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Öffentliche Meinung im Internet: Weblogs und ihre Öffentlichkeit
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Zum Begriff der öffentlichen Meinung 5
2.1 Die Bedeutung von öffentlicher Meinung 5
2.2 Das normative „Diskursmodell“ öffentlicher Kommunikation 7
2.3 Das „Arenenmodell“ von Öffentlichkeit 9
3 Weblogs und ihre Öffentlichkeit 12
3.1 Internet und die Bedeutung der neuen Angebote des Web 2.0 12
3.2 Weblogs 14
3.3 Weblogbasierte Öffentlichkeiten 16
3.4 Weblogs in Staaten mit eingeschränkter Meinungsfreiheit 18
3.4.1 Weblogs im Iran 18
3.4.2 Weblogs in China 21
4 Stand der Weblogforschung 24
4.1 Nutzungspraktiken von Weblogs 24
4.1.1 Nutzungseigenschaften von Weblogs 24
4.1.2 Motive für das Führen und Lesen von Weblogs 26
4.2 Bedeutung von Weblogs für die Meinungsbildung 28
4.3 Kontrollfunktion von Weblogs: Weblogs als Watchblogs 31
5 Zusammenfassung und Ausblick 35
Literaturverzeichnis 40
1 Einleitung
Das Internet - das Medium des 21. Jahrhunderts - bringt viele Diskussionen, Hoffnungen sowie Befürchtungen mit sich. Viele schreiben dem Internet demokratische Potenziale vor, andere beobachten die Entwicklungen skeptisch. Das Internet bietet neben den neuen Nutzungsangeboten auch neue Formen der Massenkommunikation, die sich täglich erweitern und weiterentwickeln. Durch das Internet verändert sich ebenso die Öffentlichkeit, die hier von jedem betreten und mitgestaltet werden kann. Die einseitige Massenkommunikation der traditionellen Medien, von der die Öffentlichkeit bis jetzt gestaltet wurde, erlebt eine große Veränderung, indem sie durch einen aktiven Internetnutzer ergänzt wird. Die traditionellen Massenmedien beurteilen die Potenziale, die dem Internet zugesprochen werden, eher mit Skepsis. Trotzdem finden die Entwicklungen viel Aufmerksamkeit und werden nicht nur von den Nutzern, sondern auch von den Wissenschaften ernst genommen und thematisiert.
Das Ziel der Arbeit ist eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den neuen Angeboten im Internet, indem anhand theoretischer Grundlagen sowie empirischer Studien ihre Leistungen sowie ihre Potenziale, sich auf die Öffentlichkeit auszuwirken, überprüft werden. Die Arbeit konzentriert sich auf das Angebot von Weblogs, gibt einen Überblick über diese vielversprechende Kommunikationsform und beleuchtet ihre Möglichkeiten und Grenzen. Man verbindet mit Weblogs die Hoffnung, einen Raum für einen herrschaftsfreien Diskurs, der für jeden offen ist, zu schaffen. Die Vorstellung, dass sich jeder an der Öffentlichkeit beteiligen und sie mitgestalten kann, kann durch Weblogs verkörpert werden, muss aber im Hinblick auf empirische Ergebnisse detaillierter beobachtet werden. Die Arbeit versucht die Frage zu beant-worten, welche Verschiebungen sich für die gesellschaftliche Öffentlichkeit durch neue internetbasierte Kommunikationsformen und im Speziellen durch Weblogs ergeben.
Die öffentliche Meinung ist ein Konstrukt, das von vielen zu definieren sowie beschreiben versucht worden ist. Das zweite Kapitel der Arbeit geht auf Definitionen ein, die für die Kommunikationswissenschaft relevant und im Hinblick auf das Thema der Arbeit wichtig sind. Dabei wird die Struktur der Öffentlichkeit sichtbar, indem man Sprecher, das Publikum sowie die Kanäle für die Kommunikation, nämlich die Massenmedien, definiert und skizziert. Es werden zwei theoretische Modelle herangezogen, um die Eigenschaften sowie Funktionen der öffentlichen Meinung
besser zu erkennen. Das normative „Diskursmodell“, das sich auf die Forderungen von Habermas stützt und Eigenschaften sowie Ansprüche an die Öffentlichkeit entwickelt, ist in dem Sinne wichtig, weil es eine theoretische Grundlage und eine Ide-alvorstellung für das „Arenenmodell“ von Gerhards und Neidhardt bildet. Das „Arenenmodell“, das das Öffentlichkeitssystem nach ihren Leistungen in drei Ebenen gliedert, stellt somit die theoretische Grundlage, die durch die ganze Arbeit verfolgt wird.
