Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Volitionale Aspekte 4
2.1 Das Rubikon Modell 5
2.2 Volitionale Strategien 8
2.3 Handlungsorientierung versus Lageorientierung 9
3. Fazit und Ausblick 10
4. Verdeutlichung der untersuchten Aspekte an Beispielen 13
5. Literatur 28
6. Kriterienliste zur Förderung der Motivation, Volition und der Emotion 31
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"Die didaktischen und methodischen Möglichkeiten der Neuen Medien fordern dazu heraus, neue Formen des Lernens (z.B. durch vernetztes, modellhaftes, fächerübergreifendes Denken) und der Unterrichtsgestaltung zu entwickeln. Gleichzeitig können dem Anwender durch entsprechende Programme bewährte didaktisch-methodische Lernstrategien aufbereitet zur Verfügung gestellt werden."
(Quelle: Neue Medien und Telekommunikation im Bildungswesen der Bundesrepublik Deutschland, Beschluss
der Kultusministerkonferenz vom 28.02.1997)
1. Einleitung
Auf der 278. Plenarsitzung am 27./28.02.1997 in Bonn hat die Kultusministerkonferenz den Bericht und die Empfehlungen "Neue Medien und Telekommunikation im Bildungswesen -Sachstand und Perspektiven im Schul- und Weiterbildungsbereich" beschlossen. Dabei werden die Neuen Medien „als Gegenstand von Lehren und Lernen, als Hilfsmittel für den Unterricht, Feld für berufliche Qualifizierung und Mittel für das Fernlernen ausführlich gewürdigt“, wie es in der Pressemitteilung der Ständigen Konferenz der Kultusminister und -senatoren heißt. 1
In der wissenschaftlichen Forschung wie auch in der Praxis gewinnen Begriffe wie Neue Medien, Instruktionsdesign, Multimedia und E-Learning zunehmend an Bedeutung. Durch die Veränderung unserer Gesellschaft verändern sich auch die Lernformen, mittels derer Wissen vermittelt und zur Anwendung gebracht werden kann. In der heutigen Mediengesellschaft spielen Bücher und geschriebene Texte zwar weiterhin eine wichtige Rolle der Wissensvermittlung, aber es kommen neue mediale Formen hinzu. Ein Beispiel dafür ist der rasante Aufbau des World Wide Web, das am 6. August 1991 weltweit zur allgemeinen Benutzung freigegeben wurde und im Jahr 2007 von über 1,23 Milliarden Menschen genutzt wurde. 2
In der Bundesrepublik Deutschland nutzen 76% der Berufstätigen zwischen 14 und 64 Jahren derzeit das Internet. Dabei nutzen 21% häufiger, um Informationen für Schule, Ausbildung
1 Pressemitteilung der 278.Plenarsitzung der Ständigen Konferenz der Kultusminister und -senatoren der Länder in der Bundesrepublik Deutschland am 27./28.Februar 1997 in Bonn. Online verfügbar unter: http://www.kmk.org/presse-und-aktuelles/pm1997/278plenarsitzung.html (Stand 1.5.2009).
2 Im Jahr 2002 waren lediglich rund 600 Millionen Menschen online. Im Vergleich zu 2006 Jahr kamen nochmals 100 Millionen neue Nutzer hinzu und 2007 benutzten 1,23 Milliarden Menschen das Internet. Dies ergab eine Studie im Auftrag des IT-Branchenverbandes Bitkom. Der Studie zufolge ist damit zu rechnen, dass im Jahr 2010 die 1,5 Milliarden-Grenze geknackt wird. Vgl. Artikel: Fast jeder fünfte Erdenbürger ist online. In: Süddeutsche Zeitung vom 23.05.2007. Online verfügbar unter:
http://www.sueddeutsche.de/computer/54/323920/text/ (Stand 1.5.2009).
