Eugen Otto
Diplomarbeit - III
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis VII VII
Abkürzungsverzeichnis VIII
1 Einleitung 1
2 Financial Supply Chain 3
2.1 Der Begriff Financial Supply Chain 3
2.2 Phasen der Financial Supply Chain 4
2.2.1 Kontaktaufnahme (Qualify) 4
2.2.2 Finanzierung (Finance) 5
2.2.3 Preisfindung (Price) 8
2.2.4 Risikoabsicherung (Assure) 9
2.2.5 Rechnungsstellung (Invoice) 10
2.2.6 Reklamation (Dispute) 11
2.2.7 Zahlung (Pay) 13
2.2.8 Prüfung (Review) 13
2.2.9 Analyse (Analyze) 14
2.3 Interdependenzen der einzelnen Phasen 15
3 Erfolgsmaße der Financial Supply Chain 16
3.1 Kapitalumschlag 23
3.2 Umsatzrentabilität 24
3.3 Qualität 26
3.4 Zusammenfassung 27
4 Methoden der Modellierung von Geschäftsprozessen 29
4.1 Ereignisgesteuerte Prozessketten 34
4.2 System Dynamics 38
4.3 Kriterien des Vergleichs 47
4.4 Vergleich 48
5 Simulationsstudie 53
5.1 Ziele 53
5.2 EPK-Modellierung 53
5.3 Modellierung mit Hilfe von System Dynamics 58
5.4 Ergebnisse 66
Eugen Otto
Diplomarbeit - IV
6 Fazit 69
7 Anhang 71
7.1 Modellierung der Veränderungsraten einzelner Phasen FSC für den Volkswagen
Konzern 71
7.2 Wirkung einzelner Phasen der FSC auf ROI beim „Volkswagen“ Konzern 73
Literaturverzeichnis 77
Eugen Otto
Diplomarbeit -
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 : Financial Supply Chain
Abbildung 2 : Operating Cash Cycle
Abbildung 3 : Bedeutung von ROI bei Technologieinvestments
Abbildung 4 : Return on Invest
Abbildung 5 : Phasen prozessorientierter Gestaltung
Abbildung 6 : Grafik einer Funktion in der EPK
Abbildung 7 : Grafik eines Ereignisses in der EPK
Abbildung 8 : Feedback System
Abbildung 9 : Verstärkender Rückkopplungsprozess
Abbildung 10 : Stabilisierender Rückkopplungskreis mit eingebauter Verzögerung
Abbildung 11 : Grenzen des Wachstumsprozesses
Abbildung 12 : Problemverschiebung
Abbildung 13 : EPK-Modellierung der FSC
Abbildung 14 : Zustandsgröße in Powersim Express Studio 2003
Abbildung 15 : Zwischengröße in Powersim Express Studio 2003
Abbildung 16 : Konstante in Powersim Express Studio 2003
Abbildung 17 : Flussgröße in Powersim Express Studio 2003
Abbildung 18 : Modellierung der FSC mit Hilfe von Powersim Express Studio 2003
Abbildung 19 : Veränderung des ROI beim Volkswagen - Konzern
Abbildung 20 : Zeitpunkt des Eintritts der maximalen Verbesserungen bei den einzelnen Phasen
im Volkswagen - Konzern
Eugen Otto
Diplomarbeit -
Abbildung 21 : Entwicklung des ROI durch die Qualify-Phase
Abbildung 22 : Entwicklung des ROI durch die Finance-Phase
Abbildung 23 : Entwicklung des ROI durch die Price-Phase
Abbildung 24 : Entwicklung des ROI durch die Assure-Phase
Abbildung 25 : Entwicklung des ROI durch die Invoice-Phase
Abbildung 26 : Entwicklung des ROI durch die Dispute-Phase
Abbildung 27 : Entwicklung des ROI durch die Pay-Phase
Abbildung 28 : Entwicklung des ROI durch die Review-Phase
Eugen Otto
Diplomarbeit - VII
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 : Interdependenzen einzelner Phasen in der FSC 15
Tabelle 2 : Kennzahlen des Volkswagen - Konzerns 2002 18
Tabelle 3 : Operating Cash Cycle-Kenziffern des Volkswagen - Konzerns 18
Tabelle 4 : Operating Cash Cycle-Kenziffern des Ford - Konzerns 19
Tabelle 5 : Wirkung einzelner Phasen von FSC auf die Elemente des ROI 28