Das dritte Kapitel geht auf die am Anfang angesprochenen Entwicklungen, die durch das Internet ausgelöst wurden, ein. Näher behandelt werden die neuen Angebote des Internets, das sogenannte Web 2.0 und die grundlegenden Veränderungen, die den Nutzer zu einem aktiven Autoren im Internet gemacht haben. An dieser Stelle wird das Angebot von Weblogs beleuchtet und ihre spezifischen Eigenschaften sowie ihre Öffentlichkeit analysiert. Die Fähigkeit von Weblogs alle „Arenen“ des Öffentlichkeitssystems zu verknüpfen und sichtbar zu machen wird dementsprechend diskutiert. Anschließend werden Studien vorgestellt, die die besondere Bedeutung von Weblogs in Staaten mit eingeschränkter Rede- und Meinungsfreiheit untersuchen.
Im vierten Kapitel werden die wichtigsten empirische Ergebnisse zusammengefasst, die die Bedeutung, Nutzung und Relevanz von Weblogs beurteilen sowie den Einfluss auf die Meinungsbildung bestimmen. Das Kapitel widmet sich der neuen Kommunikationsform von Weblogs und versucht die Nutzungspraktiken, die Thematisierungs- sowie die Kontrollfunktion von sogenannten Watchblogs zu beleuchten und diskutieren. Es werden überwiegend Studien herangezogen, die die deutsche Blogosphäre untersuchen. Die Thematisierungsfunktion von Weblogs wurde allerdings in Deutschland noch nicht richtig untersucht, deswegen werden ersten Studien aus englischsprachigen Ländern präsentiert.
Im Fazit werden alle Argumente noch einmal zusammengefasst und ein Ausblick gegeben. Es wird versucht, wissenschaftlich an das Thema heranzugehen, ohne die Entwicklungen durch die internetbasierte Kommunikation zu überschätzen oder zu unterschätzen. Anhand der empirischen Ergebnisse sind Aussagen über die Entwicklungen und Potenziale von Weblogs möglich, müssen aber mit Vorsicht betrachtet werden, da eine allgemeingültige Beurteilung von Weblogs noch nicht möglich ist.
2 Zum Begriff der öffentlichen Meinung
Die öffentliche Meinung ist ein Phänomen, dem sich viele Wissenschaftler verschiedener Disziplinen gewidmet haben, um es richtig zu definieren und die Struktur der öffentlichen Meinung zu erkennen. Im folgenden Unterkapitel wird eine Definition, allgemeine Funktionen und Struktur des Konstrukts der öffentlichen Meinung skizziert und dabei die Bedeutung der öffentlichen Meinung für demokratische Gesellschaften dargelegt. Anschließend werden zwei Theorien zur öffentlichen Meinung herangezogen, um die Strukturmerkmale der Öffentlichkeit zu charakterisieren. Das normative Modell von Bernhard Peters geht auf die Ursprünge der Theorie der öffentlichen Kommunikation von Jürgen Habermas zurück und formuliert neben den Grundmerkmalen, Ansprüche sowie Kriterien an die Öffentlichkeit. Es stellt das Idealbild für das „Arenenmodell“ von Öffentlichkeit, das im dritten Unterkapitel vorgestellt wird. Die Öffentlichkeit bildet hier ein intermediäres Kommunikationssystem und wird anhand ihrer Leistungen in drei Ebenen der öffentlichen Kommunikation gegliedert.