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oder Beruf zu beschaffen. Derzeit sind die wichtigsten Informationsquellen auch von Internetnutzern über das aktuelle Geschehen noch das Fernsehen und die Zeitungen, aber es zeigt sich ein kontinuierlicher Zuwachs für das Internet. Dabei zeigt sich ein generationenspezifisches Nutzungsmuster für Multimedia und User-generated Content: die Nutzung fällt kontinuierlich ab bei zunehmendem Alter, während der Produzentenkreis insgesamt wächst. 3
Wenn die Bedeutung der Neuen Medien für die (Bildungs-) Gesellschaft steigt, dann tritt die Bedeutung des Lehrenden als Motivator und Koordinator sowohl des Lernstoffes als auch des Lerntempos zurück. Die Aufgabe, die bisher diesem zufiel, wird nun nicht mehr von einer anderen Person übernommen, sondern muss durch den Lernenden selbst erbracht werden. Insofern ist es nur konsequent, die volitionalen und emotionalen Aspekte des Lernens auf das Lehren mit Neuen Medien zu beziehen und diese aus psychologischpädagogischer Sicht zu untersuchen. Dies werden wir in der vorliegenden Hausarbeit zuerst theoretisch erläutern, dann anhand ausgewählter Beispiele verdeutlichen. Die Ergebnisse beziehen sich auf eine Gruppenarbeit zum Referat, welches am 23.4.2009 im LAG Proseminar Lernen und Lehren mit Neuen Medien unter der Leitung von Dipl.-Psych. Eva-Maria Gronki-Jost von uns gehalten wurde.
3 Die Zahlen basieren auf einer der wichtigsten regelmäßigen Online-Studien die Allensbacher Computer- und Technik-Analyse (ACTA). Diese Studie, die auf jährlich 10.000 Interviews von 14-64jährigen basiert, zielt nicht nur darauf, neue Märkte und Zielgruppen zu erfassen, sondern auch darauf, die Veränderungen des Informations-, Kommunikations- und Nutzungsverhaltens in der digitalen Welt nachzuzeichnen. Frau Professor Dr. Renate Köcher präsentierte am 16. Oktober 2008 in München die „Veränderungen der Informations- und Kommunikationskultur“. Die Präsentationsfolien sind online verfügbar unter: http://www.acta-online.de/main_newst.php?selection=10 (Stand 1.5.2009).
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2. Volitionale Aspekte
Auch, wenn man grundsätzlich motiviert ist, also eine Absicht oder ein konkretes Handlungsziel hat, können Hindernisse, Ablenkungen oder andere Schwierigkeiten das Erreichen des Ziels gefährden.
Um diese zu überwinden, bedarf es einer Willensanstrengung. Wenn diese kontrolliert, sprich bewusst vor sich geht, dann nennt man das willentliche Handlungskontrolle oder Volition. 4 Rheinberg definiert Volition als „Möglichkeit, aufgrund bestimmter Binnenprozesse eine Handlungsausführung trotz innerer oder äußerer Widerstände bis zur Zielerreichung aufrecht zu erhalten“. 5 Diese inneren Prozesse gilt es zu beschreiben, um sie zu verstehen. Dabei müssen sie jedoch streng getrennt werden von anderen Einflüssen, was sich - wie alle Forschung am Verhalten des Menschen - als nicht einfach beweist. Die handelnde Person wechselt von der motivationalen in die volitionale Steuerungslage, wenn Hindernisse oder ganz allgemein Schwierigkeiten auftreten: Die Motivationale Steuerungslage ist hauptsächlich durch unwillkürliche Kontrolle des Verhaltens und eine relativ gering erlebte subjektive Anstrengung gekennzeichnet, während die volitionale Steuerungslage sich dagegen durch willkürliche Kontrolle des Verhaltens und eine relativ stark erlebte subjektive Anstrengung auszeichnet. 6
In der allgemeinen Motivationsforschung geht es primär um das Abwägen von Gründen, die Volitionsforschung ist ein spezieller Forschungsbereich der Motivationsforschung, welcher sich in den letzten Jahren, insbesondere seit der zunehmenden Bedeutung der neuen Medien, als eigenständiger Bereich etabliert hat. In der Volitionsforschung steht die konkrete Initiierung und Ausführung von Handlungen im Mittelpunkt. Eine konzeptionelle Verbindung, aber auch eine „scharfe Trennung zwischen motivationalen und volitionalen Prozessen“ 7 wird im Rubikonmodell von Heinz Heckhausen (1989) 8 geschaffen, welches im Folgenden vorgestellt wird.
4 Vgl. Niegemann, H. M. u. a. (2004). Kompendium E-Learning. Heidelberg: Springer. S. 218.
5 Rheinberg, F.(2004). Motivation. Stuttgart: Kohlhammer. (5. überarb. Aufl.) S. 176.
6 Niegemann (2004). S. 219.
7 Deimann, M. (2006). Entwicklung und Erprobung eines volitionalen Designmodells. Phil. Diss. Uni Erfurt. Online verfügbar unter: http://www.db-thueringen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-10890/html/front.html (Stand 3.5.2009). Kap. 5, Abschnitt 73.
