Einleitung
Die folgende Analyse zweier Zeitungsartikel basiert zum einen auf der Grundannahme, dass die Strukturstellen, die vom Verbkomplex eröffnet werden, durch syntaktische Einheiten unterschiedlicher Größe besetzt werden können. Zum anderen wird davon ausgegangen, dass es prinzipiell nur drei Möglichkeiten gibt, syntaktische Komplexität herzustellen:
1. Hinzufügung freier Angaben und/oder gleichstufiger Attribute, die nicht in sich komplex sind,
2. Vervielfältigung von Strukturstellen durch Koordination, 3. Besetzung der Strukturstellen durch in sich komplexe Phrasen und Nebensätze.
Das Ziel der nachfolgenden Satzanalyse besteht darin, die These der verschiedenen Komplexitätsstufen zu prüfen. Darüber hinaus soll ermittelt werden, welche Komplexitätsstufen in den jeweiligen Artikeln am häufigsten vorkommen und auf welche Weise sie kombiniert werden. Dazu wurden zwei Zeitungsartikel ausgewählt, die sich mit den Diskussionspunkten des G20-Gipfels in Seoul beschäftigen. 1 Die beiden Tageszeitungen aus denen die Artikel stammen, unterscheiden sich insbesondere in ihrem Adressatenkreis. Während die Bild als eine Zeitung für die breite Masse gilt, richtet sich die taz in erster Linie an Akademiker 2 . Es gilt zu prüfen, ob ein Unterschied auch in der syntaktischen Komplexität der Zeitungsartikel deutlich wird.
1 Blome, Nikolaus: G20-Gipfel in Südkorea. Merkel legt sich mit Obama an. Unter: bild.de [INT1] (11.11.2010). Koch, Hannes: Vor dem G20-Gipfel. Damit es wieder rund läuft. Unter: taz.de [INT2] (10.11.2010).
2 Eine Umfrage im Jahr 2010 ergab, dass 57% der taz-Leser/innen einen Uni- und FH-Abschluss haben [INT3]. Dies ist, laut einer Umfrage der Bild ebenfalls im Jahr 2010, nur bei 4-5% der Bild-Leser/innen der Fall [INT4].
1. Einfache Strukturschemata
Unter diesem Punkt werden Sätze analysiert, bei denen keine oder nur eine der Komplexitätsmöglichkeiten genutzt werden.
1.1 Grundstruktur
„Daran wird er gemessen.“ 3
In Bezug auf seine Ergänzungen weist dieser Bespielsatz die einfachste Grundstruktur auf, da die Strukturstellen durch einfache Worte besetzt sind und keine freien Angaben hinzufügt sind. Hier ist eine Valenzänderung zu beobachten: das eigentlich einwertige Verb messen wird hier zweiwertig gebraucht, womit eine Bedeutungsänderung verbunden ist. Aus diesem Grund wird daran als obligatorische Ergänzung bezeichnet, da das Weglassen des Adverbs zu einer Bedeutungsänderung des Satzes führen würde (Er wird gemessen).
3 Blome, Nikolaus: G20-Gipfel in Südkorea. Merkel legt sich mit Obama an. Unter: bild.de [INT1] (11.11.2010).
1.2 Komplexität durch Hinzufügung freier Angaben
„Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist am Morgen in Seoul zum G20-Gipfel eingetroffen.“ 4
In diesem Satz entsteht Komplexität durch die Hinzufügung freier Angaben (1.). Die freien Angaben sind weder obligatorisch (quantitative Valenz) noch formdeterminiert (qualitative Valenz). Zur Vereinfachung werden die Präpositionalphrasen in eckigen Klammern zusammengefasst. Es ist anzumerken, dass bei weiterer Aufschlüsselung die Präposition das Regens und das Substantiv das Dependens bilden würden, da die Präposition die syntaktische Form des Substantivs bestimmt.
Bezüglich der Komplexitätsstufe ist zu sagen, dass dieser Satz ebenso als eine Mischform zwischen den Möglichkeiten 1 und 3 5 interpretiert werden kann, da es sich bei
4 Blome, Nikolaus: G20-Gipfel in Südkorea. Merkel legt sich mit Obama an. Unter: bild.de [INT1] (11.11.2010).
5 Definitionen siehe Einleitung
der Phrase [Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)] streng genommen um eine komplexe Phrase handelt.
1.3 Komplexität durch die Hinzufügung komplexer Phrasen und Nebensätze
"‘Wir zehren von der Substanz‘, räumt Hans-Peter Keitel, der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, ein.“ 6
6 Koch, Hannes: Vor dem G20-Gipfel. Damit es wieder rund läuft. Unter: taz.de [INT2] (10.11.2010).
Arbeit zitieren:
Lisa Sangmeister, 2010, Dependenzgrammatik, München, GRIN Verlag GmbH
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