6.7. Perífrasis exagerativas o hiperbólicas 25
6.8. Perífrasis obligativas 25
7. Zusammenfassung 26
8. Literaturverzeichnis 27
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1. Einleitung
Im heutigen geschriebenen wie gesprochenen Spanisch findet man zahlreiche Konstruktionen wie estar haciendo algo, ir a hacer algo oder llevar comprado algo. Konstruktionen dieser Art nennt man perífrasis verbales oder auf Deutsch Verbalperiphrasen.
Es soll das Ziel dieser Arbeit sein, den Begriff der Verbalperiphrasen genauer zu bestimmen und diese Kategorie von anderen, z.T. ähnlichen Konstruktionen anhand bestimmter Kriterien und spanischer Beispiele abzugrenzen. Zuerst wird auf die Frage eingegangen, was man unter eine Verbalperiphrase genau zu verstehen hat. Anschließend werden von verschiedenen Sprachwissenschaftlern eingeführten semantischen und syntaktischen Kriterien zur Abgrenzung der Verbalperiphrasen von anderen ähnlichen Konstruktionen dargelegt. Dabei wird auch die Effizienz und Zuverlässigkeit dieser Kriterien, sowie die dabei auftretende Probleme und Unstimmigkeiten dargestellt. Außerdem werden einigen von den Sprachwissenschaftlern als nicht-periphrastisch angesehenen Konstruktionen präsentiert, sowie ihre Begründung dafür. Anschließend wird auf den Unterschied zwischen den Verbalperiphrasen und den verbalen Redewendungen eingegangen. Diese Arbeit wird sich außerdem kurz mit den Begriffen Aktionsart und Aspekt der Handlung auseinandersetzten. Das sechste Kapitel wird sich an die Klassifikation der Verbalperiphrasen widmen, deren Vorstellung durch konkrete Beispiele und kurze Erläuterungen unterstützt wird. Zum Schluss werde ich die wesentlichen Punkte und Ergebnissen nochmal zusammenfassen und versuche die Antwort zu geben, wann man eine Konstruktion als Verbalperiphrase zu betrachten hat.
2. Verbalperiphrasen als Charakteristikum der romanischen Sprachen
Der Aspekt im Spanischen und in den romanischen Sprachen im Allgemeinen wird im Besonderen durch Verbalperiphrasen ausgedrückt. Für diese findet sich bei Dietrich (1996) folgende Definition:
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„Im engeren Sinne versteht man [...] unter einer Verbalperiphrase die periphrastische Bezeichnung vor allem aspektueller Kategorien.“
(Dietrich 1996, S. 223)
Das Spanische drückt also den Aspekt der Handlung, also wie die Handlung verläuft, mit verbalen Umschreibungen aus. Es handelt sich um Konstruktionen mit Verben der Bewegung, die in Verbindung mit Infinitiv, Gerundium oder Partizip die ursprüngliche Bedeutung verlieren und die Funktionen eines Pseudo-Hilfsverbs annehmen.
Die Verbalperiphrasen kann man angesichts der Tatsache, dass sie auch in allen anderen romanischen Sprachen zu finden sind, als typisch romanisch bezeichnen.
Die strukturelle Ähnlichkeit der Verbalperiphrasen ist in den romanischen Sprachen so groß, dass sie eine gemeinsame Herkunft einschließt. Da die meisten dieser Periphrasen im klassischen Latein nicht existierten, stellt sich das Problem ihrer Entstehung im Vulgärlatein. Es existiert die These, dass die Periphrasen im Vulgärlatein unter griechischen Einfluss entstanden sind. (Dietrich 1983, S. 28)
Lange Zeit herrschte Unklarheit darüber, zu welcher Gruppe man diese Konstruktionen zählen sollte. Entscheidend war in dieser Hinsicht die Arbeit von Georges Gougenheim, denn dieser fasste sie erstmals unter dem Begriff „Verbalperiphrasen“ zusammen, was man in der Folgezeit beibehielt. (Fernández de Castro 1990, S. 20)
3. Geläufige Definition in den Grammatiken
Was man unter Verbalperiphrase versteht, gibt uns Gómez Torrego (1999) eine sehr präzise Definition, die folgendes besagt:
“Una perífrasis verbal es la unión de dos o más verbos que constituyen un solo ‘núcleo’ del predicado. El primer verbo, llamado ‘auxiliar’, comporta las informaciones morfológicas de número y persona, y se conjuga en todas (o en parte de) las formas o tiempos de la conjugación. El segundo verbo, llamado ‘principal’ o ‘auxiliado’, debe aparecer en infinitivo, gerundio o participio, es decir, en una forma no personal.” (Gómez Torrego 1999, S. 3325)
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Es handelt sich um eine Kombination aus einer finiten und einer infiniten Verbform. Die finite Form, also das konjugierte Verb hat die Eigenschaft eines Hilfsverbs, während die infinite Form - die Nominalform als Gerund, Partizip und Infinitiv vorkommen kann. Demnach unterteilen wir diese Konstruktionen in Gerundial-, Partizipial-, bzw. Infinitivperiphrasen. Wobei bei den Infinitivperiphrasen beide Verbformen auch durch eine Präposition oder Konjunktion verbunden werden können. Grammatikalisch gesehen sind Verbalperiphrasen mehrgliedrige verbale Ausdrücke. Infinitivo Verbo conjugado + nexo (que, a, en ,de) + verbo Gerundio (función auxiliar) (eventual y solo ante infinitivo) Participio (Hernández Alonso 1982, S. 231)
Da das Hilfs- und das Hauptverb in der Periphrase eine Einheit bilden, d.h. die beiden Bestandteile besitzen keine Autonomie, werden die Verbalperiphrasen nicht nur als syntaktische, sondern auch als semantische Einheit bezeichnet.
