Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Abbildung 1: Ostafrika mit Aksum (überarbeitet: http://www.thefullwiki.org/ Regio_Aromatica vom 1.1.2011).
Abbildung 2: Historische Karte, die das Reich von Saba und von Daamot zwischen 750-500 v. Chr. abbildet (verändert: Dumont Atlas der Weltgeschichte 2000, 35). Abbildung 3: Handelsrouten des Aksumitischen Reichs (http://static.howstuffworks.com/gif /willow/history-of-africa0.gif vom 25.01.2011).
Abbildung 4: Die Ausdehnung des Aksumitischen Reichs während des 4. Jh. n. Chr. (http://de.wikipedia.org/wiki/Aksumitisches_Reich vom 1.1.2011). Abbildung 5: Aksumitische Münzen aus dem späten 3. Jh. n. Chr. (http://de.wikipedia.org /wiki/Aksumitisches_Reich vom 1.1.2011).
Abbildung 6: Regionen in Ethiopien, Maßstab 1:160 000 (verändert: National Atlas of Ethiopia 1988, 32).
Abbildung 7: Typische Felsenkirche (http://katieprescott.co.uk/block/wp-content/uploads /2009/09/IMG_2485-225x300.jpg vom 1.1.2011).
Abbildung 8: Klimadiagramm von Aksum, erstellt nach Butzer 1981, 475f. und National Atlas of Ethiopia 1988, 16.
Abbildung 9: Gekennzeichnete Bodenprofilentnahmeorte (verändert: Butzer 1981, 475). Abbildung 10: Zusammenstellung der Ergebnisse der Bodenprofile (Butzer 1981, 486). Abbildung 11: Satellitenbild von Aksum mit Pixelklassifikation (verändert: Fattovich 2000, Anhang).
Abbildung 12: Echtfarben-Satellitenbilder mit Überlappung von bereits bekannten archäologischen Strukturen (verändert: Fattovich 2000, Anhang).
Abbildung 13: Luftbildaufnahme von Aksum, Maßstab 1:60 000 (verändert: Fattovich 2000, Anhang).
Abbildung 14: Dreidimensionale Karte vom archäologischen Gebiet um Aksum, Maßstab 1:50 000 (Fattovich 2000, Anhang).
Abbildung 15: Lage des untersuchten Gebiets, rot markiert (verändert: Balia et al. 2003, 368). Abbildung 16: Widerstandstomographie im Gelände B, spezifischer Widerstand in ohm-m (Balia et al. 2003, 370).
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Abbildung 17: Georadaraufnahme im Gelände B (Balia et al. 2003, 370). Abbildung 18: Eingang zum Grab, das im Gelände B gefunden wurde (Balia et al. 2003, 371). Abbildung 19: Satellitenbild von Aksum und Beta Giyorgis mit der Lage der entnommenen Boden profile (verändert: French et al. 2009, 221).
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1. Einleitung
Das Aksumitische Reich, das etwa 150 v. Chr. in Nordäthiopien entstand und fast ein ganzes Jahrtausend währte, stellt in vielerlei Hinsicht eine Besonderheit dar. So ist es das einzige afrikanische Königreich südlich der Sahara, das zivilisatorisch einen so hohen Standard erreichte, dass es sogar der europäischen antiken Welt bekannt war und im internationalen Handel mitwirkte. Eigene geprägte Münzen und viele architektonische Meisterleistungen wie die bis zu 20 m hohen Stelen zeugen bis heute von dieser Hochkultur. Gleichzeitig aber gilt Äthiopien heute als eines der ärmsten Länder der Welt, das immer wieder von Dürre- und Hungerperioden heimgesucht wird und es scheint schwer nachzuvollziehen, wie eine heute so von Naturkatastrophen gezeichnete Region einst eine politisch so wichtige Rolle spielen konnte.
