A
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Individuelle und kollektive Konstruktion der Wirklichkeit. 3
2.1. Das kollektive Gedächtnis und Erinnerung 3
2.2. Das kommunikative und kulturelle Gedächtnis 4
2.2.1. Materiell vs. Elektronisch. 8
2.2.2. Speicherkapazität vs. Langzeitstabilität. 9
2.2.3. Schnelle Zirkulation erweiterter Zugriff 10
3. Medien und kollektives Gedächtnis 13
3.1. Materielle Dimension 14
3.2. Soziale Dimension. 15
3.2.1. Produktionsseitige Funktionalisierung 16
3.2.2. Rezeptionsseitige Funktionalisierung 16
4. Medien und Erinnerung 17
4.1. Neue Medien und das Ende der Erinnerung. 19
5. Das kulturelle Bildgedächtnis. 22
5.1. Bild vs. Ikone 23
5.2. Wort vs. Bild. 24
6. Inszenierung kollektiver Erinnerung. 26
6.1. Erzählung 26
6.2. Ausstellen 27
6.3. Inszenieren 27
6.3.1. Geschichtsdarstellung im Film 30
6.3.2. Audio Inszenierung als Psychokino. 32
7. Conclusio. 34
Literaturverzeichnis. 36
Online Quellen 37
Abbildungsverzeichnis. 38
Tabellenverzeichnis 39
B Kurzfassung
Vor‐ und Zuname: Manuel Bauer
Institution: FH Salzburg
Studiengang: Bachelor MultiMediaArt
Titel der Bachelorarbeit: Das Kollektive Bildgedächtnis und seine Medien
Schlagwörter:
1.Schlagwort: Iconic Turn
2.Schlagwort: kollektives Bildgedächtnis
3.Schlagwort: kulturelles Gedächtnis
Die vorliegende Arbeit ‚Das kollektive Bildgedächtnis und seine Medien’ beschäftigt sich mit den kulturellen und kollektiven Erinnerungs‐ und Speicherprozessen und deren Medien. Dabei wird sowohl auf die individuelle, wie auch die kollektive Konstruktion von Wirklichkeit eingegangen und anschließend werden Gedächtnistheorien von Maurice Halbwachs, Aleida und Jan Assmann sowie von Astrid Erll diskutiert. In weitere Folge wird der Versuch unternommen den Einfluss der Medien auf das kulturelle bzw. auf das kollektive Gedächtnis zu untersuchen. Eine konkrete Anwort auf die Frage wie sich Veränderungen in der Medienstruktur auf das kollektive Gedächtnis auswirken wird versucht herauszuarbeiten. Abschließend werden konkrete Beispiele aus der Praxis der öffentlichen Errinnerungsinszenierung dargelegt.
C Abstract
The bachelor thesis ‘collective image memory and its media’ deals on cultural memory studies and its media. Central to the work is the question how changes in the media structure could have an influence on the collective memory of a society. Individual and collective construction of reality is furthermore a vital part of this thesis. The central part of this present work is to give an overview on the experts of cultural memory such as the French sociologist Maurice Halbwachs and the German researchers Aleida and Jan Assmann and to present their theoretical positions in this context. Finally, as a conclusion of the theoretical part, this thesis gives some practical examples on how a nation deals with remembrance which encompass the function of collective memory.
1
1. Einleitung
Die Präsenz von Bildern ist allgegenwärtig und erlaubt kaum noch die Wahl, bildlose Erfahrungen zu machen, da wir es mit einem „[…] weltumspannenden Netz einer unbegrenzten Bildproduktion zu tun haben, der wir kaum noch entfliehen können.“ 1 Es existiert kaum mehr ein Lebensbereich, in dem die bildliche Darstellung von Sachverhalten und die Informations‐ und Wissensvermittlung durch Bilder nicht eine wichtige Rolle spielen.
