Gliederung
1 Einleitung 3
2 Konflikte 4
2.1 Kriterien zur Konfliktbestimmung 4
2.2 Der Schüler-Schüler-Konflikt 6
2.3 Der Lehrer-Schüler-Konflikt 7
3 Das Standbild als Unterrichtsmethode 9
3.1 Ablauf und Ziele des Standbildbauens 9
3.2 Allgemeine Vor- und Nachteile der Methode 10
4 Konfliktprävention durch Standbilder 12
5 Literatur 14
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1 Einleitung
Konflikte sind ein unumgehbarer Teil des menschlichen Lebens. Sie können zwar in einer kanalisierten Austragungsform, beispielsweise in einer anregenden Diskussion, durchaus gewinnbringend sein, das geläufigere Verständnis des Begriffes Konflikt ist aber ein anderes: Konflikte sind oft mit schmerzhaften Erfahrungen verbunden und hinterlassen häufig auch nach der Lösung ein ungutes Gefühl bei den Beteiligten. Grundsätzlich ist das Zusammenleben von Menschen jedoch ohne Konflikte nicht möglich, ebenso ist es auch kaum vorstellbar, dass ein Mensch nie in einen inneren Konflikt gerät. Deshalb scheint eine wesentliche personale Kompetenz darin zu bestehen, mit Konflikten in ihren unterschiedlichen Ausprägungen sinnvoll und angemessen umzugehen. Diese Kompetenz muss jeder Schüler in der Schule erwerben können. Doch lassen sich bestimmte Konfliktsituationen gewissermaßen auch antizipieren und so offene Konflikte verhindern. Die Bedingungen für eine solche Antizipationsfähigkeit sind vielfältig, doch gerade der Sozialkundeunterricht bietet die Möglichkeit, mit den Schülern durch Symbolisierungsformen Präventionsstrategien zu entwickeln und zu üben, denn in keinem anderen Unterrichtsfach spielen insbesondere soziale Konflikte eine so explizite Rolle wie im Sozialkundeunterricht. Zu nennen sind hier beispielhaft familiäre, gesellschaftliche oder internationale Konflikte. Diese Arbeit befasst sich mit dem unterrichtsspezifischen Ziel der Konfliktprävention und setzt dieses zu der Unterrichtsmethode des Standbildes in Bezug. Im zweiten Kapitel wird der vielschichtige Konfliktbegriff näher beleuchtet: Zunächst wird im Abschnitt 2.1 der Begriff mit Hilfe unterschiedlicher Kriterien allgemein definiert, bevor in den Abschnitten 2.2 und 2.3 dieses Kapitels auf die für den Schulunterricht mutmaßlich wichtigsten Teilbereiche des Konfliktbegriffs eingegangen wird, den Schüler-Schüler-Konflikt sowie den Lehrer-Schüler-Konflikt. Im dritten Kapitel wird dann die didaktische Methode des Standbildbauens hinsichtlich ihrer charakteristischen Merkmale, ihrer Intention und ihrer Einsetzbarkeit im Unterricht näher erläutert: Der Ablauf und die allgemeinen Ziele des Standbildbauens werden im Abschnitt 3.1 geschildert, die grundsätzlichen Vor- und Nachteile der Methode, beziehungsweise ihre Möglichkeiten und Grenzen werden im Abschnitt 3.2 skizziert. Die Spezifizierung auf die Anwendbarkeit des Standbildbauens im Sozialkundeunterricht mit dem Ziel der Konfliktprävention wird schließlich im vierten und letzten inhaltlichen Kapitel Konfliktprävention durch Standbilder vorgenommen. In diesem Kapitel werden die beiden vorangegangenen Kapitel inhaltlich zusammengeführt und zudem ein Plädoyer für einen angemessenen Einsatz der Methode und für eine realistische Erwartungshaltung seitens des Lehrers bezüglich der Beitragsmöglichkeiten des Standbildbauens zur Konfliktvermeidung entwickelt, bevor die für die Anfertigung dieser Arbeit verwendete Literatur genannt wird.
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2 Konflikte
2.1 Kriterien zur Konfliktbestimmung
Wenn es um Konfliktprävention geht, ist eine Annäherung an den Begriff Konflikt unerlässlich. Dieser ist äußerst vielschichtig und muss daher mit Hilfe präzisierender Kriterien näher erläutert werden. Zunächst kann zwischen intrapersonalen und interpersonalen Konflikten unterschieden werden: Der intrapersonale Konflikt ist ein „Widerstreit von Motiven innerhalb einer Person“ (Becker 1981, S.14), der interpersonale Konflikt ist hingegen dadurch gekennzeichnet, dass ein solcher Widerstreit der Motive zwischen mehreren Personen auftritt. Für diese Arbeit sind interpersonale Konflikte von besonderem Interesse.
