Inhaltsverzeichnis i
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Wie kam es zu den XI. Olympischen Spielen in Berlin
1936? 5
3 Das „Reichssportfeld“ Berlin - Eckdaten 7
4 Sport im Nationalsozialismus 11
5 Propaganda und ihre Inszenierung 17
5.1 Die „Podbielski-Eiche“ 17
5.2 Die Olympiaglocke und das Olympia-Logo von Berlin 19
5.3 Der Olympische Fackellauf 24
6 Das Olympische Dorf bei Döberitz 28
6.1 Vorgeschichte 29
6.2 Planung und landschaftsarchitektonische Gestaltung 31
6.3 Die Anlage 36
6.3.1 Das Empfangs- und Verwaltungsgebäude 36
6.3.2 Die Wohnhäuser 37
6.3.3 Das Speisehaus der Nationen 39
6.3.4 Das Hindenburghaus 41
7 Die „Kampfstätten“ 44
7.1 Der Architekt Werner March 45
7.2 Das Olympiastadion 51
7 3 Das Schwimmstadion 59
Inhaltsverzeichnis ii
7.4 Die „Dietrich-Eckart-Freilichtbühne“ 63
8 Die Langemarckhalle mit Glockenturm 68
9 Das Maifeld 73
10 Stimmen der internationalen Presse und persönliche
Eindrücke von Zeitzeugen 76
11 Wie kam es zu den XX. Olympischen Spielen in
München 1972? 82
11.1 Münchens Bewerbung 82
11.2 Eine „einmalige Chance“ 84
11.3 Wo genau sollte der neue Olympiapark angelegt werden? 88
12 Der Olympiapark München - Eckdaten 92
12.1 Allgemeine Informationen 92
12.2 Geographische Lage 95
12.3 Nötige Baumaßnahmen im Umfeld: Schaffung einer
ausreichenden Infrastruktur 96
12.4 Bereiche und Einrichtungen des Olympiaparks im Überblick 101
13 Die landschaftliche Gestaltung des Olympiaparks 104
13.1 Die Grundidee für das Parkgelände 104
13.2 Der „Olympia-Berg“ 107
13.3 Der „Olympia-See“ 109
13.4 Die Bepflanzung des Parkgeländes 111
13.5 Die Wege 112
14 Das Olympische Dorf 115
iii
14.1 Das „Frauendorf“ 120
14.2 Das „Männerdorf“ 124
15 Die Sportstätten 128
15.1 Die Sportstätten im Überblick. 128
15.2 Der Architekt Günter Behnisch und sein Konzept 131
15.3 Das Olympiastadion 137
15.4 Die Olympia-Schwimmhalle 145
15.5 Die Zeltdachkonstruktion 152
16 Das Erscheinungsbild der Olympischen Spiele 1972 165
16.1 Grundidee. 165
16.2 Otto Aicher und seine „Piktogramme“ 166
16.3 Logo, Plakate und Farben 171
17 Die Eröffnungsfeier und Stimmen der internationalen
Presse 177
17.1 Die Eröffnungsfeier 177
17.2 Stimmen der internationalen Presse 179
18 Zusammenfassung und Ausblick. 182
Literaturverzeichnis. 191
Anhang i
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 zeigt einen Übersichtsplan des Reichssportfeldes von 1936
Abbildung 2: Offiziere von morgen
Abbildung 3 zeigt die Podbielski-Eiche am Olympischen Tor.
Abbildung 4 zeigt das von Johannes Boehland entworfene Logo der Spiele.
Abbildung 5 zeigt eine Ehrenwache für die Olympiaglocke.
Abbildung 6 zeigt die ehemalige Olympiaglocke als Denkmal
Abbildung 7 zeigt die Ankunft der Olympischen Flamme im Lustgarten von
Berlin
Abbildung 8 zeigt eine Original-Postkarte zum Olympischen Dorf bei
Döberitz von 1936.
Abbildung 9: Das Olympische Dorf in Los Angeles 1932
Abbildung 10: Lageplan Olympisches Dorf, 1936
Abbildung 11 zeigt das Gelände des Olympischen Dorfes vor Baubeginn im
Jahr 1934.
Abbildung 12: Wohnhäuser des Dorfes in idyllischer Landschaft
Abbildung 13: Toreinfahrt des Empfangsgebäudes, 1936
Abbildung 14: Wohnhaus mit Tgesraum an der Stirnseite
Abbildung 15: Tagesraum mit Wandbild
Abbildung 16: Speisehaus der Nationen mit Innenhof, 1936
Abbildung 17: Hindenburghaus mit Ehrenhof
Abbildung 18: Wandrelief mit Hindenburg-Büste
Abbildung 19 zeigt eine Porträtaufnahme von Werner March aus dem Jahr
1936.
Abbildung 20: Olympischer Platz mit Blick auf das Haupttor und das
Olympiastadion 1936
Abbildung 21 zeigt den bronzenen Dreifuss am Marathontor.
Abbildung 22 zeigt das Olympiastadion in der Bauphase um das Jahr 1935.
Abbildung 23 zeigt das Olympiastadion - deutlich sichtbar der äußere
Pfeilergang und im Westen der alles überragende
Glockenturm
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 24: Das Schwimmstadion
Abbildung 25 zeigt das Olympiastadion und rechts davon das
Schwimmstadion.
Abbildung 26 zeigt den Sprungturm - im Hintergrund gut sichtbar die
Galerie des Olympiastadions.
Abbildung 27: Das Schwimmstadion während der Olympischen Spiele 1936
Abbildung 28 zeigt die Dietrich-Eckart-Freilichtbühne 1936
Abbildung 29 zeigt die Freilichtbühne im Bau zur Jahreswende 1935/1936
Abbildung 30: Die Dietrich-Eckart-Freilichtbühne
Abbildung 31 zeigt die Gymnastik-Wettbewerbe in der Freilichtbühne
während der Olympiade
Abbildung 32 zeigt die Langemarckhalle mit dem Glockenturm im
Vordergrund links.
Abbildung 33 zeigt die Ehrenhalle von innen. An den Wänden die Fahnen
der an der Schlacht beteiligten Regimenter.
Abbildung 34 zeigt die Langemarckhalle mit dem Führerturm und dem
davor liegenden Maifeld aus Sicht des Marathontores.
Abbildung 35: Das olympische Areal mit Maifeld (Bildmitte)
Abbildung 36: Olympische Marathonläufer beim Überqueren des Maifeldes
Abbildung 37 zeigt die Olympiamannschaften der einzelnen Nationen bei
der Eröffnungsfeier 1972
Abbildung 38 zeigt von links nach rechts Willi Daume, Heide Rosendahl
und Jesse Owens bei einem vorolympischen Empfang in
New York.
Abbildung 39: Avery Brundage gratuliert Dr. Hans-Jochen Vogel und Willi
Daume zur erfolgreichen Wahl
Abbildung 40 zeigt das Oberwiesenfeld vor Baubeginn 1968
Abbildung 41 zeigt eine Militärparade auf dem Oberwiesenfeld um die
Jahrhundertwende
Abbildung 42 zeigt die Flughafengebäude auf dem Oberwiesenfeld im Jahr
Abbildung 43 zeigt den Olympiapark bei Dämmerung
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 44 zeigt ein Luftbild von München (Sicht aus ca. 11 km Höhe)
Abbildung 45: Übersichtsplan vom Münchner U- & S-Bahnnetz 1972
Abbildung 46: Die rote Linie markiert die Linie U3 vom Marienplatz zum
“Oberwiesenfeld“ (Distanz ca. 4 km)
Abbildung 47: Übersichtskarte zu kurze Entfernungen zwischen den
Unterkünften, den Sportstätten und der Verkehrsanbindung
Abbildung 48: Das Münchner U- & S-Bahnnetz heute
Abbildung 49 zeigt einen Original-Übersichtsplan des Olympiaparks von
Abbildung 50 vermittelt einen Eindruck über das Flair im Park
Abbildung 51 zeigt den Olympiaberg mit geschwungenen Wegen und der
typischen Bepflanzung.
Abbildung 52 zeigt den Olympia-See während der Olympischen Spiele
Abbildung 53 zeigt den Olympia-See während der Olympischen Spiele
Abbildung 54: Beispiel für Bepflanzung
Abbildung 55: Beispiel für die typische Weggestaltung im Park.
Abbildung 56 zeigt einen Übersichtsplan des Wegenetzes mit Straßennamen
Abbildung 57 zeigt das heutige Olympische Dorf (2006)
Abbildung 58 zeigt das Olympische Dorf während der Olympischen Spielen
Abbildung 59 zeigt das „bunte Treiben“ im Olympischen Dorf während der
Olympischen Spiele 1972
Abbildung 60 Unterteilung in Frauendorf (Nr.: 2) und Männerdorf (Rest)
Abbildung 61 zeigt Bungalows des Frauendorfs. Deutlich zu erkennen die
vorgefertigten Betonsegmente
Abbildung 62: Frontansicht eines Bungalows im Frauendorf 1972
Abbildung 63 zeigt eine Nasszelle der Firma Moeller Sanitär
Abbildung 64: Die Innenausstattung
Abbildung 65: Die „arabische Dorfsiedlung“
Abbildung 66 zeigt einen von Studenten angemalten Bungalow
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 67 zeigt die drei Straßenzüge des Männerdorfs
Abbildung 68 zeigt die typische „Beschilderung“ im Männerdorf zur
leichteren Orientierung (Bildausschnitt obere Hälfte)
Abbildung 69 zeigt das Olympische Dorf - deutlich sichtbar die drei Arme
des Männerdorfs.
