Inhaltsverzeichnis
Cartoon I - anstelle eines Vorwortes
1 Einführung 1
2 Annäherung an das Phänomen Metapher - Grundaussagen und Theoretische
Konzepte
2.1 Schlüsselbegriffe 2
2.2 Sprachspiel, Sprachressource und Sprachebene 4
2.3 Forschungsfelder: sprachliche Bilder - bildliche Sprache 6
2.4 Metaphernfreundliche und metaphernkritische Traditionen 8
2.5 Die Metapher „Metapher“ 9
2.6 Symbole und Symbolbedeutungen 11
2.7 Überblick über Metapherntheorien 12
2.8 Literarische Beispiele für Metaphern und Geschichten in Beratung und
Therapie 14
3 Metaphern als Medien in Therapie und Beratung - Verständnisweisen und
Funktionen
3.1 Verschiedene therapeutische Konzepte und Ansätze 16
3.2 Wirkungsebenen und -mechanismen von Metaphern und Geschichten 19
3.3 Submodalitäten, Synästhesie und Veränderung 20
3.4 Funktionen der Metaphern - die bildhafte Sprache als Vehikel oder
Spielmaterial für das Unbewusste? 23
3.5 Formen von Metaphern 25
3.6 Hilfe durch Metaphern
3.6.1 Ausdrucksmöglichkeit 26
3.6.2 Diagnosehilfe 27
3.6.3 Kommunikationshilfe 29
3.6.4 Arbeiten mit Ressourcen im therapeutischen Prozess 30
3.7 Metaphernanalyse 31
3.8 Humor und Kreativität - als Ausgangspunkt und als Ergebnis von Beratung und Therapie 33
4 Metapherntheoretisches in der Anwendung - Metaphorische Interventionen 4.1 Sprachlich-kreatives Beziehungsangebot in der Heilpädagogik 35
4.2 Methaphorisches Lernen in der Erlebnispädagogik 38
4.3 Kritische Auseinandersetzung mit Fremdmetaphern 40 4.3.1 Die fertige Metapher 41
4.3.2 Fragen und Aufgaben in der Arbeit mit individuellen Metaphern 42
4.3.3 Eigene oder konstruierte Metaphern 43
4.4 Präsentation der Metapher 45
4.5 Was spricht für, was gegen die Verwendung von Metaphern? 46
5 Schlussgedanken und Ausblick 50
Cartoon II 52
Literaturverzeichnis 53
Empfohlene Literatur 56
Glossar 58
1. Einführung
Metaphern sind ein schillerndes, faszinierendes und nicht zuletzt ein verführerisches Thema. Was ich hier präsentiere, ist als Versuch zu betrachten, Einblicke in das „Spiel mit Metaphern“ in Beratung und Therapie zu geben. Es ist notwendig, dieses Thema vor allem im Bereich der Metapherntheorien ein- und zu den verwandten Sprachwissenschaften deutlich abzugrenzen, da es den Umfang dieser Arbeit sprengen würde. Ich werde hochgradig selektiv vorgehen und nur jene grundlegend wichtigen Aspekte erwähnen, die rund um die Metapher besonders erhellend, bereichernd oder stützend sind. Ziel ist, Grundlagen für den Einsatz von bildlicher Sprache und deren Wirkung zu beschreiben und die Aufmerksamkeit auf eine allgemeinere Ebene zu heben, indem ich frage, wo tauchen Metaphern in therapeutischen Bezügen auf, wie werden sie in Therapie und Beratung bereits angewendet und was sollten Berater und Therapeuten, die die Arbeit mit Metaphern in ihre Tätigkeit integrieren möchten, wissen? Das ist ein weites Feld. Deshalb werde ich allenfalls an der Oberfläche der Thematik kratzen können. Je mehr ich mich mit der Thematik beschäftige, desto deutlicher wird, wie viele gängige Konzepte und Theorien es zur Metaphorik gibt und wie umfangreich diese sind. Da gibt es zum einen eher kognitive oder neurowissenschaftliche Modelle und zum anderen ganzheitliche, philosophische und anthropologische Erklärungs- und Denkansätze. Ich stimme deshalb Cornelia Schödlbauer (1999, S. 57) voll und ganz zu, die meint: „Der Selbstbedienungsladen von Philosophie, Psychologie, Kunst und Dichtung steht weit offen. Ich plädiere für schamloses Plündern - nachdem man sich gründlich im Sortiment umgesehen hat, denn es könnte sonst sein, dass man am Ende das Beste stehen gelassen hat.“
Im ersten Kapitel werden die Grundaussagen von Konzepten und Metapherntheorien vorgestellt und der Bezug zur Therapie und Beratung vorbereitet. Dabei orientiere ich mich, neben einigen anderen, vor allem an den für mich relevanten Autoren Gordon und Lakoff/Johnson. Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit verschiedenen therapeutischen Ansätzen verbunden mit der Frage, ob Impulse aus der Metaphernarbeit hilfreich für die Reflexion und Entwicklung praktischen Handelns sind und wie diese genutzt werden. Im dritten Teil werden Beispiele metaphorischer Interventionen vorgestellt und deren Parallelen und Unterschiede aufgezeigt.