Tabelle 6 : Merkmale von Funktions- und Prozessorganisationen 30
Tabelle 7 : Vergleichskriterien der Modellierung mit Hilfe von EPK und System Dynamics 48
Tabelle 8 : Vergleich der Modellierungsmethoden mit Hilfe von EPK und System Dynamics 51
Tabelle 9 : Dauer der FSC beim Volkswagen - Konzern (im Jahre 2002 ) 61
Tabelle 10 : Veränderungsrate der Qualify-Phase beim Volkswagen - Konzern modelliert mit
Powersim Express Studio 2003 61
Tabelle 11 : Wirkungen einzelnen Phasen der FSC auf Umsatzrentabilität und Kapitalumschlag
beim Volkswagen - Konzern 62
Tabelle 12 : Modellierung von Prozesskostenersparnissen beim Volkswagen - Konzern 63
Tabelle 13 : Modellierung der Reduktion des Umlaufvermögens beim Volkswagen - Konzern 64
Tabelle 14 : Bedeutung der einzelnen Phasen beim Volkswagen - Konzern 66
Tabelle 15 : Vor- und Nachteile der Modellierung von FSC mit Hilfe von System Dynamics und
EPK 67
Abkürzungsverzeichnis
DB Datenbank DII Days in Inventory DIP Days in Payables DSO Days Sales Outstanding EBPP Electronic Bill Presentment and Payment EPK Ereignisgesteuerte Prozesskette FSC Financial Supply Chain FSCM Financial Supply Chain Management mo Monate OCC Operating Cash Cycle PC Personal Computer prz_tg Prozesstage ROI Return on Invest
Diplomarbeit - 1 -
1Einleitung
Die Financial Supply Chain ist der monetäre Teil der Wertschöpfungskette und rationalisiert die Transaktionen zwischen Kunden, Lieferanten, Finanzinstituten, Marktplätzen und anderen Dienstleistern. Wie eine güterbasierte Wertschöpfungskette darf auch die Financial Supply Chain nicht einfach in Einzelteile zerlegt werden, um danach für jedes Element der Kette eine suboptimale Lösung zu suchen. Die ganzheitliche Betrachtung ist die Bedingung für den Gesamterfolg des Financial Supply Chain Managements. 1 Die Interdependenzen sind die Interak-
tionseffekte der einzelnen Phasen innerhalb der Financial Supply Chain. Gelingt es beispielsweise, den Analyse-Prozess entscheidend zu verbessern, so hat es Auswirkungen auf zukünftige Transaktionen, und Verbesserungspotenziale anderer Prozesse können aufgedeckt werden.
Die Unternehmensplanung und Unternehmenssteuerung werden aufgrund der Dynamik der Märkte und Komplexität der Zusammenhänge immer unübersichtlicher. Die Entscheidungsträger benötigen aber Modelle, die ihnen Voraussetzungen und Folgen ihres Handelns unter verschiedensten Bedingungen aufzeigen. Bereits seit einigen Jahren gibt es technische bzw. EDVbasierte Möglichkeiten der unternehmensübergreifenden Prozessunterstützung. Die Prozessmodellierung kann mittlerweile nicht nur statisch, sondern auch dynamisch erfolgen. Die Berücksichtigung der zeitlichen Komponente, sowie die schnelle Reaktion auf die Veränderungen stehen bei der dynamischen Betrachtung im Vordergrund. 2
Das Ziel dieser Arbeit ist, zu zeigen, dass in der Financial Supply Chain Effizienzen bei den Abhängigkeiten der einzelnen Phasen voneinander bestehen. Die Verbesserungen innerhalb einer Phase können auch Auswirkungen auf die gesamte Kette zur Folge haben: diese werden in Form von höherer Rentabilität und somit in Form eines gesteigerten Unternehmensgewinns belohnt. Dabei soll geprüft werden, ob die Wechselwirkungen in einem Modell abgebildet werden können und welche Modellierungsart dafür geeignet ist.
