Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Buddhistische Erlösungswege 2
2.1. Die „Vier Edlen Wahrheiten“ 2
2.2. Was ist Nirvana? 3
2.3. Erlösung in Mahayana und Theravada im Vergleich 4
3. Der christliche Weg zum Heil 5
3.1. Erlösung im Alten Testament: Der Exodus 5
3.2. Erlösung im Neuen Testament: Erlöst durch Jesus Christus 6
4. Buddhismus und Christentum im Vergleich 6
4.1. Gemeinsamkeiten des christlichen und buddhistischen Erlösungsverständnisses 7
4.2. Unterschiede und Konsequenzen 8
5. Schluss 10
6. Literaturverzeichnis 12
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1. Einleitung
Buddha - der Erleuchtete, im Sitzen meditierend, in völliger Harmonie und geistiger Ruhe in sich selbst versunken und Christus - der Gekreuzigte, am Kreuz hängend, als Sohn Gottes, als Heiland, gestorben für die ganze Menschheit. Zwei Bilder wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Es sind Bilder wie sie uns im Alltag begegnen, eine äußerliche Sicht auf zwei Religionen, die in ihrem Kern scheinbar sehr weit auseinander liegen. Aus einer Gegenüberstellung beider Stereotypen lassen sich folgende Thesen ableiten: Im Buddhismus geht es um eine Inneneinkehr des Menschen und folglich um eine Abkehr von der Welt; die Bibel dagegen verlangt eine absolute Hinwendung zur Welt und den Mitmenschen. Ethische Werte wie Mitleid und Nächstenliebe spielen in beiden Religionen eine zentrale Rolle, aber auf der einen Seite reicht aus buddhistischer Sicht ein nur passives Wohlwollen, auf der anderen Seite muss sich aus christlichem Glauben vielmehr eine aktive Wohltätigkeit ergeben. Im Buddhismus gibt es verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten um zum Heil zu gelangen, die Bibel dagegen kennt nur einen Weg: den Weg durch Jesus Christus. Daraus folgt eine gegensätzliche Ansicht: Im Buddhismus geht es darum, was der Mensch will; im Christentum zählt der Wille Gottes. Im Rückschluss darauf lässt sich der grundlegende Unterschied zwischen buddhistischer und christlicher Erlösungsvorstellung erkennen. Denn die buddhistische Lehre vertritt eine aktive Selbsterlösung: der Mensch ist in der Lage, sich selbst zu erlösen. Christentum dagegen ist nur mit einer Fremderlösung denkbar: die persönliche Erlösung des Einzelnen ist abhängig von einem Erlöser, von Gott. Ist ein christlich-buddhistischer Dialog angesichts dieser grundlegenden Gegensätze überhaupt möglich? Unter Beachtung dieser Leitfrage werde ich im Folgenden unterschiedliche Erlösungsvorstellungen gegenüberstellen und vergleichen. Ich beginne mit der buddhistischen Auffassung, indem ich zunächst den allgemeinen Erlösungsweg aufzeige, der für die verschiedenen Schulen Geltung hat, sowie das einheitliche Ziel des Wegs, die Erleuchtung bzw. das Nirvana. Darüber hinaus werde ich die Unterschiede in der jeweiligen Auffassung des Erlösungswegs im Mahayana- und Theravada-Buddhismus aufzeigen. Im zweiten Teil werde ich das christliche Erlösungsverständnis sowohl im Alten als auch im Neuen Testament darstellen und im letzen Abschnitt schließlich konkret auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Buddhismus und Christentum eingehen. Der Schwerpunkt wird dabei einerseits auf der buddhistischen Lehre und andererseits auf einem direkten interreligiösen Vergleich liegen.
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2. Buddhistische Erlösungswege
Seit dem frühen Buddhismus haben sich mit der Zeit zahlreiche verschiedene Schulen herausgebildet und abgespalten. Diese unterscheiden sich zwar teilweise mehr oder weniger deutlich in ihren Auffassungen von Erlösung und Heil, ihre Lehre ist aber dennoch einheitlich auf das Erreichen des einen Ziels ausgerichtet: die Erleuchtung. Oder wie Hajime Nakamura es formuliert: „Ihre Aussagen mögen verschieden sein, aber ihre Aussagerichtung ist die gleiche.“ 1 Daraus ergeben sich folglich zwei grundlegende Fragen. Erstens, wer kann dieses Ziel erreichen? Und zweitens, wie kann es konkret erreicht werden? Der Buddhismus gibt darauf eine klare Antwort: Grundsätzlich hat jeder die Möglichkeit durch die Erkenntnis der ‚Vier Edlen Wahrheiten‘ erleuchtet bzw. erlöst zu werden und damit den ewigen Kreislauf der Widergeburten (‚Samsara‘) zu durchbrechen.