2. Annäherung an das Phänomen Metapher - Grundaussagen und Theoretische Konzepte
2.1 Schlüsselbegriffe
Eine Reise in unbekannte Gebiete zwischen zwei Meeren (oder zwei Ohren). Die Belohnung für diese Reise liegt in der aufregenden Fülle sich bietender Risiken und der daraus gewonnenen neuen Perspektiven (Gordon, 1986, S. 15).
Die Metapher ist für die meisten Menschen ein Mittel der poetischen Imagination und der rhetorischen Geste - also dem Bereich der außergewöhnlichen und nicht der gewöhnlichen Sprache zuzuordnen. In der Regel wird die Metapher für ein rein sprachliches Phänomen gehalten und ist somit eine Frage der Worte und nicht des Denkens oder Handelns. Dabei durchdringt die Metapher unseren Alltag und ist zentraler Bestandteil unserer Sprachkultur. Sie ermöglicht uns ein bildhaftes begreifen der (Kommunikations-)Welt ohne das wir uns wohl nur schwer zurechtfinden würden (vgl. ebd).
Das Wort stammt ursprünglich aus dem Griechischen »Meta pherein« und bedeutet so viel wie «anderswo hintragen» (vgl. Reichenbach, 2004, S. 24). Bezeichnet wird damit zunächst eine konkrete Handlung, nämlich das Hinübertragen eines Gegenstandes von einem Ort zum anderen. Daraus wurde die Metapher, wenn die Übertragung nicht wörtlich, sondern bildlich genommen wird. „Unter Metapher im eigentlichen Sinne versteht man Bildworte, deren Bedeutung über die wörtliche Enge des Gesagten hinausgeht, also die eigentliche Bedeutung weiter tragen als begriffliche Sprache das zu tun vermag“ (ebd). Oder um es mit den Worten von Mahlmann auszudrücken: „Metaphern und andere Tropen werden dem Überbegriff der sprachlichen Bilder zugeschrieben. Seit der Antike gehören Metaphern zu den Tropen. Ein Tropus bezeichnet eine Kategorie für eine sprachliche Einkleidung, die Bildliches transportiert beziehungsweise erzeugt. Tropisches Reden nimmt einen Begriff aus seinem üblichen Bedeutungskontext heraus und trägt ihn an einen anderen Ort, in einen neuen Zusammenhang. Die ‚eigentliche‘ Bedeutung wandelt sich so zu einer ‚uneigentlichen‘, der metaphorischen Bedeutung, die sich in einem konkreten Ausdruck offenbart“ (Mahlmann, 2010, S. 75). Die Metapher dient also der Veranschaulichung von Geistigem, wobei die beiden durch eine Metapher verbundenen Gegenstandsbereiche nicht identisch sind.
Die Metapher unterscheidet sich vom Gleichnis bzw. Vergleich, weil bei ihr das Bild an die
Stelle der Sache tritt. „Metaphern wurzeln in den körperlichen Erfahrungen und dem menschbezogenen Erleben“ (Scheiblich, 1999, S. 15). Auf diesen Punkt möchte ich an anderer Stelle zurückkommen, nämlich wenn es um Submodalitäten und synästhetisches Empfinden geht.
