Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
2. Hauptteil 5
2.1. Damalige Berichterstattung 5
2.2. Wie die Medien heute über Tschernobyl berichten. 14
2.2.1. Ist Tschernobyl nicht mehr aktuell? 14
2.2.2. Wer war Schuld? 15
2.2.3. Die Einstellung des ukrainischen Volkes zur Katastrophe. 17
2.2.4. Die Symbolwandlung 18
2.2.5. Die Folgen der Katastrophe 21
3. Fazit
War die Katastrophe von Tschernobyl „medial erfolgreich“? 25
Anhang :
Bibliographie. 32
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1. Einleitung
„Womit assoziiert man die Ukraine?“ - als Antwort auf diese Frage bekommt man in Deutschland meistens „Tschewchenko, Klitschko und Tschernobyl“ zu hören. Bei den ersten beiden ist alles klar - Sport. Was weißt man aber über Tschernobyl? Die meisten Menschen wissen, dass vor zwanzig Jahren eine große Katastrophe in der Ukraine stattgefunden hat und dass sie anscheinend schlimme Folgen für die Menschen hatte. Aber nur sehr wenige, auch in der Ukraine, wissen, was damals wirklich passiert ist. Nur wenige machen sich darüber Gedanken, wie das ukrainische Volk mit der Katastrophe zu Recht gekommen ist, was für Auswirkungen dieser GAU hatte und wie man heute mit den Folgen lebt. Ehrlich gesagt, habe ich mir auch nie großartig darüber Gedanken gemacht, obwohl die Ukraine mein Heimatland ist. Zum Zeitpunkt des GAUs war ich vier Jahre alt und befand mich in meiner Heimatstadt Riwne, ca. 300 km von Tschernobyl entfernt. Ich erinnere mich an fast gar nichts, nur dass ich den ganzen Sommer zu Hause verbrachte und es mir streng verboten war, länger als eine Stunde draußen zu spielen. Außerdem musste ich ständig Tabletten schlucken. Erst jetzt weiß ich, dass sie für die Schilddrüse waren.
Seit 2002 studiere ich in Deutschland an der Universität-Essen-Duisburg Kommunikationswissenschaft. Das Seminar „Sinn von Katastrophen“ im Sommersemester 2005, das ich besucht habe, gab mir Anlass über die Katastrophe nachzudenken. Die Zeit vom 29.05.05 bis zum 12.06.05 habe ich in der Ukraine verbracht. Ich hatte damit eine Möglichkeit, mich vor Ort mit dem Thema zu beschäftigen. Ich habe versucht in verschiedenen Bibliotheken meiner Stadt zu recherchieren, worüber die Medien in der Zeit des GAUs berichteten, was sie heutzutage darüber schreiben, was für Wirkungen das auf die Menschen hatte und was die Bevölkerung der Ukraine fast 20 Jahre nach Tschernobyl
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darüber denkt. Das Ziel meiner Arbeit ist es festzustellen, ob die Katastrophe in der Ukraine einen „medialen Erfolg“ hatte. Das erste Problem bei meinen Recherchen, war das komplett fehlende Pressematerial aus den 90er Jahre. In keiner Bibliothek waren Zeitungen oder Zeitschriften, die aus der Zeit von 1986 bis 1995 stammten, vorhanden. Die übliche Erklärung dafür war, die Zeitungen aus dieser Zeit seien nicht mehr aktuell und würden nur zu viel Platz wegnehmen. An dieser Stelle muss ich anmerken, dass es sich bei meiner Heimatstadt Riwne um eine kleine Stadt mit ca. 300 000 Einwohner handelt. Eventuell existiert in Kiew ein Archiv. Ich hatte aber genug Material aus den Jahren 1995 - 2005 zur Verfügung, auf die ich mich gestützt habe.
Diese Arbeit besteht im Hauptteil aus zwei Kapiteln. Im ersten von beiden geht es um die ersten Tage nach dem GAU, im darauf folgendem darum, was in den letzten Jahren über Tschernobyl und dessen Auswirkungen in den ukrainischen Zeitungen berichtet wurde. Im Schlussteil wird ein Fazit gezogen, ob die Katastrophe vom Tschernobyl „medial erfolgreich“ war und warum.
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2. Hauptteil
2.1. Damalige Berichterstattung
„Der 27. April 1986 war ein Sonntag. Viele Menschen verbrachten ihren freien Tag außerhalb Kiews, im Grünen. Überall herrschte Ruhe. Aber schon am Nachmittag war es schwer nach Hause zurück zu kommen. Die Buße fuhren nur alle 2 bis 3 Stunden. Aus Kiew, Richtung Norden fuhren hunderte Buße und militärische Fahrzeuge. Es gab aber keine offiziellen Meldungen. Am nächsten Tag wurde es noch schwerer die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen. Und die Gerüchte, dass etwas Schreckliches passiert war, wuchsen ebenfalls. Die Presse reagierte aber nicht, genau so wenig reagierten die Politiker. Am 1. Mai gingen die Menschen wie gewohnt zu der Parade anlässlich des Tags der
Arbeit.
Abb. 1: Parade am 1. Mai 1986 (Schapowal 2004, s. 7)
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Das einzige was auffiel, war der genervte und unruhige Ministerpräsident der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik auf der Tribune, der ständig auf die Uhr schaute.