Klassischerweise beschäftigten sich v.a. Archäologen mit den zahlreichen Relikten der vergangenen Zivilisation und versuchen, ein Bild der Geschichte und der Kultur anzufertigen. Doch gerade im Falle vom Aksumitischen Reich reichen ihre klassischen Forschungsansätze nicht aus, da Fragen über den Wasserhaushalt und die Ergiebigkeit der landwirtschaftlichen Produktion in eine Sackgasse führen. Beantworten lassen sich diese Fragen nur über eine Landschafts- und Klimarekonstruktion, welche für das Verständnis dieser Hochkultur eine Schlüsselrolle einnehmen. So werden auch Wissenschaftler aus anderen Fachdisziplinen wie der Geoarchäologie zu Rate gezogen, um ein Gesamtbild der Zivilisation in ihrer Umwelt zu schaffen. Während Archäologen schon seit Anfang des 20. Jh.s in Aksum Grabungen durchführen, gibt es noch sehr wenige geoarchäologische Untersuchungen. Dabei fand gerade in Aksum Pionierarbeit in diesem Bereich statt, als Anfang der 1970er Jahren Karl Butzer historische Fragen wie die Gründe des Untergangs des Aksumitischen Reiches unter geoarchäologischen Aspekten betrachtete. Er brachte mit seinen Ergebnissen zum ersten Mal den gewandelten Umweltfaktor in die Erklärungsansätze ein und veränderte damit die Geschichtsbücher. Doch die politisch instabile Situation von 1974-1993 machte weitere archäologische wie geoarchäologische Expeditionen fast unmöglich. Dabei entwickelten sich die geoarchäologischen Methoden in dieser Zeit weiter und wurden immer stärker zum integralen Bestandteil der Archäologie, da deutlich wurde, welche Möglichkeiten in ihnen steckten, um die klassisch archäologischen Erklärungsversuche stellenweise zu untermauern bzw. zu korrigieren. Erst in den 1990er Jahren wagte ein (geo-)archäologisches Team wieder den Weg nach Aksum und veranlasste Fernerkundungen, um aus der Luft noch weitere mögliche Fundstätten kostensparend ausfindig zu machen. Auch kam die Methode des elektromagnetischen Georadars und der geoelektrischen Widerstandstomographie zum Einsatz, um vermutete unterirdische Gräber aufzuspüren. Doch die wieder ausgebrochenen Unruhen Anfang des
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neuen Jahrtausends unterbrachen die Forschungen erneut. Erst in jüngster Vergangenheit zog es wieder eine Gruppe von Geoarchäologen nach Aksum, die sich mit Fragen der Wasserhaushaltung und der landwirtschaftlichen Praktiken des aksumitischen Reiches beschäftigten und tradierte Fehlannahmen über die Landschaftsinstabilität aufdeckten.
2. Historischer Überblick über das Aksumitische Reich
Mit dem Aufkommen der Zivilisation in Ägypten tritt Ostafrika in die Geschichte der Hochkulturen ein. Bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. wurden aus Ostafrika Handelsprodukte wie Weihrauch, Myrrhe, Gold und Erzeugnisse aus wilden Tieren über ein weites Handelsnetzwerk vertrieben, das sich von Ägypten über den Sudan, Eritrea und Somalia bis an die Südspitze der Arabischen Halbinsel erstreckte und die Regionen mit verschiedenen Gütern versorgte. Als jedoch um 1080 v. Chr. das Neue Reich in Ägypten unterging, kollabierte der Handel mit dem Horn von Afrika. Dies schuf wiederum ein Machtvakuum für neue Zivilisationen, die das Rote-Meer-Gebiet unter ihren Einfluss brachten. So entstanden in der Folgezeit im heutigen Jemen das Reich von Saba, das sich von der Arabischen Halbinsel aus am Horn von Afrika ausbreitete, sowie im Norden von Äthiopien und Eritrea das Reich von Da’amot (Abbildung 2). Inwiefern diese Reiche kulturell eigenständig
voneinander waren, ist nicht geklärt; Indizien wie einige Gemeinsamkeiten bezüglich religiöser Bräuche und der Schrift sprechen dafür, dass eine semitische Migrationswelle Mitte des ersten Jahrtausends v. Chr. von der Südarabischen Halbinsel nach Nordäthiopien und Eritrea das Wissen ihrer Hochkultur mitbrachte. Dieser Annahme nach hätte sich das Reich von Da’amot erst mit der Zeit von der Hochkultur vom anderen Ufer des Roten Meeres politisch wie kulturell unabhängig gemacht, sodass eine Mischform der Sabaischen Kultur mit den Kulturen der einheimischen Bevölkerung entstehen konnte (Michels 2005, x-xiii). Möglicherweise ist mit dieser Migrationswelle die Existenz der noch heute in Äthiopien ansässigen Juden zu erklären (Lexikon Alte Kulturen 1990, 229).
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Um 400 v. Chr. ist der Untergang des Reichs von Da’amot zu verzeichnen, parallel zu einigen weiteren Veränderungen in Ägypten und dem Roten-Meer-Gebiet: So konnte das Ptolemäerreich die Kontrolle über den Handel im Roten Meer an sich reißen, das Reich von Kusch verlegte sein Machtzentrum nach Meroe und das Sabaische Reich büßte seinen Einfluss auf die Spitze des Horns von Afrika ein. Das neue Machtvakuum, das der Niedergang des Reichs von Daamat nach sich zog, erlaubte es wiederum lokalen Eliten, ihre Macht auszubauen und am überregionalen Handel teilzunehmen, der den Mittelmeerraum mit Ägypten, dem Nahen Osten und sogar Indien verband. Eines dieser neuen kleinen Machtzentren wurde von Archäologen auf dem Berg Bieta Giyorgis bei Aksum ausgemacht. Dort wurden unterirdische Grabstätten mit Stelen und ein Residenzkomplex gefunden, welche noch auf die Zeit vor dem Beginn des Aksumitischen Reiches datiert werden. Diese Phase nach dem Untergang des Reichs von Da’amot und vor dem Beginn des Aksumitischen Reichs wird allgemein als Protoaksumitische Zeit bezeichnet.