Die Metapher ist „eine Sprachhandlung oder Sprachfigur, die es ermöglicht, über etwas eine Aussage zu machen, ohne es zu benennen; dazu zählen Anekdoten, Analogien, Geschichten, Wortspiele, Rätsel, Witze, idiomatische Begriffe usw.“ (Hücker 1998, S. 184). Oder anders formuliert: „Das Wort Bild umschreibt einen Bedeutungshof von Zeichen, Gleichnis, Abbild, Gestalt, Sinnbild, Vorbild, Vorzeichen. Das Wort Bild wird im übertragenen Sinn häufig als Oberbegriff für Metapher, Gleichnis, Vergleich verwendet“ (Scheiblich, 1999, S. 12). Damit wird deutlich, wie schwierig oder sogar unmöglich es ist, eine inhaltlich klare Abgrenzung dieser Begriffe zu ziehen (vgl. Koopmann, 1999, S. 23). „Der Begriff 'Metapher' wird so inflationär verwendet“, meint Bacon (2002, S. 30), „daß er sorgsam definiert werden muß.“
Auch Bacon verwendet die Umschreibung »Sprachfigur«. Bacon betont aber noch einen weiteren Aspekt: „Eine Metapher ist auch etwas, das manchmal in Bezug auf eine Anekdote, eine Geschichte oder einen Erfahrungsschatz, der irgendwie eine Situation im wirklichen Leben klären half, verwendet wird. … Diese zweite Bestimmung der Metapher ist verknüpft mit den Begriffen der Parabel und der Allegorie.“ Und er erläutert den Unterschied, indem er erklärt, dass „sowohl Parabel als auch Allegorie … häufig mit einem eher kognitiven Lernstil in Verbindung gebracht“ werden, „bei dem die Zuhörer bewußt Lektionen, die sie auf ihr Leben anwenden können, aus dem Gehörten ziehen“ und hebt hervor „im Gegensatz dazu wird bei der Metapher - zumindest in dem Sinn, in dem sie hier gebraucht wird - die Botschaft der Metapher in der Erfahrung, affektiv und unbewußt aufgenommen, wobei nur ein minimaler, oder zumindest sekundärer Anteil an bewußtseinsmäßiger Einsicht hinzutritt.“ Diese spezifische Eigenschaft der Metapher beschreibt die Wirkungsebene, die nach meiner Ansicht für Beratung und Therapie relevant sind und genutzt werden.
Manchmal wird der Begriff Metapher als Überbegriff verwendet, der auch Geschichten mit einschließt. Man kann beides aber auch differenzieren, meint Regina Mohl, in dem sie sagt: „Der Unterschied zwischen einer Metapher und einer Geschichte besteht darin, dass Geschichten meist umfangreicher sind - sie können mehrere oder viele Metaphern enthalten. Eine Metapher hingegen beinhaltet in der Regel eine, meist stark verdichtete Geschichte. Und Mohl ergänzt, „gerade weil die Metapher so tief in der Sprache verankert
ist und ein zentraler Bestandteil unserer Selbst- und Welt(bild)konstruktion ist, ist sie so wirksam und kann so in Beratungskontexten genützt werden“ (Mohl, 2007, S. 14). Gordon bringt es auf den Punkt, indem er eine Metapher allgemein dadurch bestimmt sieht, „daß sie eine Sache in den Begriffen einer anderen ausdrückt, wobei diese Verknüpfungen ein neues Licht auf die beschriebene Sache wirft“ (Gordon 1986, S. 17) und fährt fort, dass eine Metapher „also eine neuartige Darstellung eines Sachverhaltes ist. Und veranschaulicht dies, indem er zitiert: „Es gibt mehrere Wege, einer Katze das Fell abzuziehen.“ Gordons erklärte Absicht ist die Vermittlung von Fertigkeiten, die es ermöglichen, therapeutische Metaphern zu formulieren und sie wirkungsvoll einzusetzen.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass „Metaphorik“ die Bezeichnung für einen anschauungs- und assoziationsreichen Sprachstil sowie für poetische Bildlichkeit ist. Damit gilt: „Geschichten“ sind „Erzählungen“, sie können bestehen aus Märchen, Fantasiegeschichten, Ereignissen, Erlebnissen, Erinnerungen, Analogien und Metaphern.
2.2 Sprachspiel, Sprachressource und Sprachebene
Zu dem großen Teil metaphorischen Sprechens gehören nach Lakoff/Johnson (vgl. 2004, S. 11-12) Bilder, Metaphern sowie Gleichnisse. Konzepte, die das Denken strukturieren, sind nach ihrer Ansicht nicht auf den intellektuellen Bereich begrenzt, sondern sie lenken auch nicht reflektiertes Alltagshandeln bis in die prosaischsten Einzelheiten. Diese Konzepte strukturieren das, was wahrgenommen wird, wie man sich in der Welt bewegt und wie man sich auf andere Menschen bezieht. Das Konzeptsystem ist kein Gebilde, dessen man sich im Normalfall bewusst ist.
