Inhaltsverzeichnis
1 Abstract 2
2 Einleitung 2
3 Die Konstruktion des Selbst. 3
4 Funktionen des Partners für das Selbst 5
4.1 Selbstergänzung 6
4.1.1 Steigerung des Selbstwertgefühls. 6
4.1.2 Außengerichtetes Stilmittel 7
4.3 Projektionsfläche für Wünsche und Ideale. 8
5 Faktoren der Bedrohung des Selbst in der Partnerschaft 9
5.1 Abhängigkeit vom Partner 10
5.2 Unbewusster Selbstbetrug durch Idealisierung 11
5.3 Diskrepanz zwischen Anpassung und eigenen Bedürfnissen 12
6 Chancen und Risiken im Falle einer Trennung vom Partner 13
Literaturverzeichnis. 16
1
1 Abstract
Die gesellschaftlichen Entwicklungen und innerhalb dieser die Entwicklungen in der Paarbeziehung gehen im Verlauf der letzten Jahrzehnte deutlich in Richtung Individualisierung, Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit des Individuums. Ziel dieser Arbeit ist es erstens darzustellen, welche Funktionen der Partner als eine Komponente des Selbstkonzepts für die Konstruktion des Selbst eines Individuums einnehmen kann. Zweitens soll ein Überblick gegeben werden, welche Risiken für das Selbst aus der Partnerschaft heraus entstehen können, wenn diese für die Konstruktion des Selbst eine wesentliche Bedeutung einnimmt. Als Funktionen des Partners in dieser Hinsicht werden die Selbstergänzung durch Selbstwerterhöhung und Stilisierung nach außen, die Bildung der persönlichen Identität sowie das Dienen als Projektionsfläche für Wünsche und Ideale beschrieben. Mögliche Risiken bei der Bewahrung des Selbst werden in der Abhängigkeit vom Partner, dem Selbstbetrug durch Idealisierung des Partners und der Diskrepanz zwischen Anpassung und Ausleben eigener Bedürfnisse identifiziert. Im Falle einer Trennung ist sehr wahrscheinlich mit einem Bruch des Selbstkonzepts zu rechnen, falls dem Partner innerhalb dessen ein großer Raum zugeteilt war. Dieser Bruch bietet die Chance auf Neuorientierung und Selbsterkenntnis mit der Konsequenz der Ausbildung eines veränderten Selbstkonzepts. Abschließend wird als Quintessenz der Abhandlung festgehalten, dass in der heutigen postmodernen Gesellschaft eine stabile Partnerschaft ohne ein solides, vom Partner weitestgehend unabhängiges Selbstkonzept schwer zu realisieren und aufrecht zu erhalten sein wird.
2 Einleitung
Die heutige Gesellschaft der „flüchtigen Moderne“ (Bauman 2003: 8), unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der Gesellschaft unserer Großeltern. In praktisch allen Lebensbereichen haben in den vergangenen Jahren bedeutsame Entwicklungen und Veränderungen stattgefunden. Globalisierung, Emanzipation, Individualisierung und Technologisierung sind nur einige der zahlreichen Triebfedern, die für die Lebensweisen der heutigen Zeit maßgeblich sind. In der Summe ist das Ergebnis des Wechselspiels aller relevanter Faktoren vor allem ein Individuum, das in einer entgrenzten und flüchtigen Welt mit schwindender Ordnung und Struktur über ein Ausmaß an Freiheit verfügt, das es schwer allein bewältigen und sinnhaft füllen kann (vgl. Baumann 2003: 46). Als Antwort auf diese Situation widmet sich das Individuum des 21. Jahrhunderts mehr denn je der Stilbildung, um so für sich als Person die gegebene Vielfalt und Heterogenität der Welt, in der es lebt, in eine gewisse Ordnung zu bringen und in einer Welt voller Unbestimmtheiten und Risiken überhaupt
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handlungsfähig zu sein. Als Stilkomponenten können neben äußerlichen „Accessoires“ und Erscheinungsformen auch innere Aspekte dienen. Ein Beispiel, das beide dieser Funktionen erfüllen kann, ist der Lebenspartner. Inwiefern dieser als Komponente des Selbstkonzeptes fungieren kann und mit welchen Herausforderungen das Individuum konfrontiert wird, das seinen Partner als einen wesentlichen Part seines Selbstkonzepts begreift und einsetzt, soll in der vorliegenden Arbeit untersucht werden. Hierzu werden aus der Literatur verschiedene Modelle zur Konstruktion und Funktion des Selbstkonzepts und seiner Bestandteile herangezogen und in Bezug zur Stilkomponente „Lebenspartner“ gesetzt.
