A Inhaltsverzeichnis
A Inhaltsverzeichnis 1
1 Von Gebirgen, Gesteinen und Prozessen - Eine Einleitung 2
2 Ein Streifzug durch die abwechslungsreiche Geomorphologie Japans 3
2.1 Topographie und Plattentektonik. 3
2.2 Fluvialmorphologie und Hydrologie. 6
2.2.1 Wasserscheiden. 6
2.2.2 Meteorologische Spezifika. 8
2.2.3 Gravitative Massenbewegungen. 10
2.2.4 Überflutungen und Sedimentation. 11
2.2.5 Hydro-geomorphologische Ereignisse durch Erdbeben und 13
eruptiven Vulkanismus
2.3 Glazialmorphologie. 14
3 Die Japanischen Inseln im Spiegel der Geologie 16
3.1 Allgemeine Geologie. 16
3.2 Angewandte (Ingenieurs-)Geologie in Japan. 17
4 Fazit - Quo vadis Nihon? 18
B Literaturverzeichnis 19
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1 Von Gebirgen, Gesteinen und Prozessen - Eine Einleitung
Es bewegt sich `was in Japan. Nicht nur die Steine eines nicht näher bekannten Gebirgsbächleins, wie von NATSUME SOSEKI in seinem Gedicht auf lyrische Weise anmutig beschrieben, vielmehr wird das Land Japan in seiner Gesamtheit bewegt - ebenso wie die Menschen dort. Geographisch interpretiert scheint NATSUME SOSEKIs obiges Haiku das dichterische Ergebnis eines tagtäglich millionenfach ablaufenden fluvialmorphologischen Materialtransportprozesses zu sein: Wasser verrichtet Arbeit an einem Stein. Doch auch eine andere, tiefere Deutung mag sinnig erscheinen: Der Ausdruck „Am Grunde die Steine [...]“ lässt im übertragenden Sinne auf das japanische Festland schließen, dessen Schönheit und Vollkommenheit, die sich im Ausdruck „so / klar das Bächlein“ wiederspiegelt, sich in ständiger Gefahr einer endogenen Bewegung, eines Erdstoßes bzw. Erdbebens befindet.
Tatsächlich ist Japan sehr erdbebengefährdet, liegt es doch am Rande des circumpazifischen Feuergürtels, einer den Pazifischen Ozean umfassenden Zone junger Vulkanketten und häufi-
ger Erdbeben (vgl. TIETZE, 2 1973: 781). Die Existenz des japanischen Festlandes, genauer gesagt des Japanischen Inselbogens, lässt sich in Gänze morphotektonisch, d.h. mithilfe der
Theorie der Plattentektonik, erklären (vgl. ZEPP, 4 2008: 31-37). Hier erstmals erwähnt, soll dies im Kapitel »Geomorphologie« später ausführlicher erfolgen. Selbst für Laien ist es auf-grund der speziellen, vulkanisch-tektonisch geprägten Physiognomie Japans (Gebirge, Vulkane, Verwerfungen, Rutschungen, uvm.) unschwer zu erkennen, daß das Land stetigen geographischen, bisweilen sogar topographischen, Veränderungen unterworfen ist. So entsteht zusätzlich zum japanischen Kernland bspw. regelmäßig Neuland (kleinere Inseln) infolge unterseeischer vulkanischer Aktivität und Geosynklinal-Hebungen (vgl. GNIBIDENKO, 1979: 85).
Die erwähnten Veränderungen sind alle physischgeographischer Natur, haben jedoch auch humangeographische Auswirkungen. Ziel dieser Arbeit ist es in den folgenden Kapiteln ebendiese, für Japan bedeutenden, physischen Prozesse beispielhaft anhand der Geomorphologie und Geologie aufzuzeigen und in einem abschließenden Fazit die Bedeutung des Wissens um diese Grundlagen für den Umgang mit deren Auswirkungen auf den Menschen zu bewerten.
