Inhaltsverzeichnis:
1.0 Das Himmelsmandat: Koppelung zwischen Politik und Religion 2
2.0 Philosophische Begründung des Neo-Konfuzianismus 3
3.0 Interpretation von Katastrophen: Untergang einer Dynastie. 4
4.0 Zusammenfassung 6
Literaturverzeichnis : 7
1.0 Das Himmelsmandat: Koppelung zwischen Politik und
Religion
Die Entstehung des Himmel-Mandates ist nicht leicht zu datieren aufgrund
des Mangels an geschichtlichen Quellen. Man geht heutzutage davon aus,
dass das Konzept schon während der Shāng-Dynastie bekannt war, jedoch
seine Verwendung erst in dem Versuch der Legitimation des Aufstandes des
Zh ōu-Herzogs fand.
Die Lehre Konfuzius’, die zwischen dem 6. und 4. Jh. v.u.Z. entstand, war es,
die das Himmelsmandat in ein System integrierte. Mit Bezug auf das Buch
der Wandlungen (Yijing, ) und auf die Doktrin der Mitte (Zhongyong,
), die zur unbedingten Pflichtlektüre der Studierenden gehörten, war für den
Konfuzianismus klar, dass die „menschliche Natur im untrennbaren
Zusammenhang mit dem Himmel bzw. mit dem Mandat des Himmels“ 1
st ünde.
Der Herrscher galt als Vertreter der kosmischen Ordnung. Er besaß nur ein
vom Himmel erteiltes Mandat (chin.: Tiānmìng, ,) und damit die Aufgabe,
die Welt so zu ordnen, dass sie „im Einklang mit der natürlichen Ordnung
ist“ 2
1
Chun -Chieh Huang und Stephan Schmidt, Konfuzianismus: Kontinuität und Entwicklung: Studien
zur chinesischen Geistesgeschichte, S. 163.
2
Franz -Reiner Erkens, Die Sakralität von Herrschaft, Herschafftslegtimierung im Wechsel der
Zeiten und Räume, 249
Das, was für die moderne Welt die Naturgesetze sind, also Etwas, das außerhalb der menschlichen Verfügungsgewalt liegt, hatte in China nicht nur Auswirkungen auf die „physikalisch beschreibbare Welt, sondern auch [auf] die soziale Welt“ 3 .
Dies hieß, dass der Kaiser, als Sohn des Himmels, die Verantwortung hatte, das Reich so zu führen, dass die Harmonie gewährleistet wurde. Genauso hieß das: „Falls der Mensch dem Willen des Himmels nicht folgt, dann warnt der Himmel den Menschen durch eine natürliche Katastrophe“ 4 . In diesen Ansätzen wird schon deutlich, dass jegliche Form von Unruhen im chinesischen Reich von nun an dafür genutzt werden konnten, das Verhalten des Herrschers in Frage zu stellen. Astronomische Erscheinungen wie Meteoriten oder eine Sonnenfinsternis, aber auch Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Erdbeben oder eine langjährige Dürreperiode waren nun Inhalt eines Diskurses im Volk und unter Beamten und Regimegegnern. Vom Wohlwollen des Volkes hing es ab, ob die Interpretationsansätze Anklang fanden oder ob der Herrscher unberührt weiter regieren konnte. Eine Besonderheit stellte jedoch die von Menzius betonte Verantwortung der Untergegebenen dar, gegen einen machtmissbrauchenden Herrscher zu rebellieren. Dies ist im folgenden Zitat beschrieben: „Wenn der Herrscher nicht mehr tugendhaft ist, die fehlende Antwort der Götter beim Ritual sich beispielsweise durch das Eintreten von Naturkatastrophen oder das Ausbleiben von Ernten äußert, [...] hat [er] das Himmelsmandat bereits verloren und darf gestürzt werden.“ 5 Im Besonderen hieß dies, wenn eine Rebellion erfolgreich war, bedeutete dies zugleich, dass der Herrscher sein vom Himmel verliehenes Mandat verloren hatte und es an der Zeit gewesen ist, dieses an einen anderen Herrscher weiterzugeben (egal, wie zufrieden das Volk mit der Herrschaft gewesen war).
3 Ebenda, S. 249.
4 Hee-man Lee, Veränderte Bildungsanforderungen im Zusammenhang technologischer und
ökologischer Umwälzungen in Südkorea, S. 134.
2.0 Philosophische Begründung des Neo-Konfuzianismus
Die Neo-Konfuzianer (hauptsächlich zwischen dem 10 und 12 Jh. n. Chr.) sehen den Himmel und den Kosmos als identisch an. Dieser Kosmos spiegelt die Ordnung der Welt wider und besitzt damit moralische Normativität. Der Mensch ist Teil dieses Kosmos. Er muss sein Leben nur so einrichten, dass er nach der Natur (im Einklang mit ihr) leben kann. Der Grund für das Gutsein des Menschen liegt in seiner (in der) Natur, denn er ist von Grund auf gut.
Der Himmel bezeichnet nicht mehr wie im Daoismus das „Wesen des Universums“ 6 , sondern besitzt nun, als Urheber für die von Geburt an dem Menschen gegebenen Eigenschaften (z.B. Mitleid), eine nachzueifernde moralische Qualität (die Ordnung).
Der Himmel galt „als der Ursprung und der Vertreter der kosmischen Ordnung“ 7 . Sich tugendhaft zu verhalten, hieß genauso viel wie sich seiner Natur nach zu verhalten, sich so zu verhalten, wie der Himmel es vorgibt. Die Menschen hatten nun eine Richtschnur, nach der sie leben mussten. Der Mensch lebt richtig und gut, wenn er nach der Natur lebt. Erst dadurch wird das Konzept des Himmels-Mandates begründet. Ein abstraktes Wesen ist in der Beliebigkeit seiner Entscheidungen (z.B. Mandatserteilungen) gefangen, da es keinen Gedanken verkörpern kann ohne seine Abstraktheit zu verlieren. Erst wenn man diesem Wesen ein Aussehen oder eine Richtung gibt, kann man es für die Politik, als Ideologie oder als Legitimation benutzen.
5 Almut Mayer, Yômeigaku im Japan der frühen Meiji-Zeit: Yamada Hôkoku (1805-1877), S. 110.
6 Ning Huang, Wie Chinesen denken: Denkphilosophie, Welt- und Menschenbilder in China, S. 48.
7 Chih-Chieh Tang, Ein anderer Weg zur funktionalen Differenzierung, S. 74.
Arbeit zitieren:
2006, Das Himmelsmandat im Hinblick auf eine Interpretation von Naturkatastrophen, München, GRIN Verlag GmbH
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