Bis 150 v. Chr. hatten sich die lokalen Machtzentren zusammengeschlossen und bildeten ein Gebiet, das vom Tigray-Hochland bis an die Küste des Roten Meeres reichte. Adulis bildete dabei die Pforte für den Handel mit Gütern aus dem Hinterland. Zu diesen gehörten laut antiken Quellen Elfenbein, Rhinozeroshörner, Nashornleder, Sklaven und Goldstaub. Zudem diente Adulis auch als Umschlagplatz für mediterrane und indische Güter; zeitweise kontrollierte diese Hafenstadt sogar den Weihrauchhandel. Die Bedeutung
von Adulis für den Handel im Roten-Meer-Gebiet wird sogar um ca. 70 n. Chr. in dem Periplus Maris Erythraei als erster großer Handelspunkt auf dem Weg von Mittelmeer nach Indien hervorgehoben (Abbildung 3). Doch schon damals stellte die Piraterie in dieser Region ein wichtiges Problem für den Handel dar. Dies könnte auch der Grund für eine Zentralisierung der Macht im Aksumitischen Reich hin zu einer Monarchie (ab 150 n. Chr.) gewesen sein, denn die lokalen Eliten waren wahrscheinlich sehr am Ausbau des Handels interessiert. So hat sich das Königtum der Sicherung der Handels-
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wege auf dem Roten Meer angenommen, was königlichen Inschriften zu entnehmen ist. Was auch immer die Gründe für die Entwicklung zu einer Monarchie gewesen waren, mit Beginn der Monarchie 150 n. Chr. begann die Blütephase des Reiches, die bis 500 n. Chr. anhielt. Es dehnte sich im 4. Jh. sogar über den Sudan und den südlichen Teil der Arabischen Halbinsel aus und prägte eigene Münzen, wie in Abbildung 4 und 5 zu sehen ist (Michels 2005, xiii-xv).
Während die Hauptstadt in der frühen Phase des Reiches auf dem Berg Beta Giyorgis lag, wurde sie in der darauffolgenden mittleren aksumitischen Phase (150-350 n. Chr.) in die Ebene unterhalb von Beta Giyorgis umgesiedelt, wo Begräbnisstätten mit Stelen und verschiedene Wohnbereiche für die Führungselite angelegt wurden. Mit der zunehmenden politischen Macht des Aksumitischen Reichs, das Mitte des 4. Jh.s seinen Höhepunkt erreichte, wuchs auch seine Hauptstadt an. Aksum war im seiner so genannten mittleren Phase (350-550 n. Chr.) zu einem großen urbanen Zentrum von 79 km² angewachsen, das viele kleinere, mittlere und größere Siedlungen und Werkstätten beinhaltete. Diese umgaben wiederum einen städtischen Kern, in dem sich die politische, religiöse und wirtschaftliche Infrastruktur befand (Fattovich 2000, 24f.). Die Einwohnerzahl wird auf ca. 42.000 geschätzt (Michels 2005, 157).
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Eine Besonderheit in der Geschichte des Aksumitischen Reichs stellt seine frühe Christianisierung dar. Die christliche Religion kam über internationale Händler in das ferne Königreich in Ostafrika, wo sich ihr König Esana bereits 330 n. Chr. zu ihr bekannte und sie zur Staatsreligion erklärte, 50 Jahre bevor dies in Rom geschehen sollte. So findet sich in der antiken Stadt Aksum die Krönungskirche Marjam Sejon aus dem 4. Jh., in der Überlieferungen nach die Jerusalemer Bundeslade bis heute aufbewahrt werden soll. Bis in die Gegenwart hinein wird immer ein Priester auserkoren, der bis zu seinem Tode die Bundeslade bewacht. (Lexikon Alte Kulturen 1990, 73f.) Die späte Phase des Aksumitischen Reichs wurde mit dem Beginn des langsamen Unterganges eingeleitet, der zwischen 500 und 550 n. Chr. einsetzte. Archäologen begründeten diesen Zusammenbruch mit den ab 577 n. Chr. einsetzenden Eroberungszügen der islamisierten Perser, die sich in der darauffolgenden Zeit auch in Ostafrika ausbreiteten und letztendlich im 8. Jh. das Aksumitische Reich vom Roten Meer und damit vom internationalen Handel abschlossen. Auch in der Folgezeit gelang es dem Aksumitischen Reich nicht mehr, seinen Einfluss auf das Rotes-Meer-Gebiet wiederzuerlangen. Im 9. Jh. wurde überdies die Hauptstadt Aksum aufgegeben und ein Jahrhundert darauf usurpierten aufständische Stämme aus Zentraläthiopien, welche zu länger anhaltenden innenpolitischen Umwälzungen und schließlich 1140 zu einer neuen Dynastie führten, der Sagwe-Dynastie. Diese verlegte das Machtzentrum vom Tigray zu den Hochländern in der Welo-Region (siehe Abbildung 6) und ließ dort die bekannten Felsenkirchen errichten. (Michels 2005, xiv-xvi). In Abbildung 7 ist solch eine aus Lalibela zu sehen.
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Arbeit zitieren:
Alona Gordeew, 2011, Geoarchäologie in Aksum, Äthiopien, München, GRIN Verlag GmbH
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