2.1 Die Bedeutung von öffentlicher Meinung
Der Begriff der öffentlichen Meinung ist nicht leicht zu definieren. Die Definition beinhaltet meistens nicht nur Leitbilder für die öffentliche Meinung, sondern auch Aufgaben, die von der Öffentlichkeit zu erfüllen sind. Roesler (1997) sieht einen Mythos in dem Begriff der öffentlichen Meinung, der auf verschiedenen Leitbildern aus unserer Geschichte und Kultur stammt und mit dem Mythos des griechischen Marktplatzes, der Agora in Athen, verbunden ist (S. 173). Auf dem Marktplatz wurden Versammlungen und Verkäufe durchgeführt, die von allgemeinem Interesse für die Polis waren. Die Öffentlichkeit ist für die heutigen Demokratien in diesem Sinne auch sehr wichtig, weil in dem Prozess der öffentlichen Meinungsbildung sichtbar wird, was für die Gemeinschaft von allgemeinem Interesse ist. (Roesler, 1997, S. 173-174)
Neidhardt (1994) definiert öffentliche Meinung als herrschende Meinung unter den Öffentlichkeitsakteuren, die als ein kollektives Produkt aus den medial vermittelten Meinungsäußerungen der Sprecher vor einem Publikum resultiert (S. 26). Die Bevölkerungsmeinung dagegen ist eine andere Größe, die auf den individuellen Mei-
nungen des Publikums beruht und sich meistens von der öffentlichen Meinung unterscheidet. In unseren modernen Gesellschaften ist das Konstrukt der öffentlichen Meinung seit langem institutionalisiert und wird mit bestimmten Funktionen verbunden. Die öffentliche Meinung hat eine Orientierungsfunktion und muss von der Bevölkerung akzeptiert werden und somit überzeugend wirken. Die Öffentlichkeit muss zudem für alle gesellschaftlichen Gruppen offen sein und kollektive Themen sowie Meinungen beinhalten, somit wird die Transparenzfunktion erfüllt. Folglich versichert die Validierungsfunktion, dass sich die Öffentlichkeitsakteure diskursiv mit den Themen und Meinungen auseinandersetzen und sich den besten Argumenten unterwerfen. (Neidhardt, 1994, S. 7-9)
Die Öffentlichkeit unterstützt die Entscheidungsfindung unserer Gesellschaft, indem sie einen Diskurs zu verschiedenen gesellschaftsrelevanten Themen schafft und die Machtkontrolle über die politischen Akteure gewährleistet. Insgesamt ist die Öffentlichkeit die „Bedingung der Legitimität moderner Herrschaftsordnungen, die auf demokratische Zustimmung rekurrieren müssen“ (Jarren et al., 2000, S. 9). Die Institutionalisierung der öffentlichen Meinung setzt vor allem voraus, dass das politische System die Meinungen der Bürger beobachtet und ernst nimmt. Die Bürger können ihre Meinungen durch das Wahlrecht an das politische System weitergeben und somit auf das politische System Einfluss nehmen. (Neidhardt, 1994, S. 30) Die Stimme wird den Öffentlichkeitsakteuren, den Sprechern in der Öffentlichkeit, durch die Massenmedien verliehen. Die Öffentlichkeit in den modernen Gesellschaften wird zum größten Teil von den Massenmedien gestaltet. Ohne die Massenmedien ist die zeitgenössische öffentliche Kommunikation nicht mehr vorstellbar. Die Massenmedien „bilden quasi den institutionellen Kern“ (Wimmer, 2007, S. 43) der Öffentlichkeit. „Öffentliche Kommunikation wird zur Massenkommunikation“ (Neidhardt, 1994, S. 10) und die massenmedial gesteuerte Öffentlichkeit zur Notwendigkeit in den modernen Demokratien. Die Sprecher in der Öffentlichkeit können nach Neidhardt (1994) derart typologisiert werden: 1. Vertreter gesellschaftlicher Gruppierungen und Organisationen, 2. „Advokaten“ im Namen von unverfassten Gruppierungen, 3. „Experten“ mit wissenschaftlich-technischen Sonderkompetenzen, 4. „Intellektuelle“, deren Aufgabe es ist, kritisch die kulturelle Werte öffentlich zu diskutieren und 5. Journalisten als „Kommentatoren“, die mit eigenen Meinungen zu Wort kommen (S. 14).