1 Japanisches Haiku. Deutsche Übersetzung: GÜNTER DEBON (o.J.); Original von NATSUME SOSEKI (1867-1916)
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2 Ein Streifzug durch die abwechslungsreiche Geomorphologie Japans
2.1 Topographie und Plattentektonik
Eine vulkanische Inselkette, die russischen Kurilen, begrenzt im Norden das japanische Reich und bildet ferner die Grenze zu Hokkaido, der am nördlichsten gelegenen Insel der vier Hauptinseln, welche zusammengenommen den größten Teil des japanischen Archipels stellen. Südlich der Tsugaru Straße, einer Meerenge, liegt Honshu, die größte und bedeutendste Insel Japans. Die nördliche Hälfte Honshus ist in direkter Nord-Süd-Richtung ausgerichtet, in Hon-
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shus Mitte ändert sich jedoch abrupt diese Ausrichtung hin zu einem nahezu idealen West-Ost-Verlauf. Grund hierfür ist ein Störungsgebiet namens Fossa Magna, welches Honshu mittig durchquert und für Japan ein geologisches Strukturelement erster Güte darstellt. Südwest-Honshu wird am östlichen Ende von Kii, einer Halbinsel, begrenzt. Westlich hiervon liegt Shikoku, die kleinste der vier Hauptinseln. In südwestlicher Richtung wird Japan schließlich von der vierten Insel im Bunde, Kyushu, komplettiert. Die japanischen Inseln vollziehen demnach einen konvexen (Insel-)Bogen gegen den angrenzenden Pazifik, wobei dieser der eurasischen Landmasse im Süden und Norden, respektive bei Kyushu und Hokkaido, am weitesten angenähert ist. Vergleiche hierzu und im Folgenden immer wieder Abbildung 1. In südöstlicher und südwestlicher Richtung vom Kernlande erstrecken sich mehrere zu Japan zählende Inselgruppen bzw. -ketten, wovon die Ryukyu Inseln nahe Taiwan und die Izu-Bonin (Ogasawara) Inseln im Pazifik die wichtigsten sind. Ein mächtiges Grabensystem $, beste-hend aus dem Kuril-, dem Japan-, dem Izu-Bonin- und dem Marianen-Graben, zieht sich von den Kurilen entlang Nord-Honshu pazifikwärts gen Südosten. Ebenso befindet sich ein nicht minder bedeutendes, jedoch kleinres Grabensystem % entlang der pazifischen Seite der Ry-ukyu Inseln und südlich Shikokus, bestehend aus dem Ryukyu-Graben und der Nankai-Rinne. (vgl. SMITH, 1982: 161).
In der Sprache der Plattentektonik lässt sich die soeben beschriebene Topographie Japans wie folgt erklären: Das Tiefseegrabensystem $$resultiert aus dem Aufeinandertreffen zweier Erd-
platten; die ozeanische Pazifische Platte trifft auf den Japanischen Inselbogen und taucht
unter diesem ab. Diesen Vorgang nennt man Subduktion (vgl. ZEPP, 4 2008: 31-37). Infolgedessen entstanden durch Orogenese seit dem späten Känozoikum (spätes Neogen/ frühes Quartär) weite Teile der nördlichen Japanischen Alpen mit ihren intrusiven Vulkanen (vgl. OLLIER, 2006: 442). Das Rinnensystem % resultiert hingegen aus der Kollision des nördlichen
Ausläufers der Philippinischen Platte mit dem Japanischen Inselbogen; hierbei schiebt sich die Philippinische Platte ebenso unter den Inselbogen und bewirkte so im Laufe der Jahrmillionen die Entstehung weiterer Vulkane sowie der südlichen Japanischen Alpen. Zeitgleich schiebt sich unterhalb des Izu-Bonin-Grabens die Pazifische Platte unter die Philippinische Platte, weshalb hier die bereits erwähnten vulkanischen Ogasawara Inseln entstehen konnten. Japan ist demnach tektonisch stark beansprucht. Dies äußert sich mehrmals im Jahr durch Erdbeben und Vulkanausbrüche. Das Land ist sehr gebirgig und besitzt nur eine kleine Anzahl an Ebenen, die über Meeresniveau liegen. Diese sind meist fluviatilen Ursprungs und stellen die Schwemmfächer, d.h. das Akkumulations- und Sedimentationsgebiet der erodieren-
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den Flüsse aus den Gebirgen dar. Strenggenommen sind sie nichts anderes als Hochebenen und Hochtäler im Gebirge, denn dieses setzt sich unterseeisch noch einige Kilometer steil fort. Erst weit unter dem Meeresspiegel liegen die eigentlichen Gebirgsfüße bzw. Pedimente, welche in unterseeische Terrassen übergehen, die das Gebirge von den subduktionsbedingten Tiefseerinnen (Gräben) abgrenzen. (vgl. SMITH, 1982: 161).
Nachfolgende Abbildung 2 stellt die bereits erwähnten tektonischen Prozesse graphisch dar:
Arbeit zitieren:
Christian Benner, 2010, Zur Geomorphologie und Geologie der Japanischen Inseln, München, GRIN Verlag GmbH
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