Abbildung 70: Die Sportstätten
Abbildung 71 zeigt das Gebäude von Süden
Abbildung 72 zeigt die BMW Welt von Osten
Abbildung 73 zeigt Günter Behnisch
Abbildung 74 zeigt die Gewinner Günter Behnisch & Partner
Abbildung 75: Siegerentwurf von Behnisch & Partner
Abbildung 76: Luftbild der Gesamtanlage
Abbildung 77: Das Olympiastadion
Abbildung 78: Entwurf Stadion
Abbildung 79: Westtribühne mit Überdachung
Abbildung 80 Die drei Hauptsportstätten in der Bauphase - hinten das
Stadion
Abbildung 81: Das Stadion im Bau
Abbildung 82: Stadion Westseite - deutlich sichtbar die
Hochbaukonstruktion
Abbildung 83: Die Olympia-Schwimmhalle und die Olympiahalle im Bau
Abbildung 84 zeigt die Olympia-Schwimmhalle während der Bauphase -
deutlich sichtbar die beiden großen Becken.
Abbildung 85: Olympia-Schwimmhalle mit Theatron von Südwesten
Abbildung 86: Olympia-Schwimmhalle (rechts) und Olympiahalle (links)
von Süden
Abbildung 87: Deutlich sichtbar die mobile Osttribüne (rechts) an der
Olympia-Schwimmhalle.
Abbildung 88 zeigt das Olympia-Schwimmbad von innen - rechts die
mobile Tribüne.
Abbildung 89: Das Olympia-Schwimmbad von innen während der
Olympiade
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 90: Das Olympiabad heute - gut erkennbar die eingezogene
Glasfront.
Abbildung 91: Das Zeltdach
Abbildung 92 zeigt den deutschen Pavillon bei der Weltausstellung 1967 in
Montreal.
Abbildung 93 zeigt Frei Otto
Abbildung 94 zeigt die spinnennetzartige Zeltdachkonstruktion des
deutschen Pavillons in Montreal 1967.
Abbildung 95 zeigt den deutschen Pavillon in Montreal 1967.
Abbildung 96 zeigt eine Übersicht der 9 Sektionen.
Abbildung 97 zeigt eins jener flexiblen Einzelnetze.
Abbildung 98 zeigt ein solches haushohes Zugfundament.
Abbildung 99 zeigt eins der Kugelgelenke.
Abbildung 100 zeigt ein solches Drahtmessmodell.
Abbildung 101: Verschiedene Anker, Gelenke und ein weiteres Drahtmodell.
Abbildung 102 zeigt Arbeiter auf der bereits errichteten
Seilnetzkonstruktion.
Abbildung 103 zeigt diese durchsichtigen Acryglasplatten.
Abbildung 104 zeigt die Großform des Zeltdachs.
Abbildung 105 zeigt, wie die drei Hauptsportstätten durch das Zeltdach
miteinander verbunden sind (aufgenommen während der
Olympiade 1972)
Abbildung 106 zeigt Otto Aicher vor seinen Piktogrammen.
Abbildung 107: Übersicht der Sportarten Piktogramme
Abbildung 108 zeigt das offizielle Logo der Olympischen Spiele von
München 1972.
Abbildung 109 zeigt ein Los der GlücksSpirale.
Abbildung 110: Beispiel für die typische Farbwahl
Abbildung 111: Beispiel für „Regenbogenspiele“
Abbildung 112: Beispiel für Otto Aichers entworfene Sport-Poster
Abbildung 113: Otto Aichers Poster zu Kultur
Abbildung 114: Beispiel für die Ticketgestaltung Otto Aichers
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 115: Beispiel für die konsequente Farbgestaltung der
unterschiedlichen Uniformen.
Abbildung 116: Beispiel für das Erscheinungsbild Münchens. Überall
informieren bunte Informationstafeln die Besucher
Tabellenverzeichnis x
Tabellenverzeichnis Seite
Tabelle 1 Einrichtungen des Münchner Olympiaparks, gegliedert nach der
geographischen Lage „Park Nord“ und „Park Süd“ 101
Abkürzungsverzeichnis xi
Abkürzungsverzeichnis
Anm. Anmerkung
AvD Automobilclub von Deutschland
BDA Bund Deutscher Architekten
DOC Deutsches Olympisches Zentrum
DRAfOS Deutscher Reichsausschuss für Olympische Spiele
DRL Deutscher Reichsbund für Leibesübungen
IOC Internationales Olympisches Komitee
NOK Nationales Olympisches Komitee
NSKK Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps
OK Organisationskomitee
o. S. ohne Seitenangabe
o. w. A. ohne weitere Angaben
ZHS Zentrale Hochschulsportanlage
Einleitung 1
1 Einleitung
Ziel dieser Arbeit ist es, die beiden Olympiastätten - das Reichssportfeld von
Berlin in Verbindung mit dem dazugehörigen Olympischen Dorf bei Döberitz von
1936 und den Olympiapark München von 1972 - sowohl in ihrer jeweiligen
sportarchitektonischen Gesamtheit und Charakteristik darzustellen, als auch in deren sporthistorischer Bedeutung herauszuarbeiten.
Aufgrund der riesigen Ausmaße des Berliner Reichssportfeldes, deren Besichtigung bei Führungen bis zu acht Stunden, des Olympischen Dorfes in Döberitz bis zu vier Stunden und selbst beim Olympiapark in München noch vier
bis fünf Stunden in Anspruch nimmt, lässt sich schon hier schnell die Komplexität der Thematik erkennen. Dies wird darüber hinaus noch deutlicher, wenn man die von Herrn Prof. Norbert Müller zur sporthistorischen Beurteilung entwickelten zahlreichen Historischen Dimensionen wie zum Beispiel Olympische Idee, Olympiastadt, nationale Politik, internationale Einflüsse, Medien,
Internationalisierung, Olympische Wettkampfstätten, um nur einige zu nennen, für die Betrachtung dieser Arbeit berücksichtigen wollte. Folglich kann im Rahmen dieser Arbeit nicht auf alle die gesamten Anlagen kennzeichnenden Gebäudekomplexe und weitere Details eingegangen werden, so dass der Schwerpunkt der Arbeit in der Darstellung der architektonischen Gesamtgestaltung der drei Sportareale und deren sporthistorischer Bedeutung im Hinblick auf die Inszenierung von Olympischen Spielen liegt.
Diese Thematik wirft somit folgende entscheidende Fragen auf:
• Wer zeichnete für die Konzeption der beiden „Parklandschaften“, für die
• Innerhalb welchem Zeitrahmen erfolgte die Planung und spätere
Umsetzung?
• Inwieweit prägte das politische Umfeld und der damit verbundene
Zeitgeist die architektonische Gesamtgestaltung und Inszenierung?
Einleitung 2
• Welche ideellen Ziele wurden mit der jeweiligen Architektur verfolgt?
Was wollten die Verantwortlichen damit erreichen?
• Welche Neuerungen und Besonderheiten sind für das Reichssportfeld und
den Olympiapark München kennzeichnend?
• Inwieweit unterstützte die Architektur und Gesamtgestaltung des
• Gab es 1972 in München eventuell ähnliche Bestrebungen einer
Außenwirkung der Verantwortlichen? Wenn ja, welche?
• Welche Unterschiede lassen sich aus der Gesamtkonzeption des
• …
Dies ist nur eine Auswahl an Fragen, mit der sich meine wissenschaftliche Prüfungsarbeit auseinandersetzen wird.
Zwei methodische Vorgehensweisen boten sich in diesem Zusammenhang an. Es bestand die Möglichkeit, die einzelnen Wettkampfstätten des Berliner Reichssportfeldes in direkter Beziehung denen des Münchener Olympiaparks gegenüberzustellen und so die unterschiedliche Ausgestaltung kenntlich zu machen. Der Vorteil bestünde darin, dass die Unterschiede der jeweiligen Sportarena für den Leser rascher sichtbar werden würden. Jedoch wäre damit der Nachteil verbunden, dass diese Art der Darstellung nur einen bruchstückhaften Gesamteindruck der verschiedenen Anlagen vermitteln könnte. Um aber dem innewohnenden Eigencharakter des Reichssportfeldes und des Olympiapark Münchens in ihrer Gesamtkonstruktion gerecht werden zu können, werden aus diesem Grund die Areale in ihrer unterschiedlichen Gesamterscheinung vorgestellt. Abgesehen davon wäre ein direkter Vergleich aller Bauten aufgrund der zu großen Unterschiede im architektonischen Gesamtbild nicht überall möglich.
Im ersten Hauptteil meiner Arbeit wird das Reichssportfeld mit seinen wichtigsten Anlagen und das Olympische Dorf bei Döberitz vorgestellt. Der zweite Hauptteil
Einleitung 3
beschäftigt sich dann mit der Beschreibung des Olympiapark Münchens und dessen wesentlichen Merkmalen.
Im zweiten Kapitel werden dem Leser kurz einige Hintergründe zur Vorgeschichte der XI. Olympischen Spiele von Berlin 1936, die Bewerbung, die Vergabe und die damaligen politischen Begleitumstände geschildert. Eine knappe Übersicht des Reichsportfeldes in seinen Eckdaten erfolgt im dritten Kapitel. Einige der in diesem Abschnitt genannten Gebäude werden im späteren Verlauf der Arbeit ausführlicher vorgestellt.
Um die propagandistische Inszenierung der Olympischen Spiele von 1936 durch die Nationalsozialisten und das in seiner Erscheinung damit untrennbar verbundene Reichssportfeld zu veranschaulichen, ist es notwendig, sich zunächst ein Bild von der Bedeutung des Sports im Dritten Reich zu verschaffen. Dies wird in Kapitel vier behandelt. Daran schließt Kapitel fünf Propaganda und ihre Inszenierung an. Hierin werden die Podbielski-Eiche, die Olympiaglocke und der olympische Fackellauf im Hinblick auf ihre propagandistische Symbolwirkung für das Bild der Berliner Spiele und des Reichssportfeldes im Detail präsentiert.