Im zweiten Kapitel der Arbeit wird ein Überblick über die Financial Supply Chain und ihre einzelnen Phasen gegeben. Hierbei stehen insbesondere die rentabilitätsrelevanten Kennziffern einzelner Phasen im Vordergrund. Am Ende des Kapitels werden die Interdependenzen der
1 Vgl.: Arkhipov / Yong (2001), S. 8
2 Vgl.: SAP AG (2001)
Diplomarbeit - 2 -
einzelnenPhasen dargestellt. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird dabei nur die Lieferanten- bzw. Verkäufersicht betrachtet.
Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der Rentabilitätsanalyse der Financial Supply Chain. Zunächst wird das „Return on Investment“ als Kennziffer der Rentabilität eingeführt. Im Anschluss wird ein Überblick über die Auswirkungen einzelner Phasen auf das „Return on Investment“ gegeben.
Der Schwerpunkt der Arbeit liegt im Vergleich zweier Modellierungsmöglichkeiten mit Hilfe von ereignisgesteuerten Prozessketten und mit Hilfe von System Dynamics bei der Modellierung der Financial Supply Chain. Es soll geprüft werden, welche Phase den größten Einfluss auf die Financial Supply Chain hat und ob es zur Steigerung des „Return on Investment“ durch ein effizientes Financial Supply Chain Management kommt.
Im vierten Kapitel werden zunächst die Methoden der Modellierung vorgestellt. Dabei werden die Vor- und Nachteile der beiden Modellierungsmöglichkeiten diskutiert. Anschließend wird der Vergleich anhand vorher definierter Kriterien gezogen.
Als Abschluss dieser Arbeit erfolgt die Simulationsstudie der Financial Supply Chain mit Hilfe von ereignisgesteuerten Prozessketten und System Dynamics. Bei der Modellierung mit Hilfe von ereignisgesteuerten Prozessketten steht die ganzheitliche Abbildung der Financial Supply Chain als eine Kette im Vordergrund. Bei der Modellierung mit Hilfe von System Dynamics werden sowohl die Interdependenzen der einzelnen Phasen der Financial Supply Chain, als auch die Optimierungsmöglichkeiten der Financial Supply Chain berücksichtigt. Es werden die Auswirkungen auf die Umsatzrentabilität und Kapitalumschlag modelliert, außerdem erfolgt die Berechnung der Kennziffer „Return on Investment“ und der Gesamtdauer der Financial Supply Chain, abhängig von den aktuellen Werten der einzelnen Phasen. Die Simulationsstudie wird mit den Daten des Volkswagen-Konzerns durchgeführt. Schließlich werden die Ergebnisse präsentiert.
