Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis...................................................................................................................... II
Abbildungsverzeichnis III
1. Einleitung 1
2. Begriffsabgrenzungen 2
3. Ethisch relevante Themen für die Wirtschaftsinformatik 4
3.1 Asymmetrien in Informationssystemen 4
3.2 Verantwortlichkeit von Entscheidungsträgern 5
3.3 Datenspeicherung und Datenschutz 6
3.4 NonObvious Relationship Awareness. 9
3.5 Ortungssysteme 10
3.6 Weitere ethisch relevante Themen 14
4. Forderungen an die Wirtschaftsinformatik 19
5. Zusammenfassung und Fazit. 21
Literaturverzeichnis. 23
II
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 Wirtschaftsinformatik als interdisziplinäre Wissenschaft.
Abb. 2 Funktionsweise von NORA.
Abb. 3 Funktionsweise von GPS.
Abb. 4 Funktionsprinzip von TMCpro.
Abb. 5 Funktionsweise von Google Street View
III
1. Einleitung
Die Leistungsfähigkeit von Computern steigt ständig rapide an. Speicherplatz wird immer kostengünstiger und die Vernetzung unterschiedlicher Systeme schreitet voran. Immer mehr Daten werden gespeichert und neue Informationssysteme entwickelt. Die Frage wird aufgeworfen, welche Daten gespeichert werden dürfen, wie ein Informationssystem gestaltet und welche Verantwortung den Benutzern zugewiesen werden soll. (Laudon et al. 2010, S. 158) Umso mehr Informationssysteme entwickelt und eingeführt werden, umso höher ist die Abhängigkeit von diesen Systemen und die Verletzbarkeit bei Fehlern. Die ethische Bedeutung dieser Fragen für die Wirtschaftsinformatik soll mit dieser Arbeit behandelt werden. Es soll gezeigt werden, mit welchen Themen sich die Wirtschaftsinformatik bereits auseinander gesetzt hat und wie damit am besten umgegangen werden sollte. Die These dieser Arbeit lautet deshalb: In der Wirtschaftsinformatik haben ethische Aspekte bisher keine Beachtung gefunden. Diesbezüglich wurde eine Forschungsfrage gestellt, die mit dieser Arbeit beantwortet werden soll. Die Frage lautet: Welche ethischen Themen betreffen die Wirtschaftsinformatik?
Zu Beginn werden die wichtigsten Begriffe abgegrenzt und definiert. Anschließend sollen verschiedene Themengebiete mit ethischer Relevanz mithilfe einer Literaturrecherche ausgearbeitet und dargestellt werden. Im Anschluss sollen Möglichkeiten gezeigt werden, wie mit ethischen Themen verfahren werden kann. In diesem Zusammenhang wird es auch nötig sein, Forderungen an die Wirtschaftsinformatik zu formulieren, um ethische Themen ordnungsgemäß zu behandeln. Den Schluss der Arbeit bilden dann eine Zusammenfassung und ein Fazit.
Es scheint, als würden ethische Betrachtungsweisen in der Gesellschaft an Bedeutung gewinnen. So protestierten tausende Bürger gegen die Einführung von Google Street View in Deutschland. (Koch 2010) Weitere Demonstrationen mit bis zu 7.500 Menschen wurden gegen verschiedene Systeme zur Datensammlung wie Elena oder eine geplante Volkszählung registriert. (Golem.de 2010) Das Interesse der Bevölkerung am Schutz der Privatsphäre steigt, die Angst vor der Datensammlung in Informationssystemen wächst. Die Wirtschaftsinformatik ist mit diesen ethischen Bedenken konfrontiert. Viele Alltagssituationen sind durch ethische Aspekte wie Moral, Werte und Haltungen gekennzeichnet. Es ist das Ziel dieser Arbeit, solche für die Wirtschaftsinformatik bedeutsamen Themen zu identifizieren und zu bewerten. Mit dieser Arbeit soll das Bewusstsein für ethische Themen geschaffen und zur Diskussion animiert werden.
