Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung (Seite 2)
2.) Uhlands politische Haltung und Handlungen (Seite 2
bis 6)
v
3.) Die historischen Hintergründe während Uhlands erster
politisch aktiver Phase (Seite 6 bis 7)
4.) Uhlands Rückkehr in die deutsche Politik und die
Auswirkungen auf sein germanistisches sowie
literarisches Schaffen (Seite 8 bis 10)
5.) Dozent, Dichter und Politiker - Probleme und
Zusammenh änge von Uhlands Tätigkeitsbereichen (Seite
11 bis 13)
6.) Fazit (Seite 13 bis 14)
7.) Literatur- und Quellenverzeichnis (Seite 15)
2
1. Einleitung
Uhland, geboren im April 1787 in Tübingen, ist der germanistischen Forschung vor allem als Autor der „Schwäbischen Kunde“ sowie anderer Lyrik und aufgrund seiner Freundschaft zu Dichtern wie Justinus Kerner oder Gustav Schwab bekannt. Doch war Uhland viel mehr: Universitätsprofessor, Sprachrohr der liberalen Bewegung und politisch engagierter Volksvertreter während der Zeit des Vormärz und der deutschen Revolution von 1848. Die vorliegende Proseminararbeit soll die diversen Seiten der vielfältigen Persönlichkeit Uhlands aufzeigen, und auf seine verschiedenen Tätigkeitsfelder in Forschung und Politik ebenso eingehen wie auf sein literarisches Schaffen, und gegebenenfalls bestehende Querverbindungen - aber auch Probleme und Schwierigkeiten Uhlands - innerhalb dieser drei Bereiche aufzeigen.
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2. Uhlands politische Haltung und Handlungen
Nach der Niederwerfung Napoleons und den darauffolgenden Umstrukturierungen Europas - und damit auch Deutschlands - im Zuge des Wiener Kongresses änderte sich die Staatsform Baden-Württembergs von einem absolutistisch regierten Vasallenstaat Napoleons zu einem mit Ständeversammlung und Verfassung regierten Land. Dem gegenüber stand jedoch die Forderung nach dem „[...] guten alten Recht. Gemeint ist damit die Summe geschriebener und ungeschriebener ständischer Privilegien, die in Württemberg seit der Mitte des 18. Jahrhunderts „Württembergische Landes-Grundverfassung“ genannt wurde.“ 1
Zu diesem „alten, guten Recht“ schrieb auch Uhland ein so betiteltes Gedicht, in dessen erster wie letzter Strophe es heißt
Unter dem „guten alten Recht“ verstand man ursprünglich ein im Mittelalter, beispielhaft sei hier die Zeit der Bauernaufstände genannt, aufgekommenes zurückgreifen auf althergebrachtes, auf das sich bei Streitigkeiten berufen wurde, wobei als Instanz etwa die Bibel herangezogen wurde. Es ist angesichts von Uhlands mediävistischem Interesse durchaus davon auszugehen, dass er auch diese, von Storch nicht erwähnte, Interpretation des „guten alten Rechts“ kannte. Bei diesem Gedicht vom 24. Februar 1816; handelt es sich um eines der ersten, in denen er sich kritisch gegenüber der königlichwürttembergischen Regierung und deren Verfassungsprojekten äußert. Bereits im Vorfeld des Wiener Kongresses sah der Dichter jedoch die Beziehung des Königs Friedrich zu Napoleon in einem wenig positiven Licht, wie aus Tagebucheinträgen hervorgeht. Zum einen aus Angst, zum Krieg eingezogen zu werden, zum anderen weil auch Bekannte Uhlands, die Teil des württembergischen Heereskorps ausmachten, den Krieg nicht überlebten. In der Post-Napoleonischen Zeit und der damit verbundenen Neustrukturierung Europas gab es innerhalb Deutschlands heftige Auseinandersetzungen zwischen Gruppen, die - angeführt von Metternich - eine konservative Restauration anstrebten und solchen
1 Helmut Storch (Hg.): Ludwig Uhland, Werk und Wirkung. Zum 200. Geburtstag des Politikers, Gelehrten,
Dichters, Tübingen 1987, S. 21.
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Kräften, die eine liberalere Gesellschaftsordnung schaffen wollten. Ludwig Uhlands Rolle in diesen politischen Streitigkeiten war, wie in der Folge noch deutlicher aufgezeigt werden soll, dabei nicht immer engstirnig einer bestimmten Partei zugewandt, wenn auch fast immer liberal-demokratisch orientiert. In seinen Forschungen stark im Mittelalter verhaftet - und dort auch nach Ansatzpunkten zur Lösung aktueller Konflikte suchendwar er dennoch keineswegs ein romantischer Träumer, sondern hatte durchaus einen Blick für die ihn umgebenden Realitäten.