„Von den unzähligen zirkulierenden Bildern schaffen nur wenige den Sprung ins kollektive Bild‐Gedächtnis.“ 2 Die deutsche Kulturwissenschafterin Aleida Assmann verwendet in diesem Zusammenhang den Terminus ‚Ikonisierung’, welcher den „Eintritt eines Bildes in das kollektive Gedächtnis“ 3 beschreibt. In diesem Kontext können hier auch die Forschungen im Bereich kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen genannt werden, welche vor allem in den letzten Jahrzehnten die inter‐ und transdisziplinäre Diskussion in den Wissenschaftsforschungen befördert haben. Hierbei basieren unter anderem die Gedächtnistheorien von Maurice Halbwachs sowie von Aleida und Jan Assmann auf der Annahme, […] „dass kollektive Gedächtnis ein - wie es die Semiotiker der Moskauer‐ Tartuer Schule formulieren - nicht‐erblich vermitteltes Gedächtnis eines menschlichen Kollektivs ist.“ 4
Medien wie etwa die mündliche Sprache, Bücher, Fernsehen oder das Internet ermöglichen erst eine Konstitution und Zirkulation von Wissen und Versionen einer gemeinsamen Vergangenheit in sozialen und kulturellen Kontexten. „Auf kollektiver Ebene ist Gedächtnis stets medial vermittelt bzw. wird es oftmals überhaupt erst medial konstruiert.“ Der Begriff der Konstruktion beinhaltet, dass Medien keine neutralen Träger von gedächtnisrelevanten und vorgängigen Informationen sind. Insofern stellt sich hier die Frage, welche Rolle den Medien, insbesondere den neuen Medien wie dem Internet, im Kontext eines kollektiven Gedächtnisses bzw. des kollektiven Bildgedächtnisses zugeschrieben werden kann.
1 Maar (2006), S. 11.
2 http://www.boell.de/bildungkultur/kulturaustausch/kulturaustausch‐6769.html
3 Ebd.
4 Uspenskij (1986), zit. n. Erll (2004), S. 4.
2
Ziel dieser Arbeit ist es sich der Frage anzunähern, wie sich Bilder im kulturellen Gedächtnis durchsetzen, ausgewählt und kanonisiert werden. Welche Bilder sind im Bewusstsein präsent und existieren durch lebendige Zirkulation und welche gelangen ins Archiv? Hier sollen vor allem die Begriffe ‚individuelles’ und ‚kollektives’ Gedächtnis bzw. Bildgedächtnis näher betrachtet werden. In weiterer Folge soll der Frage nachgegangen werden, welchen Einfluss Medien auf das kollektive Gedächtnis haben. Wie wirken sich Veränderungen in der Medienstruktur auf das kollektive Gedächtnis aus?
Methodisch stützt sich der Großteil der Arbeit auf Recherche einschlägiger wissen‐ schaftlicher Literatur. Zur Annäherung an die oben formulierten Forschungsfragen erfolgt zunächst eine Auseinandersetzung mit dem Forschungsfeld der Erinnerungskulturen. Dabei stehen vor allem die Gedächtnistheorien der KulturwissenschaftlerInnen Aleida und Jan Assmann sowie Astrid Erll im Vordergrund. Darauf aufbauend wird das Verhältnis der Medien im Zusammenhang mit dem kollektiven Gedächtnis und dem Verhältnis zur Erinnerung näher untersucht. Nach dieser grundlagentheoretischen Analyse wird in den darauffolgenden Kapiteln konkreter auf das kollektive Bildgedächtnis eingegangen und abschließend Beispiele für öffentliche Inszenierung von Erinnerung gegeben.
3
2. Individuelle und kollektive Konstruktion der Wirklichkeit
Um von einem kollektiven Gedächtnis ‐ in weitere Folge ‚kollektiven Bildgedächtnis’ ‐ sprechen zu können, ist es erforderlich, sich mit ausgewählten Grundlagen des Forschungsfelds Erinnerungskultur auseinander zu setzen. Hierbei ist das Verhältnis zwischen individuellen und kollektiven Erinnern weitgehend ungeklärt. Im Allgemeinen wird von der Existenz einer wahren, unverfälschten Erinnerung ausgegangen. Im folgenden Kapitel soll daher auch der Unterschied zwischen Erinnerung und Gedächtnis dargestellt werden.