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2. Begriffsabgrenzungen
Um dem Leser der Arbeit ein besseres Bild über das Thema zu ermöglichen, sollen in diesem Punkt zweckmäßige Definitionen dargestellt werden. Ethik
Die Ethik stellt einen grundlegenden Bestandteil der Philosophie dar, dessen Ursprünge bis in das antike Griechenland reichen. Kern der Betrachtungen in der Ethik ist die Moral, welche sich wiederum aus Werten bzw. Zielen, und Normen bzw. Handlungsanleitungen zusammensetzt. In jedem Individuum existieren Haltungen, wie der Mensch handeln soll. Die Ethik beschäftigt sich mit der Frage, ob die Handlungen eines Menschen richtig sind oder nicht.
Ethik kann deskriptiv oder normativ sein. Deskriptive Ethik beschreibt empirisch, welche Handlungen in der Gesellschaft als gut angesehen werden. Normative Ethik beschäftigt sich mit guten und schlechten Verhaltensweisen und soll anhand dessen Sollzustände, also Normen, festlegen. Beide Teile werden unter der Methaethik noch einmal in Sprache und Logik der Aussagen untersucht. Diese systematische Dreiteilung ist charakteristisch für die Ethik. (Karmasin und Litschka 2008, S. 13 f.)
Die vorliegende Arbeit bezieht sich vorwiegend auf deskriptive Ethik und zeigt, welche Haltungen in der Gesellschaft bereits angesprochen wurden und als gut bzw. schlecht eingeschätzt werden. Wirtschaftsinformatik
Die Wirtschaftsinformatik beschäftigt sich laut Mertens „mit der Gestaltung, dem Betrieb und der Nutzung von Systemen der computergestützten Informationsverarbeitung in Wirtschaft und Verwaltung und zunehmend auch im unmittelbaren privaten Lebensumfeld.“ (Mertens et al. 2010, S. 1) Sie versucht, Informatik und Betriebswirtschaftslehre sinnvoll zu integrieren. Erste Klassifikationen stammen aus dem Jahre 1955, in dem EDV-Anwendungen erstmals in der Wirtschaft eingesetzt wurden. (Ortner 2009) Die interdisziplinäre Einordnung veranschaulicht diese Abbildung:
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Abb. 1 Wirtschaftsinformatik als interdisziplinäre Wissenschaft (Abts und Mülder 2009, S. 3)
Zu erkennen ist, dass die Wirtschaftsinformatik Teile der Informatik, der Rechtslehre, der Betriebswirtschaftslehre und der Ingenieurwissenschaften beinhaltet. Mertens fügt in seinen Erklärungen noch einen zusätzlichen Bereich der Wirtschaftsinformatik an, der sich mit keiner anderen Wissenschaft deckt. (Mertens et al. 2010, S. 7)
Es ist also schwer, einen einheitlichen Begriff zu definieren, da die Übergänge zu anderen Wissenschaften fließend verlaufen. Wirtschaftsinformatik lässt sich als Realwissenschaft, als Formalwissenschaft und auch als Ingenieurwissenschaft klassifizieren.
Wirtschaftsinformatiker beschäftigen sich mit der Beschreibung und Optimierung realer Informationssysteme und der Entwicklung und Konstruktion zukünftiger
Informationssysteme. (Laudon et al. 2010, S. 61) Da sich die Wirtschaftsinformatik nicht nur mit betriebswirtschaftlichen Aspekten befasst, werden auch Anwendungen und Systeme für Privatanwender in dieser Arbeit unter ethischen Gesichtspunkten analysiert.
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3. Ethisch relevante Themen für die Wirtschaftsinformatik
3.1 Asymmetrien in Informationssystemen
Eine Asymmetrie ist ein Ungleichgewicht. Sie entsteht in diesem Fall bei der Verfügbarkeit von Informationen. Wenn ein Informationssystem eine große Menge an Daten verarbeitet, aufbereitet und einem Entscheidungsträger darstellt, wählt das System automatisch aus der Fülle an Informationen die relevanten aus. Der Entscheider versorgt sich also nicht selbst mit Informationen, sondern bekommt diese durch ein System dargestellt. Diese zweckmäßig erstellte Asymmetrie dient der Spezialisierung und Effizienz von Unternehmen. Die aufgeworfenen ethischen Fragen bei diesem Sachverhalt stellen sich wie folgt dar: Der Wirtschaftsinformatiker gestaltet das Informationssystem nach den Wünschen des Unternehmens. Es werden relevante Daten ausgewählt und aufbereitet. Es existiert jedoch keine genaue Einschätzung, welche Informationen denn wichtig sind und welche nicht. Auch die Berechnung von Ergebnissen bleibt dem Benutzer verborgen. Diese Informationsasymmetrie zwischen Entwickler und Benutzer führt zu Problemen im erwarteten Verhalten des Programmes.
