Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Richard Löwenthal: „Widerstand im totalen Staat“ 5
3. Martin Broszat: „Resistenz und Widerstand. Eine Zwischenbilanz des
Forschungsprojektes “ 8
4. Klaus Gotto u.a.: Nationalsozialistische Herausforderung und kirchliche Antwort.
Eine Bilanz. 10
5. Peter Hüttenberger: Vorüberlegungen zum „Widerstandsbegriff“ 12
6. Fazit. 13
7. Quellenverzeichniss 16
1. Einleitung
Der Begriff Widerstand wird im Deutschen oft mit Widerstandsaktivisten undgruppen bzw. deren Aktionen während der Zeit der Nationalsozialistischen Herrschaft assoziiert. Diese geistige Einengung beschreibt zugleich eine auf Deutschland ausgerichtete Ethnozentrik, welche als „Selektionsmechanismus gegenüber dem gesamten Gegenstandsbereich auftritt.“ 1 Diese singuläre Beschränkung hat sich in der Forschung manifestiert. Der Widerstandsbegriff ist schwer zu fassen und zu kategorisieren. Aufgrund der langen „Tradition“ Widerstand als primär deutsches Phänomen aufzufassen und zu erforschen, entstanden zahlreiche Werke und Forschungsarbeiten mit besonderem Bezug auf einen „deutschen“
Widerstandsbegriff. Dieser allgemeinen Forschungsströmung muss und wird entsprechend Rechnung getragen. Die vorliegende Hausarbeit setzt sich mit Veröffentlichungen einiger exemplarisch ausgewählter deutscher Autoren zur
Definition des Widerstandsbegriffes auseinander und analysiert diese. Sie zeichnen sich durch unterschiedliche Ausgangspunkte und Vorüberlegungen aus und versprechen, die große Varianz in den Forschungsdebatten aufzuzeigen.
Die Analyse ihrer Definition und Zielstellung zeichnet ein übersichtsartiges Bild des Verständnisses von „Widerstand“ in Deutschland vor dem Hintergrund der NS-Herrschaft. Diese Übersicht stellt einen Querschnitt der Meinungen dar, welche unter deutschen Historikern vertreten werden. Neben der reinen Darstellung und Analyse werden Probleme sowie Vor- und Nachteile einzelner Interpretationsansätze benannt und charakterisiert.
Die hier untersuchten Widerstandsdefinitionen zielen allesamt auf den in der deutschen Rechtsliteratur begründeten Begriff, von Herrmann Weinkauff als „letztes Mittel gegen äußerstes, sonst auf keine Weise zu beseitigendes staatliches Unrecht“ 2 benannt, ab. Damit findet eine Abgrenzung zu den tagtäglichen, rechtlich verbürgten Widerstandsmöglichkeiten politischer Auseinandersetzungen in Deutschland statt.
1 Hüttenberger, Peter: Vorüberlegungen zum Widerstandsbegriff, in: Knocka, Jürgen (Hrsg.): Theorien
in der Praxis des Historikers. Forschungsbeispiele und ihre Diskussion, Göttingen 1977, S. 118.
2 Herbe, Daniel: Hermann Weinkauff (1894-1981). Der erste Präsident des Bundesgerichtshofs,
Tübingen 2008, S. 142.
3
Ebenso wird eine Grenze zum psychologisch, insbesondere in der Psychoanalyse, genutzten Widerstandsbegriff gezogen. In eben jener wird alles als Widerstand bezeichnet, „was in den Handlungen und Worten des Analysierten sich dem Zugang zu seinem Unbewußten entgegenstellt.“ 3 Natürlich sind jegliche technischen und mathematischen Größen bzw. Bauelemente, ebenso wie die gleichnamige Zeitschrift 4 von der Betrachtung ausgeschlossen.
In dem vorgestellten Rahmen der Hausarbeit werden vier Texte von unterschiedlich situierten Autoren betrachtet. Diese sind:
• Richard Löwenthal: Widerstand im totalen Staat. 5
• Martin Broszat: Resistenz und Widerstand. Eine Zwischenbilanz des Forschungsprojektes. 6
• Klaus Gotto u.a.: Nationalsozialistische Herausforderung und kirchliche Antwort. Eine Bilanz. 7
• Peter Hüttenberger: Vorüberlegungen zum „Widerstandsbegriff“.
