Es soll gezeigt werden, mit welchen Themen sich die Wirtschaftsinformatik bereits auseinander gesetzt hat und wie damit am besten umgegangen werden sollte. Die These dieser Arbeit lautet: In der Wirtschaftsinformatik haben ethische Aspekte bisher keine Beachtung gefunden. Diesbezüglich wurde eine Forschungsfrage gestellt, die mit dieser Arbeit beantwortet werden soll. Die Frage lautet: Welche ethischen Themen betreffen die Wirtschaftsinformatik?
Zu Beginn werden die wichtigsten Begriffe abgegrenzt und definiert. Anschließend sollen verschiedene Themengebiete mit ethischer Relevanz mithilfe einer Literaturrecherche ausgearbeitet und dargestellt werden. Im Anschluss sollen Möglichkeiten gezeigt werden, wie mit ethischen Themen verfahren werden kann. In diesem Zusammenhang wird es auch nötig sein, Forderungen an die Wirtschaftsinformatik zu formulieren, um ethische Themen ordnungsgemäß zu behandeln.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsabgrenzungen
3. Ethisch relevante Themen für die Wirtschaftsinformatik
3.1 Asymmetrien in Informationssystemen
3.2 Verantwortlichkeit von Entscheidungsträgern
3.3 Datenspeicherung und Datenschutz
3.4 NonObvious Relationship Awareness
3.5 Ortungssysteme
3.6 Weitere ethisch relevante Themen
4. Forderungen an die Wirtschaftsinformatik
5. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die ethische Dimension innerhalb der Wirtschaftsinformatik und hinterfragt die These, dass ethische Aspekte in diesem Fachgebiet bisher keine Beachtung gefunden hätten. Das primäre Ziel ist die Identifikation und Bewertung ethisch relevanter Themenfelder sowie die Formulierung von Forderungen zur Integration ethischer Leitlinien in die Praxis und Ausbildung der Wirtschaftsinformatik.
- Grundlagen ethischer Begriffe und deren Bezug zur Wirtschaftsinformatik
- Ethische Implikationen von Informationsasymmetrien und Systemverantwortung
- Datenschutzaspekte bei modernen Identifikations- und Ortungstechnologien
- Herausforderungen durch Automatisierung und Netzsperren
- Notwendigkeit ethischer Leitlinien für die Systementwicklung
Auszug aus dem Buch
3.1 Asymmetrien in Informationssystemen
Eine Asymmetrie ist ein Ungleichgewicht. Sie entsteht in diesem Fall bei der Verfügbarkeit von Informationen. Wenn ein Informationssystem eine große Menge an Daten verarbeitet, aufbereitet und einem Entscheidungsträger darstellt, wählt das System automatisch aus der Fülle an Informationen die relevanten aus. Der Entscheider versorgt sich also nicht selbst mit Informationen, sondern bekommt diese durch ein System dargestellt. Diese zweckmäßig erstellte Asymmetrie dient der Spezialisierung und Effizienz von Unternehmen. Die aufgeworfenen ethischen Fragen bei diesem Sachverhalt stellen sich wie folgt dar:
Der Wirtschaftsinformatiker gestaltet das Informationssystem nach den Wünschen des Unternehmens. Es werden relevante Daten ausgewählt und aufbereitet. Es existiert jedoch keine genaue Einschätzung, welche Informationen denn wichtig sind und welche nicht. Auch die Berechnung von Ergebnissen bleibt dem Benutzer verborgen. Diese Informationsasymmetrie zwischen Entwickler und Benutzer führt zu Problemen im erwarteten Verhalten des Programmes.
Die Forderung an ein Programm, fehlerfrei und wie erwartet zu funktionieren, ist eine ethische, an Werte gebundene Aussage, die nicht eindeutig definiert ist. Die Systemanforderungen sind von Benutzer zu Benutzer unterschiedlich und demnach schwer zu generalisieren. Unkonkrete Wünsche wie erwartungstreue „gute“ Software, können nicht zu formalen quantitativen Zielen führen. Deshalb werden Nutzer häufig in die Entwicklung des Systems einbezogen, um genauere Anforderungen formulieren zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung ethischer Fragen in einer von Informationssystemen abhängigen Welt und stellt die Forschungsfrage nach den ethischen Herausforderungen für die Wirtschaftsinformatik.
2. Begriffsabgrenzungen: In diesem Kapitel werden die zentralen Begriffe Ethik (deskriptiv/normativ) und Wirtschaftsinformatik definiert, um ein fundiertes Verständnis für die weitere Untersuchung zu schaffen.
3. Ethisch relevante Themen für die Wirtschaftsinformatik: Das Hauptkapitel identifiziert und analysiert diverse ethische Problemfelder wie Informationsasymmetrien, Datenschutz, Überwachung durch Ortungssysteme, Google Street View, E-Health sowie Automatisierung und Netzsperren.
4. Forderungen an die Wirtschaftsinformatik: Es werden konkrete ethische Analyseverfahren vorgeschlagen und die Notwendigkeit unterstrichen, ethische Prinzipien und Leitlinien fest in die Ausbildung und die Praxis der Wirtschaftsinformatik zu integrieren.
5. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit widerlegt die These der Ignoranz gegenüber ethischen Aspekten und betont, dass zwar ein Bewusstsein vorhanden ist, jedoch eine stärkere Formalisierung ethischer Leitlinien zwingend erforderlich bleibt.
Schlüsselwörter
Wirtschaftsinformatik, Ethik, Informationssysteme, Datenschutz, Informationsasymmetrie, Ortungssysteme, Google Street View, Automatisierung, Privatsphäre, Datenschatten, NORA, Verantwortung, E-Health, Netzsperren, Leitlinien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die ethische Relevanz von Informationssystemen innerhalb der Wirtschaftsinformatik und analysiert, wie verantwortungsvoll mit Daten und Systemen umgegangen wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind u.a. Informationsasymmetrien, Datenschutz bei biometrischen Daten, die gesellschaftlichen Auswirkungen von Ortungssystemen und die Rolle der Ethik bei der Automatisierung von Prozessen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, welche ethischen Themen die Wirtschaftsinformatik konkret betreffen und ob diese Aspekte in der Fachdisziplin ausreichend berücksichtigt werden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und einer deskriptiven ethischen Analyse, um den Ist-Zustand zu bewerten und ethische Herausforderungen zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Untersuchung spezifischer Problembereiche wie der "NonObvious Relationship Awareness" (NORA), biometrischer Datenerfassung, dem Projekt "Elena" und der Einführung von Google Street View.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Wirtschaftsinformatik, Ethik, Datenschutz, Privatsphäre und technologische Verantwortung geprägt.
Wie steht der Autor zum Thema Google Street View?
Der Autor betrachtet Street View kritisch hinsichtlich des Eingriffs in das Persönlichkeitsrecht und betont, dass die intensive öffentliche Kritik in Deutschland zu einer notwendigen Sensibilisierung und Einräumung von Widerspruchsrechten geführt hat.
Welchen Stellenwert nimmt die "sinnhafte Vollautomation" ein?
Die Vollautomation wird als langfristiges Ziel definiert, wobei der Autor mahnt, dass ethische Grenzen gewahrt bleiben müssen, um die Entscheidungskompetenz des Menschen nicht vollständig durch Computersysteme zu ersetzen.
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- B. Sc. Thomas Pätzold (Author), 2010, Ethik in der Wirtschaftsinformatik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166082