Im Kapitel sechs wird die Aufmerksamkeit des Lesers auf die Vorgeschichte, die Planung, die landschaftliche Gestaltung sowie auf die bauliche Ausführung einiger charakteristischer Gebäude des Olympischen Dorfes von 1936 gelenkt, bevor in Kapitel sieben das Olympiastadion, das Schwimmstadion und die Dietrich-Eckart-Freilichtbühne als wesentliche Sportstätten des Reichssportfeldes ausführlich beschrieben werden.
Kapitel acht und neun beschäftigen sich mit der Langemarckhalle, dem
Glockenturm und dem Maifeld, die jeweils eine Besonderheit des Reichssportfeldes darstellen.
Stimmen der internationalen Presse und persönliche Eindrücke von Zeitzeugen runden den ersten Hauptteil zum Reichssportfeld in Kapitel zehn ab.
Als Pendant zum Reichssportfeld wird im zweiten Teil der Arbeit in Kapitel elf zunächst auf die Bewerbung und ihr Zustandekommen für die XX. Olympischen
Einleitung 4
Spiele von München 1972 eingegangen. Allgemeine Informationen, unter anderem zur geographischen Lage, zur Infrastruktur und eine Übersicht von den typischen Einrichtungen des Olympiapark Münchens von 1972, werden im Kapitel zwölf Der Olympiapark München - Eckdaten dargeboten.
Die landschaftliche Gestaltung des Olympiaparks wird im darauffolgenden Kapitel dreizehn behandelt. Hier werden insbesondere der Olympia-Berg, der Olympia-See, die spezielle Bepflanzung und das Wegenetz näher betrachtet.
Das Olympische Dorf von München mit seinem Männer- und Frauendorf ist Thema von Kapitel vierzehn, an das sich der Abschnitt über die Sportstätten des Münchener Olympiaparks anschließt. Wie bereits im ersten Teil der Arbeit angesprochen, kann auch an dieser Stelle nur auf die wichtigsten Sportarenen eingegangen werden.
Das Kapitel sechszehn widmet sich im Anschluss daran dem Erscheinungsbild der Münchener Olympiade, bevor in Kapitel siebzehn Stimmen der ausländischen
Presse zum Olympiapark und zu der Inszenierung der Olympischen Spiele in
München 1972 den zweiten Teil meiner Arbeiten abschließen.
Das letzte Kapitel dient zur Zusammenfassung. In ihm werden noch einmal die wesentlichen Merkmale des Reichssportfeldes und des Münchener Olympiaparks zusammengefasst und die entscheidenden Unterschiede hervorgehoben.
Überleitend zum ersten Hauptteil meiner Arbeit - dem Reichssportfeld in Berlin mit dem Olympischen Dorf in Döberitz sollen folgende Zeilen vorangestellt werden:
„Ein großzügiger und reibungsloser Verlauf der Olympischen Spiele 1936 in Berlin ist für das Ansehen des neuen Deutschlands in den Augen aller ausländischen Gäste von weittragendster Bedeutung. Die Olympischen Spiele sollen nach dem Willen des Führers ein einmütiges Bekenntnis deutschen Friedenwillens und deutscher Gastfreundschaft sein und den ausländischen Besuchern die Ordnung und Disziplin des
nationalsozialistischen Staates vor Augen führen.“ 1
1 Barch: R 58/2322, Runderlass, 187.1936 zitiert nach Kluge: Olympiastadion Berlin. S. 93
Wie kam es zu den XI. Olympischen Spielen in Berlin 1936? 5
2 Wie kam es zu den XI. Olympischen Spielen in Berlin
1936?
Im Verlauf des Ersten Weltkrieges (1914-1918) waren die Olympischen Spiele 1916 wegen der Kriegswirren ausgefallen und nach dessen Ende Deutschland von
den Olympischen Spielen 1920 und 1924 vom IOC ausgeschlossen worden. 2
Bis zur überaus erfolgreichen Teilnahme der deutschen Mannschaft an der
Olympiade 1928 in Amsterdam beharrte die NSDAP auf ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der internationalen Sportbewegung, da für sie nur die
Kollektivleistung des Volkes und nicht die Höchstleistung eines Einzelnen zählte. Da jedoch der Sport in der Bevölkerung immer „populärer“ und somit zu einem wichtigen Bestandteil deutscher Freizeitaktivitäten wurde, führte er in der NSDAP im Hinblick auf die Bewerbung um die Olympischen Spiele in Berlin 1936 zu
einem bewusst kalkulierten Gesinnungswandel. 3 Denn „die neuen Herren erkannten bald die [damit verbundene] Chance der außenpolitischen
Aufwertung.“ 4
Schon 1930, das NS-Regime war noch nicht an der Macht, äußerte Deutschland auf dem 28. Kongress des IOC seinen Wunsch, die Olympischen Spiele 1936 in Berlin austragen zu wollen und gab schließlich seine offizielle Bewerbung am 22. Mai 1930 bekannt. Bereits ein Jahr später verlautete aus dem IOC, dass sich Berlin gegen sieben andere Bewerber und letztendlich in einer Stichentscheidung
am 27. April 1931 mit 43 zu 16 Stimmen gegen Barcelona durchgesetzt hatte 5 , wobei in diesem Zusammenhang wohl auch eine Empfehlung von Pierre de Coubertin, des Begründers der Olympischen Spiele der Neuzeit, eine wichtige Rolle gespielt haben soll.
2 Siehe Bellinger: Funktionen und Methoden der propagandistischen Inszenierung…. S. 9
3 Siehe Bellinger: Funktionen und Methoden der propagandistischen Inszenierung…. S. 8 und Bernett: Deutschland und die Olympische Bewegung in der Zeit des Nationalsozialismus.... S. 1
4 Bernett: Deutschland und die Olympische Bewegung in der Zeit des Nationalsozialismus.... S. 1
5 Siehe Dost: Das Olympische Dorf 1936 im Wandel der Zeit. S.6 und Bellinger: Funktionen und Methoden der propagandistischen Inszenierung…. S. 9 sowie Bernett: Deutschland und die
Olympische Bewegung in der Zeit des Nationalsozialismus.... S. 3f.
Wie kam es zu den XI. Olympischen Spielen in Berlin 1936? 6
Obwohl die Nationalsozialisten zuvor die Macht in Deutschland übernommen hatten und „man für die Olympische Bewegung in Deutschland keine neuen
Impulse erhoffen [konnte]. Man mußte [sic!] sogar um ihr Überleben bangen“ 6 , vergab im Juni 1933 das IOC auch die Olympischen Winterspiele nach Garmisch und Partenkirchen.
Nach dem Bekanntwerden über vermehrt auftretende Diskriminierung und Verfolgung jüdischer Sportler seitens des NS-Regimes und zahlreichen
Anschlägen auf jüdische Einrichtungen wurden in einigen Ländern Stimmen 7 laut, die Spiele in Berlin zu boykottieren. Daraufhin beeilten sich die deutschen IOC-Mitglieder, allen voran Theodor Lewald (Präsident des NOK der XI. Olympischen Spiele Berlin 1936) und Dr. Carl Diem (Generalsekretär des NOK der XI. Olympischen Spiele Berlin 1936) zu versichern, dass die Spiele in Berlin gemäß der olympischen Satzungen durchgeführt würden und auch jüdische
deutschstämmige Sportler an den Spielen teilnehmen dürften. 8 „Diese Maßnahme belegt, wie wichtig den deutschen Funktionären das Propagandaobjekt Olympia gewesen war. Es durfte unter keinen Umständen scheitern. Alle Bedenken und
Befürchtungen seitens des IOC sollten unbedingt beschwichtigt werden.“ 9
Hitler wollte unbedingt die Austragung der Olympischen Spiele in Berlin 1936 sichern, sich damit die Möglichkeit verschaffen, einen immensen Propagandafeldzug zu inszenieren und durch einen gewaltigen Aufwand der Welt die bis dahin prunkvollsten Spiele darzubieten. Zugleich aber sollte Deutschland auch als friedliche und völkerfreundliche Nation dargestellt werden, deren
Sportler ein neues kraftvolles Deutschland repräsentierten. 10
6 Bernett: Deutschland und die Olympische Bewegung in der Zeit des Nationalsozialismus.... S. 1
7 Anm.: Die Boykottbewegung war vor allem in den USA sehr stark gewesen. Auf eine detaillierte Darstellung der Boykottbestrebungen auch in Europa, muss jedoch leider in diesem Rahmen
verzichtet werden.