Nach der Vorstellung des Autors und, soweit hilfreich für die Analyse, seines Werdeganges, erfolgt die Untersuchung der jeweiligen Definition des Widerstandsbegriffs und es werden Probleme oder besondere Vor-und Nachteile aufgezeigt. Mehr als eine Zuordnung beispielhaften Charakters, insofern der Autor diese selbst vornahm, oder gar eine qualitative Analyse des Widerstandes im Rahmen der jeweiligen Begriffsdefinition wird nicht durchgeführt. Infolgedessen werden im Fazit die wichtigsten Erkenntnisse zusammengetragen und abschließend ein Resümee über die Bandbreite der Definitionen gezogen.
3 Laplanche, J./Pontalis, J.B.: Das Vokabular der Psychologie, Frankfurt am Main 1973, S. 622.
4 Die Zeitschrift Widerstand. Zeitschrift für nationalrevolutionäre Politik wurde zwischen 1926 und
ihrem Verbot 1934 monatlich von Ernst Niekisch und Paul Weber herausgegeben. Sie wandte sich
gegen die Machtübernahme durch Hitler bzw. dessen Politik.
5 Löwenthal, Richard: Widerstand im totalen Staat, in: Löwenthal/Von zur Mühlen(Hrsg.): Widerstand
und Verweigerung in Deutschland. 1933 bis 1945, Bonn 1982, S. 11-24.
6 Broszat, Martin: Resistenz und Widerstand. Eine Zwischenbilanz des Forschungsprojekts, in: Elke
Fröhlich, Anton Grossmann (Hrsg.): Bayern in der NS-Zeit. Herrschaft und Gesellschaft im Konflikt,
München 1981, S. 692-709.
7 Gotto, Klaus u.a.: Nationalsozialistische Herausforderung und kirchliche Antwort. Eine Bilanz, in: Die
Katholiken und das Dritte Reich, Mainz 1983, S. 173-190.
4
Weitere Begriffsdefinitionen sind ohne weiteres einzuholen und bearbeitbar, würden jedoch den vorgegebenen Rahmen dieser Arbeit übertreffen. Es sei daher auf einige weitere hingewiesen. So z.B. auf das fünfstufige Modell Eberhardt Bethges 8 , das Vierstufenmodell Detlev Peukerts 9 oder auch die dichotome Begriffsdefinition von Ian Kershaw 10 .
2. Richard Löwenthal: „Widerstand im totalen Staat“
Löwenthal wurde 1908 in Berlin geboren. Bereits während des Studiums von Nationalökonomie und Soziologie mit anschließender Promotion war er zwischen 1926 und seinem Ausschluss als „Rechter“ 1929 Mitglied der KPD. Seit dem Jahr der „Machtübergabe“ an Hitler, 1933, leistete er Widerstandsarbeit in der Gruppe „Neu Beginnen“, bevor er 1935 über mehrere Stationen nach London emigrierte, wo er als Exilant weiterhin politisch aktiv blieb. Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieb er journalistisch und wissenschaftlich tätig. Zwischen 1961 und 1974 hatte er eine Professur für politische Wissenschaft an der FU Berlin. Er verstarb 1991 in seiner Heimatstadt. 11
Sein Lebenslauf ist in diesem Rahmen insofern von besonderem Interesse, als dass er sich nicht rein historisch-distanziert mit dem Widerstandsbegriff beschäftigte, sondern selbst aktiv im Widerstand Position gegen den Nationalsozialismus bezogen hatte und somit persönliche Erfahrungen auf diesem Gebiet in seine Definition einfließen lassen konnte.
Bereits der Titel verdeutlicht, dass „Widerstand“ in seinen Augen im Wesentlichen in einem totalitären Staat geschehen kann. So unterscheidet er zwischen „modernen Einparteiensystem einerseits, den autoritären Regimen, die sich primär auf
militärische Gewalt und zum Teil auch noch auf monarchische Traditionen stützen,
8 Bethge, Eberhard: Adam von Trott und der deutsche Widerstand, in: Vierteljahrshefte für
Zeitgeschichte 11 (1963) 3, S. 213-223.
9 Peukert, Detlev: Die Edelweißpiraten. Protestbewegungen jugendlicher Arbeiter im "Dritten Reich",
3. erweiterte Auflage, Köln 1988.
10 Ian Kershaw: "Widerstand ohne Volk?" Dissens und Widerstand im Dritten Reich, in: Jürgen
Schmädeke/Peter Steinbach (Hrsg.): Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus, München 1986,
S.779-798.
11 Löwenthal/Von zur Mühlen(Hrsg.): Widerstand und Verweigerung in Deutschland. 1933 bis 1945,
Bonn 1982, S. 309.
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Arbeit zitieren:
Volker Trotte, 2011, Der Widerstandsbegriff - Eine Definitionsanalyse, München, GRIN Verlag GmbH
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