Diplomarbeit - 3 -
2Financial Supply Chain
2.1 Der Begriff Financial Supply Chain
Die Financial Supply Chain (FSC) ist eine Reihe von Business-to-Business transaktionsbasierter finanzieller Funktionen und Prozesse. Dazu gehören sowohl unternehmensübergreifende als auch unternehmensinterne Transaktionen, und es ist ein wichtiger Teil der güter- bzw. servicebasierten Wertschöpfungskette. Das Financial Supply Chain Management (FSCM) hat die Aufgabe, die Prozessverbesserungen zu erreichen und verschiedene Teile der FSC mittels moderner Technologien zu verbinden. 3 Da diese Kette verschiedene Arten von Geschäftsbe-
ziehungen umfasst, können Prozesse in unterschiedlichen Reihenfolgen, wiederholt oder überhaupt nicht stattfinden. Dabei unterscheidet die Aberdeen Group zwei Hauptsegmente in der FSC: Das erste Segment umfasst Finanztransaktionen, die vor der Warenübergabe stattfinden
- Financial Trade Enablement. Das zweite Segment „Trade Settlement“ beinhaltet Finanztransaktionen z wischen Beteiligten nach der Warenübergabe. Zwischen den beiden Segmenten erfolgt die Geschäftsabwicklung. 4
In Anlehnung an: Arkhipov (2002), S.3
3 Vgl.: Arkhipov / Yong (2001), S.3
4 Vgl.: Arkhipov / Yong (2001), S.8
Diplomarbeit - 4 -
2.2Phasen der Financial Supply Chain
Zu dem Financial Trade Enablement Segment gehören vier Phasen: die Qualify (Kontaktaufnahme), Finance (Finanzierung), Price (Preisfindung) und Assure (Absicherung). Das Trade Settlement Segment besteht aus: der Invoice (Rechnungsstellung), Dispute (Reklamationsmanagement), Pay (Zahlungsvorgang) und Review (Rechnungsprüfung). Der Prozess der Analyse findet nach jeder Phase statt. 5 Die deutschen Begriffe für die einzelnen Phasen der FSC spiegeln nicht immer die präzise Bedeutung wieder, deshalb werden in der Arbeit englischen Begriffe verwendet.
2.2.1 Kontaktaufnahme (Qualify)
Die Qualify-Phase hat die Aufgabe, ein möglichst exaktes Bild über den potenziellen Geschäftspartner machen zu können. Der Qualify-Prozess im Rahmen des FSCM besteht im wesentlichen aus drei Komponenten: dem Findungs-, dem Authentisierungs- und dem Verifikationsprozess. 6
Die Optimierung des Findungsprozess ermöglicht eine Reduzierung der Kosten und des Zeit-aufwands durch die Nutzung neuer Datenbanktechnologien unter Einbeziehung des Internets, welche Informationen anhand finanzieller Kriterien und Präferenzen in Echtzeit sondieren und auswerten. Mittlerweile gibt es viele Kredit- und Wirtschaftsauskunftsagenturen die eine solche Dienstleistung anbieten. Zum Beispiel hat Standard & Poor's in ihrer Datenbank Compustat Data Informationen (GuV Rechnung, Bilanz, Cash Flow Analysen, etc.) über 55.000 Firmen. Die Daten werden anhand von Nachrichten, Geschäfts- und Quartalsberichten und direktem Firmenkontakt analysiert. Außerdem erstellt Standard & Poor's verschiedene Bonitäts- und Rankingtabellen. 7
Im Authentisierungsprozess wird überprüft, ob die Kontaktperson seitens seines Unternehmens überhaupt die Autorität bzw. Legitimation besitzt, das anstehende Geschäft abzuwickeln. Dies kann eine dritte (unabhängige) Partei übernehmen. Zum Beispiel bietet Identrust eine
5 Vgl.: Arkhipov / Yong (2001), S.10
6 Vgl.: Arkhipov / Yong (2001), S.10f
7 Vgl.: Standard & Poors (2003)
Diplomarbeit - 5 -
solcheDienstleistung an. Anhand digitaler Schlüssel und Unterschriften wird der Authentisierungsprozess wesentlich erleichtert, da viele Banken die "digitale Identität" unterstützen und fördern. 8
Der Verifizierungsprozess überprüft die Kreditwürdigkeit des potenziellen Geschäftspartners. Auch dieser Schritt kann von einer dritten Partei übernommen werden. Verglichen mit der Möglichkeit der selbstständigen Informationsbeschaffung, lassen sich beim "Third-Party" Konzept enorme Kostenersparnisse erzielen, weil die Daten automatisch und in Echtzeit zur Verfügung gestellt werden können. 9
Für die FSC, insbesondere dem Trade Enablement Segment, spielt die Qualify-Phase eine sehr wichtige Rolle. Es können bereits hier entscheidende Fragen nach der möglichen Finan-zierungsform, dem Preisrahmen und der Absicherung des Geschäfts geklärt werden. Dies spart viel Zeit und damit verbundene Kosten bei den darauffolgenden Prozessen. 10 Ebenso für eventuelle Reklamationen sind die Daten aus der Kontaktaufnahme relevant. Wurde der Geschäftspartner als besonders wichtig bewertet, so kann im Falle der Reklamation die Kulanz angestrebt werden. Besonders wichtigen Kunden sollten alle Zahlungsmöglichkeiten in der Pay-Phase eingeräumt werden. Dagegen kann Kunden mit einer schlechten Bewertung die Möglichkeit der Vorauszahlung als einzige Option angeboten werden.