8 Siehe Dost: Das Olympische Dorf 1936 im Wandel der Zeit. S. 6f.
9 Bellinger: Funktionen und Methoden der propagandistischen Inszenierung…. S. 11
10 Siehe Bellinger: Funktionen und Methoden der propagandistischen Inszenierung…. S. 6f.
Das „Reichssportfeld“ Berlin - Eckdaten 7
3 Das „Reichssportfeld“ Berlin - Eckdaten
„Das Reichssportfeld ist der deutsche Ausdruck des olympischen Gedankens und Deutschlands Ehrengabe an die Welt zu den Olympischen Spielen 1936. In diesem Sinne hat der Führer Adolf Hitler die Fülle der Kampfbahnen und Feierstätten zu einem einzigen großen Festraum vereinigen lassen. Er hat damit zugleich der Gestaltung der Anlagen das künstlerische Gesamtziel gegeben. Die Baukunst hatte die hundertfältige
Aufgabe zum Einklang zu bringen.“ 11
Es war Reichskanzler Adolf Hitler persönlich, der am 14. Dezember 1933 die Genehmigung für den Bau des Reichssportfeldes samt seiner sportlichen Anlagen erteilte. Mit dem Bau dieses komplexen Sportareals wurde der von den Nationalsozialisten favorisierte Werner March als Chefarchitekt betraut,
Bauträger war das Deutsche Reich. 12 Wichtig ist anzumerken, dass es sich bei der Realisierung des Reichssportfeldes um das erste Großprojekt 13 des noch jungen NS-Staates handelte, welches alle bisher bekannten Maßstäbe hinsichtlich des Sportstättenbaus sprengen sollte. So wurden erstmals in der olympischen Geschichte alle wichtigen Sportarenen, aber auch eine Ehrenhalle, ein Aufmarschgelände, ein Theater und zahlreiche Großplastiken auf einer riesigen Fläche miteinander vereint. Als das für die XI. Olympischen Spiele von Berlin 1936 gedachte symbolische Zentrum der gesamten Reichshauptstadt wurde ihm demzufolge von den Machthabern für die Inszenierung „ihrer“ Olympiade eine
herausragende Bedeutung beigemessen. 14
Ein geeignetes Gelände für dieses Vorhaben fand man am westlichen Rand Berlins, im unmittelbaren Umfeld der Pferderennbahn Grunewald, auf dem nördlichsten Teil der Teltower Hochfläche, einer in der Eiszeit entstandenen Hügellandschaft. Da diese Liegenschaft noch stark bewaldet war und bis zu jenem Zeitpunkt vorwiegend forstwirtschaftlich genutzt wurde, war es im Rahmen der
11 March: Bauwerk Reichssportfeld. o.w.A. - zitiert nach Schäche & Szymanski: Das Reichssportfeld…. S. 82
12 Siehe Stöckel: Berlin im olympischen Rausch…. S. 17
13 Siehe Kluge: Olympiastadion Berlin. S. 85
14 Siehe sowohl Schäche & Szymanski: Das Reichssportfeld…. S. 82f. als auch Bellinger: Funktionen und Methoden der propagandistischen Inszenierung…. S. 33
Das „Reichssportfeld“ Berlin - Eckdaten 8
Bauarbeiten für das später ca. 500 Morgen umfassende Reichssportfeld zunächst notwendig, zahllose Bäume zu roden bzw. zu verpflanzen, die hügelige Landschaft zu einer weitläufigen Fläche einzuebnen und im Anschluss daran mit Rasen zu belegen. In Anbetracht des noch wenig erschlossenen Berliner Randbezirks war es erforderlich, für eine angemessene Infrastruktur zu sorgen. Infolge dessen wurden breite Straßen angelegt bzw. erneuert, Brücken gebaut und Bahnhöfe im direkten Umfeld des Reichssportfeldes geschaffen. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang vor allem die vom Berliner Schloss bis zum Olympiagelände reichende Prachtstraße, die Triumphstrasse.
Vollständigkeitshalber sei an dieser Stelle noch angemerkt, dass während des
Baus ca. 600.000 m 3 Erdreich verschoben und 30.500 m 3 Werksteine, 17.200 t Zement sowie 7.300 t Eisen verbaut wurden. 15
Um den Olympischen Spielen einen nach nationalsozialistischer Prägung ganz besonderen „Glanz“ zu verleihen, hatte das Sportfeld samt seiner Bauten als eine in sich geschlossene Anlage mehrere Ansprüche zu erfüllen. Einerseits musste es den zu erwartenden gewaltigen Menschenmassen gerecht werden und andererseits sollte es zugleich die Größe und Macht des Dritten Reiches sowie seine ideologischen Grundsätze symbolisch nach außen hin eindrucksvoll sichtbar werden lassen. Darüber hinaus verfolgte man das Ziel, das Sportfeld möglichst noch als weiträumige Parkanlage zu entwerfen, der man den Anschein einer
typisch „deutschen“ Landschaft verlieh. 16
Das ansonsten streng axial gegliederte Reichssportfeld - ganz nach den architektonischen Vorstellungen Adolf Hitlers konzipiert - „beinhaltete eine große Anzahl an Übungsstätten wie z. B.: Turn- und Schwimmhallen, Tennisplätze und
große Wiesen für Sport und Erholung.“ 17
15 Siehe sowohl Schäche & Szymanski: Das Reichssportfeld…. S. 14ff. als auch Stöckel: Berlin im olympischen Rausch…. S. 17
16 Siehe Stöckel: Berlin im olympischen Rausch…. S. 20 und Bellinger: Funktionen und Methoden der propagandistischen Inszenierung…. S. 33
17 Stöckel: Berlin im olympischen Rausch…. S. 17
Das „Reichssportfeld“ Berlin - Eckdaten 9
Abbildung 1 zeigt einen Übersichtsplan des Reichssportfeldes von 1936 18
So fanden sich beispielsweise im Norden des Olympiastadions (Nr. 5), dem
„Kernstück der Anlage“ 19 , das Schwimm-Stadion (Nr. 16) und nördlich davon Handball- und Fußballplätze, Spielwiesen als auch Leichtathletikbahnen (Nr. 19) im selben Maßstab wie die des Stadions wieder. Im Westen ließ March das
Stadion in eine riesige Versammlungsfläche (Nr. 15) für ca. 250.000 Menschen übergehen, welche er an ihrem westlichen Rand durch einen Tribünenwall einrahmte. In diesen Wall integrierte er mit der Langemarckhalle (Nr. 32) einen besonderen Gedächtnisraum und errichtete über ihr den das komplette Reichssportfeld überragenden 76 m hohen Glockenturm, auch Führerturm (Nr. 31) genannt. Der Führerturm als „trigonometrischer Fluchtpunkt der gigantischen
Anlage“ 20 stand als Symbol für die Größe des faschistischen und wiedererstarkten
18 Kluge: Olympiastadion Berlin. S. 161
19 Bellinger: Funktionen und Methoden der propagandistischen Inszenierung…. S. 33
20 Bellinger: Funktionen und Methoden der propagandistischen Inszenierung…. S. 33
Das „Reichssportfeld“ Berlin - Eckdaten 10
Deutschlands und erfüllte architektonisch den Zweck der Blicklenkung bei den Besuchern. Nordwestlich, im unmittelbaren Umfeld des Tribünenwalls, wurde auf Wunsch Goebbels die Dietrich-Eckart-Freilichtbühne (Nr. 30) errichtet. Ein Freilufttheater, das während der Spiele sowohl für Wettkämpfe als auch für Theateraufführungen und Gottesdienste genutzt wurde. Auch für die Reiter hatte man auf dem „Olympiagelände“ einen Turnierplatz mit Reitbahn (Nr. 34) und einem Sprunggarten angelegt. Diese Wettkampfstätten befanden sich im Südwesten des Reichssportfeldes. Das Tennisstadion (Nr. 42) und den Hockeyplatz (Nr. 41) siedelte man hingegen im Osten an. Das bereits teilweise fertiggestellte Sportforum mit dem Haus des Deutschen Sports (Nr. 22) lag im Nordosten des Olympiaareals und wurde anlässlich der Olympiade in den Jahren 1933-1936 vollendet. Es beherbergte die erste Deutsche Hochschule für Leibesübungen und war darüber hinaus Sitz des Reichssportführers. Ein Kameradschaftshaus (Nr. 23), das später als Wohnheim für die Studenten der
Hochschule diente, war ebenfalls Teil dieses Gebäudekomplexes. 21
Da man das Reichssportfeld in nur 2 Jahren fertigstellen konnte, sahen die Nationalsozialisten darin einen Beleg für ihren Mythos von der deutschen
Leistungsfähigkeit. 22
Abschließend kann festgehalten werden:
„Im ehemaligen Reichssportfeld ist der Herrschafts- und Machtanspruch seiner politischen Bauherren deutlich erkennbar. Mit seiner Klarheit und Einheitlichkeit in Material und Form, seiner Abgeschlossenheit, Axialität und der Ausrichtung auf ein Zentrum, spiegelt das Reichssportfeld die wesentlichsten Elemente nationalsozialistischer Herrschaftsideologie
architektonisch wieder[sic!].“ 23
21 Siehe Stöckel: Berlin im olympischen Rausch…. S. 17f. und Bellinger: Funktionen und Methoden der propagandistischen Inszenierung…. S. 33
22 Siehe Bellinger: Funktionen und Methoden der propagandistischen Inszenierung…. S. 34
23 Bellinger: Funktionen und Methoden der propagandistischen Inszenierung…. S. 33
Sport im Nationalsozialismus 11
4 Sport im Nationalsozialismus
Um die Bedeutung der Olympischen Spiele von Berlin 1936 hinsichtlich ihrer politischen Instrumentalisierung und der damit verbundenen Propagandaschlacht durch das NS-Regime besser verstehen zu können, ist es wichtig, sich die außerordentliche Stellung und Funktion des Sports im nationalsozialistischen Staat vor Augen zu führen.
Mit der Nazi-Herrschaft 1933 veränderte sich nicht nur das politische Klima in Deutschland, sondern auch rasch die komplette Sport-Landschaft. Waren in der Weimarer Zeit die einzelnen Sportverbände noch weitgehend selbständig organisiert gewesen, so wurde der zum Reichssportführer v. Tschammer und Osten von Hitler persönlich beauftragt, eine Neuorganisation des gesamten deutschen Sportwesens durchzuführen. Ziel war die Gleichschaltung des deutschen Sports bis in die kleinsten Kreise, um ganz im Sinne der Führungsstruktur eines totalitären Staates völlige Kontrolle auch in diesem
Bereich ausüben zu können. 24 1933 wurde deshalb der Deutsche Reichsausschuss für Leibesübungen aufgelöst und durch den 1934 neu gegründeten und zentral gesteuerten Dachverband Deutscher Reichsbund für Leibesübungen (DRL) ersetzt. Im weiteren Prozess der Umorganisation wurden den einzelnen Turn- und Sportorganisationen sukzessive deren bis dahin noch autonome Stellung entzogen und 1938 der DRL in den Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen umbenannt, der von da an der Parteiaufsicht unterstellt war. Innerhalb weniger Jahre war das „deutsche Sportwesen […] zu einem zentral gesteuerten, dem NS-Staat voll verfügbaren Instrument geworden.“ 25 Vergegenwärtigt man sich die Funktionen, die dem Sport von den Nazis zugedacht wurden, wird schnell klar, weshalb eine solche zentrale Steuerung des Sportwesens so immens wichtig war. Nach Norbert Müller sind in diesem Zusammenhang vor allem drei Funktionen hervorzuheben: „die völkisch-rassische, die militärische und die politische
24 Siehe Kliem: Sport in der Zeit des Nationalsozialismus…. S. 15 als auch Bohus: Sportgeschichte. Gesellschaft und Sport von Mykene bis heute. S. 149f.