8 Heinz Heckhausen starb im Oktober 1988, insofern mag er verwirren, dass sein Rubikon Modell erst 1989 veröffentlich wurde. Seine Tochter Jutta Heckhausen gab in Zusammenarbeit mit den früheren Mitarbeitern ihres Vaters das Lehrbuch „Motivation und Handeln“ neu heraus: Heckhausen, J. Hrsg. (2006): Heckhausen, H. (1980) Motivation und Handeln. Lehrbuch der Motivationspsychologie. Berlin: Springer. (3., überarb. u. aktualis. Aufl.). Dieser Arbeit liegt die erste Auflage zugrunde.
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2.1 Das Rubikon Modell
Das Rubikon-Modell beschreibt die einzelnen Phasen einer Handlung. Der Name des Modells ist eine Anlehnung an den berühmten Ausspruch von Julius Cäsar „Alea iacta est“, als er mit seiner Armee den Fluss Rubikon überschritt und damit eine Handlung realisierte, deren Konsequenzen so weitreichend waren, dass diese Entscheidung nicht mehr vollständig rückgängig zu machen war.
In diesem Modell wird das Handlungsgeschehen in vier Stadien eingeteilt, wobei es zwei durch motivationale Prozesse geprägte und zwei durch volitionale Prozesse geprägte Stadien gibt.
1. Die prädezisionale Phase (bevor die Entscheidung gefallen ist) ist motivational gesteuert und realitätsorientiert. Sie ist gekennzeichnet durch die Vergegenwärtigung von verschiedenen Handlungsoptionen, das Abwägen derselben und allgemein die Einschätzung der Lage. Abgeschlossen wird diese Phase durch mit Intentionsbildung: Ich entscheide mich, etwas zu tun.
Hier wird „der Rubikon überschritten“: Der Überlegende trifft eine Entscheidung und wird zum Handelnden.
2. Die präaktionalen Phase (handlungsvorbereitende Phase) ist volitional gesteuert und realisierungsorientiert: sie schließt sich an die Entscheidung der Handlungsabsicht an. Wenn es zur Konkurrenz mehrerer Zielintentionen kommt, gewinnt diejenige mit der stärksten Fiat-Tendenz (fiat ist lateinisch und bedeutet: Es geschehe!). Die Fiat-Tendenz ist abhängig vom Vorhandensein einer günstigen Gelegenheit, von der Dringlichkeit des angestrebten Ziel und der Anzahl der bereits missglückten Realisierungsversuche. 9
3. In der aktionalen Phase (Handlungsphase) wird die Handlung, zu der ich mich entschieden habe, ausgeführt. Diese ist ebenfalls volitional gesteuert: Die Aktion wird bewusst ausgeführt.
9 Vgl. Gollwitzer, P. M. (1991). Abwägen und Planen. Bewusstseinslagen in verschiedenen Handlungsphasen. Göttingen: Hogrefe. S. 45.
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4. Die postaktionale Phase wiederum ist motivational gesteuert, sie dient als Bewertung des Handlungsgeschehens einschließlich der Feststellung der vollständigen oder teilweisen Zielerreichung und der Modifizierung des ursprünglichen Ziels und bildet somit die Grundlage für das weitere Handeln.
Das Modell selbst beschreibt aber nur den Ablauf von Handlungen, nicht, wie man diese verändern oder beeinflussen kann. Peter M. Gollwitzer erweiterte 1996 das deskriptive Rubikonmodell durch einen kognitionspsychologischen Rahmen und erarbeitete das Konzepts der Bewusstseinslagen. 10 Diese sind: Abwägen (in der prädezisionalen Phase), Planen (in der postdezisionalen bzw. präaktionalen Phase), Handeln (in der aktionalen Phase) und Bewerten (in der postaktionalen Phase).