Bei allem Interesse an vergangener Lyrik und zurückliegenden Zeitaltern ist dennoch festzuhalten, dass eine Verschmelzung aus eigenem lyrischen Schaffen und zeitgenössischer Politik bei Uhland nicht ausgeschlossen werden kann. Im Gegenteil: „[...] wenn es bei Aschenberg jedoch bewußt polemisch heißt, sein Werk sei „in seinem wesentlichen Gehalt ein Produkt der Regression [...] so wird der Schwabe zu Unrecht verunglimpft. Ausreichende Belege für die Fragwürdigkeit der angeführten Hypothese bieten neben dem nationalromantisch bestimmten, freilich nur mittelbaren Zeitbezug der Lyrik auch bei Uhland allein schon die Jahre der Befreiungskriege und des Württembergischen Verfassungsstreits.“ 3 Ein von Klenner angeführtes treffendes Beispiel ist etwa Uhlands Gedicht „An das Vaterland“, in dem er „[...] seinen eigenen Beitrag ins Verhältnis zu der Leidensbereitschaft der anderen (setzt), die Rede von den heiligen Opfern deutet an, daß auch Uhland den Krieg von 1813 sakral überhöht.“ 4 Diese Überhöhung mag angesichts von Zeilen wie
zugestanden werden, festzuhalten bleibt in jedem Fall der Bezug des lyrischen Werkes zu Uhlands politischer Wahrnehmung seiner Zeitumstände im 19. Jahrhundert. Dass seine Gedichte häufig wenig über die Person Uhlands selbst verraten, wird bei von Matt mit dessen Auffassung von der Dichtkunst als Arbeit oder Rolle erklärt: „[...] selbst die scheinbar persönlichsten Lieder [...] sind nicht vom jungen württembergischen Juristen Ludwig Uhland abgefaßt, sondern eben von einem „Sänger“, der dieses Amt eines Tages
2 Peter von Matt (Hg.): Ludwig Uhland: Gedichte., Stuttgart 2004, S. 53.
3 Andreas Klenner: Vom romantischen Volkslied zur Vormärzlyrik. Poetische Entwicklungslinien bei Kerner,
Uhland und W. Müller, Berlin 2002, S. 135.
4 Klenner: Vom romantischen Volkslied zur Vormärzlyrik, S. 136.
5
als ihm zugehörig begriffen hat und nun mit Ruhe und Sorgfalt ausübt.“ 5 Dabei übersieht dieser jedoch die eindeutigen politischen Standpunkte Uhlands, die sich durchaus aus dessen Gedichten ablesen lassen können., wenngleich andererseits für manche Gedichte diese Feststellung zutreffend sein mag.
Seine demokratisch ausgerichtete Grundhaltung zeigte sich bereits 1817, als er vom König als einer Person sprach, die ihre hohe Position einzig der Verfassung zu verdanken haben solle; eine Aussage, die Uhland bemerkenswerterweise in einer Zeit tätigte, in der König Friedrich versuchte, napoleonische Herrschaftsverhältnisse in Württemberg zu reetablieren. Dass sich die königliche Familie und Uhland aufgrund dieser politischen Haltung des Dichters nicht verstanden, bezeugen nicht nur die bekannteren Anekdoten vom fernbleiben König Wilhelms I bei Uhlands Beerdigung 1862. Jedoch: „the demonstrative and glaring exception was the absence at that occasion of any member of the royal family of Württemberg, a sign of the stubborn displeasure […] in response to Uhland’s equally stubborn, though loyal opposition in his political career.” 6
Auch zu Lebzeiten Uhlands herrschten unversöhnliche Spannungen, in denen sich die Grenzen von Uhlands Schaffen - in diesem Fall aller drei als Schreiber, Dozent und Politiker - überschnitten: 1833 ersuchte Uhland aufgrund seiner Wahl in den Landtag um Urlaub vom Universitätslehramt; dieser wurde abgelehnt, woraufhin Uhland um Entlassung aus dem Professorenamt bat. „König Wilhelm "gewährt" sie mit der unverschämten Bemerkung: "Sehr gerne Entlassung, da er als Professor ganz unnütz war"“ 7
Dass Uhland stets für seine Überzeugungen einstand, zeigt auch, dass er die ihm 1853 angetragenen Auszeichnungen des bayerischen »Maximiliansordens für Wissenschaft und Kunst« sowie des Ordens »Pour le mérite« , der ihm auf Betreiben Alexander von Humboldts verliehen werden sollte, aufgrund der in der Vergangenheit vorgefallenen politischen Differenzen ab. „Die hohe Ehrung anzunehmen hieße, so ließ Uhland wissen, „in unlösbaren Widerspruch“ mit seinen „literarischen und politischen Grundsätzen“ zu geraten. „Dieser Widerspruch wäre um so schneidender, als nach dem Schiffbruch nationaler Hoffnungen, auf dem auch ich geschwommen bin, es mir nicht gut anstünde, mit Ehrenzeichen geschmückt zu sein [...] Eine noble Antwort, standhaft nicht nur gegen Preußen, aufrichtig auch gegen sich selber, den politisch Gescheiterten, der sich über sein
5 von Matt: Ludwig Uhland: Gedichte, S. 72.
6 Victor G. Doerksen: Ludwig Uhland and the critics, Columbia 1994, S. 1.
7 Karin de la Roi-Frey: "Uhland von A bis Z", Leinfelden-Echterdingen 1998, S. 63.
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Arbeit zitieren:
Simon Denninger, 2006, Ludwig Uhland als Germanist, Dichter und Politiker, München, GRIN Verlag GmbH
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