25 Bohus: Sportgeschichte. Gesellschaft und Sport von Mykene bis heute. S. 150
Sport im Nationalsozialismus 12
Erziehungsfunktion“ 26 , wobei der völkisch-rassischen Funktion die größte Bedeutung beizumessen ist.
Als oberste NS Maxime galt die Überlegenheit der arischen Rasse und damit des deutschen Volkes gegenüber anderen Nationen. Diese Sichtweise fußte auf der Überzeugung, dass sich besonders das deutsche Volk durch eine große biologische Lebenskraft und einen außergewöhnlichen Kämpfergeist auszeichnete. Willensstärke, Mut und Härte waren hierin hervorstechende Eigenschaften. Man war zwar der Auffassung, dass diese Charaktermerkmale tief im deutschen Volk verwurzelt waren, doch glaubte man an die Notwendigkeit,
diese immer wieder aufs Neue entfalten zu müssen. 27 Bohus schreibt hierzu sehr treffend: „Kein Erziehungsmittel aber war besser für die Verwirklichung dieser Ziele geeignet als der Sport. Er bekam in der nationalsozialistischen Pädagogik
eine Schlüsselposition.“ 28 Ausgehend von dieser Weltanschauung ist es somit folgerichtig, dass die Nazis gerade auch dem Sport eine völkisch-rassische Funktion beimessen mussten. So hatte der Sport vor allem die Aufgabe, die Reinheit der Rasse und ihr in sich schlummerndes Potential zu bewahren und zur Entfaltung zu bringen. Ganz in dieser Idee verhaftet hält Hitler die Ausbildung des Körpers durch Leibesübungen für wesentlich entscheidender als beispielsweise die Förderung geistiger Qualitäten. Er ist - wie bereits die alten Griechen - davon überzeugt, dass sich nur in einem gesunden und kräftigen Körper auch ein gesunder Geist entwickeln könne. Demnach sei es des Staates erste Pflicht, sich vor allem für die körperliche Gesundheit seines Volkes und erst
an zweiter Stelle um deren geistige Erziehung zu kümmern. 29 Bedeutsam ist in diesem Zusammenhang Hitlers Männer- und Frauenbild. Männer haben, wie wir noch sehen werden, hierbei einen viel höheren Stellenwert als Frauen. Dies zeigt sich alleine schon darin, dass er in Wahrheit nur die männliche Jugend meint, wenn er sich zur Erziehung der deutschen Jugend äußert. Mädchen bzw. Frauen
26 Siehe Müller, Norbert: Die Funktionen des Sports im Nationalsozialismus…. S. 1
27 Siehe Bohus: Sportgeschichte. Gesellschaft und Sport von Mykene bis heute. S. 150
28 Siehe Bohus: Sportgeschichte. Gesellschaft und Sport von Mykene bis heute. S. 150
29 Siehe Müller, Norbert: Die Funktionen des Sports im Nationalsozialismus…. S. 1 als auch Kliem: Sport in der Zeit des Nationalsozialismus…. S. 1 und S. 12
Sport im Nationalsozialismus 13
haben für ihn vorrangig den Zweck zu erfüllen, möglichst viele gesunde und vor
Kraft strotzende Söhne zu gebären. 30 Norbert Müller schreibt hierzu: „Durch Leibesübungen sollte der Mann zum >>Kämpfer<< und >>Helden<< erzogen, die
Frau auf ihre >>volksbildende Mutterrolle<< vorbereitet werden.“ 31
Wie hier schon anklingt, ist die völkisch-rassische Funktion untrennbar mit der militärischen Funktion des Sports im NS-Staat verbunden. Zwar wurden die Kriegspläne Hitlers immer wieder vehement geleugnet, in Wahrheit aber hatte man ab 1935 längst mit den Vorbereitungen für den nächsten Krieg begonnen. Bereits in Mein Kampf, der Bibel der Nationalsozialisten, hatte Hitler davon gesprochen, die Völker im Osten zu unterjochen und den Lebensraum für das arische Volk im Osten auszudehnen. Allein diese Absichtserklärung offenbart, dass ein Krieg von Beginn an eingeplant gewesen war. Infolgedessen wird verständlich, weshalb hier dem Sport eine weitere Aufgabe zugetragen wurde. Leibesübungen hatten also ganz im Sinne von Kampf ums Dasein auch für die Wehrhaftigkeit der Männer zu sorgen. In diesem Kontext ist zu betonen, dass in der nationalsozialistischen Leibeserziehung die Kraft als das oberste Leitmotiv angesehen wurde. So verwundert es kaum, dass Hitler sein Menschenideal in der
Verkörperung männlicher Kraft symbolisiert sieht. 32 Bezogen auf den Sport heißt es bei Kliem weiter: „Hans von Tschammer und Osten, Reichsportführer im Dritten Reich, proklamiert die Kraft als Grundbegriff nationalsozialistischer
Leibeserziehung.“ 33
Die politische Erziehungsfunktion zeigt sich darin, dass im Nationalsozialismus nur das Volk als Gesamtheit im Mittelpunkt ihrer Philosophie steht. Der Einzelne dagegen spielt nur eine untergeordnete Rolle, außer er trägt zum großen Ganzen, nämlich der Schaffung einer Volksgemeinschaft im Sinne Hitlers bei. Gemäß der
30 Siehe Kliem: Sport in der Zeit des Nationalsozialismus…. S. 9 sowie Bohus: Sportgeschichte. Gesellschaft und Sport von Mykene bis heute. S. 150
31 Siehe Müller, Norbert: Die Funktionen des Sports im Nationalsozialismus…. S. 1
32 Siehe Müller, Norbert: Die Funktionen des Sports im Nationalsozialismus…. S. 1 als auch Kliem: Sport in der Zeit des Nationalsozialismus…. S. 13f. sowie Bohus: Sportgeschichte.
Gesellschaft und Sport von Mykene bis heute. S. 149
33 Kliem: Sport in der Zeit des Nationalsozialismus…. S. 14
Sport im Nationalsozialismus 14
nationalsozialistischen Rassenideologie wird das Volk auch als ein großer Volkskörper verstanden, den es in seiner rassischen Reinheit zu erhalten gilt. Diesem Ideal hat sich der Einzelne mit seinem eigenen Leib unterzuordnen. Der Leib des Individuums wird somit zum Eigentum des Volkes und wird gewissermaßen zum Politikum erhoben. Ein individuelles Anrecht auf Sport oder Sport als bloße Freizeitgestaltung wird dem Bürger im Dritten Reich schlichtweg
aberkannt. 34 Bohus formuliert diesen Sachverhalt sehr treffend, wenn er sagt: „Der Sport wurde unter diesem Aspekt zum Dienst am Volke.“ 35 In direktem Bezug hierzu darf auch der von den Nazis propagierte Leistungsbegriff nicht unerwähnt bleiben. So kann es also nicht überraschen, dass nicht die Höchstleistung des Einzelnen als ehrenwert erachtet wurde, sondern die Gesamtleistung der Volksgemeinschaft im Zentrum des Interesses stand. Individuelle Bestleistungen waren nur dann genehm, wenn sie im Dienste des Volkes erbracht wurden. Darüber hinaus versteht es sich von selbst, dass es angesichts eines solchen Weltbildes auch keineswegs das Ziel sein konnte, den
einzelnen Menschen zum mündigen Bürger zu erziehen. 36 Um diese Ziele zu erreichen, bedurfte es neben der völligen Neuorganisation des Sports auch eine Neustrukturierung. Schon in Mein Kampf hatte Hitler das tägliche Sporttreiben im ideologischen Sinne gefordert, so dass im Rahmen jener Neustrukturierung des NS-Sports an allen Schulen die Wochenstundenzahl im Fachgebiet Sport auf 5 Stunden erhöht wurde. Auch an Universitäten wurde Sport zum Pflichtfach. Gemäß dem Ideal, den Mann zum Kämpfer auszubilden, fanden sportliche Aktivitäten wie zum Beispiel Boxen, Schießen, Ringen und Geländelauf Eingang in den Schulsport der männlichen Jugend. Vom Lehrer verlangte man eine
34 Siehe Müller, Norbert: Die Funktionen des Sports im Nationalsozialismus…. S. 2 als auch Kliem: Sport in der Zeit des Nationalsozialismus…. S. 14
35 Siehe Bohus: Sportgeschichte. Gesellschaft und Sport von Mykene bis heute. S. 150
36 Siehe Bohus: Sportgeschichte. Gesellschaft und Sport von Mykene bis heute. S. 151 als auch Müller, Norbert: Die Funktionen des Sports im Nationalsozialismus…. S. 2 sowie Kliem: Sport in
der Zeit des Nationalsozialismus…. S. 9 und S. 14
Sport im Nationalsozialismus 15
gewisse Leistungshärte, und er sollte sich „als pädagogischer Soldat in der
Schule“ bewähren. 37
In all diesen Aspekten wird ersichtlich, dass der Sport im Dritten Reich immer zweckgebunden verstanden wurde und untrennbar mit den politisch verfolgten Zielen verbunden war.