Die Forderung an ein Programm, fehlerfrei und wie erwartet zu funktionieren, ist eine ethische, an Werte gebundene Aussage, die nicht eindeutig definiert ist. Die Systemanforderungen sind von Benutzer zu Benutzer unterschiedlich und demnach schwer zu generalisieren. Unkonkrete Wünsche wie erwartungstreue „gute“ Software, können nicht zu formalen quantitativen Zielen führen. Deshalb werden Nutzer häufig in die Entwicklung des Systems einbezogen, um genauere Anforderungen formulieren zu können. Die Beschäftigung mit den Asymmetrien zwischen Benutzern und Entwicklern findet also bereits vielfach im Alltag, wenn auch nur unterbewusst, statt. Es ist nicht sinnvoll, ein System vollständig bezüglich seiner Einflussgrößen und deren Konstellationen zu definieren, wodurch die Asymmetrisierung also keine problematische Handlungsweise ist. (Fehling und Jahnke 2007, S. 11 f.)
Zu diesem Thema werden demnach bereits Diskussionen geführt. Sie zielen jedoch nicht darauf ab, eindeutige ethisch korrekte Gestaltungslinien für Softwaresysteme zu definieren, da dies praktisch nicht möglich ist. Vielmehr besteht die Intention, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die Gestaltung von Software in Absprache mit den Benutzern ethische Züge aufweist.
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3.2 Verantwortlichkeit von Entscheidungsträgern
Menschen, die Entscheidungen treffen, die andere Personen beeinflussen, haben eine besondere Verantwortung. Hierarchisch höher gestellte Mitarbeiter, Manager und Entscheider handeln nach ihren Möglichkeiten und nehmen somit Einfluss auf andere Mitmenschen. Hierbei wird die Frage aufgeworfen, welche Handlungen ethisch vertretbar sind und in welchem Maße andere Subjekte beeinflusst werden dürfen. Für die Wirtschaftsinformatik hat dies besonders bei der Entwicklung von Informationssystemen einen hohen Stellenwert. Umso mehr Informationen und Alternativen das System berücksichtigt, umso effektiver ist es. Durch den Anstieg der Wahlmöglichkeiten für einen Entscheider steigt auch dessen Verantwortlichkeit gegenüber dem Unternehmen und dessen Mitarbeitern. Der Wirtschaftsinformatiker muss beim Entwurf der Software die Alternativen für den Nutzer so beschränken, dass eine Überforderung verhindert wird. Dadurch wird die Verantwortung der Entscheider sinnvoll eingegrenzt. Routinetätigkeiten sollten demnach relativ wenig Verantwortung bedeuten. Für strategische Entscheidungen hingegen muss ein sinnvolles Maß an strukturierten Optionen vorgegeben sein, um die Selektionsleistung zu sichern. Es ist demnach entscheidend, wie viele Informationen das System bereitstellt und welche Kontrolle der Benutzer über seine Entscheidungen hat. Umso intransparenter das System ist, umso stärker ist die Abhängigkeit von der Software und der Kontrollverlust des Nutzers. Im Extremfall muss der Software blind vertraut werden, was einer strengen Asymmetrisierung entspricht. Dadurch entscheidet nicht mehr der Mensch, sondern das Computersystem. (Fehling und Jahnke 2007, S. 14)
Zu dieser Thematik gibt es verschiedene Aussagen, wie der Wunsch von Johnson und Mulvey nach einer Standardisierung für die Entwicklung von entscheidungsunterstützenden Systemen. (Johnson und Mulvey 1995, S. 58-64) Ein weiterer Ansatz ist die Nutzung von künstlicher Intelligenz in solchen Systemen, die jedoch die Entscheidungsfreiheit des Menschen einschränkt bzw. diesen sogar ersetzt. Bei der Entwicklung von Informationssystemen wird bisher jedoch immer festgelegt, welche Verantwortung ein Benutzer haben darf, weshalb die ethische Bedeutung dieses Themas für die Wirtschaftsinformatik sehr hoch ist. (Fehling und Jahnke 2007, S. 15)
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Arbeit zitieren:
B. Sc. Thomas Pätzold, 2010, Ethik in der Wirtschaftsinformatik, München, GRIN Verlag GmbH
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