Einleitung
Bisher haben sich sehr viele Menschen mit den Fragen ,, Was ist eigentlich der Mensch?“, ,,Wie ist die Essenz des Menschen im Naturzustand?“, oder ,, Ist der Mensch von Natur aus böse oder gut?“ Wenn nein, welches sind die Faktoren, die den Menschen so schlecht machen? Ist das die Gesellschaft, die Umgebung oder ist dies eine natürliche Veranlagung des Menschen schlecht zu sein? Philosophen wie Diderot haben ihren Schwerpunkt auf die Natur gelegt und haben Wege angegeben, die unumgänglich sind für die Naturforschung. Rousseau hingegen legt seinen Fokus auf den Menschen und beschreibt dies mit folgenden Worten ,, Die nützlichste und die am wenigsten fortgeschrittene von allen menschlichen Kenntnissen scheint mir die Kenntnis des Menschen zu sein.“ 1 Wie auch leicht aus dem Zitat zu entnehmen ist, legt Rousseau seinen Schwerpunkt auf das menschliche Wesen, weil es nach seiner Ansicht die wichtigste Wissenschaft ist, die ,,Menschenkunde“. Man kann sich in dieser Hinsicht die Frage stellen, warum der Mensch eine so hervorragende Rolle spielt im Leben? Man kann diese Erkenntnis aus der religiösen Perspektive, die ja sehr eng mit der philosophischen Perspektive verbunden ist, sehr leicht verdeutlichen. Der Mensch spielt deshalb eine besondere Rolle, weil er den Kern des Universums wiederspiegelt. All die Komponenten, die in dieser Welt existieren, sind für den Menschen gedacht und sie sind nur existent, damit die Menschen sie zum eigenen Vorteil utilisieren beziehungsweise nutzen können. Wie auch im Zitat erwähnt wird, ist die Kunde über den Menschen, die am wenigsten fortgeschrittener Wissenszweig in all den Wissenschaften. Demnach kann man die Ungleichheiten, die im sozialen Leben existieren nicht beheben, wenn man nicht genug Wissen über das menschliche Wesen errungen hat. 2
In dieser wird zunächst einmal kurz auf die Biographie Rousseau`s eingegangen und anschließend werden die Thesen wiedergegeben, die Rousseau in seinem Werk aufstellt.
1 Rousseau; Diskurs über den Ursprung der Ungleichheit, Seite 43
2 Rousseau; Diskurs über den Ursprung der Ungleichheit, Seite 43
Natur des Menschen
Wie auch in der Einleitung erwähnt wurde, ist es von sehr großer Wichtigkeit, sich Kenntnisse über die Natur des Menschen zu machen. Solange die Natur des Menschen nicht definierbar ist, kann man die Quelle der Ungleichheit unter den Menschen nicht fassen beziehungsweise nicht beheben. Um die gesellschaftlichen Probleme lösen zu können, ist das Streben nach dem Wissen über den Menschen unumgänglich. 3 Das heißt jedoch nicht, dass der Mensch von Natur aus böse ist, ganz im Gegenteil. Rousseau erwähnt daher den Begriff ,,Statue des Glaukos“, womit er auf Platon verweist. Demnach gleicht nach Rousseau die menschliche Seele dem Seegott Glaukos, der rein und erhaben ist von Übel und Schlechtem.
Die menschliche Seele ist laut dieser Ansicht die wahre Natur. 4 Von der Essenz her ist der Mensch rein, jedoch wird die wahre Natur durch die Verunstaltung der Gemeinschaft beschädigt. Rousseau bringt zum Ausdruck, dass es sehr schwer ist, die wahre Natur zu bestimmen, denn dies macht das Problem aus. 5 Rousseau drückt diese Tatsache mit folgenden Worten aus ,, Weit davon entfernt, die Lösung dieses Problems zu unternehmen, glaube ich, genügend über den Gegenstand nachgedacht zu haben, um im voraus die Antwort zu wagen, dass weder die größten Philosophen zu gut sein werden, um diese Experimente zu leiten, noch die mächtigsten Souveräne, um sie durchzuführen.“ 6
Wenn man den Menschen in seiner wahren Natur kennen würde, würde sehr leicht zu erkennen sein, was ursprünglich (von der Natur) und was künstlich (erworben durch die Gesellschaft oder Umgebung) ist. 7 Daher stellt sich die Frage, welche Experimente beziehungsweise Methoden notwendig sind, um zur Erkenntnis des natürlichen Menschen zu gelangen?