“La perífrasis verbal es […] una unidad sintáctica. Con frecuencia se añade que es también una unidad semántica en el sentido de que el verbo auxiliar no significa por y para sí mismo sino que lo que hace es modificar, determinar o matizar el significado o el contenido del verbo principal.” (Gómez Torrego 1999, S. 3346)
Der Grund, warum das Spanische so reich an aspektuellen Periphrasen ist, liegt an der Vielzahl der Hilfsverben, die für die Aspektfunktion zur Verfügung stehen und am Hauptverb, das seinerseits in Partizip, - Infinitiv, - und Gerundiumsform vorliegen kann.
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4. Kriterien zur Bestimmung von Verbalperiphrasen
Allerdings ist der Gebrauch dieses Terminus nicht unproblematisch. In den meisten älteren Arbeiten ergab die Behandlung periphrastischer Konstruktionen ziemlich widersprüchliche Ergebnisse, denn dieser Terminus nicht eindeutig abgegrenzt war und deshalb wurde oft für verschiedene Phänomene gebraucht. (Dietrich 1973, S. 21).
So gehen in der Literatur die Meinungen immer noch darüber auseinander, was unter eine Verbalperiphrase genau zu verstehen ist und welche Konstruktionen dieser Gruppe zuzuordnen sind. Deshalb ist es nicht zu wundern, dass die Autoren recht unterschiedliche Angaben über den Bestand an Verbalperiphrasen im Spanischen machen. Viele Autoren grenzen den Begriff der Verbalperiphrasen von anderen, ähnlichen Konstruktionen anhand bestimmter Kriterien ab.
4.1 Semantische Kriterien
Eine der wichtigsten Voraussetzungen, damit eine Konstruktion als Verbalperiphrase gelten darf, ist die desemantización. Das bedeutet, dass das konjugierte Verb seine semantische Eigenständigkeit verliert und lediglich eine Bedeutungsmodalität der gesamten Wendung signalisiert, nämlich der Handlungsaspekt. In dem Real Academia Española steht:
“Un esquema sintáctico únicamente puede calificarse de perífrasis verbal cuando esté gramaticalizado hasta el punto de que el verbo auxiliar pierda total o parcialmente su significación normal.” (Real Academia Española, 1991, S. 445)
Im Buch „Curso superior de sintaxis española“ sagt Samuel Gili Gaya (1989) noch dazu: „Para distinguir si un verbo está empleado como auxiliar basta fijarse en si ha perdido su significado propio.“ (S. 105)
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Es ist wichtig zu erwähnen, dass die Eigenschaft des Bedeutungsverlusts eines Verbs eng mit dem Prozess der Grammatikalisierung zusammenhängt, worunter man versteht, dass „ein sprachliches Zeichen von der Ebene der lexikalischen Einheiten auf die Ebene des Grammatischen übergehen, d.h. instrumental und damit grammatisch distinktiv werden kann“. (Dietrich 1973, S.57).
Die inhaltliche Leistung des konjugierten Verbs wird im Deutschen fast immer von einem Adverb erfüllt. Das Deutsche drückt den Aspekt der Handlung durch ganz präzise Adverbien aus, wie: immer noch, allmählich, weiter, gerade, nochmals, wieder etc. Als Beispiel für die desemantización soll der folgende Satz gelten. Bsp.: Juan volvió a dormirse. Juan ist wieder eingeschlafen.