3 Die Konstruktion des Selbst
Es gibt in der Literatur unterschiedliche Aussagen dazu, was als „das Selbst“ des Menschen zu bezeichnen ist. Schachinger (2005) beschreibt das Selbst als eine Art „ganzheitliches Mysterium“ (S. 24), das Selbstkonzept auf untergeordneter Ebene des Selbst als das Bild, das der Einzelne von sich selbst im Sinne einer anschaulichen Sache hat. Die Möglichkeit der Selbstwahrnehmung befähigt das Individuum, sich in Bezug auf bestimmte selbstbezogene Eigenschaften als Objekt, wie einen Fremden, zu beobachten und Rückschlüsse aus den gemachten Beobachtungen des eigenen Verhaltens zu ziehen (vgl. Mummendey 2006: 42). Die Art und Weise, wie jemand sich selbst sieht und subjektiv über dieses Bild empfindet, ist gegenüber der Objektivität und damit der Realität übermächtig (vgl. Schachinger 2005: 28). Das Selbstbild wirke sich somit meist stärker auf Verhalten und Wohlbefinden aus als äußere, relativ objektive Gegebenheiten. Diese Theorie lässt erahnen, wie groß die Bandbreite der Selbstinszenierung und vor allem ihre jeweilige Bedeutung für den Einzelnen sein kann. Vor allem müssen die subjektiven Aspekte, die Innensicht des Individuums, in der Betrachtung der Selbst-Konstruktion entsprechendes Gewicht bekommen. Laut Schachinger (2005) ist der Selbstwert neben dem Selbstbild die zweite Komponente, die für die Innensicht des Selbst von Bedeutung ist (vgl. S. 28). Objektive Faktoren und Fremdbild bildeten demgegenüber die Außensicht des Selbst. Nach Mummendey (2006) ist das Selbstkonzept eine Triade aus Kognition, Emotion und Motivation. Er versteht unter dem Selbstkonzept eines Individuums die Gesamtheit aller Selbstbeurteilungen. Diese wiederum definiert er als eine Vielzahl selbstbezogener psychologischer Vorgänge, nämlich als „wie jemand sich selbst wahrnimmt, was er von sich erinnert, wie er über sich denkt, wie er sich bewertet, welche Gefühle er sich selbst gegenüber hat, was für Vorstellungen und Erwartungen er sich selbst gegenüber hegt, was er also will und was er vorhat uws.“ (S. 38).
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Da die Ergebnisse dieser Beurteilungsprozesse als Einstellungen zu bezeichnen seien und es bei der Selbstkonzept-Konstruktion um Einstellungen in Bezug auf das Selbst ginge, könne man die Definition von Selbstkonzept auch fortführen als „die Gesamtheit (die Summe, das Ganze, der Inbegriff usw.) der Einstellungen zur eigenen Person“ (Mummendey 2006: 39). James (1983) hingegen fasst den Begriff des Selbst noch weiter und schließt neben Selbstbild und Selbsteinstellungen auch physische Kraft, Familie, Freunde, Eigentum, Arbeit − kurzum alles, was einer Person als eigen zugeschrieben werden kann, − ein (vgl. S. 279).
Neben der Einstellung zur eigenen Person, dem persönlichen Bild von dieser und jeglichen anderen einer Person zugehörigen Attributen und Besitztümern spielt, wie bereits weiter oben erwähnt, auch der Selbstwert eine wichtige Rolle für die Konzeption des Selbst. Er wird in der Literatur häufig als die rationale Bewertung der Verhaltensweisen und Merkmale, die das Selbstkonzept beinhaltet, beschrieben (vgl. Schachinger 2005: 181). James definiert das Selbstwertgefühl als die Relation zwischen Erfolgen und Ansprüchen (vgl. James 1983: 296). Durch Anwendung dieser Definition wird gegenüber dem reinen Aspekt der Selbstbewertung auch die individuelle Relativität berücksichtigt: Der Selbstwert ist nichts Objektives, nichts zwischen verschiedenen Individuen Vergleichbares, sondern er ist abhängig von der Größe der Diskrepanz zwischen zu Erreichendem beziehungsweise Erreichbarem und dem tatsächlich Erreichtem einer bestimmten Personen. In die Formung eines Bewusstseins über das Erreichbare fließen laut Mummendey (2006) mehrere Domänen des Selbst ein: Das tatsächliche Selbst umfasst die Merkmale, die eine Person sich selbst zuschreibt oder von denen man glaubt, sie von anderen zugeschrieben zu bekommen. Das ideale Selbst ist das Selbstbild, das Hoffnungen, Wünsche und Ansprüche repräsentiert. Das normatives Selbst verfügt über diejenigen Attribute, von denen eine Person selbst denkt oder denkt, dass andere denken, dass sie sie besitzen sollte. Das Fähigkeits-Selbst repräsentiert die tatsächlich gegebenen Möglichkeiten des Individuums und das Erwartungs-Selbst umfasst alle Merkmale, die eine Person selbst oder andere ihr für die Zukunft zuschreiben (vgl. Mummendey 2006: 139).
Die verschiedenen Ansätze zu Selbstkonzept und Selbstwert fußen trotz ihrer leichten Abweichung voneinander auf der gleichen Basis und geben allesamt einen guten Einblick dafür, welche Komplexität und Relativität der Konstruktion eines Selbst zugrunde liegen. Ebenso groß ist die Marge für die Möglichkeiten der Selbstinszenierung sowohl mithilfe materieller wie auch ideeller Ausdrucksmittel. Dass es bei der Selbst-Bildung jedoch nicht
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Arbeit zitieren:
Jasmin Dittmar, 2010, Der Partner als Komponente des Selbstkonzepts, München, GRIN Verlag GmbH
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