1 Vorwort
Globalisierung? Was haben wir damit zu tun? ?
„Wenn man in afrikanischen Ländern Menschen nach der Globalisierung befragt, so erntet man meist ein Achselzucken.“ 1 Auf den ersten Blick scheint es tatsächlich so, als wäre der afrikanische Kontinent nur peripher von dem Globalisierungsprozess betroffen. Die Weltwirtschaft betrifft zum großen Teil nur die industrialisierten Länder und diejenigen, die sich für den Weltmarkt geöffnet haben. Von neuen Arbeitsplätzen profitieren regelrecht die Niedriglohnländer Asiens sowie die Transformationsländer Osteuropas. 2 Die „meisten wirtschaftlich stagnierenden afrikanischen Länder“ 3 sind für Kapitalinvestoren offensichtlich nur wenig interessant.
Globalisierungsgegner weisen jedoch darauf hin, dass die weltweite wirtschaftliche Liberalisierung und die marktwirtschaftlichen Reformen keineswegs den Entwicklungsländern nur nicht zugutekommen, sondern ihnen vielmehr schaden. Wie es in einem Memorandum zur Neubegründung der deutschen Afrika-Politik, das im Okto-
ber 2000 von einer Gruppe deutscher Afrika-Wissenschaftler vorgelegt wurde, heißt, wird zu Zeiten der Globalisierung eine nachhaltige Entwicklung und eine Armuts- minderung„über einen sehr langen Zeitraum unmöglich bleiben“ 4 . „The globalisation process poses problems for Africa that are greater than any she has ever had to overcome in her history. Colonialism, post-colonialism are an almost harmless prelude to the problems arising from globalisation“ 5 , besagt das genannte Memorandum.
1 Engelhard, K., Globalisierung aus der Sicht der Anderen, Münster 2008, S.34
2 Vgl. ebd.
3 Ebd.
4 Bundeszentrale für politische Bildung (BpB), Afrika im Zeitalter der Globalisierung, in:
http://www.bpb.de/veranstaltungen/B2ZM0C,0,Afrika_im_Zeitalter_der_Globalisierung.html,
Zugriff am 03.11.2010
5 Ebd.
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2 Entwicklungshemmnisse und Kriterien zur Identifikation von Entwicklungsländern
Initiiert durch die Industrielle Revolution in England im 19. Jh. und durch die Globalisierung - seit ca. 1990 - forciert, erlebten die Industrienationen in Europa, die USA und Japan, sowie Schwellenländer wie Indien und China ein enorm rentables Wirtschaftwachstum.
Außen vor blieben jedoch die so genannten Entwicklungsländer. Um den Begriff „Entwicklungsland“ zu definieren, gibt es verschiedene Ansätze, wie die Kriterien des DAC 6 - basierend auf denen des CDP 7 -, des WHI 8 , des HDI 9 und anderer unterentwickelte Staaten unterstützende Institutionen. Allgemein lassen sich Entwicklungsländer von Industrieländern aufgrund von wirtschaftlichen und/oder sozialen Kriterien unterscheiden. 10
Ein starkes Bevölkerungswachstum ist charakteristisch für Länder der Dritten Welt.
Die hierbei entstehende Verdichtung der Bevölkerung sorgt vor allem in den Städten für eine Verschlechterung der gesundheitlichen Situation und einer Steigerung der Arbeitslosenrate. Der Nahrungsmittelbedarf nimmt zu, was eine stärkere Belastung der landwirtschaftlichen Flächen zur Folge hat und die Umwelt nachhaltig schädigt.
Durch fehlendes Kapital und schlechte Logistik im Land kann nur mangelhaft ein Aus- bzw. Aufbau der Infrastruktur erfolgen, was sich negativ auf die Wirtschaftssituation und die Implementierung von Kommunikationstechnologien auswirkt. Gleichermaßen erweist sich die Wasserversorgung als insuffizient und die Vulnerabilität im Falle einer Katastrophe ist stark erhöht.
6 Auf dem Forum des Development Assistance Committee der OECD kommen die Regierungen der
Geberländer, sowie multilaterale Organisationen zusammen, um den Partnerländern bei der
Verringerung der Armut und beim Erreichen der Millenniumsziele zu helfen. (Development
Co-operation Directorate,
http://www.oecd.org/department/0,2688,en_2649_33721_1_1_1_1_1,00.html,
Zugriff am 24.10.2010)
7 Die Bestimmung der LDCs erfolgt aufgrund des Einkommens, des HAI und des EVI. (United
Nations, http://www.un.org/special-rep/ohrlls/ldc/ldc%20criteria.htm, Zugriff am 24.10.2010)
8 Der WHI errechnet sich aus den Anteil der Unterernährten an der Bevölkerung, dem der Kinder
unter fünf Jahren mit Untergewicht und der Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren. Alle
Angaben sind in Prozent. (Welthungerhilfe,
in: http://www.welthungerhilfe.de/konzept-whi2010.html, Zugriff am 24.10.2010)
9 Der HDI errechnet sich aus dem BIP, der Lebenserwartung bei der Geburt und dem Bildungs-
niveau. (Vgl. Bauske, T. u.a., Geographie Bayern Oberstufe 12, Braunschweig 2010, S. 13)
10 Welthungerhilfe, in: http://www.welthungerhilfe.de/1373.html, Zugriff am 16.10.2010
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Der in Entwicklungsländern vorherrschende primäre Sektor, die geringe Alphabetisierung, sowie eine hohe Auslandsverschuldung und die starke Abhängigkeit vom Weltmarkt schädigen die wirtschaftliche Situation in Ländern der Dritten Welt. Hieraus resultiert ein extrem niedriges Bruttoinlandsprodukt (BIP), das Land wird als Produktionsstandort für ausländische Konzerne uninteressant und der Kapitalfluss in das Entwicklungsland wird gehemmt. Um ein Leben über dem Existenzminimum zu gewährleisten, wird es zudem in vielen Familien notwendig, dass auch die Kinder einer Erwerbstätigkeit nachgehen.