Demnach sind die Sprecher und die Massenmedien die zentralen Akteure von Öffentlichkeit und ihr Adressat ist das Publikum. Das Publikum ist nach der Vorstellung von Jürgen Habermas unabgeschlossen: „Alle müssen dazugehören können“ (Habermas, S. 98, 1990). Das Publikum definiert sich aber erst durch die Beteiligung an dem Prozess öffentlicher Kommunikation und setzt somit einen aktiven Bürger voraus. Das Publikum schwankt nach der Art der Sprecher, der Themen, Medien und Meinungen, somit ist es eine kontingente Größe und im Regelfall nicht bevölkerungsrepräsentativ. (Neidhardt, 1994, S. 12-13)
Da die modernen demokratischen Gesellschaften auf die Grundrechte abgestützt sind, müssen sie einen Raum schaffen, wo Zustimmung, Begründung und somit politische Kommunikation stattfinden kann. Dagegen eliminieren die totalitären Herr-schaftsordnungen das Öffentlichkeitsprinzip und schalten die Grundrechte politischer Partizipation aus, um die Informationen in bestimmter Richtung steuern zu können. (Jarren et al., 2000, S. 9) So versuchen die totalitären Regimes der Gefahr des Wi-derstands entgegenzukommen, indem sie öffentliche Meinung manipulieren und infolgedessen die Legitimation ihrer Herrschaft nicht gewährleisten können.
2.2 Das normative „Diskursmodell“ öffentlicher Kommunikation
Wissenschaftler wie Jürgen Habermas oder Bernhard Peters beschäftigen sich mit einer normativen Auffassung von Öffentlichkeit, indem sie Voraussetzungen und Ansprüche an die Öffentlichkeit entwickeln. Die hergeleiteten Kriterien bestimmen anschließend das Ideal der Öffentlichkeit, das bis heute diskutiert wird und die Aufgaben der Öffentlichkeit bestimmt. In seinem Werk „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ versteht Habermas (1990) die „bürgerliche Öffentlichkeit“ als ein Ideal und eine Sphäre, die eine permanente Diskussion zwischen den zum Publikum versammelten Privatleuten darstellt und in der Herstellung einer rationalen öffentlichen Meinung resultiert: „Ihrer Idee nach verlangt eine aus der Kraft des besseren Arguments geborene öffentliche Meinung jene moralisch prätentiöse Rationalität, die das Rechte und Richtige in einem zu treffen sucht“ (S. 119-120). Die daraus entwickelte Diskursivität stellt neben der Gleichheit und der Offenheit öffentlicher Kommunikation die Voraussetzungen und Grundmerkmale des normativen Modells von Öffent- lichkeit dar, die im Folgenden vorgestellt werden.
Die Grundmerkmale betreffen die besonderen Qualitäten der Kommunikationsformen und werden in drei Merkmalsgruppen differenziert. Die Gleichheit und Reziprozität der Kommunikation verleiht jedem Bürger die Kompetenz sich an der öffentlichen Kommunikation zu beteiligen und macht sie somit offen. Die Möglichkeit, sich in der Öffentlichkeit zu äußern und gehört zu werden ist in der Reziprozität von Hörer- und Sprecherrollen beinhaltet und verschafft somit eine gleichmäßige Verteilung. Die möglichen Vorrechte für die Beteiligung sollten neutralisiert werden, damit weder die familiäre Herkunft und der Status, noch die Bildungsqualifikationen Einfluss auf die Beteiligung haben können. Die egalitären Ansprüche des normativen Modells von Öffentlichkeit weisen im Hinblick auf elitäre und konkurrenzbetonte Strukturen öffentlicher Kommunikation Defizite auf, die aber aus den öffentlichen Diskursen kaum wegzudenken sind. (Peters, 2007, S. 61-82) Das Normative bei der zweiten Merkmalsgruppe resultiert aus der Offenheit für Themen und einer adäquaten Kapazität zu ihrer Verarbeitung. Eine generelle Offenheit für Themen und Beiträge bedingt, dass alle Bereiche in der Öffentlichkeit thematisiert werden können und nichts ausgeschlossen bleibt. Welche Themen aber relevant und von allgemeinem Interesse sind, wird im öffentlichen Diskurs selbst entschieden. Mit dieser Forderung wird dementsprechend zusätzlich