Ich fasse zusammen: Bei den meisten unkomplizierten Handlungen, die wir tagtäglich ausführen, denken und handeln wir nur mehr oder weniger automatisch nach bestimmten Leitlinien. Wie diese aber beschaffen sind, ist keineswegs offenkundig. Eine Möglichkeit, diese Leitlinien herauszuarbeiten besteht darin, dass man die Sprache auf diesen Aspekt hin untersucht. Sprache ist daher eine wichtige Erkenntnisquelle dafür, wie ein System beschaffen ist. „Der größte Teil unseres alltäglich wirksamen Konzeptsystems ist im Kern metaphorisch angelegt“ (Lakoff / Johnson 2004, S. 11-12).
Verschiedene Autoren (Uerlings, 1993; Böhmer, 1993; Boscolo, 1993) zeigen, bezogen auf Therapie, über welchen Reichtum die Sprache verfügt. Uerlings stellt die Bedeutung der dialogischen Sprache für den therapeutischen Prozess heraus. Er fordert einen »poesietherapeutischen« Umgang mit dem Klienten, um die dialogische Kraft der Sprache zu nutzen. Bei Böhmer wird die Bedeutung der Bildhaftigkeit der Sprache in der individuellen Entwicklung betont. Auch sie sieht eine enge Verbindung zwischen Sprache und Tun (Sprach-Werkzeug, Sprach-Akt), wobei auch die befreiende Kraft der Sprachgestaltung dargestellt wird. Boscolo berichtet über den gezielten Einsatz von sogenannten „Schlüsselworten“ in der Familientherapie, in deren Unbestimmtheit und Mehrdeutigkeit eine große Kraft liege.
Dazu meint Neumann (1996, S. 23): „Neue Sprachspiele, die durch … Schlüsselworte ausgelöst werden, fördern neue Emotionen, Handlungsweisen und Beschreibungen. Sie eröffnen Horizonte.“ Die Beispiele unterstützen die hier vertretene These, dass in Beratung und Therapie die Macht der Sprache, ihre Poesie, ihre Kraft, all ihre Ressourcen genutzt werden sollten.
Eine soziale und dialogische Perspektive sieht Ursprung und Entwicklung von Sprache und Sprechen in ihrer Verwendung, in sozialer Interaktion und Kommunikation. Die Äußerungen einer Therapeutin in einer bestimmten Sitzung z.B. stehen in Beziehung zu allen ihren vorherigen Äußerungen, allen ihren zukünftigen Äußerungen und auch zu allen Äußerungen des Klienten zu einem bestimmten Thema - eine Situation, die Bachtin „Intertextualität“ und Wittgenstein ein „Sprachspiel“ nannte (vgl. de Shazer,1998, S. 70). Konkret heißt das: „Ein Wort ist kein Zug in einem Schachspiel, ein Wort ähnelt eher dem Aufstellen einer Figur auf einem Brett. Ein Satz ist dann so etwas wie ein Schachzug, aber der Zug kann nur im Kontext der Schachpartie verstanden werden. Somit hat alleine für sich genommen noch nicht einmal ein Satz eine Bedeutung. Einen Satz zu verstehen, heißt, eine Sprache verstehen bzw. den Kontext, in dem der Satz steht - ein 'Sprachspiel'“ (Wittgenstein zitiert nach de Shazer, 1998, S. 73).
In einem völlig anderen Sinn wird dieser Begriff von Neumann (1996, S. 78) verwendet. Er versteht unter Sprachspiel den Einsatz von Humor und Kreativität in Beratung oder Therapie. Sein Credo ist, dass der Berater aufmerksam und warm, offen und ehrlich mit seinen Klienten umgehen sollte, humorvoll und menschenfreundlich.
2.3 Forschungsfelder: sprachliche Bilder - bildliche Sprache
Wer die sprachliche Erscheinung, die man Metapher zu nennen pflegt, einmal anfängt zu beobachten, dem erscheint die menschliche Rede bald ebenso aufgebaut aus Metaphern wie der Schwarzwald aus Bäumen (Bühler, zit. nach Schmitt, 1995, S. 72).