2.2.2 Finanzierung (Finance)
In der Finance-Phase geht es um die Finanzierung des Handelsgeschäfts. Bei der Finanzierung gibt es zahlreiche Möglichkeiten, wie Vorauszahlung (Kundenkredit), Barzahlung bei Warenübergabe, Handels- und Lieferantenkredit oder der Bankkredit.
Der überwiegende Teil der Kreditgewährung bei Handelsgeschäften vollzieht sich in Form von Handelskrediten, der Kredit wird vom Verkäufer dem Käufer eingeräumt. Dabei muss der
8 Vgl.: Identrust (2003)
9 Vgl.: Landsmann, P. (2003)
10 Vgl.: Arkhipov / Yong (2001), S.10
Diplomarbeit - 6 -
Verkäuferdie Produktion für den Zeitraum vorfinanzieren, der Käufer muss zum vereinbarten
Termin zahlen können. 11
11 Vgl.: Braunschweig (1999), S.60
Diplomarbeit - 7 -
Zuden Bankkrediten zählen insbesondere: 12
n Kontokorrentkredit (Überziehungskredit)
n Wechseldiskontkredit
n Lombard-Kredit
n Aval-Kredit
n Akzept-Kredit
n Rembours-Kredit
Außerdem gibt es „kreditähnliche“ Finanzierungsformen, wie Leasing, Factoring (Ankauf sowie die Verwaltung von kurzfristigen Forderungen, die aus Warenlieferungen und Dienstleistungen entstanden sind) oder Forfaitierung (Refinanzierung von mittel- bis langfristig gewährten Lieferantenkrediten im Außenhandel, beinhaltet den Ankauf von Forderungen des Exporteurs). 13
Es ist enorm schwierig, den automatisierten Ablauf der Finanzierung bei der FSC zu erreichen, da hierbei nicht nur der Geschäftspartner wichtig ist, sondern auch die Art des Geschäfts. Eine Teilautomatisierung des Prozesses kann erreicht werden, wenn die administrativen Tätigkeiten ausgelagert sind. Weitere Möglichkeit gibt es bei der Verlagerung des Risikos auf ein Factoringunternehmen. Das Unternehmen prüft die Bonität des Käufers, finanziert durch Ankauf der Forderung den Produktionsprozess des Verkäufers und kümmert sich um das Inkasso fälliger Kredite. 14 Wird im Unternehmen diese Möglichkeit nicht wahrgenommen, so sollte ein ausge-
reiftes Risikomanagementkonzept implementiert sein, welches die Kontrolle der Kundenkredite gewährleistet. Dabei sollte immer die Kosten-Nutzen-Analyse im Vordergrund stehen. Die Finance-Phase kann bereits im Vorfeld Einfluss auf die Qualify-Phase haben, da die Finanzierungsbedingungen oft ausschlaggebend für das Zustandekommen des Geschäftes sind. 15
Auch hier können die gewonnenen Daten in den späteren Price- und Assure-Phasen genutzt werden. Durch erfolgreiches Kreditmanagement kann ebenfalls die Abwicklung zukünftiger
