I. Einleitung
Am 30. Januar 1933 wurde die Macht im Staate an Adolf Hitler und seine NSDAP übergeben. Durch diese politische Entscheidung änderten sich nicht nur die Gegebenheiten im Reich - die Weimarer Republik fand somit ein jähes Ende - sondern natürlich auch für die Stadt Braunschweig. Ein Ort, der die Ereignisse, wie sie überall im Reich stattfanden widerspiegelt, ist der sogenannte „August-‐Bebel-‐ Hof“. Kein anderes Wohnungsbauprojekt war ähnlich umstritten wie der Bebelhof. Bereits der Namensgeber lässt darauf hindeuten, dass es sich beim Bebelhof um ein Zentrum sozialistischer oder möglicherweise sogar kommunistischer Gesinnung handelt. Diese These stellt in dieser Arbeit die zentrale Rolle.
Die Quellenlage ergibt sich als recht überschaubar: als Grundlage dient vor allem die „Jahresarbeit im Fach Kunsterziehung an der Gauß-‐Schule Braunschweig über das Thema Bebelhof“ von Marcus H. Herrenberger aus dem Jahre 1975. Dieser Arbeit beinhaltet ein recht große Ansammlung an Dokumenten, Zeitungsartikeln, Plänen und Statistiken zur Geschichte, zu städtebaulichen sowie sozialen Aspekten des Bebelhofs. Ebenfalls Quellen bietet Reinhard Bein in seinem Buch „Braunschweig zwischen rechts und links : der Freistaat 1918 bis 1930; Materialien zur Landesgeschichte“.
Eher wohnungsbaupolitisch und -kritisch beschäftigte sich Frank Ehrhardt mit dem Aufsatz „Der August-‐Bebel-‐Hof. Ein sozialdemokratisches Wohnungsbauprojekt in der Spätphase der Weimarer Republik“ aus dem Buch „Alltag und Politik : Vorträge zur Geschichte der Braunschweiger Arbeiterschaft.“ Auf dieser Grundlage soll nun versucht werden, den Bebelhof und seine Sozialgeschichte, insbesondere mit Hinblick auf den nationalsozialistischen Aufstieg, in Braunschweig darzustellen.
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II. Die Entstehungsgeschichte und Konzept der Wohnsiedlung
1. Planung und Bau
Die Grundsteinlegung für den August-‐Bebel-‐Hof fand am 5. September 1929 1 (Ehrhardt geht fälschlicherweise von Juli 1929 aus 2 , jedoch berichtet der „Volksfreund“ vom 6. September 1929 über die Grundsteinlegung vom Vortag 3 ) statt. Sie beschränkt sich weitestgehend auf den Raum zwischen den Straßen Salzdahlumer Straße, Borsigstraße, Hans-‐Porner-‐Straße und der Hermann-‐von-‐ Vechelde-‐Straße. Der Hof war mit dem Anspruch verbunden, nicht allein durch die Schaffung zusätzlichen Wohnraums der Wohnungsnot entgegenzuwirken, sondern auch für sogenannte „Minderbemittelte“ bis dahin nicht erreichbare Standards an Wohnqualität zu bieten. 4
Die nach dem sozialdemokratischen Politiker August Bebel benannte Siedlung wurde durch den Hamburger Architekten Friedrich R. Ostermeyer einheitlich im Stil des „Modernen Bauens“ von der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Braunschweig GmbH (Gewobau), einem
Tochterunternehmen der Deutschen Wohnungsfürsorge AG für Beamte, Angestellte und Arbeiter (Dewog), angelegt. 5 Wohnen wurde im Modernen Bauen zentrales Thema der Architektur, vor allem das Wohnen in der Großstadt und in Arbeiterwohnungen. 6 Architektur, Bau und Wohnen wurden nun philosophisch, es ging um eine neue Einheit von Kunst und Industrie.; dies zeigt sich besonders gut in Walter Gropius‘ „Staatliches Bauhaus Weimar“ aus dem Jahre 1923. „Da Bauen kollektive Arbeit ist, hängt sein Gedeihen nicht vom einzelnen, sondern vom
1 Herrenberger, Marcus H.: “Bebelhof -‐ Jahresarbeit im Fach Kunsterziehung an der Gauß-‐Schule
Braunschweig“: Braunschweig, 1975: S. 5.
2 Ehrhardt, Frank: „Der August-‐Bebel-‐Hof. Ein sozialdemokratisches Wohnungsbauprojekt in der
Spätphase der Weimarer Republik“ in: Schuegraf, Wolf-‐Dieter [Hrsg.]: „Alltag und Politik : Vorträge zur Geschichte der Braunschweiger Arbeiterschaft. Gehalten beim Arbeitskreis Andere Geschichte“: Braunschweig, 1990: S. 70.
3 „Der Volksfreund“ vom 6. September 1929: 2. Beilage. In: Herrenberger, Marcus H.: “Bebelhof -‐
Jahresarbeit im Fach Kunsterziehung an der Gauß-‐Schule Braunschweig“: Braunschweig, 1975.
4 Ehrhardt : Der August-‐Bebel-‐Hof: S. 67.
5 Herrenberger : Bebelhof: S. 5.
6 Ebd. S. 7.
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Arbeit zitieren:
Martin Kersten, 2009, Der August-Bebel-Hof in Braunschweig, München, GRIN Verlag GmbH
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