Die scharfe Trennung motivationaler und volitionaler Prozesse im Rubikonmodell sind auch der erste Ansatzpunkt der Kritik. Besonders die „Unumkehrbarkeit der Handlungsinitiierung“ wurde kritisiert, aber auch, dass sich die einzelnen Handlungsphasen durch ihre Zielgerichtetheit auszeichnen und demnach nicht unterschieden werden können in motivationale und volitionale Prozesse, sondern „lediglich hinsichtlich des Inhalts der Ziele“. Auch die „zu geringe Berücksichtigung motivationaler Faktoren“ wurde bemängelt und „die mangelnde Beachtung sozialer Prozesse und Situationen“. 11
Ein Modell, das volitionale Strategien derart beschreibt, dass man praktische Anregungen ableiten kann, oder allgemein ein Modell zur Förderung der Volition ist derzeit noch nicht veröffentlicht. Jedoch gibt es aktuelle Forschungen auf diesem Gebiet, die auf der Theorie der Handlungskontrolle von Julius Kuhl aufbauen. Dieser unterscheidet zwischen Selektionsmotivation, welche Prozesse betrifft, die die Auswahl der zur Verfügung stehenden Optionen steuert und Realisationsmotivation. Letztere bezieht sich auf Prozesse „die dafür sorgen, dass das Verhalten trotz Fehlschlägen, Unannehmlichkeiten und Hindernissen bis zur Zielerreichung beibehalten wird.“ 12
10 Vgl. Gollwitzer, P. M. (1996). Das Rubikonmodell der Handlungsphasen. In J. Kuhl & H. Heckhausen (Hrsg.), Motivation, Volition und Handlung. Enzyklopädie der Psychologie: Themenbereich C, Theorie und Forschung: Serie 4, Motivation und Emotion (Band 4, S. 531-582). Göttingen: Hogrefe. Online verfügbar unter: http://kops.ub.uni-konstanz.de/volltexte/2008/5530/pdf/Gollwitzer_1995._Das_Rubikonmodell_der_Handlungsphasen.pdf (Stand 3.5.2009). Besonders S. 542-548.
11 Eine ausführliche Diskussion der Kritikpunkte und ihrer Begründungen findet sich bei Deimann (2006). Abs. 78ff. Eine Wiedergabe dessen würde den Rahmen der Arbeit sprengen. Hier soll nur gesagt werden, dass das Rubikonmodell nicht kritiklos übernommen wurde, sondern durchaus von verschiedenen Wissenschaftlern kritisch betrachtet wird.
12 Degen, U. (2005). Das Konzept der Selbststeuerung bei Julius Kuhl. Seminararbeit der Universität Zürich. Online verfügbar unter: http://www.zrm.ch/download/seminararbeiten/zrm_kuhl_UD_28.08.05.pdf (Stand 3.5.2009, 17:31). S. 8.
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Bei der Volitionspsychologie allgemein steht die Frage im Vordergrund, wie die Umsetzung einer Zielintention in die Handlung erfolgt. Dazu muss man das Entstehen der Handlung genauer betrachten. Diese wird aufgesplittert in ihre Teile und diese werden einzeln betrachtet (und ggf. verändert vom Handelnden).
Nach Heckhausen sind folgende Fragen von Bedeutung für die Handlungsinitiierung: Was wird getan (action)?
Im Hinblick auf wen oder was wird gehandelt (target)? In welchem Ausführungskontext wird gehandelt (context)? Zu welchem Zeitpunkt wird gehandelt (time)?
Dies stellt eine „einfache und leicht durchführbare Handlungsanleitung“ 13 dar, die nach Niegemann gerade für „E-Learning von Bedeutung ist, weil sie das geforderte selbständige Handeln strukturiert.“
Niegemann erläutert diese vier Handlungs-Splitter anhand des Beispiels eines Studenten:
Ein Student hat die Aufgabe, ein Referat auszuarbeiten (action). Die Veranstaltung an der Universität, die er besucht, wird mit Ausnahme weniger Präsenzphasen über eine Lernplattform organisiert. Wenn er noch Fragen bezüglich seines Referats klären möchte, muss er drei Unterrichtseinheiten bis zur nächsten Präsenzphase durcharbeiten (target). Er beschließt deshalb, für den Rest der Woche jeden Abend zwei Stunden (time) zur Bewältigung dieser Aufgabe vor dem Computer zu verbringen (context). 14
Die einzelnen Splitter beinhalten jeweils veränderbare Variablen, insbesondere context und time sind veränderbar, ohne action oder target zu tangieren. Der Student könnte auch drei Stunden arbeiten oder zusätzlich zur Computerarbeit in der Bibliothek einschlägige Literatur konsultieren beispielsweise.
Interessant ist aber gerade, dass auch target und action Variablen sind, denn der Student könnte sich auch entschließen, das Seminar nicht erfolgreich zu beenden oder sein Referat zu verschieben. Das ist weniger wahrscheinlich, aber vom Grundsatz her möglich und daher in die Überlegungen mit einzubeziehen.
13 Niegemann (2004). S. 221.
14 Ebd.
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Arbeit zitieren:
Sandra Schwab, 2009, Selbstgesteuertes Lernen: Volitionale Aspekte, München, GRIN Verlag GmbH
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