Abbildung 2: Offiziere von morgen 38
Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass der Sport im Sinne der nationalsozialistischen Erziehung auch oder gerade eine Erziehung zum Krieg
gewesen ist. 39
Führt man sich dieses Verständnis von Sport und die damit verbundenen Zielsetzungen vor Augen, dann fällt auf, dass diese Auffassung diametral zum Olympischen Geist und der damit verbundenen Friedensidee steht. Die Motivation der Nazis, die Olympischen Sommerspiele von Berlin 1936 trotzdem auszurichten, lässt sich somit alleinig damit begründen, dass ein solches Weltereignis die perfekte Gelegenheit bot, die Überlegenheit des deutschen
37 Siehe Kliem: Sport in der Zeit des Nationalsozialismus…. S. 10
38 Kliem: Sport in der Zeit des Nationalsozialismus…. S. 9
39 Siehe Müller, Norbert: Die Funktionen des Sports im Nationalsozialismus…. S. 2 als auch Bohus: Sportgeschichte. Gesellschaft und Sport von Mykene bis heute. S. 151 sowie Kliem: Sport
in der Zeit des Nationalsozialismus…. S. 8ff.
Sport im Nationalsozialismus 16
Volkes allen Völkern zur Schau zu stellen. Schließen möchte ich mit einer Passage von Bohus, der diese Argumentation noch einmal unterstreicht:
„Die Durchführung der Olympischen Spiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen und in Berlin entsprach im Grunde nicht dieser Konzeption. Der NS-Staat erachtete es jedoch als politisch unklug, die Weltöffentlichkeit durch eine Absage der Olympischen Spiele zu brüskieren. Zum anderen aber waren die Spiele eine hervorragende Möglichkeit, die nationale Geschlossenheit des deutschen Volkes und die Überlegenheit der
nordischen Rasse zu demonstrieren.“ 40
40 Siehe Bohus: Sportgeschichte. Gesellschaft und Sport von Mykene bis heute. S. 151
Propaganda und ihre Inszenierung 17
5 Propaganda und ihre Inszenierung
5.1 Die „Podbielski-Eiche“
In diesem Kapitel soll die Podbielski-Eiche als ein bedeutendes Symbol der schier unzähligen nationalsozialistisch geprägten propagandistischen Stilmittel und Elemente auf und um das Reichssportfeld herum stellvertretend herausgegriffen und in ihrer Sinnhaftigkeit kurz erläutert werden.
Abbildung 3 zeigt die Podbielski-Eiche am Olympischen Tor. 41
Die Eiche, welche ursprünglich am östlichen Rand des Deutschen Stadions gestanden hatte, erhielt im Jahre 1914 anlässlich des 70. Geburtstags von
DRAfOS 42 Präsidenten Victor von Podbielski, dem Förderer des Deutschen Stadions, ihren Namen. Im Rahmen der gewaltigen Neubaumaßnahmen um das Reichssportfeld musste diese Eiche jedoch weichen. Die heutige Podbielski-Eiche am Haupteingang zum Olympiastadion, direkt hinter dem Olympischen Tor, wurde entgegen mancher falschen Behauptung nicht verpflanzt, sondern stammt
aus dem Waldbestand, der sich noch vor dem Stadionbau hier befunden hatte. 43 In Anlehnung an die Antike hatte Werner March sie absichtlich an dieser Stelle stehen bzw. anpflanzen lassen. Die Eiche als der deutsche Baum sollte das Ebenbild zum heiligen Ölbaum repräsentieren, welcher ursprünglich am Eingang
41 Schäche & Szymanski: Das Reichssportfeld…. S. 84
42 Anm.: DRAfOS ist die Abkürzung für Deutschen Reichsausschuss für Olympische Spiele
43 Siehe Schäche & Szymanski: Das Reichssportfeld…. S. 85
Propaganda und ihre Inszenierung 18
des Zeustempels auf dem Heiligen Hain Olympias gestanden hatte und dessen Astwerk die Zweige für die Siegerkränze lieferte, mit denen die Olympiasieger geehrt wurden. Ganz in dieser Tradition verhaftet wussten die Nationalsozialisten auch dieses symbolkräftige Bild für sich zu vereinnahmen, indem sie nun die
Olympiasieger von Berlin durch Kränze aus Eichenlaub ehren wollten. 44 Wie bereits im Simplicissimus von Grimmelshausen ein Baum als Allegorie für den Staat oder für eine Nation diente, sah Werner March in der deutschen Eiche die
„deutsche Wiederkehr“ 45 als Volk und Nation symbolisiert. Auch hier wird die Verquickung von Sport, Antike, geschichtlicher Umdeutung und bewusst gestreutem politischem Kalkül sichtbar. Anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass die 1.800 Siegerkränze, die man in Berlin benötigte, in Wahrheit keinesfalls von dieser Eiche stammen konnten. In Wirklichkeit hatte man die Zehlendorfer Baumschule von Hermann Rothe für die Anfertigung dieser vielen Kränze dafür beauftragt. Geschäftstüchtig wie Hermann Rothe war, schlug er darüber hinaus vor, die Berliner Olympiasieger neben ihrer Goldmedaille und dem Diplom noch zusätzlich durch eine einjährige Stieleiche zu ehren, was beim Organisationskomitee auf regen Anklang stieß. Im Amtlichen Bericht des Organisationskomitees ist zu lesen, dass man diese kleinen Eichen als „schönes Sinnbild deutschen Wesens, deutscher Kraft, deutscher Stärke und deutscher
Gastfreundschaft“ 46 verstanden wissen wollte. Diese Verklärung antiker Symbolik vermischt mit nationalistischer Überheblichkeit ist gemeint, wenn Volker Kluge so treffend schreibt: „Es war die pseudosakrale Formensprache eines March und Diem, die aus dem Reichssportfeld eine mystische Stätte machte und die ihre
Anleihen aus der Antike und einem angebräunten Germanenkult bezog.“ 47
44 Siehe Kluge: Olympiastadion Berlin. Rundgang durch das ehemalige Reichssportfeld. S. 13 als auch Kluge: Olympiastadion Berlin. S. 91
45 March: Bauwerk Reichssportfeld. S. 13 - zitiert nach Kluge: Olympiastadion Berlin. S. 91
46 Ok. Berlin 1936: The XI th Olympic Games Berlin, 1936. Official Report: Volume I, part 1, S. 127
47 Siehe Kluge: Olympiastadion Berlin. S. 91
Propaganda und ihre Inszenierung 19
5.2 Die Olympiaglocke und das Olympia-Logo von Berlin
Wie bereits im vorangegangenen Kapitel deutlich wurde, hatten die Nazis eine Vorliebe für eine pseudosakrale bzw. kultisch anmutende Symbolsprache. Als das pseudoreligiöse Sinnbild schlechthin muss in diesem Zusammenhang das für die Berliner Spiele von 1936 kennzeichnende Olympia-Logo, die Olympiaglocke gewertet werden. Die Organisatoren hatten sie als weiteres Symbol zu den drei klassischen Olympischen Erkennungsmerkmalen Coubertins, das Olympische Feuer, die Olympischen Ringe und den Olympische Eid, hinzugefügt und durch ihre eigene Bildsprache erweitert.
Wie war es zu diesem Logo gekommen? 1932 beauftragte der amtierende Präsident des Organisationskomitees, Dr. Theodor Lewald, den Berliner Grafiker Johannes Boehland, ein offizielles Signet für die Olympischen Spiele von Berlin zu entwerfen. Boehland, der sich 1932 in Los Angeles an den dortigen Kunstwettbewerben mit Plakaten für den AvD beteiligt hatte und sich auch bei den Nationalsozialisten einen Namen machen konnte, ersann daraufhin ein Siegel, welches einen Reichsadler mit den Olympischen Ringen und dem Brandenburger
Tor als Wahrzeichen Berlins aufwies. 48 Laut Amtlichem Bericht des OK heißt es, dass Dr. Lewald zunächst von dieser Lösung wenig angetan war, jedoch ein
glücklicher Zufall ihn auf die Idee einer Glocke als sinnstiftendes Logo brachte. 49
Gleich darauf erhielt Boehland erneut den Auftrag, jedoch dieses Mal eine Glocke als Emblem für die Briefköpfe und Drucksachen zu entwerfen. Wie gewünscht fertigte er ein solches Glocken-Logo an, welches er neben dem Reichsadler und den Olympischen Ringen nun auch noch mit dem Schriftzug „Ich rufe die Jugend
der Welt“ 50 versehen hatte. In Anlehnung an die Schillerglocke von Schaffhausen und bezugnehmend auf die berühmte Ballade Lied von der Glocke des gefeierten deutschen Dichters Friedrich Schiller, wo es heißt: „vivos voco. mortuos plango.
48 Siehe Bellinger: Funktionen und Methoden der propagandistischen Inszenierung…. S. 30 als auch Kluge: Olympiastadion Berlin. S. 88
49 Ok. Berlin 1936: The XI th Olympic Games Berlin, 1936. Official Report: Volume I, part 1, S. 111
50 Kluge: Olympiastadion Berlin. Rundgang durch das ehemalige Reichssportfeld. S. 16
Propaganda und ihre Inszenierung 20
fulgura frango“ 51 - zu Deutsch: „Die Lebenden rufe ich. Die Toten beklage ich. Die Blitze breche ich.“ 52 , hatte er diese Worte als Pendant hierzu gewählt.