die Kompetenz unterstellt, die wichtigen Bereiche der öffentlichen Sphäre nicht nur thematisieren, sondern auch sich adäquat damit auseinandersetzen zu können. Dabei sind die Ressourcen Kompetenz und Aufmerksamkeit knapp und verdeutlichen demzufolge die Beschränkungen für die Realisierung des normativen Modells. Ferner sind die Verarbeitungsmechanismen der Bürger nicht unendlich und sie können nicht beliebig viele Themen behandeln. Deshalb muss eine Selektion erfolgen, die dadurch das Publikum differenziert und einzelne Teilöffentlichkeiten schafft. Der Sinn des Postulats der Offenheit muss dementsprechend verändert werden und liegt darin, dass die wichtigsten Themen in den Diskurs aufgenommen werden und die größte Aufmerksamkeit des Publikums gewinnen. (Peters, 2007, S. 61-89) Schließlich hat die öffentliche Kommunikation eine diskursive Struktur. Die Geltung des besseren Arguments und eine diskursive Auseinandersetzung mit den Problemen ermöglicht Lösungsvorschläge, die Akzeptanz und Zustimmung im Publikum finden können. Kritik und Widerspruch sind wünschenswert und bekräftigen den Diskurs mit mehr Glaubwürdigkeit. Wichtig ist aber eine gegenseitige Achtung der Kommunikationsteilnehmer und eine konstruktive Kritik, die alle Kommunikations-
partner integriert und nicht beleidigt oder manipuliert. So wird die Bedingung der Gleichheit nuanciert und ein Diskurs, der auf einer sachlichen Überzeugung und Verständigung innerhalb des Publikums beruht, ermöglicht. (Peters, 2007, S. 62) Das Ziel dieses Modells ist die Entwicklung und Charakterisierung von Bedingungen, die für eine reflektierte öffentliche Meinung in der Gesellschaft bedeutend sind. Durch ein diskursives Auseinandersetzen mit Argumenten und den notwendigen In-formationen kann das Publikum kritisch und rational über relevante kollektive Probleme urteilen. So kann eine reflektierte und rationale Öffentlichkeit entstehen und bildet somit eine normative Grundlage für das „Arenenmodell“, das im nächsten Unterkapitel geschildert werden soll.
2.3 Das „Arenenmodell“ von Öffentlichkeit
Ein intermediäres Kommunikationssystem von Öffentlichkeit wurde von Gerhards und Neidhardt entwickelt und leitet eine politische Funktion der Öffentlichkeit her, indem die Ausprägungsformen der Öffentlichkeit in drei Ebenen gegliedert werden. Die verschiedenen Ebenen der Öffentlichkeit werden mit der politischen Funktion verbunden, die in der Aufnahme und Verarbeitung der Themen und Meinungen sowie ihrer Vermittlung zwischen den Akteuren resultiert. Durch die Vermittlung und den Austausch von Themen und Meinungen entsteht die öffentliche Meinung, die eine Orientierung für die Bürger und die kollektiven Akteure der Gesellschaft einerseits und dem politischen System andererseits ausmacht. (Gerhards / Neidhardt, 1990, S. 12-14)
Die Grundmerkmale von Öffentlichkeit, wie die Offenheit des Systems, bleiben die gleichen normativen Bedingungen der Öffentlichkeit, die bereits im oberen Modell ausführlich geschildert wurden. Die Autoren differenzieren das System der Öffentlichkeit in drei Ebenen nach folgenden Kriterien: der Menge der Kommunikationsteilnehmer und dem Grad der strukturellen Verankerung der Ebenen. Die unterste Ebene der Öffentlichkeit wird Encounter genannt und entsteht durch einfache Interaktionssysteme zwischen den Menschen. Aus episodischen und flüchtigen Zusammentreffen von Menschen setzt sich die kleinste und elementarste Öffentlichkeit zusammen. Diese Form der Kommunikation weist lose Strukturen und keine Kontinuität auf, die Teilnehmer wechseln wie die Themen und der Meinungsstand und bilden keinen Kommunikationsfluss, der das Synthetisieren von Meinungen gewährleist.
Arbeit zitieren:
Agne Galinskyte, 2010, Öffentliche Meinung im Internet, München, GRIN Verlag GmbH
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