzeswerk des Zaren Aleksej, das neben mehreren anderen Bestimmungen vor allem die geistliche Gerichtsbarkeit einschränkte und der Geistlichkeit verbot, zukünftig Güter zu erwerben. Des Weiteren durften weltliche und geistliche Herren die Steuerfreiheit in den Sloboden 6 und Höfen nicht ausweiten. Besonders der Verzicht auf den Gütererwerb war der Geistlichkeit ein Dorn im Auge, und vor allem Nikon kam diese Regelung nicht gelegen, da er sich von der Freundschaft zum Zaren in diesem Bereich Vorteile erhoffte. 7 Der zweite große Block ist die so genannte „administrativ-intellektuelle Reform“, grob die Korrektur oder Emendation von Texten und Riten, die man wegen dem Wunsch nach Uniformität und Genauigkeit als dringend notwendig empfand. 8 Es hatten sich nämlich im Laufe der Zeit, durch mehrfaches Abschreiben bedingt, eine
3 AMMANN Albert, Abriss der ostslawischen Kirchengeschichte, Wien 1950, hier S. 258-259.
4 Vgl. Ammann, Abriss, S. 271-272.
5 CHERNIAVSKY Michael, The Old Believers and the New Religion, in: Slavic Review 25, 1966,
S.1-39, hier S. 6.
6 Freistatt; ab 1649 Vorstadt
7 HELLER Wolfgang, Die Moskauer „Eiferer für die Frömmigkeit“ zwischen Staat und Kirche
(1642-1652), Wiesbaden 1988, hier S. 44-45.
8 Vgl. Cherniavsky, The Old Believers, S. 6.
5
erhebliche Anzahl an Fehlern in den Textbüchern eingeschlichen. Auch der territoriale Zuwachs im moskowitischen Reich, und die damit verbundene Vielfältigkeit kirchlicher Regeln und Wirren, drängten zu einer Neuregelung und Vereinheitlichung. 9 Der dritte Bereich kann unter „moralische Reformen“ zusammengefasst werden. Die Absichten dieser Reformen, getragen von einer Gruppe von Priestern 10 , betrafen die Verbesserung der öffentlichen Moral. Diese Priester fochten einen Kampf für die Reinheit von Glauben und Moral.
2.1 Die „administrativ-intellektuelle Reform“
Dieser Gliederungspunkt legt sein Hauptaugenmerk auf den zweiten großen Bereich der eben angeführten Reformen. Die Reformen wurde ab 1654 verordnet und in diversen Konzilen in den Folgejahren bestätigt. 11 Im Folgenden werden ein paar Reformen aufgelistet und teilweise erläutert, hauptsächlich diejenigen, die von den Altgläubigen 12 nicht akzeptiert und vehement abgelehnt wurden. Man muss darauf hinweisen, dass hier eine vereinfachte und stark komprimierte Darstellung der Reformen vorliegt, die dazu dient, dem Leser einen Einblick zu geben, was für eine Art von Veränderungen letztlich das größte Schisma der russischen Kirchengeschichte auslöste. Folgende signifikante Reformen wurden von Nikon durchgeführt:
Die Textrevision der Kultusbücher, die Einführung des Dreifinger- statt des Zweifingerkreuzes, die Ersetzung des zweifachen Halleluja-Gesangs durch einen dreifachen, die Schreibung und Aussprache des Jesusnamen „Iisus“ statt „Isus“, die Reduzierung von siebzehn auf vier Metanien 13 , die Änderung von fünf zu sieben Prosphoren 14 , die Prozessionsrichtung gen Sonnenaufgang statt, wie üblich, mit dem Lauf der Sonne, die Streichung des „wahrhaftigen“ bei den Worten „den Herrn, den heiligen Geist, der lebendig macht“ im Nizänokonstantinopolitanum 15 . 16
9 HÖSCH Edgar, Geschichte Russlands. Vom Kiewer Reich bis zum Zerfall des Sowjetimperiums,
Stuttgart/Berlin/Köln 1996, hier S. 118.
10 Die Gruppe der „Eiferer“, Priester unter der Führung des Erzbischofs Stefan Vonifat’ev
11 Moskauer Reformkonzil 1656, Großes Moskauer Konzil 1667
12 „Altgläubige ist der Sammelbegriff für eine Reihe von Gruppen, sie sich von der Orthodoxen
Kirche im Moskauer Staat des 17. Jahrhundert aufgrund der Beschlüsse der Landeskonzile
1654/55 und 1666/67 durchgeführten Korrektur der Kirchenbücher und einiger Riten lösten“, vgl.
Artikel „Altgläubige“, in: Hans-Joachim Torke (Hg.), Lexikon der Geschichte Russlands, hier S.
29.
13 Kniefälle
14 Opferbrote
15 Glaubensbekenntnis
16 HAUPTMANN Peter, Russlands Altgläubige, Göttingen 2005, hier S. 26.
Arbeit zitieren:
2006, Innere Reformen und Erneuerungen der russischen Kirche im 17. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte: Innere Reformen und Erneuerungen der russischen Kirche im 17. Jahrhundert ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte: neuer Titel erschienen: Innere Reformen und Erneuerungen der russischen Kirche im 17. Jahrhundert
Russische Religionsphilosophie im 20. Jahrhundert: Simon L. Frank
Das Gottmenschliche des Mensch...
Peter Ehlen
Seelsorgerliche Kirche im 21. Jahrhundert
Modelle - Konzepte - Perspekti...
Anja Kramer, Freimut Schirrmacher
Religion Und Arkane Hierarchie: Der Orden Der Gold- Und Rosenkreuzer A...
Renko D. Geffarth
Aus dem deutschen Katholizismus des 19 und 20. Jahrhunderts
Jürgen Aretz, Rudolf Morsey, Anton Rauscher
Welterkenntnis aus Musik Athanasius Kirchers "Musurgia universalis" un...
Athanasius Kirchers "Musurgia ...
Melanie Wald
0 Kommentare