Anamnesis auflöst 5 , so soll doch dieser Teil des Dialogs übersprungen werden, zugunsten der sokratischen Überlegungen zu Wissen und Meinen. Diese Überlegungen kleidet er in ein Beispiel ein. Eine Person (A) hat eine wahre Meinung darüber, wie man nach Larisa kommt und Person (B) hat das Wissen darum. Sokrates stellt aus diesem Zusammenhang dar, dass Person (A) keinesfalls ein schlechterer Führer sein muss, als Person (B) und schließt daraus, dass wahre Meinung folglich nicht weniger nützlich sei, als Wissen. 6 Jedoch wird im weiteren Dialogverlauf deutlich, dass zwischen Wissen und wahrer Meinung ein Unterschied besteht. Denn wahre Meinung ist nur solange eine schätzenswerte Sache, solange sie bleibt. Wahre Meinung ist eine flüchtige Angelegenheit, die fixiert, beziehungsweise angebunden werden muss. Und wahre Meinung wird angebunden durch eine begründete Argumentation, denn nur so kann ihr Wert steigen. Dieses Anbinden, also die begründete Argumentation, wird von Sokrates ebenfalls als die bereits erwähnte Anamnesis (Wiedererinnerung) bezeichnet. 7 Deshalb ist wahre Meinung in ihrer Wertigkeit gegenüber dem Wissen geringer einzuschätzen.
Bevor im Folgenden auf das Liniengleichnis aus der Politea eingegangen wird, soll dem Menon Dialog eine kurze Reflexion widerfahren. Wie erwähnt, gehört dieser Dialog zu den Frühwerken von Platon. Er eignet sich für den Einstieg in das platonische Denken besonders gut, da das „sokratische“ Denken und seiner Voraussetzungen, die formale Anwendung der logischen Grundsätze des Satzes vom Widerspruch, vom ausgeschlossenen Dritten und vom zureichenden Grund in ihm deutlich sichtbar sind. 8 Denn durch die Anwendung dieser Grundsätze im Denken ist die erwähnte Wissens-Anbindung erst sinnvoll möglich. Von der Unterscheidung zwischen Wissen und Meinung richtet sich im folgenden der Fokus auf die Frage, wie es sich mit dem Wissen und der Wahrnehmung bzw. Erkenntnis verhält, oder anders ausgedrückt, wie der Erkenntnisweg des Menschen verläuft. Dies wird durch das Liniengleichnis deutlich.
Jenes Liniengleichnis findet sich im sechsten Buch (509c - 511e) der Politea. Platon teilt die Welt in zwei Teilwelten, in die Sensibilia (das Sichtbare) und die Intelligiblia (das Denkbare), deren ungleiches Verhältnis zugunsten der Intelligiblia geht, da sie den größeren Abschnitt zugeordnet bekommt. 9 Hiermit bildet Platon sein Verständnis ab, dass sich die wahre Erkenntnis durch Einsatz der Vernunft und nicht durch die Sinne manifestiert.
5 „Der Mensch kann seine Suche weder auf etwas richten, was er weiß, noch auf etwas, was er nicht weiß; den er dürfte wohl kaum seine Suche auf etwas richten, was er weiß - er weiß es ja, und wer etwas weiß, braucht seine Suche nicht darauf zu richten - und wohl auch nicht, was er nicht weiß, den er weiß ja nicht, worauf er seine Suche richten soll“ (Menon 80e); zur Anamesis (ebd. 85c)
6 Vgl. Menon 97b
7 Vgl. ebd. 98a
8 Vgl. Zehnpfennig 2005, S. 60f
9 Vgl. Politea 509d
II
Arbeit zitieren:
Sebastian Schneider, 2011, Das Platonische Liniengleichnis, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Philosophie - Philosophie der Antike: neuer Titel erschienen: Das Platonische Liniengleichnis
Sebastian Schneider hat einen neuen Text hochgeladen
Die Struktur des idealen Staates in Platons "Politeia"
Die Grundgedanken des platonis...
Sung-Chul Rhim
Von der Wahrnehmung zur Erkenntnis - From Perception to Understanding
Symposium der Schering Forschu...
Monika Lessl, Jürgen Mittelstraß
0 Kommentare