Abbildung 4 zeigt das von Johannes Boehland entworfene Logo der Spiele. 53
Kurz darauf war für das Organisationskomitee klar, dass es neben diesem Emblem auch eine echte Glocke als Wahrzeichen für die Olympischen Spiele von Berlin geben müsse. Konnte man doch gerade mit Hilfe dieses kirchlich-religiösen Elements die olympische Friedensidee und ihre damit verbundenen Ideale wunderbar mit dem Anschein des Sakralen verbinden und gleichzeitig für seine wahren propagandistischen Absichten instrumentalisieren. Ähnlich einer Kirchenglocke, die die Gläubigen zum Gebet ruft, sollte die Olympiaglocke die Olympischen Spiele ein- und ausläuten und durch ihr Erklingen wichtige Entscheidungen ankündigen. So beauftragte Theodor Lewald dann auch bald den Bildhauer Walter E. Lemcke, nach Boehlands Skizze ein Modell einer Glocke zu entwerfen. Dieses hatte er im Mai 1933 fertiggestellt. Es zeigte auf der Vorderseite das Brandenburger Tor und auf der Rückseite einen mächtigen Reichsadler, der über den perspektivisch kleineren Olympischen Ringen thronte und diese mit seinen Krallen festhielt. Zusätzlich zu einem Hakenkreuz hatte er am unteren Glockenrand sowohl das Motto der Spiele Ich rufe die Jugend der Welt als auch den Schriftzug 11. Olympische Spiele Berlin verewigt. Führt man sich diese Bildsprache genauer vor Augen, so wird sehr schnell deutlich, was die Nationalsozialisten in Wahrheit von den Olympischen Spielen und ihren
51 Siehe Kluge: Olympiastadion Berlin. S. 88
52 Siehe Kluge: Olympiastadion Berlin. S. 88
53 Siehe Kluge: Olympiastadion Berlin. S. 87
Propaganda und ihre Inszenierung 21
völkerverbindenden Idealen hielten. Bereits in ihrem Logo offenbarten sie, verkörpert durch die Abbildung des Adlers, ihre rassenideologische
Überlegenheitsphantasie und ihren Anspruch nach allumfassender Macht. 54
Anzumerken ist noch, dass Lemcke ursprünglich eine wesentlich kleinere und leichtere Glocke geplant hatte. Er verwarf jedoch diese Pläne und modellierte die Olympiaglocke in Anlehnung an die größte Glocke des Erfurter Doms, der Mutter aller Glocken. Interessant ist zudem, dass zum Zeitpunkt der Auftragsvergabe für die Glocke noch nicht geklärt war, wo diese später einmal hängen sollte, denn der Führerturm war bis dato in den Bebauungsplänen des Reichssportfeldes noch gar nicht vorgesehen.
Im Sinne einer Stiftung erklärte sich daraufhin der Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation AG bereit, die größte Stahlglocke der Welt mit einem Gewicht von 13.000 kg zu gießen. Die anschließende Überführung von Bochum nach Berlin wurde medial von den Nazis geschickt in Szene gesetzt und somit zum nationalen Ereignis. Mit Hilfe eines Spezialwagens der Reichsbahn transportierte man die Olympiaglocke in 11 Tagen von Ort zu Ort. Schon die Übergabe der Glocke durch das Bochumer Werk an das Organisationskomitee wurde von Theodor Lewald und dem Reichssportführer von Tschammer und Osten dazu genutzt, in feierlichen Reden auf das wieder auferstandene Deutschland hinzuweisen. Der Transport wurde regelrecht zu einem Siegeszug inszeniert und bot schon einen Vorgeschmack auf die propagandistische Instrumentalisierung, die noch folgen sollte. So übertrug beispielsweise der Rundfunk die gesamte Fahrt und berichtete von den zahlreichen Feierlichkeiten, die anlässlich dieses Ereignisses anberaumt worden waren. Die groß angelegte Berichterstattung rund um die Glocke hatte zum Ziel, eine möglichst breite Menschenmasse zu erreichen und auf diese Weise die olympische Vorfreude im Volk zu entfachen. Um sich ein besseres Bild von jenem perfekten Schauspiel machen zu können, möchte ich an dieser Stelle eine Passage von Christian Bellinger anführen. Dort heißt es:
54 Siehe Bellinger: Funktionen und Methoden der propagandistischen Inszenierung…. S. 30 als auch Kluge: Olympiastadion Berlin. S. 88
Propaganda und ihre Inszenierung 22
„Ehrenwachen der Hitler-Jugend und des Reichsarbeitsdienstes marschierten auf. Es wurden Ansprachen gehalten und Marschmusik gespielt, was die nationale Sinngebung der Glocke noch verstärkte. Die SA-, SS-Männer und politische Leiter gaben der Glocke das Ehrengeleit, die Motorstaffel des NSKK fuhr auf und Fackelträger umrahmten den
Wagen.“ 55
Abbildung 5 zeigt eine Ehrenwache für die Olympiaglocke. 56
Mit der Ankunft in Berlin am 26. Januar 1936 und der Übergabe der Glocke an das Organisationskomitee war der Spuk dann vorbei und eine sehr erfolgreiche Werbeaktion fürs Erste beendet. Neben der bereits eingangs angesprochenen religiösen Symbolik der Glocke muss jedoch noch auf eine darüber hinaus gehende Bildsprache verwiesen werden. So war die Glocke, da sie von deutschen Arbeitern und aus deutschem Stahl angefertigt worden war, auch als Wahrzeichen für deutsche Wertarbeit zu verstehen. Berücksichtigt man ferner noch, dass sie später im Glockenturm der Langemarckhalle, dem Ort des Gedenkens an die vielen gefallenen deutschen Soldaten des ersten Weltkriegs, ihren Platz finden sollte, lässt sie sich auch als Sinnbild für den Opfertod interpretieren. In diesem Zusammenhang darf außerdem deren Inschrift Ich rufe die Jugend der Welt nicht unbeachtet bleiben. Konnte man das olympische Motto als Aufruf zum friedlichen Sich-Messen der Völker verstehen, wurde auch diese Botschaft von den Nazis für ihre Absichten umgedeutet. Denn in Wahrheit sollte das Geläut die deutsche
55 Siehe Bellinger: Funktionen und Methoden der propagandistischen Inszenierung…. S. 31
56 Ok. Berlin 1936: The XI th Olympic Games Berlin, 1936. Official Report: Volume I, part 1, S. 115
Propaganda und ihre Inszenierung 23
Jugend an die Notwendigkeit der täglichen Leibesübungen erinnern mit dem Ziel,
die Wehrhaftigkeit des deutschen Volkes zu garantieren. 57
Trotz des großen Aufwands erklang die Glocke während der Olympischen Spiele 1936 nur zweimal, zur Eröffnungsfeier und zur Abschlusszeremonie. Aufgrund ihrer Gussstahlfabrikation besaß sie einen wenig ansehnlich dumpfen Klang, so dass man von einer weiteren Verwendung Abstand nahm. Mit der Zerstörung des Glockenturms im 2. Weltkrieg wurde auch die Olympiaglocke stark beschädigt. Heute steht sie als mahnendes Denkmal an der Nordseite des Olympiastadions
und erinnert an die im Krieg verstorbenen Olympiateilnehmer. 58
Abbildung 6 zeigt die ehemalige Olympiaglocke als Denkmal 59
57 Siehe Bellinger: Funktionen und Methoden der propagandistischen Inszenierung…. S. 31f.
58 Siehe Bellinger: Funktionen und Methoden der propagandistischen Inszenierung…. S. 32 als auch Kluge: Olympiastadion Berlin. Rundgang durch das ehemalige Reichssportfeld. S. 16
59 Siehe Kluge: Olympiastadion Berlin. Rundgang durch das ehemalige Reichssportfeld. S. 16
Propaganda und ihre Inszenierung 24
5.3 Der Olympische Fackellauf
Der Olympische Fackellauf als neu ins Leben gerufener vorolympischer Ritus muss zweifellos als der mediale und propagandistische Höhepunkt der nationalsozialistisch geprägten Olympischen Spiele von Berlin bewertet werden.
Zwar genossen Großstaffelläufe 60 oder Eilbotenläufe, bei denen man zu festlichen Anlässen Grußbotschaften symbolisch überbrachte, bereits lange vor den Olympischen Spielen von 1936 bei der Deutschen Turnerschaft eine große Tradition, doch besaß keine dieser Staffeln eine solch immense symbolische Ausstrahlungskraft wie der Olympische Fackellauf von 1936. Wer die Idee zum Fackellauf beisteuerte, ist bis heute von der Wissenschaft nicht eindeutig geklärt. Häufig fällt in diesem Zusammenhang der Name Carl Diem als Schöpfer jener Idee, doch ist diese Darstellung etwas verkürzt. Schenkt man dem Amtlichen Bericht des Organisationskomitees Glauben, dann wurde zunächst von Ministerialrat Haegert aus dem Reichsministerium für Propaganda ein großangelegter Staffellauf angeregt. Im weiteren Verlauf griff Carl Diem diesen Gedanken erneut auf und erweiterte ihn in Anlehnung an das heilige olympische
Feuer zu einem symbolträchtigen Fackellauf. 61 1934 war man schließlich mit den Planungen hierzu so weit fortgeschritten, dass man seine Vorstellungen dem IOC präsentierten konnte. Unter großer Begeisterung für diese Idee erteilte es infolgedessen 1935 die Genehmigung zur Durchführung eines solchen Vorhabens.
Am 20. Juli 1936 war es dann so weit. Um 12 Uhr mittags wurde im Rahmen eines kultisch anmutenden Weiherituals das Olympische Feuer in den Ruinen des heiligen Hains von Olympia von 13 jungen antik gekleideten Frauen mit Hilfe eines Hohlspiegels der Firma Zeiss entzündet. Bevor sich der erste von 3.400 Fackelläufern auf die insgesamt 3075 km lange Strecke begab, wurde die Flamme
60 In diesem Zusammenhang sei darauf verwiesen, dass beispielsweise die Deutsche Turnerschaft schon in der Kaiserzeit unter großem öffentlichem Interesse eine Sternstaffel mit insgesamt
40.000 Läufern zur Einweihung des Völkerschlachtdenkmals zu Leipzig durchgeführt hatte.
Vergleiche hierzu Bellinger: Funktionen und Methoden der propagandistischen Inszenierung….