Mit Worten Bilder oder Bildhaftes zu erzeugen wird sprachwissenschaftlich der bildlichen Sprache oder den sprachlichen Bildern zugeordnet. Das visuelle Moment wird hervorgehoben. Seit der Antike gilt: Bildsprache veranschaulicht die metaphorische Ausdrucksweise im Sinn des «vor Augen führen» oder »zur Anschauung bringen«. Der Terminus «Bild» beleuchtet die kognitiven Fähigkeiten, imaginieren, etwas vorstellen oder etwas zur Anschauung bringen zu können. Es unterstreicht den visuellen Sinn und die visuelle Wahrnehmung. Gleichzeitig besteht in der Fachliteratur Einigkeit darüber, dass auch die anderen Sinne beim Imaginieren eine Rolle spielen und in beraterischen Interventionen ein besonderes Gewicht erhalten und außerordentliche Wirkmacht entfalten können. Noch bevor Neurowissenschaftler diese Erkenntnis von der Interaktion verschiedener Sinne zu einer Wahrnehmung und Imagination sowie ihrer Auswirkungen auf das Befinden bis hin zum Handeln bekannt gemacht haben, „ermuntert das Konzept die Anwender dazu, mit Imaginationen so zu arbeiten, dass das Vorgestellte lebendig wirderzeugt mit allen Sinnen und erfassbar“ (Mahlmann, 2010, S. 77).
Die Sprache der Metaphern richtet sich gegen die totale Erklärbarkeit der Welt und ihre Macht besteht in der Macht ihrer Bilder. Das, was in der Welt anderswo rationalisiert wird, ist von der Metapher visualisiert: so können Bilder ganze Argumentationsketten ersetzen. Oft drückt sich etwas Ursprüngliches visuell aus, Gefühle, Stimmungen, Eindrücken, namen- und wortlose Erlebnisse werden in ein Bild übertragen, wie Koopmann (1999, S. 21) meint: „ ... diese Macht der Bilder, die eigentlich Gleichnisse sind, erreicht den Menschen nicht auf dem Weg über den Verstand.“ Metaphern können definiert werden als Ersatzbeschreibungen oder Umschreibungen in Form eines bildhaften Ausdrucks, etwa als Verdinglichung von Verhalten z.B. «wie ein Fels in der Brandung», Personifikation von Dingen z.B. »stählerne Arme« für «Kran», Ähnlichkeitsbezeichnungen z.B. »das Gold ihrer Haare« und einer Umschreibung aus dem Bereich der Sinnesempfindung (Synästhesie) z.B. «stinksauer».
Übersetzt werden können Metaphern eigentlich nicht. „Was der Dichter in seinen unaufhörlichen Gleichnissen sagt, läßt sich niemals auf irgendeine andere Weise (ohne Gleichnisse) sagen: nur das Leben vermag das gleiche auszudrücken, aber in seinem Stoff,
wortlos“ (ebd., S. 20). Und an anderer Stelle: „Die Welt des Metaphorischen ist nicht übersetzbar, es ist die Unmittelbarkeit und Intensität einer irrationalen Kraft, die dann wenn sie sich in einem Bild äußert, metaphorischen Ausdruck gewinnt. Metaphern konstituieren, kurz gesagt, eine Seelensprache, sie sind autochthon, sind nicht in den Dienst irgendeiner Sache oder eines Zweckes zu stellen. Die metaphorische Sprache ... kann etwas verdeutlichen, was sich dem Verstande und dem alltäglichen Sprechen von vornherein und grundsätzlich entzieht. … Die Sprache der Metaphern ist Gegenwehr gegen die Alltäglichkeit, sie ist Versuch einer Sinngebung jenseits des allgemeinen Konsens ...“ (ebd., S. 22). Vielleicht sind Metaphern heute mehr denn je Hilfsmittel einer Weltdeutung, die jenseits des naturwissenschaftlichen Zugriffs liegen. „Metaphern klären dort auf, wo die normale Vernunft längst versagt hat“ (ebd., S. 31). Geschichten, Anekdoten und Redewendungen besitzen ein gemeinsames grundlegendes Merkmal: die Fähigkeit, eine Botschaft zu übermitteln oder etwas über ein bestimmtes Problem zu erfahren. In diesen Erzählungen steht immer irgendjemand irgendeiner Schwierigkeit gegenüber, die er auf irgendeine Art bewältigt oder an ihr scheitert. Die Art und Weise, wie der Held das Problem löst, kann einem Menschen in einer ähnlichen Lage eine Lösung zeigen. Wenn der Konflikt in der Geschichte dem des Zuhörers ähnlich ist, gewinnt sie sofort an Bedeutung für ihn (vgl. Gordon, 1986, S. 16). Metaphern sind das wichtigste Sprachinstrument, um innere Erfahrungen so reproduzieren zu können, dass sie mitteilbar werden. „Metaphern sind Fluchtwege aus der Wirklichkeit, und mögen sie auch dunkel sein, sie haben vielleicht immer noch etwas von ihrem aufklärerischen Gehalt, in der Weise, daß sie auf irrationale Weise verständlich machen“ (Koopmann 1999, S. 39).
