Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 2
2. Grundzüge des mentalen Lexikons 3
3. Was ist Wortschatz? 6
4. Konsequenzen für den Fremdsprachenunterricht:
Wortschatzvermittlung. 8
5. Umsatzmöglichkeiten - Strategien beim Wortschatzlernen 9
6. Fazit 11
7. Bibliographie 12
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1. Einleitung
Wortschatzerwerb findet sowohl in der Muttersprache wie auch in jeder zu lernenden Sprache statt. Dieser Prozess beinhaltet dabei weitaus mehr als den Erwerb von Bedeutungen unbekannter Wörter. Im Fremdsprachenunterricht spielt die Wortschatzvermittlung eine zentrale Rolle, da die Wörter die Grundlage für Verständigung und Kommunikation in der jeweiligen Sprache bilden.
In der vorliegenden Arbeit soll der Gegenstand der Wortschatzvermittlung im Fremdsprachenunterricht untersucht werden. Zu Beginn der Arbeit wird das kognitive Konzept des mentalen Lexikons in groben Zügen vorgestellt, weil es den Ort im Langzeitgedächtnis darstellt, an dem die Wörter einer Sprache mental repräsentiert sind (vgl. Schwarz 2008, S. 105). Da das mentale Lexikon innerhalb des Modells der mündlichen Sprachproduktion von Levelt eine zentrale Komponente - sowohl für die Sprachproduktion als auch für das Sprachverständnis - darstellt, wird es in diesem Kapitel gesondert vorgestellt. Dabei liegt der Fokus auf der Form der Lexikoneinträge. Im Anschluss werden Überlegungen in Bezug auf das bilinguale/ mehrsprachige Lexikon vorgestellt und unter besonderer Berücksichtigung des gegenwärtigen Forschungsstandes diskutiert. Im dritten Kapitel wird der Gegenstand des Wortschatzes selbst erörtert. Innerhalb dieses Kapitels werden Betrachtungen angestellt, wie sich der Lernerwortschatz unterteilen lässt und welche Besonderheiten sich auf Grundlage der kognitiven Umstände ergeben. Im anschließenden Teil der Arbeit werden die Konsequenzen für den Fremdsprachenunterricht, welche sich aus den kognitiven Gegebenheiten ergeben, erarbeitet. Hier steht sowohl das autonome Lernen wie auch die durch den Fremdsprachenlehrer zu treffende Auswahl bei der Wortschatzvermittlung im Vordergrund. Darüber hinaus werden im anschließenden Kapitel die sich daraus ergebenden Umsatzmöglichkeiten für den Wortschatzerwerb aufgezeigt und einige Lernstrategien, die sowohl die Erschließung neuer Bedeutungen ermöglichen als auch die Überwindung und Vermeidung von Kommunikationsschwierigkeiten und lexikalischer Notsituationen. In einem letzten Teil der Arbeit werden kurz die vorgestellten Ergebnisse unter besonderer Berücksichtigung der Relevanz für den Fremdsprachenunterricht zusammengefasst.
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2. Grundzüge des mentalen Lexikons
Das mentale Lexikon ist der Ort, an dem die verschiedenen lexikalischen Informationen zusammengeführt, verknüpft und verarbeitet werden und zwar auf der Basis kognitiver Prozesse (vgl. Scherfer 1995, S.165). Im mentalen Lexikon sind dabei sowohl die Wortformen als auch die semantischen Konzepte (Sprachwissen) gespeichert. Uneinigkeit herrscht in der Fachliteratur jedoch darüber, ob im mentalen Lexikon neben dem sprachlichen Wissen auch allgemeines Weltwissen gespeichert wird (vgl. Schwarz 2008, S.106; vgl. auch für weitere Ausführungen ebd.). Während einige Autoren diese These verneinen (vgl. Börner 1995, S.32), meinen die Befürworter, dass das mentale Lexikon eine Schnittstelle zwischen den sprachlichen und den konzeptuellen Strukturen bildet und nicht als ein von der Kognition abgetrenntes Modul der Sprache betrachtet werden kann (vgl. Börner & Vogel 1994, S.3). Das mentale Lexikon bildet den Bereich des Langzeitgedächtnisses, in dem die Wörter einer Sprache mental repräsentiert sind (vgl. Schwarz 2008, S.105). Diese im Langzeitgedächtnis gespeicherten Kenntnisse bilden die Grundlage für die Leistungsfähigkeit des Menschen, wobei das sprachliche Wissen ein Teil dieser langfristig gespeicherten Gedächtnisinhalte darstellt.