2.1. Das kollektive Gedächtnis und Erinnerung
Im sozialen Kontext sind vor allem zwei Forschungsansätze maßgeblich. Zum einen war für den französischen Soziologen und Philosoph Maurice Halbwachs (1877‐1945) vor allem die Annahme zentral, dass jede Form von Gedächtnis sozial bedingt ist. 5 Diese These stellte zur damaligen Zeit einen Bruch mit der Tradition der Gedächtnisforschung dar und untermauert die „[…] Abkehr von biologistischen Versuchen, das kollektive Gedächtnis als ein vererbbares, z.B. 'Rassegedächtnis' o.ä. zu konzipieren.“ 6 Das Verhältnis von Individualgedächtnis und dessen sozialer Rahmen stehen im Zentrum von Halbwachs' Analysen. Das Individualgedächtnis wird von ihm in zweierlei Hinsicht bestimmt:
„Da Gedächtnis nach Halbwachs nur durch Sozialisationsprozesse vermittelt entstehen könne, basiere es auf Gemeinschaft. Zugleich stelle es Gemeinschaft her, indem es sich auf ein Gruppen‐Gedächtnis beziehe und dieses bestätige. Solche 'kollektiven Gedächtnisse' ('memoire collective') postuliert Halbwachs für jede soziale Gruppe, etwa für Familien, religiöse Gemeinschaften oder auch soziale Klassen.“ 7
Unklar bleibt hier die Trägerschaft der 'kollektiven Gedächtnisse'. Denn einerseits verstehen seine Thesen Gedächtnis und Erinnerung als grundsätzlich personengebunden,
5 Zierold (2006), S. 66.
6 Assmann (1988), S. 9.
7 Zierold (2006), S. 66.
4 andererseits suggeriert Halbwachs eine ontologische Existenz von
'Gruppengedächtnissen'. Das Individualgedächtnis wird jeweils als 'Teil' von kollektivem Gedächtnis beschrieben, ein Aktant könne jedoch in mehreren sozialen Rollen an mehreren kollektiven Gedächtnissen teilhaben. 8 Jede/r Einzelne ist in eine Vielzahl solcher Gruppen eingespannt und hat daher an einer Vielzahl kollektiver Selbstbilder und Gedächtnisse teil. 9
Halbwachs betont in seinen Theorien bereits die Konstruktivität von Gedächtnis und Erinnerung indem er feststellt, dass nur erinnert werde, „was die Gesellschaft in jeder Epoche mit ihren gegenwärtigen Bezugsrahmen rekonstruieren kann.“ 10 Erinnerung diene so der Herstellung sowohl individueller Identität, als auch von Gruppenidentität. Weiters weist Halbwachs darauf hin, dass das Vergessen dem Fehlen geeigneter Erinnerungsanlässe bzw. geeigneter aktueller Sinn‐Rahmen entspreche. Halbwachs musste die Arbeit an seinem theoretischem Werk leider verfrüht abbrechen. Er war ein Opfer des Nationalsozialismus und starb 1945 im Konzentrationslager Buchenwald. Sein Modell ist daher auch stellenweise sehr unpräzise und verzichtet vor allem auf den Zusammenhang zwischen Medien und Gedächtnis bzw. Erinnerung in diesem Kontext. Mittlerweile herrscht disziplinübergreifend Einigkeit darüber, so die deutsche Gedächtnisforscherin Astrid Erll, „[…] Errinnern als Prozess des Entstehens von Erinnerungen zu begreifen und das Gedächtnis als die Fähigkeit dazu oder die veränderliche Struktur dieser Erinnerungen[...]“ zu verstehen. 11
2.2. Das kommunikative und kulturelle Gedächtnis
Die beiden KulturwissenschafterInnen Aleida und Jan Assmann adaptierten Halbwachs' Modell des kollektiven Gedächtnisses und entwickelten es weiter. Sie unterteilen Gedächtnis in ein kommunikatives und ein kulturelles. 12 Jan Assmann konnte eine 'floating gap' bei schriftlosen Kulturen beobachten. Darunter versteht er eine Erinnerungslücke, die mit den Generationen mitwandert.
8 Assmann (1994) zit. n. Zierold (2006), S. 66.
9 Assmann (1988), S. 11.
10 Ebd.
11 Erll (2004), S. 7.
12 siehe Tabelle 1 (Seite 9)
Arbeit zitieren:
Manuel Bauer, 2010, Das kollektive Gedächtnis und seine Medien, München, GRIN Verlag GmbH
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