Hier hat das Verb volver seine normale Bedeutung verloren. Es ist offensichtlich, dass das Verb volver die Funktion eines Hilfsverbs ausübt und nicht in seiner lexikalischen Bedeutung im Sinne von zurückkehren gebraucht wird, sondern verleiht der ganzen Wendung nur mehr den Handlungsaspekt der Wiederholung, so dass man die Konstruktion folglich als Verbalperiphrase betrachten kann. Diese Desemantisierung des Hilfsverbs wird als Voraussetzung für eine Verbalperiphrase angesehen. Wann und wie ein Hilfsverb seine lexikalische Bedeutung verliert, kann höchstens näherungsweise bestimmt werden:
„No es fácil saber sincrónicamente cuándo un verbo empieza a desemantizarse.” (Gómez Torrego 1988, S. 13)
Dietrich (1983, S. 83) führt ein anderes Kriterium an, ob es sich beim konjugierten Verb um ein Hilfsverb handelt. Er schlägt vor, dieses durch ein synonymes Verb in seiner lexikalischen Bedeutung zu ersetzen und anschließend den Sinn der Konstruktion zu überprüfen. So kommt er zu dem Ergebnis, dass im Satz „Iba a comprar el traje en la ciudad“, ir ein Hilfsverb ist, da sich davon der folgende Satz unterscheidet: „Marchaba a comprar el traje en la ciudad“. Dagegen ergibt sich aber das Problem, dass ir und marchar nicht als vollständig synonym anzusehen sind. Außerdem sind es nicht für jedes Verb Synonyme vorhanden und bei tatsächlicher Äquivalenz der Konstruktionen kann man nicht überprüfen, ob diese Synonyme selbst auch Hilfsverben sind. (Olbertz 1998, S.44)
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Ein anderes Problem bei der Anwendbarkeit des semantischen Kriteriums ist, dass es für viele Verben (wie deber oder poder) mehrere unterschiedliche Bedeutungen akzeptiert sind. Nämlich „Pflicht“, „Schuld“ und „Wahrscheinlichkeit“ bzw. „Fähigkeit“, „Möglichkeit“ oder „Erlaubnis“. Nach Gómez Torrego ist es schwierig festzulegen, welche von diesen Bedeutungen die ursprüngliche war bzw. wo sich ein Bedeutungswandel vollzogen hat. Darüber hinaus ist die Grenze zwischen Bedeutungsverlust, also Grammatikalisierung und metaphorischem Gebrauch nicht eindeutig bestimmbar. (Gómez Torrego 1999, S.3345-3346)
Gómez Torrego (1999, S. 3344-3345) hat schließlich darauf hingewiesen, dass die Eigenschaft eines Verbs als Hilfsverb und damit die Möglichkeit, eine Konstruktion als Verbalperiphrase zu betrachten, teilweise lediglich durch den Kontext bestimmt sein kann. So liegt bei dem Satz Juan llegó a comer a casa un poco tarde keine Verbalperiphrase vor, da wegen der adverbialen Bestimmung des Orts a casa nur das „Ankommen“, also die lexikalische Bedeutung ausgedrückt sein kann, im Gegensatz zu Llegó a haber cien mil personas en el estadio. Im Fall, dass der Kontext diese Ergänzungen jedoch nicht liefert, ist eine eindeutige Abgrenzung nicht mehr möglich, wie etwa bei dem Satz: Vino a decirme que yo era tonto. Es ist aber so, dass auch Konstruktionen wie empezar a hacer algo, terminar de hacer algo, querer hacer algo oder deber hacer algo bei den meisten Autoren zu den Verbalperiphrasen gezählt werden, obwohl hier offensichtlich das finite, konjugierte Verb in seiner lexikalischen Bedeutung erscheint. In diesem Fall ist die für die Zuordnung zu dieser Kategorie notwendige Eigenschaft der konjugierten Verbform, als Hilfsverb zu fungieren, jedoch nicht gegeben. (Fernández de Castro 1991, S. 25)
An dieser Stelle sollte man auf das Konzept der „Verba adiecta“ von Wolf Dietrich verweisen. Demnach gibt es Verben, genannt verba denominativa, die die außersprachliche Wirklichkeit primär klassifizieren. Beispielsweise Verben wie: comprar, ir, comer. Es gibt auch solche, die nur die Art der Erfassung ausdrücken. Das sind verba adiecta. Das bedeutet, verba adiecta liefern eine nähere Bestimmung der verba denominativa und treten in Verbindung mit diesen als deren Modifikatoren auf. Dies lässt sich gut nachvollziehen im folgenden Beispiel: Empieza a cantar. Die reale Handlung ist in diesem Fall das „Singen“, das Verb empieza spezifiziert diese in dem Sinne, dass sie eine Aussage über deren augenblicklichen Beginn trifft.
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Arbeit zitieren:
Zornitsa Boneva, 2010, Aspektuelle Verbalperiphrasen im Spanischen, München, GRIN Verlag GmbH
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