2.1. Die „Vier Edlen Wahrheiten“
Die sogenannten ‚Vier Edlen Wahrheiten‘ sind ein Grundprinzip, das seit dem frühen Buddhismus besteht und in den verschiedenen Schulen eine wichtige Rolle spielt. Es steht in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der buddhistischen Auffassung von Erlösung: Die Wahrheiten beschreiben den Weg zum letztlichen Heil, dem ‚Nirvana‘. Die erste heilige Wahrheit besagt, dass das Leben Leiden ist: „Der zum Nirvana Strebende muß ein umfassendes, lückenloses Bewußtsein darüber erlangen, daß es im Leben nichts gibt, was nicht leidvoll wäre.“ 2 Diese Allgemeinheit des Leidens sei aber für den Menschen schwer zu erkennen. Wer aber zur Erlösung gelangen will, müsse zuerst diesen „Zustand der Unerlöstheit“ 3 durchschaut haben und erkennen, dass das ganze Leben Leiden ist. Die zweite heilige Wahrheit fragt nach den Ursachen des Leidens. Diese sind zum einen Unwissenheit und zum anderen Durst bzw. Begehren. Welches die letztliche Erstursache von 4 beiden ist, ist laut Erhard Meier umstritten. Durch das Begehren haftet der Mensch sowohl
an irdischen Dingen als auch am eigenen Leben an. Diese Anhaftung gilt es aber auf dem Weg zur persönlichen Erleuchtung zu überwinden. In diesem Zusammenhang spielt auch die Lehre vom ‚Karma‘ eine Rolle. Karma meint, dass alles Tun entsprechende Auswirkungen
1 Nakamura, Hajime: Der Erlösungsprozeß im Buddhismus, in: Erlösung in Christentum und Buddhismus, hrsg.
v. Andreas Bsteh, Mödling 1982, S. 97.
2 Meier, Erhard: Was ist Erlösung im Buddhismus? in: Was ist Erlösung? Die Antwort der Weltreligionen, hrsg.
v. Adel Theodor Khoury u. Peter Hünermann, Freiburg 1985, S. 55.
3 vgl. Meier: a.a.O., S. 57.
4 vgl. Meier: a.a.O., S. 60.
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hat: Heilsames Tun bringt gutes Karma hervor und unheilsames Tun böses Karma. 5 So ist
auch das Leid eine Folge von schlechtem Handeln bzw. einer schlechten Gesinnung. Das menschliche Verhalten wirkt sich also nicht nur konkret auf sein Leben, sondern auch auf sein Weiterleben bzw. seine Wiedergeburt aus.
Die dritte heilige Wahrheit besagt, dass es grundsätzlich die Möglichkeit zur Aufhebung der 6 Und die Frage nach Ursache des Leidens und damit zur Aufhebung des Leidens an sich gibt. dem wie, wird schließlich mit der vierten heiligen Wahrheit beantwortet: […] Dies, ihr Mönche, ist die heilige Wahrheit vom Wege zur Aufhebung des Leidens: es ist dieser heilige achtteilige Pfad, der da heißt: rechtes Glauben, rechtes Entschließen, rechtes Wort, rechte Tat, rechtes Leben, rechtes Streben, rechtes Gedenken, rechtes Sichversenken.“ 7 Der sogenannte
‚Achtgliedrige Pfad‘ ist der eigentliche Weg zur Erlösung. Wer ihn nach ihm lebt kann aus dem Kreislauf der Widergeburten ausbrechen und schon zu Lebzeiten das Nirvana erreichen. Ein Buddhist kann und muss also seine Erleuchtung primär durch eigenes Tun bewirken.
2.2. Was ist Nirvana?
Nirvana gilt im Buddhismus als Zustand der Erlösung bzw. Erleuchtung, der bereits im Leben, d.h. im ‚Hier und Jetzt‘, erreicht werden kann und nicht erst nach dem Tod eines Menschen. Hajime Nakamura beschreibt das Nirvana als „[immerwährenden] Zustand des Glücks und des Friedens, der hier auf Erden zu erlangen ist durch das Auslöschen der ‚Feuer der Leidenschaften‘ und der ‚Bedrängnisse‘.“ 8 Im Gegensatz dazu kann der Endzustand aber auch negativ gedeutet werden. Problematisch ist die ursprünglich verneinende Bedeutung des Wortes: „[…] Nirvana, bedeutet eigentlich »Erlöschen«.“ 9 Nirvana kann negativ gesehen auch als totale Vernichtung des Individuums gedeutet werden. Aber dabei ist nicht das Verlöschen des Menschen an sich gemeint, sondern eher das Verlöschen von allem Leid und den Ursachen des Leidens. Nirvana ist weder nihilistisch zu verstehen noch meint es die bloße Vernichtung. Es ist vielmehr ein Begriff, der für den absoluten Frieden steht: „Der Buddha, einer, der Erleuchtung erlangt hat, ist weit davon entfernt, sich ins Nicht-Sein aufgelöst zu haben: Ausgelöscht ist nicht er, ausgelöscht ist nur das Leben der Verblendung, der Leidenschaften, der Begierden und des Hasses.“ 10
5 vgl.: Bechert, Heinz: Christentum und Weltreligionen. Buddhismus, 3. Auflage, München 1992, S. 33.
6 vgl. Meier: a.a.O., S. 63.
7 Meier: a.a.O. S. 63-64.
8 Nakamura: a.a.O. , S. 90.
9 Bechert: a.a.O., S. 35.
10 vgl. Nakamura: a.a.O., S. 89.
Arbeit zitieren:
Linda Lau, 2010, Selbst- oder Fremderlösung?, München, GRIN Verlag GmbH
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