Die mit einander verbundenen Einzelbestandteile des mentalen Lexikons sind „nicht nur Einzelwörter, sondern sowohl kleine Einheiten, nämlich Wortteile (z.B. Affixe) oder Wortstämme, als auch längere Wortkombinationen und idiomatische Ausdrücke“ (Klippel 1995, S.102). Das im mentalen Lexikon gespeicherte sprachliche Wissen enthält die Verstehens- und Verwendungsprinzipien dieser lexikalischen Einheiten einer Sprache und stellt somit den aktiven Sprachspeicher dar, in dem die Einheiten gesammelt und organisiert werden (vgl. Köster 2001, S.887). Diese lexikalischen Einheiten umfassen viele form- und/ oder bedeutungsbedingte Organisationsprinzipien, welche beim Erwerb eines Wortes berücksichtig werden müssen. So müssen neben der semantischen Bedeutung (Denotation und Konnotation) auch die syntaktischen und morphologischen Eigenschaften, die phonetisch-phonologische Form eines Wortes mitgespeichert und erworben werden sowie Informationen zur internen und externen 1 Struktur und zur Sprach- und Wortzugehörigkeit (vgl. Meibauer & Rothweiler, 1999, S.11; Lutjeharms 2004, S.11). Diese
Organisationsprinzipien stellen die lexikalischen Informationen eines jeden Lexems dar und
1 Unter der internen Struktur wird die Zusammensetzung eines Wortes verstanden (komplexes Wort/
Kompositum/ Derivation) und unter der externen Struktur die Kollokationsebene, also mit welchen
anderen Worten das Wort oft verwendet wird.
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werden in ihrer Gesamtheit als lexikalische Einheiten im mentalen Lexikon gespeichert, wobei zum momentanen Zeitpunkt noch nicht geklärt ist, ob diese Informationen zusammen in einem Lexikon oder in verschiedenen Teillexika des mentalen Lexikons abgelegt werden (vgl. Schwarz 2008, S.105). Es wird angenommen, dass sich ein Fremdsprachenlerner beim Erwerb eines Wortes die lexikalischen Informationen nach und nach erschließt und erwirbt (vgl. Lutjeharms 2004, S.11). Das Vorkommen von Versprechertypen, die auf formalen oder inhaltlichen Ähnlichkeiten basieren, und das Tip-of-the-Tongue-Phänomen unterstützen die Vermutung, dass das mentale Lexikon aus zwei unterschiedlichen Speichern besteht, „wobei der eine nach formalen und der andere nach inhaltlichen Kriterien organisiert ist“ (Schwarz 2008, S.223). In diesem Zusammenhang soll kurz das Modell der mündlichen Sprachproduktion von Levelt erklärt werden, da dieser ebenfalls annimmt dass ein Lexikoneintrag aus zwei Einheiten besteht. „Levelt entwirft ein
Informationsverarbeitungsmodell, dessen Komponenten größtenteils autonom, schrittweise und parallel funktionieren“ (Ender 2007, S.77). Er unterscheidet innerhalb der Sprachproduktion auf dem Weg von Intension zu Artikulation drei aufeinander aufbauende Aufgaben: konzepzualisieren, formulieren und artikulieren (Meerholz-Härle & Tschirner 2001, S.3). Innerhalb des Konzeptualisierers wird eine Sprachabsicht entworfen, die „sowohl mit deklarative[m] Wissen in Form von enzyklopädischem Wissen und Situationswissen als auch prozedurale[m] Wissen über den Ablauf von Vorgängen“ kreiert wird (Ender 2007, S.77f.). Diese aus dem Konzeptualisierer hervorgehende präverbale Botschaft wird an den Artikulator weitergegeben, welcher diese sowohl grammatisch als auch phonologisch enkodiert, wobei die grammatische Enkodierung vor der phonologischen stattfindet (vgl. ebd.). Die grammatische Enkodierung erfolgt dabei indem die wichtigen lexikalischen Informationen über Syntax und Wortbedeutung in Form von Lemmas aus dem semantischen Lexikon abgerufen werden (vgl. Meibauer & Rothweiler 1999, S.11). Levelt geht davon aus, dass beim lexikalischen Zugriff erst das Lemma im mentalen Lexikon aktiviert wird und erst dann die phonologische und morphologische Aktivierung erfolgt (vgl. Lutjeharms 2004, S.14). Die phonologischen und morphologischen Informationen werden nach Levelt im phonologischen Lexikon gespeichert, welches ebenfalls ein Teillexika des mentalen Lexikons ist (vgl. Meibauer & Rothweiler 1999, S.11). Die nun enkodierte präverbale Botschaft wird an den Artikulator weitergeleitet, welcher diese phonologisch umwandelt und artikuliert. Innerhalb des Modells der mündlichen Sprachproduktion von Levelt steht das mentale Lexikon an einer zentralen Stelle und „ist der entscheidende Meditator zwischen Konzeptualisierer und grammatischer und phonologischer Kodierung“ (Ender 2007, S.77).
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Arbeit zitieren:
Wiebke Krestin, 2010, Wortschatzvermittlung im Deutsch als Fremdspracheunterricht unter Berücksichtigung des kognitiven Konzeptes des mentalen Lexikons, München, GRIN Verlag GmbH
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