Des Weiteren können Konflikte nach ihrer Reichweite in einem Systemebenenmodell geordnet werden: Konflikte auf der Mikroebene sind im zwischenmenschlichen und privaten Bereich zu finden, auf der Mesoebene treten unter anderem institutionelle Konflikte auf und auf der Makroebene spielen sich beispielsweise Konflikte zwischen Staaten ab. Ein Nachbarschaftsstreit ist folglich der Mikroebene zuzuordnen, da die Auswirkungen für andere Personen äußerst begrenzt sind. Diese unterschiedlichen Konflikte sind jeweils sowohl tatsächlich existierende Konflikte als auch Unterrichtsgegenstand des
Sozialkundeunterrichts, wobei sich in höheren Klassenstufen der Fokus des Interesses der Schüler tendenziell von der Mikro- zur Makroebene verlagert (Castner/Castner 1981, S.212ff.).
Auch das Ausmaß an Gewalt ist als Kriterium zur Klassifikation von Konflikten denkbar, wobei sich Schwierigkeiten einer präzisen Definition des Begriffes Gewalt ergeben, da dieser ebenso vielschichtig wie der Konfliktbegriff ist. Gewalt kann beispielsweise offen oder verdeckt auftreten. So ist Mobbing ohne jeden Zweifel eine für den Betroffenen besonders unangenehme Erscheinungsform eines Konflikts, aber sehr oft gerade nicht durch körperliche, sondern durch schwere psychische Gewalt geprägt. Auch die ohnehin schon stark ausgeprägte subjektive Komponente bei der Bestimmung und Bewertung von Konflikten (Becker 1982, S.24) kann durch das Kriterium Gewalt nicht getilgt werden, da die Einschätzung, ab wann man von physischer oder psychischer Gewaltanwendung sprechen kann, ebenfalls subjektiv gefärbt ist.
Ähnlich dem eingangs beschriebenen Systemebenenmodell, aber deutlich präziser, erfasst die folgende Grafik die unterschiedlichen Konfliktniveaus, wobei hier das Kriterium der Betroffenheit und Einflussnahme der Schüler zur Bestimmung des Konfliktniveaus angelegt wird. In diesem Schema werden interessanterweise persönliche Streitigkeiten mit Freunden und Identitätskrisen auf der gleichen Ebene eingeordnet, obwohl an dieser Stelle bereits die
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Unterscheidung zwischen einem interpersonalen Konflikt einerseits und einem intrapersonalen Konflikt andererseits zu treffen wäre:
Becker formuliert zur Ermittlung der Schwere eines Konflikts für den Bereich des schulischen Unterrichts, dass „die emotionale - manchmal auch die geistige oder körperliche -Beeinträchtigung der am Konflikt beteiligten Personen“ kennzeichnend sei (Becker 1982, S.23). Des Weiteren lasse sich Becker zufolge speziell für die Unterrichtssituation zwischen vier unterschiedlichen Konfliktformen unterscheiden: Die sogenannten Scheinkonflikte stellten sich im Nachhinein als belanglose Späße heraus, die Extremkonflikte könnten von den beteiligten Personen selbst kaum bewältigt werden und es brauche zur Lösung die Hilfe Dritter. Häufiger als Schein- und Extremkonflikte seien im Unterricht Rand- und Zentralkonflikte. An den eher vorübergehenden Randkonflikten seien wenige Personen beteiligt, an den langwierigen und folgenreichen Zentralkonflikten hingegen meist mehrere Personen und es komme bei letzteren zu erheblichen Beeinträchtigungen der Betroffenen (Becker 1982, S.24). In Extremkonflikte involviert seien oft „sogenannte verhaltensgestörte Schüler“ und Schüler, die außerhalb des Unterrichts in kriminelle Handlungen verwickelt würden (Becker/Dietrich 1982, S.119).
Der Konfliktbegriff ist umgangssprachlich meistens negativ konnotiert. Dennoch lassen sich in der Didaktik der Sozialkunde Konzepte finden, die den Begriff aufzuwerten versuchen und
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Arbeit zitieren:
Nils Schmidt, 2010, Konfliktprävention durch Standbilder im Sozialkundeunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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