12 Vgl.: Braunschweig (1999), S.56-59
13 Vgl.: Grill / Perczynski (1995), S. 566.
14 Vgl.: Braunschweig (1999), S.118
15 Vgl.: Arkhipov / Yong (2001), S.10
Diplomarbeit - 8 -
Geschäftewesentlich erleichtert werden. Die Forderungen und Verbindlichkeiten können in den nächsten Perioden abgeglichen werden. Falls dem Kunden ein Kreditrahmen eingeräumt und dieser überschritten wird, kann der Kunde automatisch benachrichtigt werden. 16 Dies schafft Transparenz im Falle der Reklamation. Wird z.B. die Produktion über einen längeren Zeitraum vom Lieferanten finanziert, kann das Unternehmen vom Käufer einen höheren Preis verlangen. In diesem Fall ist auch die Absicherung des Geschäftes besonders notwendig. Wurde eine Finanzierungsform und/oder Preisnachlässe mit dem Kunden vereinbart, so können die Daten automatisch für die Rechnungsstellung und Zahlungseingangprüfung übernommen werden. Auch die Zahlungsmethode kann dabei festgelegt werden.
2.2.3 Preisfindung (Price)
In der Price-Phase müssen die Geschäftspartner den Preis der Transaktion zusammen mit damit verbundenen Prozesskosten, Liefer- und Zahlungsbedingungen aushandeln. Zu den Zahlungsbedingungen gehören auch die Gewährung von Skonti und sonstigen Preisnachlässen. Dabei muss der Verkäufer prüfen, ob zu den gewählten Konditionen ein positiver Deckungsbeitrag erreicht werden kann. Außerdem muss geprüft werden, ob der Käufer die ausgehandelte Summe zahlen kann.
Durch die Implementierung der Price-Phase in die FSC kann der Prozess der Preisfindung enorm verbessert werden. Außerdem können die Daten aus den vorherigen beiden Phasen für die Price-Phase genutzt werden. Aus der Sicht des Verkäufers spielt die Preisdifferenzierung bei der Preisfindung eine wichtige Rolle. Dabei werden grundsätzlich gleiche Produkte zu verschiedenen Preisen verkauft. Die Möglichkeit zur Nutzung von Preisdifferenzierung hängt im allgemeinen von der Kostenstruktur und der leichten Differenzierbarkeit der Produkte ab. So bieten sich differenzierte Preise insbesondere bei Produkten an, die einen hohen Fixkostenanteil bei geringen variablen Kosten besitzen. 17 . Durch die Automatisierung der elektronischen Preisausschreibung kann der Prozess der Preisfindung effizienter und schneller gestaltet werden.
16 Vgl.: Arkhipov / Yong (2001), S.13
17 Vgl.: Skierra / Spann (2002), S.270
Diplomarbeit - 9 -
DiePrice-Phase ist für die gesamte FSC enorm wichtig. Die Bewertung des Kunden wird umso positiver ausfallen, je höher seine Zahlungsbereitschaft ist. Auch die Wahl der Finanzierungs- und Absicherungsform hängt vom vereinbarten Preis ab. In der Geschäftsabwicklung können die Daten für die Rechnungsstellung automatisch übermittelt werden. Im Falle der Reklamation hat man immer Zugriff auf die Daten (z.B. Sonderkonditionen), die bei der Price-Phase vereinbart wurden. 18 Bei der Auswahl der Zahlungsmethode werden den Kunden, die bereit sind, einen höheren Preis zu zahlen, mehrere Zahlungsmethoden zur Auswahl angeboten.