S. 25
61 Siehe sowohl Bellinger: Funktionen und Methoden der propagandistischen Inszenierung…. S. 25 als auch Kluge: Olympiastadion Berlin. S. 91f.
Propaganda und ihre Inszenierung 25
zuvor noch vom Erzbischof von Tripolis gesegnet, und ein griechischer als auch deutscher Vertreter hielten jeweils noch eine kurze Rede. Um diesem Schauspiel möglichst eine internationale Bedeutung beizumessen und die Nationalsozialisten als tief im olympischen Geist verwurzelt erscheinen zu lassen, wurde das Zeremoniell per Rundfunk in die ganze Welt übertragen. Möchte man den Erfolg der NS-Propaganda um diesen Fackellauf in seiner Bandbreite besser verstehen, so ist es an dieser Stelle bedeutsam, sich die Symbolik des Feuers und deren verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten bewusst zu machen. Carl Diem als Sinnstifter dieses Laufs sah in der Flamme ein Symbol für die Reinheit verkörpert. An einem heiligen antiken Ort entfacht, sollte sie als Sinnbild für die geistigen Kräfte der Antike die Spiele der Neuzeit und der Jugend beseelen. Erinnert man sich an das von den Nazis angestrebte Ziel der Reinheit des deutschen Volkes, so ließ sich diese Symbolik sehr gut für die eigene Ideologie missbrauchen. Nicht nur der Lauf, der durch seine Streckenführung als völkerverbindendes Zeichen interpretiert werden darf, auch das Feuer als Urelement kann so gedeutet werden. Durch diese Vieldeutigkeit in der Symbolik des Feuers bestärkt, war es für die Nazis, die sich als Nachfahren der alten Griechen verstanden, geradezu naheliegend, den sakralen Schein des olympischen
Kults mit ihrer fast religiös zelebrierten Vaterlandsidee zu vermischen. 62
Die Strecke, welche im Übrigen minutiös vom Propagandaministerium ausgearbeitet worden war, führte von Athen über Delphi, Saloniki, Sofia, Belgrad, Budapest, Wien und Prag schließlich nach Berlin und durchquerte dabei sieben Länder, darunter Griechenland, Bulgarien, Jugoslawien, Ungarn, Österreich, Tschechoslowakei und Deutschland. Der gesamte Lauf wurde zu einem medialen Ereignis in nie zuvor gesehenen Ausmaßen. So hatte man extra einen Übertragungswagen des Reichsrundfunks entsandt, welcher den Tross begleitete und regelmäßig vom Verlauf berichtete. Leni Riefenstahl war mit ihrem Filmteam ebenso zugegen und filmte Sequenzen für den offiziellen Olympiafilm wie die offizielle Olympia Zeitung, die durch ihre ausführliche Berichterstattung vor allem das internationale Publikum informieren und in olympische Stimmung
62 Siehe Bellinger: Funktionen und Methoden der propagandistischen Inszenierung…. S. 25f.
Propaganda und ihre Inszenierung 26
versetzen sollte. Auch aufgrund ihrer großen Auflage war es dann vor allem der Olympia Zeitung vorbehalten, möglichst ausschweifend von allen Stationen zu berichten und den Fackellauf als reinen Triumphzug darzustellen. Berichte über Schmähungen und Demonstrationen gegen den Fackellauf, wie sie in Prag und in der Tschechoslowakei vor allem zu Tage traten, und wo die Fackelläufer durch das Militär sogar geschützt werden mussten, suchte man vergebens.
Wie bereits angedeutet war der Ablauf vom Propagandaministerium aufs Genaueste geplant. So wurden die Fackelläufer vor allem in den Großstädten von großen Menschenansammlungen phrenetisch empfangen. Bellinger schreibt hierzu:
„In den Hauptstädten versammelten sich große Menschenmassen um die Ankunft der Flamme und des Fackelläufers mit Volksfesten und Weihestunden zu feiern. Reden, Hymnen, Glockengeläut und Fahnen waren stets gegenwärtig. […] Die Begeisterung der Menschen war Berichten
zufolge überall gewaltig.“ 63
Bei der Ankunft in Wien am 29. Juli 1936 hatte man sich etwas Besonderes einfallen lassen. Hier wurde die Olympische Fackel darüber hinaus noch durch eine Lichtinszenierung geehrt. In der Tschechoslowakei, wo die Nazis es nicht versäumten, ihre Gebietsansprüche hinsichtlich des Sudentenlandes subtil zu unterstreichen, kam es infolgedessen zu Ausschreitungen gegenüber dem Fackelzug. Auch diese Begleitumstände wusste die Propaganda geschickt für ihre Zwecke zu nutzen, so dass ab dem Grenzübergang die militärische Präsenz nun fast allgegenwärtig war. Überall waren SA-Männer zu sehen, die mit ihrer Standarte die Fackelläufer begleiteten. Als die Fackel schließlich am 31. Juli in Deutschland eintraf, hatte man zu diesem Anlass SA-Formationen auflaufen lassen, die gesamte Strecke bis nach Berlin war mit Hakenkreuzfahnen gesäumt, und man begrüßte die Fackel unter Horst-Wessel-Lied Gesängen. Der Fackellauf wurde immer mehr zum nationalen Großereignis, zu einem perfekten Instrument der Selbstdarstellung. Als Schauplatz für den Höhepunkt dieser Selbstinszenierung hatte man den Lustgarten in Berlin auserkoren. In einer wahren Weihestunde, bei der neben 28.000 Angehörigen des Jungvolkes und circa
63 Bellinger: Funktionen und Methoden der propagandistischen Inszenierung…. S. 27
Propaganda und ihre Inszenierung 27
40.000 SA-Leuten fast die ganze deutsche Politprominenz anwesend war, wurde
die Olympische Flamme unter feierlichen Reden in Berlin empfangen. 64 Erst nach diesem Zeremoniell gelangte die Fackel über die Via Triumphalis ins
Olympiastadion.
Abbildung 7 zeigt die Ankunft der Olympischen Flamme im Lustgarten von
Berlin 65
Dem dreißigjährigen Fritz Schilgen wurde als Schlussläufer schließlich die Ehre zu Teil, das Olympische Feuer im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung zu entzünden. Fritz Schilgen hatten die Verantwortlichen gezielt ausgewählt, denn seine Erscheinung entsprach perfekt ihren Vorstellungen vom arischen Idealtypus. Auch hier hatte die Propagandaabteilung von Goebbels nichts dem Zufall überlassen.
Abschließend ist anzumerken, dass es den Nazis auf vortrefflichste Art und Weise gelungen war, mit Hilfe des Fackellaufs die Spiele in ihrem Sinne zu instrumentalisieren und von ihren menschenverachtenden Zielen abzulenken. Der Erfolg lässt sich auch darin bemessen, dass „diese (deutsche) Innovation bis heute
als Pioniertat und geglückter Beitrag zur olympischen Festkultur“ 66 angesehen werden kann und im Gegensatz zur Olympiaglocke in das rituelle Rahmenprogramm der Olympischen Spiele der Neuzeit aufgenommen worden ist.
64 Siehe Bellinger: Funktionen und Methoden der propagandistischen Inszenierung…. S. 28
65 Ok. Berlin 1936: The XI th Olympic Games Berlin, 1936. Official Report: Volume I, part 2, S. 533
66 Siehe Bellinger: Funktionen und Methoden der propagandistischen Inszenierung…. S. 30
Das Olympische Dorf bei Döberitz 28
6 Das Olympische Dorf bei Döberitz
„Olympischer Geist und Olympischer Frieden mögen hier herrschen vom ersten bis zum letzten Tage. Helft uns diesen Frieden zu wahren und zu achten! Das Dorf hat die deutsche Wehrmacht für die olympischen Gäste gebaut. Sie tat es aus sportfreudigem Herzen, weil sie eben sportlich gesinnt ist und der olympischen Idee treu. So heißt zugleich mit dem Deutschen Volk die Deutsche Wehrmacht alle hier als ihre Gäste herzlich
willkommen.“ 67
Abbildung 8 zeigt eine Original-Postkarte zum Olympischen Dorf bei
Döberitz von 1936. 68
In Elstal (Havelland) steht noch heute das ehemalige Olympische Dorf der Sommerspiele von 1936. Es wurde auf dem Truppenübungsplatz Döberitz 1934
bis 1936 von der Wehrmacht als „Dorf des Friedens“ 69 erbaut. Hier sollten die männlichen Athleten aus aller Welt untergebracht werden. Später, nach den Sommerspielen, wurde das Dorf von der Wehrmacht zu einer kasernenartigen Ausbildungsstätte umfunktioniert.
Die noch in ihren Grundzügen erhaltene Anlage steht seit mehreren Jahren leer, da fehlende Investoren eine spätere Nutzung nicht mehr möglich machten. Heute
67 Das Olympische Dorf, XI. Olympiade in Berlin. Berlin 1936, S. 166f. zitiert nach Dost: Das Olympische Dorf 1936 im Wandel der Zeit. S. 26
68 Dost: Das Olympische Dorf 1936 im Wandel der Zeit. Einband Rückseite
69 Siehe Dost: Das Olympische Dorf 1936 im Wandel der Zeit. S. 5
Arbeit zitieren:
Werner Pres, 2010, Der Olympiapark München 1972 und das Reichssportfeld Berlin 1936 unter Einschluss des Olympischen Dorfes bei Döberitz unter sporthistorischer Betrachtung , München, GRIN Verlag GmbH
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