3 Rousseau; Diskurs über den Ursprung der Ungleichheit; Seite 43
4 Rousseau; Diskurs über den Ursprung der Ungleichheit; Seite 43
5 Rousseau; Diskurs über den Ursprung der Ungleichheit; Seite 47
6 Rousseau; Diskurs über den Ursprung der Ungleichheit; Seite49
7 Rousseau; Diskurs über den Ursprung der Ungleichheit; Seite 47
Es wurde bereits angedeutet, dass durch die Kenntnis der menschlichen Natur soziale Probleme gelöst werden können, was jedoch nicht erwähnt wurde, ist, was die Folge der Unkenntnis der menschlichen Natur wäre? Die Unkenntnis der Natur des Menschen ist die Ursache für die Unsicherheit und Dunkelheit und verhindert dadurch gleichzeitig die wahre Definition des Naturrechts. 8 Rousseau beschreibt jedoch die Problematik hinsichtlich der Gründung des Naturrechts mit folgenden Worten ,, Es ist sehr schwer, das natürliche Gesetz zu bestimmen, weil man die Natur so wenig kennt und man sich über den Sinn des Wortes Gesetz so wenig einig ist.“ 9
Das Ziel besteht zwar darin, das Naturrecht zu bestimmen, jedoch ist nicht zu übersehen, dass Rousseau äußerst pessimistisch an diese Thematik geht. Zum Einen behauptet er, dass, ,, ... solange wir den natürlichen Menschen nicht kennen, werden wir vergeblich danach streben, das Gesetz zu bestimmen, das er erhalten hat, oder jenes, das seiner Verfassung am besten entspricht.“ 10 und zum Anderen behauptet er, dass weder Philosophen noch Souveräne die Natur des Menschen bestimmen können.
Desweiteren gibt Rousseau wieder, dass die Seele des Menschen aus zwei Komponenten besteht und fügt hinzu, dass, wenn diese Prinzipien in dem Menschen existieren und aktiv sind, man nicht gezwungen ist, eine Soziabilität 11 einzuführen. 12 Diese Prinzipien sind zum Einen ,,das Denken an seinen eigenen Wohlbefinden und seiner Selbsterhaltung“ und zum Anderen ,, Liebe und Barmherzigkeit den Menschen entgegenzubringen“. Wenn diese Prinzipien praktiziert werden seitens der Menschen, so wird keiner keinem etwas zu Leide tun. 13
8 Rousseau; Diskurs über den Ursprung der Ungleichheit; Seite 49
9 Rousseau; Diskurs über den Ursprung der Ungleichheit; Seite 55
10 Rousseau; Diskurs über den Ursprung der Ungleichheit; Seite 55
11 Soziabilität das grundlegende Gesetz des Naturrechts
12 Rousseau; Diskurs über den Ursprung der Ungleichheit; Seite 57
13 Rousseau; Diskurs über den Ursprung der Ungleichheit; Seite 57
Arbeit zitieren:
Student Fatih Kilic, 2011, Diskurs über den Ursprung der Ungleichheit, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Analyse des Basistextes: "Jean-Jacques Rousseau: "Diskurs üb...
Politik - Politische Systeme - Historisches
Seminararbeit, 12 Seiten
Menschenbild und Gesellschaftsentwurf bei Jean-Jaques Rousseau
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 20 Seiten
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...): neuer Titel erschienen: Diskurs über den Ursprung der Ungleichheit
Fatih Kilic hat einen neuen Text hochgeladen
Natur, Mensch, Technik 2. Arbeitsheft
Lehrbuch für den Lernbereich N...
Gerd-Dietrich Schmidt, Bernd Raum
Natur, Mensch, Technik 3. Arbeitsheft
Lehrbuch für den Lernbereich N...
Gerd-Dietrich Schmidt, Bernd Raum
Natur, Mensch, Technik 4. Arbeitsheft
Lehrbuch für den Lernbereich N...
Gerd-Dietrich Schmidt, Bernd Raum
0 Kommentare