Ebenso kann die Annahme, eine gute Ausstattung mit Rohstoffen sei hilfreich bei einer erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung, nicht bestätigt werden. Nigeria und Kasachstan besitzen beispielsweise große Erdölvorkommen, Südafrika und Zaire verfügen über mineralische Bodenschätze. 11 Denn letztendlich ist das Kapital der Länder nicht ausreichend, um die Vorkommen so rentabel zu nutzen und zu vermarkten wie die in Wohlstand lebenden Industriestaaten. 12
Außerdem kristallisieren sich in der Dritten Welt politische und soziale Faktoren als erhebliche Entwicklungshemmnisse heraus. Es dominieren Diktaturen, die meist Verletzungen der Menschenrechte nach sich ziehen und Korruption zulassen. Häufig finden sich in diesen politischen Regimen Unruhen und Bürgerkriege. Hinzu kommt, dass nur selten Sozial- und/oder Gesundheitssysteme bestehen bzw. aufgrund der finanziellen Situation schwer realisierbar sind.
Das niedrige Bildungsniveau und der ausgeprägte Analphabetismus entstehen durch ein unzureichendes Angebot an Schulen, Lehrkräften sowie Arbeitsmaterialien und werden durch Kinderarbeit zusätzlich forciert. Folglich herrscht Perspektivlosigkeit, es mangelt an Fachkräften und an Innovationen in der Wirtschaft.
Die ausgeprägte Armuts- und Hungersituation, eine niedrige Alphabetisierungsrate, die unkontrollierte Ausbreitung von Infektionskrankheiten und bereits genannte Fak-toren wie eine schlechte Infrastruktur, die zugleich die medizinische Versorgung beinhaltet, senken die Lebenserwartung in Entwicklungsländern.
11 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, Informationen zur politischen Bildung 280,
Globalisierung, Bonn 08/2003, S. 35
12 Siehe Anhang, Abbildung 1)
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In Ländern der Dritten Welt ergibt sich also bei genauer Betrachtung ein komplexes Geflecht aus Problemen, das wie ein Teufelskreis wirkt. Denn die Ursachen des einen, sind Resultat eines anderen Problems. Doch es stellt sich die Frage, welche
Auswirkungen die Globalisierung auf die Situation der Entwicklungsländer hat.
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3 Auswirkungen der Globalisierung auf Entwicklungsländer
3.1 Positive Auswirkungen der Globalisierung
3.1.1 Verlagerung von Produktionsstandorten in Niedriglohnländer
„Befürworter einer weiteren Globalisierung erwarten, dass die ärmeren Länder in stärkerem Maße von ihr profitieren werden als die reichen Länder im Norden“ 13 14 . Die multinationalen „Unternehmen nutzen den Wegfall internationaler Handelsschranken zur Erlangung von Wettbewerbsvorteilen, indem sie Produktionsprozesse zerlegen und einzelne Teile an weltweit konkurrierende Standorte verlagern.“ 15 Gerade Niedriglohnländer werden als Standorte für Produktionsstätten sowie Dienstleistungen bevorzugt, da aufgrund sinkender Transportkosten 16 selbst eine weit vom Absatzort entfernte Produktion rentabel bleibt.
In arbeitsintensiven Produktionsbereichen entstehen viele Arbeitsplätze für Men-
schen, die sich durch Spezialisierung und Qualifikation weiter entwickeln können, was eine Aufwärtsspirale aus der Armut hinaus in Gang setzen kann 17 und den Kapitalfluss ins Land steigert. Trotzdem besteht durch das starke Bevölkerungswachstum und den dadurch entstehenden Mangel an Arbeitsplätzen, eine hohe Arbeitslosenrate in Entwicklungsländern. 18
3.1.2 Tourismus als Begleiterscheinung der Globalisierung
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts explodiert der Reise- und Freizeitmarkt, indem er, wie die Globalisierung, die Grenzen in Raum und Zeit überwindet. Immer weiter entfernte Destinationen werden in immer kürzerer Zeit auf zunehmend komfortable Weise von immer weniger wohlhabenden Schichten erreichbar. Die Beliebtheit des Reisens in Länder der Dritten Welt wächst aufgrund der geringen Kosten und des angenehmen Klimas. Ebenso tragen die schönen und oft noch unberührten Land-
13 BpB,a.a.O., . 34
14 Siehe Anhang, Abbildung 2)
15 Engelhard, K., a.a.O., S.14
16 Siehe Anhang, Abbildung 3)
17 Vgl. Bauske, T., u.a., Geographie Bayern Oberstufe 12, Braunschweig 2010, S. 82
18 Vgl. Engelhard, K., a.a.O., S.14
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Arbeit zitieren:
Sophia Kiesl, 2010, Auswirkungen der Globalisierung auf Entwicklungsländer, München, GRIN Verlag GmbH
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