2.2.4 Risikoabsicherung (Assure)
In der Assure-Phase muss das unternehmerische Risiko bei einer Geschäftabwicklung durch Absicherung minimiert werden. In der Praxis gibt es verschiedene Arten von Risiko und ihren Absicherungen: 19 n Kredit- und Zahlungsausfallrisiko n Fullfillmentrisiko
n Währungsrisiko und Risiko von Preisschwankungen
Das Kredit- und Zahlungsausfallrisiko beinhaltet das Forderungsausfallrisiko. Eine der möglichen Ursachen hierfür ist die ungenügende Bonitätsprüfung in der Qualify- und Finance-Phase, bedingt durch unreichende Integration der FSC. Die einfachste Methode, sich dagegen abzusichern, ist der Abschluss einer Versicherung. Eine weitere Möglichkeit bietet die Einschaltung eines Drittanbieters, bei dem die abzusichernde Summe hinterlegt werden kann. 20 Das Fullfillmentrisiko beinhaltet alle Risiken der Transaktion entlang der Wertschöpfungskette (vom Auftrag bis zur Zahlung). Das Risiko kann minimiert werden, wenn alle relevanten Informationen schnell zur Verfügung gestellt werden. 21 Das Währungsrisiko beinhaltet alle Risiken, die im Zusammenhang mit den unterschiedlichen Währungen stehen. Diese Art von Risiko tritt insbesondere bei internationalen Transaktionen ein, da die zukünftigen Wechselkurse nicht bekannt sind. Als G egenmaßnahme können Zahlungsverzögerungen bzw. Zahlungsbeschleunigungen
18 Vgl.: Hoffmann (2002), S.28
19 Vgl.: Arkhipov / Yong (2001), S.16
20 Vgl.: Grill / Perczynski (1995), S.542f.
21 Vgl.: Werner (2002) S.127
Diplomarbeit - 10 -
(Leadingund Lagging) in Betracht gezogen werden. Gibt es gleichzeitig Forderungen und Verbindlichkeiten in gleicher Währung, können diese miteinander verrechnet werden (Netting und Matching). 22
Der Automatisierungsprozess ist, ähnlich wie bei der Finance-Phase, schwierig zu gestalten. Es gibt viele Arten von Risiken, die nur sehr vage vorab definiert werden können. Es gibt aber die Möglichkeit, automatisch eine Empfehlung auszusprechen, die eventuell später von einem Mitarbeiter bearbeitet werden kann. Für die Geschäfte, die besonders wichtig sind und von den Standardgeschäften abweichen, bleibt die manuelle Überprüfung unumgänglich, solange die Absicherungsphase nicht an einen Drittanbieter übergeben wird.
Die Frage nach der Absicherung des Geschäftes spielt bei der Geschäftsanbahnung eine wichtige Rolle, falls zum Beispiel ein angestrebtes Geschäft unter den ausgehandelten Bedingung nicht abgesichert und daher nicht realisiert werden kann. Die Daten aus der Assure-Phase könnten automatisch in die Qualify-Phase miteinfließen. Die Anpassung des Kundenratings könnte somit automatisch und dynamisch erfolgen. 23 Auch für die Dispute-Phase sind die Daten aus der Assure-Phase wichtig, um das Geschäftsrisiko im Falle des Zahlungsausfalls zu minimieren.
2.2.5 Rechnungsstellung (Invoice)
Nach der Ausführung des Geschäftes erfolgt die Invoice-Phase. Heutzutage ist es der Prozess, der in der Praxis am meisten diskutiert wird. Die traditionelle Invoice-Phase beinhaltet viele Ineffizienzen und bietet somit Ersparnispotenziale. Die Rechnung wird typischerweise zunächst vom Lieferanten erstellt, gedruckt, verpackt, kuvertiert und per Post verschickt. Nach Eintreffen der Rechnung beim Käufer wird sie dort erfasst, und mit der Bestellung und dem Trans-portschein verglichen. Der Prozess ist durch viele Medienbrüche gekennzeichnet, an deren Schnittstellen die Gefahr der Fehlerhäufigkeit besonders groß ist. Könnte dagegen die Rechnung elektronisch erstellt und verschickt werden, ließen sich auch Ersparnisse bei Druck-, Versand- und Portokosten erzielen.
22 Vgl.: SAP AG (2003)
23 Vgl.: Arkhipov / Yong (2001), S.17
Quote paper:
Eugen Otto, 2003, Modellierung von Interdependenzen der Financial Supply Chain mit Hilfe von System Dynamics, Munich, GRIN Publishing GmbH
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