Tage vergingen, niemand wusste genau, was passiert war. Die wenigen, die etwas erfuhren, unternahmen etwas, um die eigenen Familien zu retten. Erst am 14. Mai, als schon viele Kinder radioaktiv verstrahlt und das ganze Land beunruhigt war, erschien der Generalsekretär der KPdSU, M. S. Gorbatschow auf den Fernsehschirmen und behauptete, dass es überhaupt keinen Grund zur Beunruhigung gäbe. Heute fragt man sich was es war - eine Fehleinschätzung der Situation oder eine bewusste Verheimlichung der Tatsachen?“ (Gladun 1996, S. 182 -194; übersetzt durch die Verfasserin). „(…)Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir über die Katastrophe erfahren haben. Die Politiker haben es gewusst, haben aber geschwiegen. Dass etwas passiert ist, haben wir von einem Radiosender erfahren, der bei unserer Regierung sehr ungeliebt war. Den Zugang zu diesem Amerikanischen Radiosender „Swoboda“ („Freiheit“) hatte in der Sowjetunion nicht jeder. Aber wie allgemein bekannt ist, verbreiten sich Gerüchte in unserem Volk unglaublich schnell. Die ersten Ratschläge, wie man sich bei der radioaktiven Strahlung verhalten soll, kamen auch von diesem Sender (…). Weil die Massenmedien so spät über die Katastrophe berichteten, wuchsen unter der Bevölkerung Gerüchte und Phantasien. Es wurde behauptet, dass in der Nacht zum 27.04., 30 bis 3.000 Menschen gestorben waren. Man redete darüber, dass alles Leben um Tschernobyl herum einfach ausgestorben sei. Menschen versteckten sich zu Hause und die meiste Panik löste der Regen aus (…).
Es war wie in einem Horrorfilm! Die Bevölkerung der Stadt Pripjat, der Stadt Tschernobyl und der Umgebung wurde unverzüglich evakuiert. Die Menschen wussten nicht für wie lange sie ihre Häuser verlassen müssen, einige
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weigerten sich und sind in dem Sperrgebiet geblieben. Die Regierung war auf so eine Situation überhaupt nicht vorbereitet. Man wusste nicht, wohin mit den kleinen Kindern, ob sie die Schule in Kiew weiter besuchen sollten, ob sie psychologische Hilfe brauchten. Es fehlte einfach an Informationen und die Regierung schwieg!“ (Schapowal 2004, S. 7; übersetzt durch die Verfasserin). „Die erste offizielle Mitteilung der Regierung über die Katastrophe erschien in den wichtigsten Zeitungen des Landes „Iswestija“ und „Prawda“ am 30 April, also erst 5 Tagen nach der Tragödie. Das Schweigen musste die Regierung aufgeben nachdem es aus verschiedenen Ländern der Welt - Schweiz, Polen, Deutschland, Japan, Australien, USA, Italien und vielen anderen - offizielle Anfragen über die erhöhte Radioaktivität der Luft, die aus der Sowjetunion kam, gab. Beim einem Gespräch mit dem amerikanischen Unternehmer und Politiker A. Hammer, versuchte sich M. S. Gorbatschow zu rechtfertigen, wieso eine Informierung der Bevölkerung nicht rechtzeitig stattgefunden hat: „Die lokale Regierung hat mir Informationen vorenthaltet und wird dafür bestraft. Sobald ich alle Fakten erhalten hatte, habe ich über alles informiert (...). Der Direktor, der Hauptingenieur, der stellvertretende Ingenieur, der Verantwortliche für den Reaktor und der Schichtleiter vom 26.04 wurden in den nächsten Monaten verhaftet und zur 2 bis 10 Jahren Gefängnis verurteilt. Den Grund, wieso die Bevölkerung in den ersten Tagen nicht informiert und nicht evakuiert wurde hat das Gericht nicht erforschen können, also wurden auch die Schuldigen nicht gefunden (...).
Um die Katastrophe zu verschleiern, wurde auf dem gesamten verseuchten Territorium weiter Landwirtschaft betrieben, es wurden Schulen, Geschäfte und andere soziale Einrichtungen gebaut. Später wurden die Menschen von hier umgesiedelt, aber bis dahin wurden die landwirtschaftlichen
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Produkte (besonders die belastete Milch und das belastete Fleisch), in der ganzen ehemaligen Sowjetunion verkauft (…).
Besonders geachtet wurde darauf, dass jede Art von Informationen, die die Ursachen und den Charakter der Katastrophe, die Aufräumarbeiten und die Folgen der radioaktiven Strahlung für Mensch und Umwelt angingen, geheim blieben. Es fanden neue, zusätzliche Formen der Pressezensur und -kontrolle statt. So wurden z.B. Medizinpublikationen streng kontrolliert“ (Wowchenko 2001, S. 6; übersetzt durch die Verfasserin).
Abb. 2: Das Jahr 1986. Der zerstörte RBMK-Reaktor (Wowchenko 2001, S. 6)
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Interview mit dem ehemaligen Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates der USSR (Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik) K. Masyk:
Abb. 3: K. Masyk
„…Ich bin 62 Jahre alt und ich hatte zwei Leben, eins vor Tschernobyl und eins danach. Und ich bin nicht der einzige. Tschernobyl hat das Leben von mehr als 680.000 Menschen verändert.
Am Samstag, den 26. April 1986 war ich in Donezk auf einer Konferenz. Dort hat mich der Vorsitzende des Ministerrates der USSR, Oleksandr Ljaschko angerufen. Ohne irgendeine Erklärung habe ich einen Befehl bekommen: 100.000 Menschen aus Pripjat und Tschernobyl dringend zu evakuieren. Ich habe sofort den Verkehrsminister und den Leiter der Süd-West Bahn angerufen. Es war ein Samstag und deswegen überhaupt nicht leicht die nötigen Verkehrsmittel sofort zu organisieren. Am nächsten Tag, am Sonntag, hatte ich
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Arbeit zitieren:
Olesya Franiel, 2006, Die Katastrophe von Tschernobyl , München, GRIN Verlag GmbH
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