Bei Mahlmann (2010, S. 77) zählen hingegen Geschichten oder Erzählungen ausdrücklich nicht zu den Sprachbildern und Metaphern. Dieser Auffassung kann ich mich nicht anschließen und halte mich an die Argumentation Gordons. Übereinstimmung dagegen besteht darin, dass sprachliche Bilder veranschaulichen und nicht auf Denken und Sprache beschränkt sind. „Tropen, vor allem die Metapher“ - so die Auffassung - „entstehen vielmehr aus oder in der Interaktion von Sprache und Denken“ (ebd.). Damit es dazu kommen kann, bedarf es weiterer Faktoren. Zu ihnen werden Körperwahrnehmungen, materielle, soziale und kulturelle Umwelten sowie der Austausch zwischen diesen Dimensionen gezählt. Weitläufig wird die Metapher als Synonym für bildliche Sprache verwendet.
2.4 Metaphernfreundliche und metaphernkritische Traditionen
Zum besseren Verständnis gebe ich einen kurzen Abriss über die geschichtliche Entwicklung der Metapher. Allen voran sah Aristoteles in der Dichtung und den poetischen Sprachmitteln einen positiven Wert:
Es ist wichtig, daß man alle die genannten Arten [das sind nach Aristoteles übliche Wörter und fremdartige Ausdrücke wie Glosse, Metapher sowie Erweiterungen, Verkürzungen und Abwandlungen der Wörter - Anm. d. Übers.] passend verwendet … es ist aber bei weitem das Wichtigste, daß man Metaphern zu finden weiß. Denn dies ist das Einzige, das man nicht von einem anderen erlernen kann, und ein Zeichen von Begabung. … Auf leichte Weise nämlich zu Wissen zu gelangen, ist für alle von Natur aus angenehm; es sind aber die Worte, die etwas bezeichnen. Folglich sind die Worte, die uns Wissen verschaffen am angenehmsten. Die fremdartigen Worte nun sind uns unbekannt, während wir die gängigen kennen. Die Metapher aber versetzt uns am ehesten in diesen Zustand [der angenehmen Empfindungen] … (Aristoteles zitiert nach Lakoff/Johnson, 2004. S. 217).
Die klassische Position, das Lob auf die Fähigkeit der Metapher, Erkenntnisse zu fördern, wurde nie in das moderne philosophische Denken integriert (vgl. ebd., S. 217-218).
Dem gegenüber steht eine metaphernkritische Tradition, die zeitgleich mit dem Aufkommen der empirischen Wissenschaft als Wahrheitsmodell in den Vordergrund trat. Der Argwohn gegenüber Dichtung und Rhetorik wurde im abendländischen Denken genährt, wobei die Metapher und andere bildhafte Sprachmittel Objekt des Spotts wurden. Thomas Hobbes beispielsweise hielt die Metapher für absurd und irreführend emotional: „Die Vernunft ist der Schrittmacher, die Wissenschaft der Weg und das Ziel ist das Wohl der Menschheit.“ Metaphern dagegen sind unsinnige oder zweideutige Wörter und gleichen den „ignes fatui“ (den Irrlichtern). „Wenn man sich von ihnen leiten läßt, wandelt man zwischen latentem Unsinn und endet im Streit, Aufruhr und Ungehorsam‘ “ (Hobbes zitiert nach Lakoff/Johnson, 2004, S. 218).
Für Hobbes hatte die Metapher etwas Absurdes; schließlich „… gelangt man zu unsinnigen Schlüssen, wenn man anstelle der eigentlichen Ausdrücke Metaphern oder bildliche Ausdrücke gebraucht.“ John Locke setzte die Tradition des Empirismus fort. „Die in der Tradition des Empirismus vorherrschende Angst vor der Metapher und der Rhetorik ist eine Angst vor Subjektivismus: eine Angst vor Emotionen und Imagination“ (Locke zitiert nach Lakoff/Johnson, 2004, S. 219). Das Mißtrauen der Empiristen und ihre Angst vor der Metapher hat Samuel Parker 1666 in seinem Werk Free and Impartial Censure oft the Platonick Philosophy schön resümiert:
Arbeit zitieren:
Monika Vahle, 2010, Das Spiel mit Metaphern in Beratung und Therapie, München, GRIN Verlag GmbH
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